Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 30-31 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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63 9 Papst Clemens VI., der den Juden günstig war, gestattete deren Rückkehr. So finden wir a. 1343 wieder zwölf jüdische Familien im Ghetto von Carpentras. Da diese größtentheils arm waren, so brauchten sie, anstatt der bisher üblichen Jahressteuer von 18 Livres, nur noch vier Sous jährlich und pro Kopf Zu Zahlen, bis zu dem Zeitpunkte, wo 90 Familen sich dort niedergelassen haben werden. Gleichzeitig erhielten sie die Erlaubniß, eine Synagoge zu bauen und einen Begräbnißplatz zu erwerben. Die entsprechenden Verträge wurden 1367 erneuert bezw. ergänzt. Dieses Verhältniß dauerte bis 1385. In diesem Jahre wurde den Juden eröffnet, daß sie ihre Abgaben wieder in der früheren Höhe von 18 Livres zu entrichten hätten, worüber ein notarieller Vertrag abgeschlossen wurde. Um jene Zeit wurden auch verschiedene Naturalabgaben, die bisher den Juden auferlegt waren, wieder aufgehoben und in bestimmte Geldleistungen umgewandelt. Die Juden Zahlten dieselben, aber mit Widerwillen. Verweigerten sie die Zahlung, wie dieses a. 1513 der Fall war, so wurden sie durch die päpstliche Gerichtsbarkeit zwangsweise dazu angehalten. In den Jahren 1670 und 1693 mußten die Juden zeitweise die Stadt verlassen, fanden aber bald wieder Aufnahme. 1671 wohnten 57 Juden in Carpentras. Judenverfolgungen in den Jahren 1512 unb 1682 werden von Zunz erwähnt. Im Jahre 1760 wohnten 1200 Juden in Carpentras. Während noch a. 1781 ein neuer Vertrag mit neuen und erhöhten Abgaben stipulirt wurde, ging das Abhängigkeitsverhältniß der Juden von Carpentras zu der geistlichen Behörde bald seinem Ende entgegen. Durch die französische Revolution hörte die Grafschaft auf zu exiftiren und die bischöflichen Rechte gingen auf den französischen Staat über. Die Juden athmeten erleichtert auf unter dem Sonnenschein der Freiheit und Gleichheit. Wenn wir uns jetzt dem inneren jüdischen Leben von Carpentras zuwenden, so haben wir zunächst festzustellen, daß in der dortigen Synagoge ein besonderer Ritus herrschte, der vielfach jenem von Avignon glich, aber auch nach mancherlei Richtung von jenem abwich, worüber bei Zunz (Ritus S. 50 u. a. O.) näheres nachzulesen ist. Eine Gebetordnung für die Festtage wurde unter dem Titel px-ivnsnp -ns in Amsterdam (1759) gedruckt. Unter den dortigen Gelehrten sind folgende Namen hervorzuheben: 1. Hanan b. Natan Esobi, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. 2. Abraham Malachi, lebte im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts und wird hinsichtlich seiner dichierischen Begabung als „göttlicher Prophet" bezeichnet. 3. Abraham b. Isaak, der früher in Montpellier wohnte und unter seinen Zeitgenossen in Ehren und Ansehen stand. 4. Mordechai b. Isaak, der ebenso, wie der Vorgänger, am Streite gegen Maimonides theilnahm und von Abba Mari von Lunel sehr gelobt wird. 5. Von der Mitte des 14. Säc. bis zur Mitte des 16. Säc. werden verschiedene jüdische Aerzte in den Listen der Juden von Carpentras erwähnt, unter denen besonders der Rabbiner Isaak Josua de Lottes hervorzuheben ist, der gegen 1540 in Carpentras wohnte. 6. Chajim Crescas, Isaak Leon und Jacob Vidal, die vermutlich gegen 1583 dort Rabbiner waren. 7. Jesse und Salomon Lion werden 1629 als dortige Gelehrte genannt. 8. Salomon b. Jehuda Esobi, geboren in Sofia, wirkte 1620—1633 als Rabbiner in Carpentrao, er ist ebenso als gelehrter Talmudkenner und berühmter Prediger, wie als Kenner der Astronomie geschätzt und verkehrte viel mit gelehrten Zeitgenossen. 9. David b. Joseph Karmi, Schüler des Vorigen; den Namen Karmi (Kremieux) trugen verschiedene berühmte Männer aus Carpentras; a. 1682 lebte dort ein liturgischer Dichter Namens Elia Karmi, der unter dem Titel “vnn no die in den oben genannten ni^np herrschende Gebetordnung zusammenstellte (Avignon 1667). 10. Mordechai Astruk, der gelegentlich der früher erwähnten Verfolgung von 1682 ein liturgisches Lobgedicht verfaßte. 12. Saub b. Joseph, Verfasser einer Poesie bei der gleichen Veranlassung und eines Buches D^n mrrrs\ 13. Mordechai b. Jakob, gegen Ende des 17. Säc., Verfasser eines Klageliedes auf das Martyrium des hasmonäischen Hohepriesters Eleasar. 14. Juda Arje Löb b. Zebi Hirsch aus Krotoschin, lebte in Carpentras am Anfang des 18. Säc. Er ist Vers, von nmn' 'd.nrr, von nun' vaf von m» und min’ pbn* 15. Mose Sinai, berühmter Rabbiner in Carpentras, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, der über eine eherechtliche Frage mit mehreren Gelehrten in Bayonne Gutachten wechselte.*) (* Quellen: Revue des etudesjuives, Bd. XIr; Gross, Gallia judaica. -b Dersonatien. -fr Berlin, 10. Aprl. Ein soeben aus Danzig hier eingetroffenes Telegramm meldet, daß dort an Stelle des nach Berlin gehenden Herrn Dr. Blumenthal Herr Landrabbiner Dr. F r e u d e n t h a l aus Dessau einstimmig gewählt worden ist. E. R. Jever (Oldenburg). Herr Lehrer Löwenst e i n feiert am 29. April das Fest seiner 25-jährigen Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde. Frankfurt a. M. Schillerstr. 41. ### neben Caf«5 Bauer •£■£■£ Sensal: Für Immobilien-Hypotheken und Finanzirungen. [6857