Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1915-06-24 · Heft 27 (24.6.1915) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 27 (24.6.1915)
Date
1915-06-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448506-2448533--67568-3519805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 12 No. 27. Der Jsrcelit. 24. Juni 1Ä15 ist, daß die Kinder in sachlicher Hinsicht bereits Herr des Stoffes sind und schreiten nach der sachlichen und gefühlsmäßigen Vertiefung sofort zur ethischen Vertiefung. Me Vorbereitung aus den Antem'cht. Von N. A. Man hört vielfach im Kreise der Kollegen die Klage, daß wir iu unserer Vorbereitung aus den Unterricht, besonders für biblische Geschichte und Religions- . lehre, vicl^ach aus Lehrbücher christlicher Autoren angewiesen seien. Eine Folge dieser Benutzung der für christliche Schulen bestimmten Präparatronen sei die beklagenswerte Tatsache, daß sich bei jungen Lehrern, oft ganz unbewußt, in manchen Dingen die Anschauungen christlicher Theologen über die Bibel und die jüdische Religion einschleichen. Die erwähnte Klage ist nur zu einem kleinen Teil berechtigt. Wir besitzen wohl Hilfsmittel für die Vorbereitung, aber sie sind zu wenig bekannt. So benutze ich für die Religionslehre, die ich in Anlehnung an das Gebetübersetzen betreibe, das „Gebet- und Religionsbuch für dre reifere Jugend" von Tr. Th. Kroner, Verlag von Mauz u. Lange in Hannover-Linden, das eine reiche Fülle von Anregungen bietet und jedem Kollegen aufs beste empfohlen werden kann. Für biblische Geschichte aber besitze ich das kleine Lehrbuch „die Geschichten der heiligen Schritt" von Dr. I. H. Jakobson. Verlag von C. F. Leukart iu Leipzig, das aus dem Buchhandel ganz verschwunden zu sein scheint. Ich gebe nachstehend crnige Proben aus dem ieder Geschichte beigefügten „Nutzanwendungen," um zu zeigen, daß wir uns auch in dieser Beziehung von jedem fremden Einfluß freimachen können. Zu Nr. 11 „Sarah's Tod und Jischaks Verheiratung" lauten sie: 1. Abrahams Frömmigkeit bewährt sich in jeglichem Geschick, wie in allen seinen Handlungen. Er trauert um ferne teure Tote, aber mit Gvttergebung fügt er sich in die höhere Schickung und bestattet seine Leiche. 2. Abraham will seinen Sohn verheiraten; da er aber weiß, welchen Einfluß die echte Frömmigkeit der Hausfrau aus das ganze Hauswesen und besonders aus die Erziehung der Kinder ausübt, so verschmäht er es, seinem Sohne eine reiche kanaanitischc aber götzendienerische Ehefrau zuzuführen. 3. Eliejer ist wahrhaft fromm. Er beginnt sein Unternehmen mit Gott und betet ums Gelingen. Cr leitet seine Angelegenheit mit Umsicht und B e - sonnenhcit. See gelingt. Er spricht nicht: „Meine Weisheit hat sie ausgeführt, sondern dankt dem Herrn, der es so glücklich sich fügen ließ. Elieser ist treu bis zur Bewunderung. Er hat kaum eine Nacht geruht von den Anstrengungen seiner Reise, so drängt ihn das Pflichtgefühl am frühen Morgen tdjou, die Rückreise zu seinem Herrn anzutreten. 4. Ribkah ist.nicht stolz ob ihrer Schönheit, sondern freundliche gefällig ^und dienstfertig. Zu Nr. 2ö „das goldene Kalb": 1. Das Volk hatte noch einen niederen Sklavensinn. Kaum hatte es die großen Wunder gesehen und Gottes -Ltimme gehört, als es, die Würde seiner Erwählung vergessend, sich selbst unter dem leblosen Menschenwerk erniedrigte. Machen wir es nicht auch heutzutage oft so? Sehen wir nicht täglich neue Wunder: Hören wrr nicht täglich Gottes Stimm? von neuem? Ist nicht jegliche Handlung gegen den Mftlen Gottes in gewissem Sinne ein Götzendienst? 2. Wie erhaben ist Moscheh! Er, der tief Gekränkt? und Beleidigte betet für das sündhafte Volk. So beten ist wahrhaft edel und dem Herrn angenehm. O» tu auch du desgleichen, aber eben'so rein und unergennützig. 3. Gott wollte das Volk vernichten. Das Gebet des .Frommen wandte es. Der Herr ist langmütig und von unendlicher Huld, vergebend Missetat und Sünde. Der Herr erhört das Gebet der Frommen. 4. Lernen'wir hieraus, daß wir nicht die Bestrafung oder den Untergang der Sünder vor Gott erbitten sollen, sondern daß er ihnen vergebe und sie bessere. Zu. Nr. 26 „Die Kundschafter". 1. Böse Menschen bringen gern schlinrme Botschaft, auch wenn sie nicht begründet ist. . 2. Böse Menschen suchen gern überall die Schattenseiten aus und übersehen das überwiegend Bessere eurer Sache. Ihre getrübte Gesinnung blendet ihr Auge; sie sind daher befangen und nicht frei von Vorurteil, daher ungerecht. 3. Die ausgesandten Kundschafter ermangelten alles .Gottvertrauens, darum waren sie verzagt und flößten — wie dies gewöhnlich der Fall — diese Verzagtheit auch Anderen ein. War ihr Verfahren gur und redlich? Waren ihre Berichte wahr und getreu? Welche Folgen hatten diese Berichte für das Volk? Sieh' wie verderbenbringend böse und lügenhafte Reden werden können. Diese 10 Männer Men oem Volke ein vierzigjähriges Umherirren im Elend in der Wüste bereitet. 4. Wie erscheinen uns dagegen Jehoschua und Sie waren die geringe Minderzahl und ihre Sttmme verhallte gegen die der Mehrzahl. Sie achteten aber die Wahrheit höher als ihr Leben und behaupteten sie gegenüber der Gefahr, gesteinigt zu werden. 5. Wieder wollte der Herr sein Volk vertilgen und.Mopheh allein zu einem großen Volke machen. Und wreder betete Moscheh für das Volk und achtete nicht die ihm selbst für diesen Fall verheißene Größe. Gern opferte er alles, was ihn selbst betraf, dem Wähle des Ganzen. 6. Es kann nimmer gelingen, was der schwache Mensch gegen den Willen des allmächtigen Gottes unternehmen will. Was auch der Mensch ohne Hinblick apf Gott unternehmen mag: der Ratschluß Gottes bleibt doch bestehen. 7. Das Volk bekannte wohl, daß es gesündigt habe» indem es sprach: „Wohlan wir sind bereit und wollen hinaufziehen in das Land, davon der Herr gesprochen, denn wir haben gesündigt". Aber was nützt das bloße inhaltsleere Bekenntnis ohne tatkräftige Beherrschung des, dem göttlichen Willen widerstrebenden Eigenwillensv Ich bin keineswegs der Ansicht, daß die vorstrebenden Proben überall mustergültig sind oder daß man in jeder Schule bei der Vertiefung soweit zu gehen braucht, wie der Verfasser. Sie sollten nur zeigen, daß wir Hilfsmittel genug für diesen Teil unseres Unterrichts besitzen. Sache der pädagogischen Presse und der Konferenzen ist es, auf sie hinzuweisen und ihre Verwendung zu empfehlen. Was uns aber wirklich fehlt, das sind Lehrproben für den hebräischen Unterricht, also gerade für den schwierigsten Teil unserer Lehrtätigkeit.- Die schönsten Vorträge Helsen uns über diesen Mangel nicht hinweg. Wer schasst hier Wandel? Korrespondenzen und Aachrichten. Aus Baden. In dem großen Sterben unsrer Tage sei es gestattet, noch einen kurzen Blick aus ein jäh und unerwartet abgeschlossenes Menschenleben zu werfen, an dessen Sarge mit den Verwandten eine große Gemeinde trauert. Hauptlehrer Adolf Heidingsfeld in Freiburg starb am 24. April, am Tage nach seinem 50 jährigen Dienstjubiläum. Er war Lehrer mit ganzem Herzen, ein Kenner, Freund und Führer der Jugend. Wer, wie ich, in jahrelanger Freundschaft mit ihm verbunden war, der konnte oft einen Blick tun in sein kindlich lauteres Inneres. In ihm verbarg sich ein unversiegbarer Idealismus, der den gereiften Mann hinuntersteigen ließ in die träumenden Ideale der Jugend und den von Idealen geschwellten Jüngling verehrungsvoll hinaufschauen ließ zu dem jugendfrischen Mann im Silberhaar. Mit seiner reichen methodischen Erfahrung unterstützte er tatkräftig die Bestrebungen des israelitischen Religionslehrervereins in Baden zur pädagogischen Vertiefung des Religionsunterrichts. Insbesondere suchte er als Vorsitzender der Abteilung für biblische und nachbiblische jüdische Geschichte diesem Unterrichte neue und höhere Ziele zuweisen und größere Geltung zu verschaffen und ihn durch eine bessere methodische Behandlung fruchtbarer zu gestalten. In umfassender Weise widmete er sich humanitären Bestrebungen. In einem Atter, in dem andere von ihrer Lebensarbeit auszuruhen pflegen, nahm er vor 3 Jahren noch die Bürde eines Vorsitzenden des Naphtali Epstein-Vereins, der die Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Lehrer und besonders Lehrerwitwen in Baden zur Aufgabe hat, auf sich. Unablässig war er darauf bedacht, dem Verein die nötigen Mittel für seine wachsenden Aufgaben zuzufnhren, und bis in die letzten Tage hinein war es seine Sorge, wie der Verein den durch den blutigen Krieg sich steigenden Anforderungen werde gerecht werden können. Vom Jahre 1883, wo er nach elfjähriger, segensreicher Wirksamkeit an der Volksschule in Müllheim nach dem schönen Freiburg übersiedelte, bis zu seinem Tode gehörte er dem Vorstand des israelitischen Frauenvereins an, ferner dem Vorstand des israelitischen Handwerkervereins in Freiburg und des Friedrich-Luisenhospizes im Soolbad Dürrheim. Mit besonderer Hingebung wirkte er als Vorsitzender der Ortsgruppe Freiburg des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Bei diesen Bestrebungen fand er verständnisvolle Unterstützung in seiner gleichgesinnten Gattin, mit der er, wenn ihm auch Kinderglück versagt war, in Gott gesegneter Ehe nahezu 40 Jahre verbunden war. Sein verdienstvolles Wirken wurde schon vor Jahren durch Verleihung des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwen und der Friedrich-Luisen-Medaille vom Großherzog von Baden anerkannt. Was in den vielen herzlichen und ehrenden Ansprachen dem Entschlafenen ins Grab nachgerusen wurde, wird den flüchtigen Augenblick überdauern. Heidingsfelds Name wird in seiner Gemeinschaft lebendig bleiben und zum Segen sein. noS:n Viicherschau. Geschichte der Inden von Dr. H. K o t t e k s. A. Rabbiner in Homburg v. d. H. Frankfurt a. M. Verlag der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Eine wertvolle Gabe bat die genannte Gesellschaft ihren Mitgliedern während des Kriegsjahres auf den Tisch gelegt: eine volkstümlich gehaltene Geschichte der Juden, die die geschichtlichen Ereignisse, soweit sie religiösen Charakter an sich tragen, vom gesetzestreuen Standpunkt aus beleuchten. Bon dem bekannten Lehrbuch Dr. Löwensteins- Mosbach abgesehen, besaßen wir bisher kein Handbuch ,das dem .gesetzestreuen Lehrer bei seiner Vorbereitung für den jüdischen Geschichtsunterricht an den Mittelschulen als zuverlässiger Wegweiser dienen konnte. Dre Reform beherrschte auf diesem Gebiete den Büchermarkt ziemlich unumschränkt. Grätz und sirr die jüngste Vergangenheit Philippsohn waren die nicht immer lautere Querle für das wissenschaftliche Rüstzeug unserer Gegner und es hat wirklich seine volle Berechtigung, wenn eine wissenschaftliche „Größe" des liberalen Judentums — Dr. Ellbogen — in seinem Kampfe gegen Halevh kühn behauptet, daß alle (lies: alle liberale ns Historiker der Gegenwart auf Grätz'schen Resultaten fußen. In welch' starkem Maße das der Fall ist, möge folgendes, ergötzliche Stückchen beweisen. Ein in liberalen Kreisen recht angesehene- Rabbiner hatte seinerzeit eine Studie über „jüdische Frauen" veröffentlicht. Der verstorbene Kollege Roos-Werneck b’7 fyatte ihn hierauf in aller Bescheidenheit darauf aufmerksam gemacht, daß seine Angaben, soweit sie die Frauen des talmudischen Zeitalters . beträfen, recht unzutreffend seien. Der Herr Doktor antwortete <ehr von oben herab und blieb natürlich — Röos war ja nur Lehrer — bei seinen Behauptungen. Aber der wackere Kollege ließ nicht 'locker und diente seinem Gegner mit den entsprechenden talmudrschen Belegstellen. Da mußte dieser klein hieben. Er entschuldigte seinen Irrtum damit, daß er ferne Wissenschaft über die jüdischen Frauen aus Grätz geschöpft habe. Wie stark aber Philippsohn mit seiner Darstellung der jüngsten Vergangenheit die Geister beeinflußt, dafür liefert 'das Lehrbuch der jüdischen Geschichte von Müller-Heidelberg — das übrigens in metho bischer Beziehung alles Lob verdient — einen sprechenden Beweis. Vom Wilnaer Gaon und all den Geistesheroen des 18. Jahrhunderts erfährt der Schüler kein Sterbenswörtchen — jm vormendelssohn'schen Zeitalter bedeckte ja F i n st e r n i s die Erde —, Dr. Israel Hildesheimer muß sich mit ganzen drei Zeiler begnügen, was übrigens seiner Bedeutung keinerlei Abbruch tut. aber Berthold Auerbach werden 13, Kompert und Karl Emil Franzos je 11, Hermann Mvsenthal, dem Verfasser der „Deborah" 8 und Adolf Erönüeux, der seine Kinder taufen ließ, 9 Seiten gewidmet! Dabei ist Kollege Müller ,wie wir persönlich wissen, aufrichtig bestrebt, auch „der anderen Seite" gerecht zu werden. Wir sagen also sicher nicht zu viel, wenn wir behaupten, das vorliegende Werk komme wirklich einem dringenden Bedürfnis nach. Es erfüllt aber auch, wie aus dem Vorwort hervorgeht einen speziellen Zweck. „Durch die Forschungen des unvergeßlichen Halevh erscheinen wichtige Epochen der nachbiblischen jüdischen Geschichte in einem neuen Lichte. Vielfach wurde daher der Wunsch laut, in einer neuen kurzgefaßten Darstellung die so vertiefte und erweiterte Kenntnis unserer großen Vergangenheit einem größeren Kreise zugänglich zu machen. Der berufenste Interpret der Anschauungen Halevhs war der Hamburger Rabbiner Dr. Kottek, der bas Glück hatte, sich der Gesellschaft und der Belehrung des von ihm hochverehrten Meisters mehrere Jahre hindurch erfreuen zu dürfen. Aus den Wunsch Halevhs hin übernahm er denn auch die Bearbeitung eines Lehrbuchs der jüdischen Geschichte. In liebevoller Hingabe vollendete er, ungeachtet seiner schon damals erschütterten Gesundheit das Werk. Der Ratschluß des Allgütigen entzog ihn kurz darauf seinem reichen irdischen Wirkungskreis. Wir bettachteten es nunmehr als Ehrenpflicht, der Allgemeinheit sowie dem Andenken des so früh dahingegangenen Verfassers gegenüber, sein Buch zu veröffentlichen und Herr Provinzialrabbiner Dr. Bamberger in Hanau unterzog sich inr Verein mit anderen Freunden des Verfassers der Mühe, die hier vorliegende jüdische Geschichte druckkertig zu machen." Wie unseren Lesern vielleicht erinnerlich, hat Herr Provinzialrabbiner Tr. Bamberger bereits vor acht Jahren eine Schrift veröffentlicht .»Sadduzäer und Pharisäer in ihren. Beziehungen zu Alexander Jamai und Zalome" also über einen Zeitabschnitt, über den Halevhs D'jiBwn nnn neues Licht verbreiten. Er war also schon aus diesem Grunde die geeignetste Person, um an des toten Freundes Werk die letzte Hand zu legen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir auch dre vorzügliche äußere Ausstattung und die peinlich genaue Korrektur auf seine Rechnung setzen. Leider fehlen die Literaturnachweise fast ganz. Dem Sinne Halevhs hätte es entsprochen, sie recht zahlreich zu geben. „Schlagen Sie jeden piEB und jede Gemorostelle nach", riet er dem Schreiber dieses, als er sich vor Jahren in Homburg mit ihm nber das Thema \'V nnn py, bekanntlich einen der wichtigsten Differenzpunkte zwischen Pharisäern nnd Sadducäern, unterhielt. * Briefkasten. M. in S. In einer der nächsten Nummern von „Erziehung und Lehre" wird der von Ihnen gewünschte Artikel erscheinen. Besitzen Sie „Sprüche der Bäter" von Dr. Lehmann S*5l?? Sie sind eine reiche Fundgrube für Schiurvorttäge. *) Nur auf Seite 59 blieb ein Fehler war nicht der Bruder, sondern der Herodes. *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.