Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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1427 und so erreichte Chajim die Hauptstadt mit der Eisenbahn sehr rasch, viel rascher als er erwartet hatte. Dort angekommen erhielt er seinen Lohn ausbezahlt und befand sich nun im Getriebe der Kaiserstadt. Neugierig staunte er alles an. Er konnte sich gar nicht satt sehen; überall, wohin er blickte, schaute er Dinge, die ihm vollkommen neu waren. Ganz wie im Traume durchwanderte er die schönen Straßen, sah er die festtäglich gekleideten Menschen, die schönen Wagen und fast wäre er überfahren worden, wenn ihn nicht ein Vorübergehender rechtzeitig auf das Trottoir gerissen hätte. Nun kam er in die Nähe der Burg. Ein Regiment Soldaten zog mit klingendem Spiele an ihm vorüber. Wie mächtig war doch der Kaiser, der so viele Soldaten hatte, welche so schöne Musik machen konnten! Lange sah er den Soldaten nach, bis er endlich von einem Vorübergehenden angerempelt wurde. „Was stehen's da und halten Maulaffen feil?" fragte ihn dieser erbost. „Nein," entgeguete Chajim, „ich halt' nichts feil." „So machens, daß Sie weiterkommen und halten die Leut uit ans." „Ein höflicher Manu," dachte Chajim und ging seines Weges. Unterdessen war Chajim hungrig geworden. Er ging zu einem jüdischen Bäcker, kaufte sich dort etwas Brod und aß dieses im Weitergehcn auf. So irrte er den ganzen Tag in den Straßen umher, und als der Abend einbrach, war Chajim todmüde. In einem kleinen, jüdischen Logirhaus fand er endlich ein Unterkommen. Der Wirth, der sofort sah, daß Chajim fremd und unbekannt war, und dem das offene und intelligente Gesicht des jungen Mannes gefiel, setzte sich zu ihm und so erfuhr er denn alsbald die ganze Geschichte Chajim's. Hier erfuhr er auch, daß Wien doch nicht die richtige Stadt für ihn sei, und daß er am besten thue, wenn er sich nach Deutschland wende. Dort gäbe es große Fabriken, in welchen er wohl etwas lernen könne. Chajim hörte aufmerksam zu, und als der Wirth geendet hatte, fragte er: „Was wird denn in Wien fabrizirt?" „In Wien," entgegnete dieser, „wird wenig von dem fabrizirt, was Du brauchen kannst. Hier macht man Kleider, Schuhe, Pfeifen, Stöcke, Möbel, Meerschaumwaaren re., lauter Dinge, die nichts für Dich sind." Chajim erhob sich bald und suchte sein Lager auf. Er schlief rasch ein, und als er erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Erschrocken sprang er auf, wusch sich, kleidete sich au und betete. Alsdann begab er sich in's Gastzimmer hinab, wo ihn der Wirth lächelnd empfing. „Ob Sie gut geschlafen haben, braucht man nicht zu fragen," sagte er, „denn es ist 7 Uhr." „Ja," entgegnete Chajim, „ich Hab' verschlafen und mir schon selber Vorwürfe gemacht', denn ich hätte beinahe die Zeit des Sch'mahlesens versäumt l Was müssen Sie von mir denken!" Es war Freitag und der Wirth hatte viel zu thnn. Chajini bot sich au, ihm behilflich zu sein und jener nahm das Anerbieten gerne an. Sie wunderten mit einander auf den Markt, wo der Wirth seine Einkäufe besorgte, während Chajim ihm die Maaren nach Hanse trug. Fische, Fleische, Gemüse, Obst, Alles wurde gekauft und nach Hause geschleppt. Chajim zeigte sich sehr anstellig, so daß der Wirth ihnl den Vorschlag machte, bei ihm zu bleiben. Er gäbe ihm freie Station und wöchentlch fünf Gulden. Fünf Gulden in einer Woche zu verdienen, das schien Chajim unerhört und ohne sich lange zu besinnen, willigte er ein und versprach, drei Monate zu verbleiben. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaetion. I. S. G. Tie von Ihnen erwähnte Redensart stammt wohl noch aus dem Altdeutschen und hat sich bei dem conservativen Sinn der Juden bis heute erhalten. Auch ist die Bildung einer lateinischen Endung nicht ausgeschlossen, bei welcher auf die Frage, wohin der Accusativ gebraucht wird, wie 3. B. domuin. 5'8 Die Kilberwaaren-Falirik tob Lazarus Posen Wwein Frankfurt a. M. empfiehlt ihre künstlerisch ansgestatteten isr. Cultusgegenstände: 15z Cliajlin, Tass, Kronen, OianuJkalilampen, ftesomimbiiclisen, Seder- Gegenstamle, Pokale, Weinhumpen etc. etc. und versendet Muster- Hefte nebst Preis-Courante gratis und franco. Verkaufs - Lokalitäten: Frankfort a. JI., Perl in W., Zeil 46a., im „Hessischen Palais“. Franzos. Strasse 49, im „Faberkause“ nresucht ein Mädchen, das religiös gewähnt ist und kochen kann. Offerten unter Rr. 5104 befördert die Expedition dieses Blattes. in Bäckergeselle und ein Lehrling sofort gesucht bei A. Wolfs, Darmstadt. Samstags u. Feiertage geschlossen. (5151 in Mädches, ca. 20 Jahre, religiös erzogen und den Haushalt gründlich verstehend, sucht in einer kleinen Familie Stellung. Man sieht aus gute Behandlung. Offerten unter Chiffre 5115 befördert die Expedition dieses Blattes. ür unsere Herren-Kleider-Fadrik suchen wir einen in der Branche bekannten, tüchtigen Commis. 5093) I. Schloß Söhne in Trier. ir suchen einen jungen Mann, militärfrei, flotter Correspondent und bevorzugen solche, die in gleicher Branche oder in Weingeschäften thätig waren. Samstag und Feiertage geschlossen. W ü r z b u r g. M. Hanauer & Sohn, 5108) Branntweinbrennerei.