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Der Israelit · 1893-07-06 · Heft 54 (6.7.1893) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 54 (6.7.1893)
Date
1893-07-06
Page
– (sequence 30)
Language
German
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ist es, der sich in dieser Hinsicht ein ganz hervorragendes Verdienst um Palästina erworben hat, er, eine der edelsten und erquickendsten Erscheinungen der alt jüdischen Gelehrtenwelt. Im Jahre 1795 zu Lissa in Posen geboren, lebte er als Privatgelehrter ohne jede Anstellung in der Gemeinde mühsam von dem geringen Ertrage eines kleinen Kramhandels, den er in Thorn angelegt hatte. Aber trotz dieser beschränkten Verhältnisse widmete er sich doch mit Feuereiter dem, was er als seine grosse Lebensaufgabe erkannt hatte, das heilige Land aus seinen Trümmern wieder erstehen zu lassen zu bebauten Gefilden, zu lachenden, fruchttragenden Fluren. Er trat bald in Verbindung mit dem berühmten Rabbi Akiba Eger in Posen V Uf, führte im Dienste seiner Idee eine ausgedehnte Correspondenz mit zahlreichen jüdischen Notabein in und ausserhalb Palästinas, und war während seines ganzen achtzigjährigen, thatenreichen Lebens rastlos bemüht, dem jüdischen Ackerbau in Palästina eine kräftige Unterlage zu schaffen. Jedes einzelne Mitglied der über die ganze Erde zerstreuten jüdischen Glaubensgenossenschaft sollte mindestens (dahin ging sein Streben) „vier Ellen heiligen Landes sein eigen nennen“. Seinen Bemühungen gelang es, in Frankfurt a. M. einen Kolonisations-Verein in’s Leben zu rufen und mehr und mehr auch das Interesse der geistigen Führer des Judenthums für seine Idee zu gewinnen.*) Aber trotz alledem konnte der rührige Agitator bei seinem Tode doch nur auf spärliche praktische Erfolge zurückblicken, der Frankfurter Verein hatte nur sehr kurzen Bestand, und selbst Montefiore Hn, dieser grösste und einsichtsvollste Menschenfreund, den das Judenthum aufzuweisen hat, verstand sich nur zu einem einzigen Schritte in dieser Sache, zum Ankauf eines Gartens bei Jaffa. Im Jahre 1860 errichtete zwar die Alliance Israelite Universelle in Palästina mit unendlichen Kosten und unter Ueberwindung der mächtigsten Gegenströmungen eine Ackerbauschule; allein auch diese Anstalt verfehlte ihre Aufgabe in den ersten zwanzig Jahren ihres Bestehens vollkommen, sie erzog ihre Schüler zu allem Anderen eher als zu Landwirthen. Erst in der neueren Zeit, in welcher — wie wir bald sehen werden — der Kolonisation Idee neue Lebenskräfte zugeführt wurden, erhob sich auch diese Schule auf ein würdigeres Niveau und gilt jetzt als eine selbstständige Kolonie „Mikweh Jisrael". Alle Mühe schien verloren. Es schien, als sei der Palästinensische Jude nicht mehr im Stande, sein beschauliches Dasein im dumpfen Bethause mit einem *) Wir nennen nur Professor Gr ätz und Moses Hess, den Verfasser von „Rom und Jerusalem“, eines Buches, dem die verdiente Beachtung leider noch immer in zu geringem Masse zu Theil wird. thatkräftigen, lebensfrohen Arbeiten in der freien GottesDatur zu vertauschen. Die Juden ausserhalb Palästinas aber gaben sich sorglos der Untätigkeit hin, in süssem Schlafe träumten sie davon, dass der Antisemitismus, den man nicht einmal mehr nennen hörte, unter der Herrschaft des Lieberalismus ganz erstorben sei. Sie ahnten nicht, wie bald die Zeit kommen würde, wo sie wiederum die heftigsten Angriffe zu bestehen haben würden, sie ahnten nicht, wie schnell das Ungewitter hereinbrechen würde, und wie bald man, um sich vor seinen Fluthen zu retten, von Neuem zum Wanderstabe werde greifen müssen, um nach dem Recepte des Baron Hirsch unter den verkommenen Mischlingen nnd wilden Indianern Brasiliens und Argentiniens eine neue Heimath zu suchen. Bald aber trat die Katastrophe ein, welche die Juden jäh aus ihrem Schlummer aufschreckte. Wie arg hatten sie sich in ihrer unglaublichen Kurzsichtigkeit, in ihrem unseligen Optimismus getäuscht. Dreissig Jahre lang hatte mau sich unter dem Schutze des Liberalismus einer verhältnissmässigen Ruhe zu erfreuen gehabt, aber wie irrig war der Glaube, der diesen Zustand für einen Frieden hielt. Es war nur ein Waffenstillstand, dessen Ende sich in furchtbarer Weise ankündigte durch die heftigen Judenverfolgungen in Rumänien. (Fortsetzung folgt.) - C" - Briefkasten. Frau J* K. W. in K. Die Anstalt ist unterstützungswürdig, sie hat nur den einen bedenklichen Fehler, dass sie jahraus jahrein viel zuviel Bettelbriefe versendet. Sie theilt diesen Fehler mit vielen anderen Anstalten und Vereinen in JF., die unablässig mit ihren zahllosen geschriebenen und gedruckten Bittgesuchen Deutschland geradezu überfluthen, und dadurch, zum tiefsten Bedauern aller wahren Zionsfreunde, die Würde von p 'DN und die Erhabenheit der von ihnen vertretenen Sache sehr beeinträchtigen; so kann es auf die Dauer unmöglich weiter gehen. Von Ihren mir gesandten 10 M. habe ich 3 M. der von Ihnen in Ihrem geehrten Schreiben vom 28. Mai d. J. erwähnten Schule zugewendet. Freundlichen Gruss! Dr. JB. 8. in J. Die gewünschten zwei Nummern der „Spenden-Verzeichnisse“ kann ich Ihnen leider nicht mehr zur Verfügung stellen; die 0.80 M., deren Zusendung ganz überflüssig war, erhält das unter Ihren Initialen zugewendet. Druck der Job. Wirth 'sehen Hofbuchdrnckerei, Actien-Gesellschaft, Mainz.

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