Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 28 (1.7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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M 28 Fraukstrrt a. M., den 1. Juli 1915. 19. Tammus 5675. M 28. Der „Frankfurter JSraelit" wird mit dem JSraelit" abonniert; Abonnement für beide Blätter zusammen Mk. 1.80 vierteljährlich (Inland). Inserate im »Frankfurter JSraelit« kosten 35 Pfg. stir die sechSgefpaltene Eolonelzetle; Rabatt nach Tarif. Inhatt. Die Woche: 1. Adolf Caro ,i"p. - 2. Samuel Königshöfer - 3. Jüdischer Mädchenhort. — 4. Das kurheffische Judengesetz. - 5. Ein Amtsjubiläum. — 6. Neue Kandidaten für den Wiener Oberrabbinervosten. — Sprechsaal: Neue Wege für jüdische Mädchen? — Bereinskalender. — Familiennachrichten. — Gebetzeiten. | Are Woche | Jlbotf ßaro n"P* Die tiefempfundene Teilnahme, die die Nachricht von dem Hrldentode dieses ersten Offiziers aus dem Kreise der Israelitischen Religionsgesellschaft in unserer Stadt und wett über ihr Weichbild hinaus geweckt hat, gilt zwar in erster Linie den schwergeprüften Eltern. Haben sie doch in diesem ihrem einzigen Kinde, dessen Erziehung ihnen niemals Kummer oder Sorge bereitet hatte, das kostbarste Kleinod, das ihnen vom Himmel verliehen war, auf dem Altäre des Vaterlandes opfern müssen. Aber auch unsere Gemeinde betrauert in ihm einen seltenen Juwel, der ihr zur glanzvollen Zierde gereichte, und SkTO’’ bba einen wackeren Jüngling, auf dessen charaktervolle Treue unsere Glaubensgemeinschaft stolz sein durfte. Schon als Schüler der Realschule hatte er sich durch sein tadelloses Verhalten, seinen unablässigen Fleiß und seine glänzenden Anlagen vor seinen Altersgenossen ausgezeichnet, und diese wertvollen Tugenden bewahrte er auch weiterhin, als er auf ein Realgymnasium übergegangen war. Auch hier wurde er bald der gehätschelte Liebling seiner Lehrer, der treue zuverlässige Kamerad seiner Mitschüler, dem sie neidlos die Palme zuerkannten, wenn es galt, für die von der Schule zu vergebenden Auszeichnungen den würdigsten und besten auszuwählen. Ausgestattet mit einem vorzüglichen Abiturientenzeugnis und einem gehörigen Maße jüdischen Wissens, dessen Grundstock sein Großvater, Prof. Dr. Werner S^T, in ihn gepflanzt hatte, zog er zur Hochschule, um einem inneren Triebe folgend dem Studium der Rechtswissenschaften sich zu widmen. Er. hatte als seine Lebensaufgabe sich jenes Ideal zum Ziele gesetzt, das der Prophet mit den kurzen Worten kennzeichnet: form*) DölPöiTOP ypbnt dp na*? pasm lon. In der Tat kennzetchnete ein unbestechlicher Rechtlichkeitssinn, gepaart mit milder Nachsicht gegen andere das kindlich reine Gemüt dieses bei aller Vortrefflichkeit bescheidenen jungen Mannes. Als er dann zur Erfüllung seiner Pflicht gegen das Vaterland aufgerufen war, gab er sich dem militärischen Dienste mit dem gleichen Eifer und ebenso peinlicher Gewissenhaftigkeit hin, wie er bis dahin seinen wissenschaftlichen Studien obgelegen war. Seine Vorgesetzten haben die schätzenswerten Charaktereigenschaften dieses jungen Soldaten bald erkannt, und so wurde er schon nach ganz kurzem Dienste im Schützengraben in die Heimat zurückgeschickt, um zum Offizier ausgebildet zu werden. Er hat das große Vertrauen, das hiermit in ihn gesetzt war, so sehr gerechtfertigt, daß sein B.ttaillonskommandeur kein Bedenken trug, ihm ein halbes Tausend Mann zur Führung an die Front zu übergeben. Trotz seiner Jugend war er bei den jungen Rekruten ebenso beliebt und geachtet wie bei den alten Landwehrleuten, um deren Wohl und Wehe er wie ein Vater besorgt war. Und dieser herrliche Jüngling ist uns durch den grausamen Krieg im blühenden Alter von 20 Jahren entrissen worden. Namenloser Schmerz durchwühlt unsere Brust bei dem Gedanken an den Verlust eines so vielverheißenden, echt jüdischen Menschenlebens, das dem Judentums noch so manchen guten Dienst hätte leisten können. Was sterblich an ihm war, haben tapfere Glaubensbrüder der religiösen Vorschrift getreu auf Feindesboden in die kühle Erde gebettet. Sein Andenken soll uns unvergessen bleiben und zur mustergiltigen Nachahmung seines untadeligen Lebenswandels aneifern. n"a2un- Samuet Königsyöfer V'ST Nur wenige Wochen, nachdem sich der Hügel über dem Grabe des verewigten Herrn Jakob Schüler n"P gewölbt hat, hat die Israelitische Religionsgesellschast schon wieder den Heimgang eines langjährigen Kultusbeamten zu beklagen. Von langem, schweren Siechtum hat der Allmächtige Freitag mittag Herrn Samuel Königshöfer erlöst und, tief betrauert von allen, die ihm im Leben näher getreten waren, kam er Montag früh unter großer stiller Beteiligung (er hatte sich bei Lebzeiten Nachrufe am Grabe verbeten) zurmia? Er war der Sohn des bekannten Lehrers Mendel Königshöfer S"2£T in Welbhausen (Bayern) der ihn, wie alle seine Kinder in echt jüdischem Geiste erzog und ihn schon früh auf die na'V in Preßburg sandte, wo er sich ein nach heutigen Begriffen umfaffendes Thorawiffen aneignete. Nachdem er in mehreren kleinen Gemeinden sein Amt kurze Zeit ausgeübt hatte, wurde er als DITO im Jahre 1868 in die damals noch junge „Hirsch-Gemeinde" in Frankfurt a. M. berufen. Hier hat er in fast 40 jähriger Tätigkeit mit äußerster Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit seines Amtes gewaltet, bis ihn vor mehreren Jahren ein schweres Leiden zwang, seinen Dienst einzustellen. Königshöfer ging ganz im Dienste seiner Gemeinde auf und hat es sich stets angelegen sein lassen, im Verein mit seiner Gattin, seine Kinder »ur rtilDM und die Söhne, von denen drei zur Zeit im Dienste des Vaterlandes stehen, mim '313 Sp zu erziehen. In den echtjüdischen Häusern der verheirateten Söhne und Töchter wird des Vaters Geist weiterleben und walten. In der Gemeinde wie im weiten Kreise seiner Freunde wird aber dem Verstorbenen ein treues Gedenken bewahrt bleiben. N"a2rn Jüdischer Wädchenyort. (Schluß.) Von Ostern 1914 konnte die Zahl der Zöglinge auf 45 erhöht werden. Während der Sommerfcrien mußte der Hort geschloffen werden, da die Turnhalle wegen Beendigung der Reparaturarbeiten unbenutzbar war. Doch waren die Zöglinge ohne Ausnahme während der Ferienzeit gut versorgt. Soweit sie nicht als erholungs- oder kurbedürftig in einer Ferienkolonie oder Kuranstalt Aufnahme gefunden hatten, wurde die noch verbleibende geringe Zahl von Mädchen von der Walderholungsstätte in Isenburg übernommen. Da der Wiederbeginn des Hortes mit dem Ausbruche des Krieges zusammenfiel, wurde beschlossen, die Schüterinnenzahl zu vergrößern und allen darum nachsuchenden Kindern ein berufener Väter Aufnahme zu gewähren; außerdem machten in mehreren Fällen die für viele Familien gänzlich veränderten Erwerbs- oder häuslichen Verhältnisse eine Beaufsichtigung der Kinder während der schulfreien Zeit dringend wünschenswert; endlich war eine Anzahl Flüchtlingsktnder unterzubringen. So betrug seit Mitte September die Zahl der Zöglinge ununterbrochen 66. Bei der Begründung des Hortes wurde aus erziehlichen Gründen der grundsätzliche Beschluß gefaßt, von den Hortzögltngen einen kleinen Wochenbeitrag zu erheben, der für ein Kind auf 20 Pfg. (also 4 Pfg. für den Nachmittag) für zwei Kinder aus einer Familie auf 30 Pfg. (6 Pfg. für den Nachmittag) festgesetzt wurde. Seit dem Kriegsausbruch stieß jedoch die Einziehung der Wochenbeitrage auf Schwierigkeiten, sodaß schließlich der Beitrag auf 5 Pfg. für das Kind (1 Pfg. für den Nachmittag!) festgesetzt crnsöfförr I2H 15* GM.HQLgj HOFLIEFERANT $ FRÄfoKFURT/01