Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2146 (10.2.1925)
- Date
- 1925-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iPoigg 20iroir;I Wien; 2am Abholen in der Etpeefition. fl. Tahorstr. 1*3, 06» Hi einer VergeMeiastelle glrafflt) monatl. K 50.0CK trassenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wonzeile 11 Mit Postversand für Wien o Oesterr. monatl. K 50.000 T»eheeh o-SI owik ei Mob. K 22 loeoalawien: Mob. Dinar 60. P o I e n: Mob. 4 Zloty, Deutschland: Mob. Geldmark 4, F r a n V % Belgien: Mob. Frcs. 18 MT Naefctahi«af«e "MW W PntieMlimfM wrMialhM »r. 214« _ Wiener Momenreiümg Oien, Stenstog, 10. Februar 1020 I p.Pi. n anoö| England: Mob.4Schilling, Italien: Monat'- 18 1 ire, RnmioirnMon. 1701 ei, Bulgarien Mon. ^0 l ewa, Schweiz and das übrige Ausland monatlich Fr cs. 5. Redaktion ti. Administration Wien II., Tahorstr. 1—3 Telephone: 44*0-38,43-3-19, AhßUhr abds. 21 -102.25-282 X. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehischea Poetsparkasaen-Konto Nr. 150.603?. Oabraaug Ae Lebenden vvd die Toten. —y. Wie«, 10 Februar. Gins Frage unserer Zeit: Welcher NationS- oder Askigionszugehorigkeit waren zu Lebzeiten die Leichen, die auf den Seziertifch der klinischen Anatomie kommen? An ungarischen und rumänischen Hochschulen nämlich hat sich die antisemitische Agitation, die bekanntlich an vlles denkt, auch der jüdischen Leichen bemächtigt. Der schöne Zug jüdischer Pietät, die in Spitalsstuben einsam gestorbenen Volksgenossen'in die -Obhut der großen Familie der Gomeinfchaft zu übernehmen, ist eine Quelle widerlichster Verleumdungen und Denunziationen geworden. Er ist tatsächlich Gegenstand von Demonstrationen, lärmenden Unruhen und hochoffiziellen Verhandlungen geworden. Die Majestät des Todes, vor der sonst der Streit schweigt, ist hier beiseite, getreten und kommt angesichts toter Juden nicht in Betracht. Es wird behauptet, daß der Akt der Pietät ein Ausfluß des verruchten jüdischen Hochmuts sei, der nur den Körper des' Nichtjudem für geeignet halte, von der Knochensäge und dem Skalpell des ärztlichen Adepten zerlegt zu werden. Die rumänische Regierung hat inzwischen nach einer über Wunsch der jüdischen Bevölkerung. abgehaltenen Enquete eine loyale Regelung der Angelegenheit vovgenommen. Die jüdischen Leichen werden,' von nun an seziert Trotzdem haben die Hakenkreuz-Studenten der Cuza-Richtung ihre Exzesse wiederholt und Hu» Mischen Kollegen aus der Bukarester Hochschule Mtrieben. Das ist der Beweis, daß es gar nicht um die Leichen geht, sondern nur M einen willkürlich artfge^ griffenen Anlaß zum Krawall.. . . Der Judenhaß ist niemals um. Prypagandawittel verlegen. Er begleitet den jüdischen Menscyen vom Eintritt in das Leben bis zum Ende und, wie wir hier sehen, läßt er sich auch nicht vom Tode stören. In letzter Zeit hören wir ausfallend oft von Schändungen jüdischer Friedhöfe, und nun sind es sogar die Spitalsleichen, die dafür büßen Misten, daß sie im Leben Juden waren. Darum handelt es sich nämlich. Unter der Maske irgend einer dummen Ausrede soll wieder die jüdische Gemeinschaft beleidigt werden. Nichts ist so töricht, daß es nicht als Grundlage für eine Hetze dienen kann, und das Kapital der sezierten Judenleichen ist eines der widerwärtigsten in dem. so großen Buch vom Antijudentum. Es wir-» jetzt wieder bervorgeholt und soll dazu dienen, eine neue psychische - Begründung für das Martyrium der Juden an den Hochschalen zu liefern. Aus keiner änderen Anklage grinst die wutverzerrte Fratze des Hasses uns so mörderisch entgegen^ das Bestrel^n, der Minorität so reckst ihre Situation fiihlen zu lasten und ihr.zu. zeigen, daß sie nicht einmal im Tode Ruhe findet. In den Tagen der schwarzen Pest riß das in Angst und Schrecken rasende Volk die jüdischen Leichen aus den Gräbern und verbrannte sie als Angehörige des Volkes, das die Brunnen vergiftet haben sollte. Das waren Akte einer Bolksjustiz, die immerhin eine Rechtfertigung in der allgemeinen Umnachtung finden konnte. Die Studenten aber, die aus ihrer Hetzlitevatur — und es ist nicht so unnötig zu sagen, daß auch diese Literatur in Deutschland entstanden ist und von: Deutschland aus verbreitet wird — den Mut zum Kampfe gegen die Toten finden, meinen die Lebenden. Es ist keine Verirrung des Rechtsempfindens, sondern ein in kalter, boshafter Niedertracht ersonnenes Attentat, dessen Ausführung niemandem nützt, aber weite Kreise des Judentums kränkt und beleidigt. . Die Schürer dieser Art berufen sich gerne darauf, daß sie das ethische Prinzip der Gleichheit der Menschen vertreten. Diese Gerecht«,gkeitsapostel kämpfen in einem Atem für die völlige Entrechtung -des Judentums in Politischer und wirtschaftlicher Hinsicht, für seine Abschnürung, vom wissenschaftlichen Lehen. Ihr Ziel ist der große Pogrom, der der Existenz des Judentums in kürzerer oder längerer Frist ein radikales Ende setzt. Dis Bekenner dieses Programmes bilden in allen Staaten, die sie heimsuchen, große, wohlorganisierte Parteien, die sich aber voneinander nur durch die äußerlichen Merkmale der Sprache unterscheiden. -Die 'Hakenkreuzler in Deutschland, in Ungarn, in Rumänien stimmen im Das Ergebnis von Senf. Ae Resolution der NaanzkomNees. Genf, 9. Fsbrm«. Die FinanzkomwiPon des BWvvbmides hat sich bei der -samstägigen BornMagssitzimg, der die österreichische Delegation beiwohnte, eingehend mit der österreichisch e n Frage beschäftigt mrd sich auch gestern bis in die späten AbeMstumLen diesem Gegenstand j gewidmet. i Heute, 3 Uhr nachmittags, fand in Grgenwavt des österreichischen Finanzministers «nd seiner Begleitung eine Sitzung des Finnnzkomitees stabt. Das FinanKomitee hätte', im Lause des Dormitmgs dem östorvsichischen: Fmanznrmister sine. Resolution - übermittelt, die folgenden Wortlaut hat:. „Das FmanKmnttoe hat die Erklärungen des Gene ru lk o mmissä r s und des Vertreters der ö sterr ei ch i sche m Regierung bezüglich Lor Fovtschrötte des Mederaufbaiuplallies emschtteßlich der Ausführung des Moinrmens vom September 1924 in Erwägung gezogen. Was noch nicht düvchgefühvt ist. 1. Das. Komitee nimmt zur Kenntnis, daß eine Reihe rni September-vereinbarten' Mo ß nah men d u r ch geführt iwWenD.' EschomeM sohoch,' daß das B udW,t. pro 1925 vvm Parla mrnin och »i cht e rl edstgsi-. ist und^'bWeMV'' f f?,s ikaii sHe Reform « n 'dM ParloWnt'Porged' aber noch n r ch t e r l e d i g i sind. Dös FMänzkflmbtW bemeM Wetter, daß im allgeMeftoen die Administratwresormen noch nicht durchgeführt sind. Das . Komttee lenkt, die Msmerksamkeit uns die besondere Notwendigkeit der sofortigen und vollständigen Durchführung der restlichen Ford e. r U-n gen dos. Übereinkommens. 2. Das Komttee muß hervovheben, daß die speziellen und dotaiillttirten F-ooderungen des Septomberüboveinkommens keineswegs jene Bosirmmumgen des Pvotckolls und der OvlMalbevoMbarmrgen abäudern» die wicht ausdrückilich berufen sindi 3. In diesem ZüsälwMwhang . verwe'st das Komitee darauf, daß dieBestimmung, des Protokolls 3: „Die Nationalbank wird die Ausgaben eines Staatskassiers auszuüben, die Eiimahmen und Ausgabe^ zu zentratisieven und periodische Ausweise zu Terminen und in einer. Form aus-! zugeben haben,, die mit dem Generalkommissär festzusetzen sein wird," durch" die; österreichische Regierung n i ch t durchgeführt worden ist. Das Komitee glaubt nachi dvucklich darauf verharren zu muffen, daß die Rogie-rMg! so fo rt die nötigen Mäßnahmen zur D ur ch führung dieser Bestmvmmtg trifft, um so mehr als die Nichtdurch- ' führung dieses Systems die Wirkung des Kontvollsystems , und den Erfolg des WiederaüfbanPliMes ernstlich beein- : trächt'lgt hat. Diese Wtion wird in allen Belangen von der , österreichischen Regierung abhängen im Zusammenwirken mit der Kontrolle des' G-eneralkommistärs. 4. An zweiter Stelle bomerkt das Komitee, daß das österreichische Finanzministerium noch wicht demvttg organisiert stt, um ettve angemeffene KontrokkS über die AuSgabenvessortS auszuüben. Eine dieSbezüglSiche Reform wurde vom Anbeginn der Mederaufbmiperrode im Jahre 1922 von der Regierung verlangt. Der Rechnungshof als Konlrollovgan. 5. Ferner möchte das Komitee aus die großen Bor» teile Hinweisen, die die Mitwirkung des Rechnungshofes bei der Rech wungÄkontrolle nicht nur der HohÄMeüiva!!!- tnug, sondern auch der S^atAbetriiebe eimschließlich der Bahnen betrifft. Die Vorteile sind so augenscheinlich, daß düs Komitee überzeugt ist, daß es möglich ist, die Mitarbeit des Rechnungshofes mit dem Generalkomis-- s ä r bei gutem Willen der Regierung zur Erfüllung dieser Aufgaben zu erlangen. Es ist gleichfalls von größter Wichtigkeit, daß Oesterreich während der Tauer der G e n e r a l k o m i s s a r skontrolle ein Shstem zu entwickeln trachtet, daf eine , . wirkliche Kontrolle der österreichischen Regierung über die Ausgaben für die Zeit sicherstellt, in der die KoMröIe des.Generalkommissärs ihr Ende gefunden Zur ErreMüng^Ws Zieles firE lo ivR sa.me Koittröllhefugnisfe des Schatzamtes wie in änderen Länderst offenbar notwendig. Da vom 1. Jänner 1925 angefangen die Aule rhenerlöse nur zur Deckung des Abganges aus den produktiven Kapital'sa'ufwendungen freigegeben werden dürfen, ist es, uni die Freigabe des Generalkommistärs zu erlangen, unbedingt notwendig, daß er nicht nur das Programm solcher Ausgaben, sondern auch die bestätigten Erfolge und Fortschrittf der genehmigten Arbetten kenne. Steuern und Leistungsfähigkeit. Das Komitee ist 'glücklich, zu erfahren, daß die Rer gierung im Begriffe ist» die Verhandlungen mit den Länder« betreffend die Abgabenteilung zwischen Bund und Ländern wieder aufzunehmen. Das Komitee betrachtet dies als eine Frage von großer Wichtigkeit und wünscht der Regierung allen Erfolg bei den Verhandlungen. Es glaubt diesbezüglich bemerken zu können, daß einer dev wichtigsten Punkte des Septemberübereinkommens war, die budgetären Ausgaben des Staates im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit zu begrenz e n. Das Komitee hat wiederholt auf die e r n st l i ch c Gefährdung des Wirtschaftslebens des Landes durch seine Bestmerung hingewiesen, die seine finanzielle Leistungsfähigkeit überschreiten und die gesamte Belastung der Industrie zu schwer gestalten würde, um erfolgreich auf dem Auslandsmarkts zu konkurrieren. Es hofft infolgedesten, daß, was immer das Ergebnis dev Verhandlungen sein mag, diese keine Beeinträchtigung der Juberchunkt miteinander übepein und . wenden überall die gleiche AMHodik an. Sie sind einheitlich geleitet und stützen sich überall auf die intellektuellen und hcvlbintelleftuellen Wemente. Sie breiten das Kampfgebiet immer weiter aus und 'beacheiten mit aller Intensität die Hvchschulljugend, aus der die Führer der künftigen Generation hervorgehen. Was Heute gepredigt wird, das setzt sich in den jungen Seelen fest, und wird in der ZnEunft in'der Gesetzgebung zum Vorschein kommen, ist aber heute schon ein Gradmesser dafür, wie tief das kulturelle Niveau gesunken ist. Der Vernichtnngskampf gegen die Irden gilt ihnen soivohl als jüdischer Gefämthe-it, aber auch als einer für Frieden und Demokratie eintretenden Minorität, und die antisemitischen Parteien sind ülberall mit den Gruppen identisch, die die Beziehungen der Völker nach dem Prinzip der Macht, nach den Regeln eines militaristischen Blutvitua'ls regeln wollen. Sie sind eine Gefahr für die Welt geworden und man braucht, um dies zu erkennen, nur den Zustand der Menschheit zu betrachten, wie er sich seit zehn Jahren berausgebttdet hat, seit der entfesselte Chauvinismus fernen Krieg gegen das Recht begonnen bat. Wie diese internationale Gefahr zu bannen wäre, ist ein sehr wichtiges Probleni der Zeit. Das Jude.rtmn hat nur die Aufgabe artt keinem Punkt sich eirvschiichtern zu lasten und auf kr"n Recht zu verzichten, weder'auf das Recht der gesanrten Nation auf Land und Freiheit noch auf dw Rechts seiner Teilt in irgend einem Land. tm i .... n WlnterRäumungfverkauf ut tief reduzier ten 11,11 Hielfien im Warenhaus U [Schiffmann IMaMMNNMNMMiMiNMM II. Taborstraße 48 Tetnison 47-1*7» ' fit sros ln ditsil mmmmmmäamm *