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Der Israelit · 1915-07-01 · Heft 28 (1.7.1915) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 28 (1.7.1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 10. No. 28. h<Mx fyumttax&x gtaaefftt* 1. Juli 1915. werden mußte. In dieser Höhe wird der Beitrag von fast allen Kindern pünktlich entrichtet. Die Ermäßigung ist aber nur als eine vorübergehende Maßregel gedacht) beim Eintritt besserer Zetten soll dann wieder eine entsprechende kleine Erhöhung eintreten. Der Bericht gibt zum Schlüsse ein kleines Bild de- Hortbetriebes. Nach dem Eintreffen aus der Schule gehen die Schülerinnen unter Aussicht der Hortleiterin und ihrer Helferinnen an die Anfertigung ihrer Schularbeiten. Schwächere Schülerinnen erhalten in einzelnen Unterrichtsgegenständen regelmäßige Nachhülfedann wird ein Vesperbrot, bestehend aus 1j3 Liter Milch und Schwarzbrot eingenommen. An verschiedenen religiösen Freudentagen haben gütige Freunde durch Spenden von Obst und Marmelade deren Zöglingen eine große Freude bereitet. Die arbeitsfreie Zeit wird je nach der Jahreszeit ausgefüllt. Wenn irgend möglich, sollen sich die Kinder eine zeitlang im Freien tummelnab und zu wurden auch kleine Spaziergänge nach dem nahegelegenen Ostpark unternommen. Den Rest ihrer freien Zeit verwenden die Mädchen zur Anfertigung von Handarbeiten, wozu ihnen das nötige Arbettsmaterial gestellt wird, oder sie ergötzen sich an Spielen und lesen in guten Bücherrrder Grundstock zu einer kleinen Hortbibltothek ist schon geschaffen. An einem seftgelegten Nachmittag werden die Schülerinnen unter Leitung sachverständiger Damen in der Ausbefferung mitgebrachter Wäsche- und Kleidungsstücke unterwiesen. Ebenso werden die dazu geeigneten Mädchen zu den für den Hortbetrieb nötigen Arbeiten herangezogen, Auch an den Liebesgabenarbeiten für unsere Krieger beteiligen sich die Zöglinge gerne und ^§)er beigefügte Kassenbericht weist an festen Jahresbeiträgen für 1914 nur rund 2100 Mk. auf, eine Summe, mit der der Betrieb des Hortes in dem nunmehrigen Umfange kaum weitergeführt werden könnte, besonders wenn durch das weitere Anwachsen der Schülertnnenzahl die Anstellung einer zweiten bezahlten Lehrkraft nötig werden wird. Spenden und Grschenke aber sind in ihrem Ertrage schwankend. Möchten die Gönner des Hortes ihm nach Möglichkeit feste Beiträge gewähren, damit der Ertrag der Geschenke einem zu bildenden Kapitalfonds überwiesen werden könne, der in angemeffener Höhe vorhanden sein muß, wenn der Hort für die Zukunft sichergestellt sein soll. Einstweilen ist für diesen Zweck ein Vermögensgrundstock von 1000 Mk. vorhanden. Das kurhesftfche I«dc«gefetz. Die schon wiederholte Petition von Mitgliedern der Synagogengemeinde Gelnhausen aus Aenderung der kurheffischen Judengesetzgebung (es handelt sich darum, daß der Besteuerung für die Synagogengemetnden statt der jetzigen* Schätzung und Klaffensteuereinteilung die Staatseinkommensteuer zugrunde gelegt, die Aeltesten der Gemeinde nicht ernannt, sondern gewählt, der Gemeindevertretung Mitwirkung und Etnfluß gewährt und die Provinziallasten auf die Steuerkraft umgelegt werden sollen) hat abermals die Gemeindekommission des preußischen Abgeordnetenhauses beschäftigt. Abgeordneter Hengsberger legte die Berechtigung der Petition dar. Die Kommission beschloß, dem Plenum zu empfehlen, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Kirr AmtszrrVitLrrm. Am 1. Juli 1915 kann Fräulein Antonie Lepeh ne auf ihre 25jährige Tätigkeit als Vorsteherin des Mädchensttfrs zurückblicken. Aus diesem Anlaffe brachten auch die ehemaligen Zöglinge der Jubilarin herzliche und aufrichtige Glückwünsche dar. Möge es Fräulein Lepehne vergönnt sein, auch fernerhin jung an Geist und Körper wie bisher noch lange Zeit für ihre Zöglinge zu wirken, denen sie stets eine treue Helferin und kluge Beraterin ist. Neue Kandidaten für de« Wiener HVerravöiuerposten. Wir lesen in der Wiener „Neuen National- Zeitung": „Wie wir erfahren, ist die Kandidatur der Budapester Rabbiner Dr. Hevesi und Dr. Benetianer fallen gelaffen worden. In einer jüngst stattgefundenen Sitzung des Vertreter-Kollegiums, der auch Oberrabbiner Dr. Güdemann zugezogen wurde, kamen neue Kandidaten aufs Tapet. Es wurde beschlossen, diesbezüglich mit Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz und Rabbiner Dr. N o b e l in Frankfurt a. M. in Unterhandlungen zu treten. Sprechfaal. Aeue Wege für Mische Mädchen. Man schreibt uns: Durch die jüdischen Zeitungen geht jetzt das Mahnwort: „Wendet Eure Töchter der Landwirtschaft zu," und fühle ich mich berufen, aus eigener Erfahrung und Anschauung einige Worte dazu zu sagen. ' Durch Zufall kam ich, nachdem ich eine Reihe von Jahren in rein kaufmännischen Betrieben tätig war, zur Kriegsvertretung an einen großen landwirtschaftlichen Betrieb, der von alleingeseffenen und hochangesehenen Landwirten vor ca. 30 Jahren gegründet, heute ein hochentwickeltes lukratives Unternehmen ist, und dessen Produkte überall guten Absatz finden. Und da kam mir der Gedanke, warum gibt es noch nicht derartige jüdische Unternehmungen? Es müßte' doch für unsere orthodoxen Glaubensgenossen von großem Wert sein, einwandfreie rituelle Produkte kaufen zu können, welche besonders für Peffach schon allein reißenden Absatz finden würdenso manche Hausfrau könnte bei diesem Gedanken befriedigt aufaimen. Angeregt durch Herrn Dr. Arthur Kahns Bestrebungen, die Landwirtschaft den deutschen Juden aufzuschließen, komme ich nun dazu, über Milchwirtschaft in diesen Zeilen zu sprechen, zumal dieser Zweig der Landwirtschaft von großem Nutzen auch für den Kleinbesitzer ist, und nicht mit Unrecht werden „Ackerbau und Viehzucht" in einem Atemzug genannt. Der jetzt uns aufgezwungene Krieg hat das Wort „Umlernen" geprägt und ich glaube stark, daß unsere jüdischen Frauen und Männer auch „umlernen" werden müssen. Ich fürchte leider, daß nach dem Krieg ein großer Teil junger Mädchen aus ihren Stellungen herausgedrängt werden, denn man wird unseren Kriegsinvaliden in erhöhtem Maße die Stellungen einräumen, die heute von Buchhalterinnen und Korrespondentinnen eingenommen werdenda heißt es denn neue Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Wie wäre es denn, wenn junge Mädchen sich zusammentun würden, um je nach Vermögenslage ein Stück Land mit einem kleinen Wohnhaus zu pachten oder zu kaufen? Es müssen natürlich gute Weideplätze da sein oder geschaffen werden) nebenbei kann auch Gemüsezucht betrieben werden. Dann schafft in guter Arbeitsteilung jeder sein Tagespensum, bis die Woche herum ist und den frohen Arbeiterinnen ein schöner Schabbos kommt. Man geht gemeinsam spazieren, freut sich an der schönen Natur und wird immer glücklicher in dem Gedanken: das ist „mein", das haben wir uns mit Gottes Hilfe geschaffen, hier sind wir bodenständig. Doch nun weiter zur Verwendung unserer Produkte: entweder sendet man sie nach der nächstgelegenen Stadt, oder mehrere Besitzerinnen einer Gegend schließen sich zu einer Molkereigenossenschaft mit mäßigen Einlagen zusammen. Jüdische Arbeiterinnen finden auch hier ihr gutes Auskommen, und manches häßliche Großstadtbild würde verschwinden. Milch läßt sich erfahrungsgemäß bis in ihre kleinsten Teile verwerten, sogar die Molken, welche von der Käsebereitung übrig bleiben, sind ein wertvolles Futtermittel für die Biehmast. In der Landwirtschaft kommt nichts um und darf nichts umkommen, wie wichtig dieser Grundsatz in der jetzigen Zeit gerade ist, erleben wir ja olle Tage. Noch eins: Wie leicht kann man solch einem Meteretbetrieb einen Geflügelhof ohne allzugroße Futterkasten angliedern, nur praktisch muß man sein- und unsere jüdischen Mädchen werden stolz sein, ihre Intelligenz auch auf diesem Gebiete zu zeigen - und unsere christlichen Mitbürger werden sich freuen, so arbeitsfreudige und frohe Menschen, als Nachbarn zu haben. E. P. Vereinskalender. Verein Mekor Cbairm. Samstag, morgens nach Schluß -er Synagoge: Dintm; Herr Rektor Falk, 13 Uhr mittags: Sefer Melochim; Herr Prof. Weyl. 4 Uhr nachm, im BeretnLlokale: Mttro-Bortrag; Herr Paul M. Aron. Sonntag, 91/* Uhr vorm, im Bereinslokale: Gemoro- Herr R. A. Posen. Dienstag, 71/. Uhr morgens: Gemoro; Herr R. A. Posen. — Jeden Morgen nach Schluß des Gottesdienstes: Mischna. Agudas Jisroel J»ge«dgr«ppe. SamStag, 10 Uhr vorm.: Doroth Horischaunim; Herr Direkt. Dr. G. L an ge (Damen u. Herren). 10 Uhr vorur.: Gemoro; Herr Dr. M. Lange, i* 11 Uhr vorm.: Gemoro; Herr Rabbiner Schüler. 11 Uhr vorm. Rascht zur Thora; Herr M. Hirschberg. 13 Uhr vorm.: Gemoro-Herr B. Rachelsohn. Sonntag, 8 Uhr vorm.: Gemoro- Herr B. Rachelsohn. 11 Uhr Sprechstunde der Lehrftellenvermittlung. Dienstag, 9 Uhr abends: Gemoro- Herr Dr. M. Lange. Mittwoch, 9 Uhr abends: Rwijim- Herr S. Unna. 9 Uhr abends: Stenographie- Herr B. Stern. Donnerstag, 9 Uhr abends: Gemoro- Herr Direktor Dr. M. Lange. Agudas Jisroel Mädchengruppe. Sams, tag, 4 Uhr nachm.: Pirke Aboth- Herr Htrfchberg. 9 Uhr abends: Turnen (Frl. Leyh). 9 Uhr abends: Handarbeiten. Dienstag, 9 Uhr abends: Französisch - Sprachkursus Frl. R. Jeidel. Mittwoch, 8l(t—10 Uhr abds.: Handarbeitsabend. Donnerstag, 9 Uhr abends: Stenographie- Fräulein Jda Katz. Verein Liwjath-Chen (Herr Prof. Dr. Sulzbach.» Sabbat nach nmv: Midrasch im Hörfaale Friedberger Anlage. Familiennachrichten. Barmizwohfeier. Ludwig, Sohn des Herrn Albert Arnsberg, Hölderlinstratze 2, in der Synagoge am Börneplatz. — Walter, Sohn des Herrn S. Henletn, Weftendftraße 98, in der Synagoge Unterttnoau 23. chevetzette« arira nair- Freitag Abend 8.00. SamStag Morgen 7.30. Samstag Nachmittag 5.00. n Abend 9.40. Wochentags morgens 6.00. nachmittags 7.15. Weg mit ausländischen Blumen! Seither bezog Deutschland einen Teil feine- Blumenbedarfes aus dem heute feindlichen Auslande. Das hat nun aufgehört. Deutschlands Blumenflor bietet genau das, was beispielsweise Südfrankreich und Norditatten uns seither lieferte. Eine Bestchti- Sutig der echt deutschen Musterblumenhandlung, wie :e bie Firma Wenzel u. Thorwesten mit dem heutigen im Frankfurter Hof dahier eröffnet, wild selbst den verwöhntesten Blumenliebhaber mit Freude erfüllen. Er findet an Pracht, was überhaupt geboten werden kann. Eine Reichhaltigkeit und Fülle, wie man sie kaum von deutscher Erde erwarten kottnte. Auch der echt deutsch eingerichtete wunderbare Verkaufsraum ist eine Sehenswürdigkeit, gediegenen deutschen Fleißes und bewundernswerter Kunst. Es dürfte selten ein Geschäft geben, welches in solch schöner und gediegener Form ausgestattet. Hoffentlich werden Frankfurts Einwohner das schöne Unternehmen zu würdigen.

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