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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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41. Jahrgang. Zweite Keil. )u M 30 & 31 des «Israelit". Leitender Artikel« Die Nahrung des gesunden o.' . Zur Verhütung nn<l Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fort,Setzung. *) Nicht selten kommt es in Folge irgend einer Gclegenheitsursache zu einer Selbstveribiunng der Schleimhaut an einer umschriebenen Stelle des Magens, es entsteht das sogenannte runde Magengeschwür das am häufigsten unter Bluterbrechen und heftigen Schmerzen sich offenbart; mit ihm geht zumeist eine starke Säureentwickelung im Magen Hand in Hand. Durchgehends findet man, dass das weibliche Geschlecht von dieser Erkrankung häufiger befreiten wird, als das männliche. Während das Magengeschwür gutartig auftritt und unter geeigneter Behandlung in kurzer Zeit ausheilen kann, ist eine Wucherung der Schleimhaut des Magens, der Krebs, welcher ungefähr durch ähnliche Symptome sich charakterisirt, — die Sa IzsäureentWickelungist allerdings vermindert die bösartigste Erkrankung des Magens und fährt stets unter allmählichem Kräfteverfall zum Tode.**) Sehr gross ist die Zahl derjenigen Magenkrankheiten, die, ohne dass sichtbare Veränderungen an den Verdauungsorganen nachzuweisen sind, auf nervöser Basis beruhen. Hierher gehört in erster Reihe die sogenannte nervöse Dyspepsie, bei welcher vorzugsweise nach der Mahlzeit, während der Verdauung, unangenehme Empfindungen auftreten; sie findet sich bei Männern anscheinend häufiger als bei Frauen. Alle nervösen Mageiierkrankuiigeu treten entsprechend dem wandelbaren Charakter der Nervosität in gar mannigfaltiger Gestalt in die Erscheinung. Bemerkenswerth ist dabei ein rascher, unerwarteter Uebergang des einen *) VerfiL Nr. 10 des „Israelit,“, ' *) Während das Magengeschwür meist Personen im mittleren Lehensalter heinisiieht, tritt der Krehs am häufigsten erst mich dem 40. Lebensjahre auf Krankheitsbildes in das andere; es findet ein auffallender Wechsel der Krankheitserscheinungen statt. Bald leidet die Muskelskraft des Magens, die Speisen bleiben infolgedessen im Magen liegen und geben zu Gährungsvorgängen Anlass; bald befinden sich wieder die Muskeln in leicht erregbarem Zustande und es kommt zu häufigen Krampfanfällen des Magens. Die Absonderung der Verdauungssäfte kann entweder verstärkt oder auch vermindert sein, so dass die Verdauung in beiden Fällen Notli leidet. Mit diesen Verdauungsstörungen gehen lästige Symptome einher, welche sich meist in Druck und Völle in der Magengegend nach jeder Nahrungsaufnahme, in quälendem Aufstossen, in Erbrechen oder Wiederkäuen von Speisen, Sodbrennen, schneller Heb er Sättigung oder gesteigertem Hungergefühl, sowie in Kopfweh, Herzklopfen, Müdigkeit nach den Mahlzeiten, in ungehaltenem Stuhlgange oder Diarrhoeen kundgeben. Als eine Folge vermehrter Muskelarbeit des Magens ist die Ausdehnung, die Erweiterung; desselben anzuselien. Das constaute Erbrechen unverdauter, schon vor längerer Zeit genossener Speisen, schmerzhafte Gefühle in der Magengegend, die sich oft bis zum Heisshunger steigern können, sowie ein Plätschern im Magen bilden die auffallendsten Zeichen dieser Erkrankung. Fast zu allen hier erwähnten Magenerkrankungen stellen die Juden in auffallender Weise ein grosses Oontingent. Entsprechend den in der Einleitung erwähnten Gelegenheitsursachen treffen wir bei den Juden am häufigsten die auf nervöser Basis beruhenden Magenerkrankungen an, sowie die chronischen Magenkatarrhe, welche dann meistens mit Stuhlträgheit und Bildung von Hämorrhoidalknoten einhergehen Es ist klar, dass bei allen Erkrankungen der Verdauungsorgane, mögen diese welcher Art immer sein, eine zweckentsprechende Diät eine der wichtigsten, wenn nicht gar den wichtigsten Faktor in der Behandlung bildet. Wenn je muss gerade bei der Behandlung Magenkranker der Ausspruch des alten jüdischen Arztes Isaac.l udäus*) ernsthafte Beachtung finden: „Steht Dir der Weg offen, durch Nahrungsmittel oder Arzneien zu heilen, so wähle den ersten.“ Die Ernährung bei Magenkrankheiten hat das eine Ziel im Auge zu behalten, die Thätigkeit *) Jn Aegypten i. J, 832 geboren, auch Isak ei Israeli genannt, von Prof. Sprengel als einer der besten diätetischen Schriftsteller des Mittelalters bezeichnet.

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