Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 42 (23.5.1900)
- Date
- 1900-05-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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868 einen von Wehmuth getragenen Abschiedsgruß, im Namen der Gemeinde, seiner Schüler, Collegen, wie auch im eigenen Namen. Er schilderte ihn in beredten Worten, als strebsamen Kollegen als treuer Berather, als echten Juden. Es waren Worte, die jeeen Collegen erfüllten mit heiligem E.fer, glühender Begeisterung für den schweren, aber hehren Beruf. Am Grabe widmete der Sohn des Verstorbenen b"\ welcher Rabbiner in Laibach ist, seinem theuren Vater den Dank, Namen« der Mutter und der Kinder, für sein rastloses Streben, seine treue Fürsorge, seine hingebungsvolle Liebe. Mit einem G bete für die notw des Verstorbenen (von Dr. Lewinsky gesprochen), schieden wir von dem theueren Toten. Er wird so leicht nicht vergessen werden, denn die, welche Viele zur Gerechtigkeit führten, werden glänzen wie die Sterne, immer und ewig. Stern. Lehrer. Jnowrazlaw, 1^. Mai. Heute feierte das C. Auerbach'sche Ehepaar in seltener Rüstigkeit das Fest seiner goldenen Hochzeit. An diesem Feste nahm fast die ganze Gemeinde theil, ein lebhafter Beweis von dem hohen Ansehen, welches das Jubelpaar hier genießt. Herrliche Blumenspenden zeigten von der Liebe, die man dem Jubelpaare entgegenbrachte. Gegen 10 Uhr erschien der Vorsitzende des Vorschußvereins, bei dem Herr A. das Amt eines Kontrolleurs versieht, mit zwei Herren des Aufsichtsrathes und überbrachte die Glückwünsche des Vereins, einen kostbaren Tafelaufsatz überreichend. Um 11 Uhr erschienen die Herren Rabbiner der Gemeinde, A. Koh n und Bamberg er, der Vorstand der Gemeinde, das Repräsentantenkollegium mit ihren Vorsitzenden, Herrn Stadtrath Kurtzig und Commerzienrath Levy, die Mitglieder des Bed Hamidrasch mit ihren Vorstehern und verschiedenen Anderen. Nach einem einleitenden Gesänge von Angehörigen vorgei ragen, ergriff Herr Rabbiner Dr. Kohn das Wort und gratulirte Namens der Gemeinde. In gewohnter Meisterschaft schilderte der Redner anknüpfend an einen Vers des Propheten Secharja die Verdienste des Jubelpaares, sein Ansehen, das es hier genießt und schloß mit dem Priestersegen. Herr Auerbach dankte tiefgerührt in wenigen Worten für die allseitige Theilnahme, die man ihm an seinem heutigen Jubeltage entgegenbrachte. Nachdem der einzige Sohn des Herrn Auerbach, Herr Dr. meä. Auerbach, Berlin, den Eltern Namens der Familie seine Glückwünsche übermittelt, ergriff Herr Rabb. Bamberger das Wort, um dem Jubelpaar namens des B-th-Ham drasch, dessen langjähriger Vorsteher der Jubilar ist, zu gratulircn. In feinsinniger Weise schilderte er die Verdienste dcffclben um das Beth Hamidrasch und wies nach, wie der Jubilar gleich dem Priester im Tempel auch stets Priesterdienste im Beth-Hamidrasch verrichtet. Die Reden der beiden Herren Rabbinen machten auf das Jubelpaar, sowie auf alle Anwesenden, einen tiefen Eindruck. Die Gratulationsbesuche hielten den ganzen Tag an, und alle Besucher waren von dem Wunsche beseelt, daß es dem Jubelpaar auch vergönnt sein möge, das Fest seiner diamantenen Hochzeit in gleicher Frische und Rüstigkeit zu feiern! Hürden (Bayern.) Am Dienstag, den 17. Mai entschlief zu seinen Vätern des allseits hochgeehrte und geschätzte Kantor Herr IS. Lachmann, im Alter von 62 Jahren. Dem Schmerze und der Trauer um den Dahingeschiedenen gab Herr Rabbiner Dr. Cohn—Jchenhausen am Grabe beredten Ausdruck. Mit thränenerstickter Stimme schilderte er dessen pflichtgetreues Wirken als Kantor in hiesiger Gemeinde, wie der Verblichene voll Andacht und Inbrunst die traditionellen Weisen vortrug und durch seinen Gesang und Vortrag die Besucher des Gotteshauses begeisterte. An allen Vorgängen des gemeindlichen Lebens, von der Wiege bis zum Grabe, theilnehmend, erwarb er sich die Achtung und die Gunst seiner Gemeinde, die sich auch durch die zahlreiche Betheiligunq bei der Beerdigung auch seitens der nichtjüdischen Bevölkerung bekundete; galt es doch, einem treu besorgten Gatten und Vater, pflichtgetreuen Beamten und aufrichtigen Menschenfreunde die letzte Ehre zu erweisen. — Ein besonderes Verdienst erwarb sich der Verstorbene durch die Sammlung und Bearbeitung der traditionellen Synagogengesänge im südd. Ritus, welche er mit großem Fleiße und seltener Fachkenntniß vollführte. Der vor Kurzem erschienene 1. Band fand die beifälligste Aufnahme und wurde auch im „Israelit" rühmend beurtheilt. Stuttgart, 20. Mai. Die staatsrechtliche Kommission des württ. Abgeordnetenhauses berieth gestern eine Eingabe jüdischer Bürger aus Ulm, um Revision der Bestimmungen über die kirchlichen Rechtsverhältnisse der württ. Israeliten und beschloß, dem Landtage die Uebergabe der Bittschrift an die Regierung zur E:wägung zu empfehlen. Die Angelegenheit dürfte nächstens in der Kammer zur Verhandlung kommen. Frankreich. Paris, 16. Mai. Ein Riesenprozeß gegen den „Antijuif“ gelangte vor der ersten Kammer des Pariser Civilgerichts zur Entscheidung. Zweiundsünfzig israelitische Kaufleute, Industrielle und Grundbesitzer, deren Namen in der vom „Antijuif" veröffentlichten Liste angeführt waren, hatten Jules Guer in als Direktor und Radigois Chauteloub als Geranten und Drucker des „Antijuif“ gerichtlich verfolgt und zwölf derselben setzten gegen die Verklagten ein Kontumazurtheil durch, das ihnen je 50 ) Frcs. Schadenersatz zusprach. Gegen dieses Kontumazurtheil wurde Berufung eingelegt. In den vierzig