Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1892)
- Date
- 1892-03-17
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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444 warum er dieses oder jenes so und nicht anders geschehen läßt. Wir müssen daher jedesmal, wenn der Zweifel an sein gerechtes Walten unser Herz beschleichen will, die erhebende Wahrheit uns ins Gedächtniß rufen, die der größte aller Propheten, unser Lehrer Moses, vor dem Tode seinem Volke zugerufen: „Ein Gott der Treue ist Dein Gott, ohne Krümme ist sein Walten." Und gleichsam um diesen beseligenden Glauben, der durch manche scheinbare Widersprüche leicht schwankend gemacht werden könnte, zu befestigen, fügen die Weisen erklärend hinzu: „Fern ist Gott der Gedanke, den verdienten Lohn dem Menschen zu entziehen. So wie er den Frommen den Lohn des kleinsten Gebotes angedeihen läßt, aber erst dort im Jenseits, so zahlt er wieder dem nicht nach seinem Willen Wandelnden für etwaige, gute Thaten schon in diesem Leben, damit er dort im Jenseits keinen Anspruch auf Belohnung habe. Ebenso verhält es sich auch mit der Bestrafung des von Frommen verübten kleinsten Fehltrittes. Er muß dafür hier mit Leiden behaftet werden, damit er dort im Jenseits rein geläutert und verklärt erscheine und ungeschmälert den vollen Genuß der ewigen Seligkeit erlange." Und wahrlich auch hierin zeigt sich Gottes Weisheit und Gerechtigkeit. Kennt er doch die verschiedenartigen Wünsche der Menschen, darum weiß er auch am geeignetsten die Art und Weise ihrer Belohnung zu wählen. Dem Frommen würde eine blos irdische Belohnung, wenn er dort im Jenseits durch etwaige Sünden verkürzt werden sollte, gar nicht genügen, und da ihm die Freuden dieses vergänglichen Lebens gar nicht von Belang sind, darum entzieht ihm Gott dieselben ob seiner Sünden, von denen doch kein Mensch frei ist, und schickt hienieden Leiden über ihn, damit er desto mehr der ewigen Seligkeit, die zu erreichen stets sein Strebeziel ist, sich zu erfreuen habe. Da aber der Bösewicht nur nach irdischem Genüsse strebt, daher belohnt Gott seine gute That mit irdischem Glücke, damit er den kostbaren Schatz der ewigen Glückseligkeit, an die er gar nicht glaubt, nicht erlange. -£» Vermischtes. < General Marbot über die Entstehung des Vermögens der Familie Rothschild. In den soeben erschienenen Memoiren des Generals Marbot (Paris. Plon 1891) erzählt dieser General, der unter Napoleon I. commandierte, die Geschichte der. Entstehung des Vermögens der F a - mi lie Rotbschild. Seine Mittheilungen bestätigen und ergänzen das bereits Bekannte, erhalten aber gesteigertes Interesse, weil General Marbot selbst Zeuge der betreffenden Geschehnisse war. Er erzählt: „Als der Kurfürst von Hessen-Kassel nach England flüchten mußte, vertraute er sein ganzes Baarvermögen dem Frankfurter Banquier dritten Ranges, Rothschild, dessen Ehrlichkeit ihm bekannt war, an. Er verlangte von ihm nur die einstige Rückerstattung desCapitals, das 15 Millionen betrüg, die Zinsen sollten ihm gehören als Entlohnung für seinen gefahrvollen Dienst. Nun wurde den Franzosen, die über den geringen Fund im Kasseler Schloß ergrimmt waren, hinterbracht, daß ein Frankfurter Jude kurz zuvor einen ganzen Tag bet dem Kurfürsten verbracht habe. Eine kaiserliche Commission begab sich also sofort zu Rothschild, um nach Kriegsrecht die Kasse mit Beschlag zu belegen. Aber man fand auch dort nichts. Drohungen, Versprechungen hatten keinen Erfolg. So wollte man denn den frommen Juden zwingen, einen Eid zu leisten, daß er nicht wisse, wo das Geld verborgen sei. Als Rothschild sich weigerte, zu schwören, wollte man ihn einsperren, was aber Napoleon selbst verbot. Hierauf schlug man ihm vor, die Hälfte des Schatzes an Frankreich abzuliefern, die andere Hälfte für sich zu behalten und dafür von der französischen Regierung ein Document anznnehmen. in dem diese erklärt, daß sie das Geld gewaltsam genommen habe, alles vergeblich, Rothschild hielt sein Wort und lieferte das Geld bis auf den letzten Heller an den Kurfürsten aus, als dieser im Jahre 1814 in sein Land zurückkehrte. So erwarb sich der kleine Banquier das Vertrauen der Höfe und den Grundstock seines späteren Vermögens." Sprüche aus dem Talmud. Steige eine Stufe hinab und wähle deine Frau, steige eine Stufe hinauf, und wähle deinen Freund. («lebamotb 63.) Baue dein Haus, Pflanze Deinen Weinberg, dann heirathe. (Sota 44.) Was das Kind außer dem Hause erzählt, hat es im Hause seiner Eltern gesehen. (8ueea 56.) Eine Liebe, die nicht mit Zurechtweisung verbunden ist, ist keine Liebe. (Genesis rabba.) Der ist ein Dieb, der leichtsinnig mit dem Gelde seines Nächsten umgeht. (Baba Mezia 23.) Verantwortliche Redaction: Oscar Lehnrann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz.