Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 54 (6.7.1893)
- Date
- 1893-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 54 XXtlt. Iahrgäliz. Der Israelit! Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe JudentHum. Begründet von R)r. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 6. Juli 5653 (1893). Leitende Artikel. Sprüche der Wäler. Viertes Buch. LXXXI. Mainz, 5. Juli, .pon Nin man wn "tarn «in Wenn unser Väterspruch auf die schwierigsten, alles menschliche Denken und Wiffen wett überragenden Probleme hinweist, indem er Leben, Tod, Auferstehung und Gottes richtende Vergeltung zur Betrachtung herausgreift, so geschieht dies nicht um theosophischen Forschungen nachzugehen ^oder unser transcendevtales, methaphysisches Wiffen zu bereichern. Er weist auf die Ewigkeit, damit ein Lichtstrahl von ihr auf unsere Zeitlichkeit falle, er handelt vom Tode, um ihn fürs Leben zu verwerthen und lehrt uns. Gott als Bildner, Schöpfer, Richter, Zeuge und Ankläger, um das Bewußtsein unserer Verantwortung in uns zu beleben und zu festigen. Er ist der Bildner und Schöpfer, der iw und N-na! Die Kenner der heiligen Sprache gehen in der Erklärung dieser beiden Ausdrücke wett auseinander. Rabbi Herz Wesel hat in seinem Commentar zu den Sprüchen der Väter die bedeutsamsten diesbezüglichen Untersuchungen zu dieser Stelle zusammengestellt. Aber er entscheidet für keine der gewöhnlichen Erklärungen, sondern schlägt einen neuen Weg ein, indem er mv für geistige Gestaltung und Bildung und ntis für den Ausdruck der materiellen Schöpfung annimmt. Gott ist der iw', der Bildner, der jedem geschaffenen Wesen die bestimmte Form und Gestalt gegeben, worin sich das geistige Gepräge eines jeden Wesens bekundet. Gott als der tnia bezeichnet ihn als Schöpfer, ohne Rücksicht auf die Form des Geschaffenen. Der Marmorblock ist ein Resultat der rwna, der Schöpfung, die Form, die er unter der Hand des Künstlers annimmt, ist die Folge der mv, der Bildung, die den todten Stein durch die ihm ausgeprägte Form tdealisirt. Da nun die Schöpfung der Bildung immer vorangehen muß, so hätten wir eigentlich in umgekehrter Reihenfolge nyrn «in tonn «in erwarten sollen. Die hier etngehaltene umgekehrte Ordnung dürfte nach einer anderen Seite hin überaus lehrreich sein. Nach dem, was wir von Gott, dem Geiste aller Geister, wissen, ist er körperlos und alle, Körper und Materie anhaftenden Etgenthümltchkeiten sind hier nicht vorhanden. «Vi m< arrv «man *)U,n inu'ttr. Dieser Umstand macht jede körperliche Handlung Gottes, also anch die SchLpfvng der irdischen Welt zu einem unlösbaren Räthsel. Wir können uns kein Prodnctren irdischer Stoffe denken ohne körperliche Mittel, die doch Gott vollständig abgehen. Dieser Umstand hat schon viele tiefe Denker veranlaßt, an der Schöpfung der Welt durch Gott — rnn — zu zweifeln und der Ewigkeit des Weltstoffes das Wort zu reden, trotz der eben so vielen Unbegreiflichkeiten, die auch dieser Annahme entgegenstehen. Deßhalb beginnt die Thora mit dieser fundamentalen Wahrheit, die sie an die Spitze alles deffen stellt, was sie uns zu lehren hat, indem sie Gott als den jnra proklamirt mit den Worten: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." Der Einfluß Gottes auf die geistige, seelische Seite des Menschen, der Welt und alles deffen, was sie füllet, wie er sich sinnlich in den Formen und Gestaltungen aller Wesen manifestirt, ist uns einleuchtender, weil dem rein geistigen Wesen Gottes entsprechender. Unsere Mischna vermittelt daher in steigender Klimax — ii ii vb — die Wahrheit, daß Gott nicht nur der Bildner, sondern auch der Schöpfer ist. Dieselbe Reihenfolge hält auch die Beracha ein: 'iai x->:n noana mun rw ns» "uw, welche Gott als denjenigen feiert, deffen Weisheit sich nicht nur in der ganzen Bildung des Menschen