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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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687 Die Vereinseinnahmen waren die folgenden: Einmalige Beiträge 127 Mk., jährliche Beiträge 3172 Mk., nfcn des Grundkapitals von 80,000 Mk. 1126 Mk., Subvention der Deutsch-Israelitischen Gemeinde 1000 ‘JJi'arf. Die Ausgaben für 1899 ivaren: Küchen-Conto 7110.42 Mk., Unkosten-Eonto 266.84 Mk. Verlust im ssabre 1899: 1204.94 Mk., die dem Roulancefonds entnommen ivurden, dessen Saldo damit auf 762.61 Mk. rcvucirt ist. Der Vorsitzende bemerkte zu dieser Abrechnung, die von der Versammlung genehmigt wurde, das; der Vorstand bis jetzt das Princip verfolgt habe, alle bei ihm eingehenden Gesuche um Verabfolgung von Miktagsessen zu genehmigen; falls dem Verein jedoch nicht noch grössere Mittel zur Verfügung gestellt werden, sieht der Vorstand sich zu seinem Bedauern gen'öthigt, die Vereinsthätigkeit einzuschränken und die hungernden Kinder abzuweisen. Wie segensreich der Verein wirkt, erhellt am Vesten die Thatsache, dass derselbe in den Jabren 1891—99 insgesammt 269,096 Portionen warmen Essens vertheilt bat. Es wurde dann noch mitststbeilt, dass laut Schreiben der Justizcommission des Senats vom 10. Februar 1900 der „Verein zur Speisung bülssbedürftiger israelitischer Kinder" die Rechtsmlstakeit erlangt habe. d Bromberg, 10. April. Der „Israelit. Frauenve'-ein" hielt im Wichert'schen Lokale seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Vorsitzende des Vereins, io-rau Hedwig Russak. eröffnete und leitete die Versa minlnng. Nach dem von ihr erstatteten Jahresberichte betrug die Ginnahme im abgelaufenen Jahre 2112.70 Mark, die Ausgabe 2087.36 Mk. Bei der Vorstehennnen-Wabl sind wieder resp. neu gewählt worden: Frau Hedivig Ruffak, Frau Knopf und Iran Fink, als ^tellvertreterinnen Frau Renate Russak. Frau Begach und Frau Weisbein. Als Rendant wurde Herr Barnass ivieder- und an Stelle des bisherigen Schriftführers Herrn Weisbein, Herr Arnold Aronsohn neugewählt. Köln, 10. April. Ein schönes Beispiel von Edelmuth und Toleranz hat die jüngst verstorbene Frau Fo'ef Zimmermann Hierselbst gegeben. Sie hat dem katholischen Marienhospital, dem evangelischen Clara- Elstenstift und dem israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache je 6000 Mk. zu einer Bettstifiung verpackst. Ein ehrenvolles Andenken dieser freisinnigen und wohlthätigen Frau! LobscnS, 6. April. Am Dienstag den 6. Februar wurde das 30jährige Bestehen der hiesigen n-rn üch'n durch einen sehr erhebenden Festgottesdienst geleiert. Ehor und die Sologesänge des Herrn Cantor B a u m stein waren vortrefflich. Den Gipfelpunkt erreichte die Feier in der meisterhaften, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Festpredigt unseres Herrn Lehrer Bernstein, welcher es verstanden bar, seine Zuhörer zu ergreifen. Im Lewinskischen Hotel fand hierauf ein Festessen statt, wobei viele Reden und Toaste gehalten wurden. Rußland. Petersburg. (Eine jüdische Arbeiterst a d t i m Süden Rußlands.) Inmitten der großen, unwirthlichen Rokitnosümpfe, die im Süden Rußlands einen Länderstrich von der Größe des Königreiches Sachsen bedecken, liegt wie eine Oase die Stadt Pinsk, mit einer Einwohnerzahl von 30,000 Seelen, darunter 28,000 Juden. Bis vor ungefähr zwei Jahrzehnten fand sich in dieser Gegend keine Spur einer Industrie, jetzt finden wir dort, dank der Unternehmungs- und Arbeitslust der jüdischen Bevölkerung, einen schönen Anfang einer großen Industrie, die aller Voraussicht nach einer noch weiteren Entwickelung entgegengeht. Hier sehen wir, so schreibt die „Düna-Zeitung," bei den verschiedensten Abstufungen des Betriebes von der grossen, mit allen technischen Hilfsmitteln der Neuzeit versehenen, mehrere hundert Arbeiter beschäftigenden Fabrik bis herab zum kleinen Hausbetriebe die mannigfaltigsten Erzeugnisse entstehen. An der Seite des jüdischen Fabrikanten finden wir hier nicht allein ein jüdisches, commerzielles und technisches Personal, sondern auch den jüdischen Werkführer, den jüdischen Maschinisten, den jüdischen Heizer und ausnahmslos jüdische Arbeiter. Berücksichtigt man, daß alle diese Etablissements und Werkstätten nicht etwa von Philantropen aegründete Arbeitshäuser sind, um arme Juden zu beschäftigen, sondern auf Gewinn angelegte Unternebmunaen, die den Concurrenzkampf mit in- und ausländischen Industrien zu bestehen haben, so ist es selbstverständlich, dass eine strenge Organisation und eine tüchtige, fleißige und wohldisciplinirte Arbeiterschaar in ibnen vorhanden sein muss. Wenn um 6 Uhr Morgens die Dampspseifen an allen Enden der Stadt ertönen, dann sieht man die jüdische Arbeiterfchaar sich in Strömen durch die Gassen ergießen und an die Arbeit eilen. Dieselben Dampfpfeifen geben am Freitag Nachmittag das Signal zur Einstellung der Arbeit, denn strenge Sabbatruhe wird gehalten in dieser Arbeiterstadt und eilenden Schrittes kebrt Jeder zurück — nickst etwa um in die Schänke zu gehen — sondern heim in den Schoß seiner Familie. In den Fabriken, die auch Nachtbetrieb haben, wird die Arbeit am Samstag Abend wieder ausgenommen. Arbeiter und Arbeiterinnen versammeln sich in der Fabrik, die Feiertagskleider werden in eiaens hierfür bestimmten Räumen aeaen die Werktagskleider vertauscht, der Werkmeister svrickst den Segen, die Damvkmaschine wird in Bewegung gesetzt und die Wochenarbeit beginnt. Da hier alle jüdischen Feiertage berücksichtigt werden, so zählt man im Jabre gewöhnlich 280 Arbeitstage, und bei ununterbrochenem Betriebe wechseln die Tag- und Nachtschichten, die Nachtarbeit wöchentlich ab, wessbalb ans ieden Arbeiter jährlich 140 Arbeitstage und 140 Arbeitsnächte zu 11 Stunden entfallen.

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