Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1410 ftät, mein Sohn ist ein guter Preuße; er soll dienen, aber hier, nicht in Allenstein, dort kann er Eurer Majestät ja gar nichts nützen." „Warum wurde ihr Sohn nicht hier eingestellt?" fragte der Kaiser. „Majestät, er ist einen Strich zu klein." „Haben Sie die nöthigen Papiere bei sich." „Ja." — K. überreicht alle einschlagende Dokumente, welche der Kaiser Wilhelm, der durch die improvisirte Audienz in sichtlich gute Laune versetzt worden ist, in seiner Herzensgute einer Durchsicht unterwirst. „Ja, mein Herr, ich ersehe hieraus, daß Ihr Sohn nicht einen, sondern drei Striche zu klein ist." „Majestät, es wird Ihnen doch aus die paar Striche nicht ankommen!" Der Kaiser lächelte gütig und sagt: „Nun wohlan, so gehen Sie zum General v. Treskow und sagen Sie ihm, ich wünsche, baß Ihr Sohn hierher versetzt würde." Der glückliche Vater überftrömt von Danksagungen. Kaum kann er Worte finden, um seinen Gefühlen den richtigen Ausdruck zu verleihen. Der Adjutant will dem ein Ende machen und bedeutet ihm, zu gehen. K. gehorchte. An der Thür aber bleibt er stehen und macht dem Adjutanten pantomimisch begreiflich, daß er noch etwas zu sagen habe. Der aber will weitere Expektorationen verhindern und flüstert ihm leise zu : „Jetzt ist's genug!" Darob empört sich des Schneiders Blut. „Was wollen Sie denn", ruft er laut, „mit Ihnen habe ich gar nicht gesprochen. Ich habe nur mit meinem Kaiser zu thun." „Was wollen Sie noch?" fragte der Kaiser, dessen gute Laune auf's Höchste gestiegen war. „Majestät, ich bin schon einmal beim General v. Treskow gewesen. Unter uns gesagt, er hat mich rausgeworsen. Das thut er am Ende diesmal wieder. Darum sind Sie so gut, Majestät, und geben Sie mir etwas Geschriebenes/' Der Kaiser that, wie das Schueiderlein gewünscht hatte. „Zu welchem Truppentheil soll ich denn eigentlich Ihren Sohn versetzen?" „Wissen Sie, Majestät, ich habe mir die Sache überlegt. Wenn Sie so gut sein.'wollen, ^„Alexander", die wohnen mir am nächsten." Der Schneider hat Alles erlangt, was er wollte. Frcudentrunken verläßt er das Palais, und lange noch denkt er gewiß an seinen Besuch! bei seinem guten Kaiser Wilhelm und an die „wich- | tige militärische Angelegenheit", die dieser edle und gütige Monarch mit ihm erledigt hat. Das Juden Haus in Lincoln. Wie viele andere englische Kathedralstädte ist auch Lincoln, eine der ältesten und interessantesten Städte Englands, 211 km im Norden von London auf einem hohen Hügel gelegen, reich an Profanbauten, welche in die normannische Zeit hinabreichen. Unter diesen ist das sogenannte „Judenhaus" bemerkenswerth, welches inmitten von niedrigen Häusern in einer steilen Straße steht, die zur Kathedrale hinaufführt. Aus den Ueberresten ist zu schließen, daß dieselben nur einen Theil des ursprünglichen Gebäuoes, das viel größere Dimensionen gehabt haben muß, bilden. Das normannische Bandornament über den Thorwegen und die zierlichen Kapitäle widersprechen der Annahme nicht, daß das Haus aus dem Anfänge des 12. Jahrhunderts stammt. Um diese Zeit war Lincoln bereits eine blühende Stadt, in der auch viele Juden lebten. Im Jahre 1255, unter der Regierung Heinrichs III., des Sohnes von Johann ohne Land, dessen Herrschaft von fortwährenden Kämpfen mit den Baronen des Landes, mit Frankreich und langwierigen Verfassungsstreitigkeiten ausgefüllt war, waren die Juden das Ziel einer blutigen Verfolgung, weil sie sich dem Verdacht ausgesetzt hatten, einen Knaben gekreuzigt zu haben, dessen Leichnam man in einem Brunnen gefunden. Zweiundvierzieg Juden fielen damals der Volkswuth zum Opfer, und einige von ihnen wurden an die Schweife wilder Pferde gebunden, welche die Unglücklichen zu Tode schleiften. Der Knabe wurde als „kleiner St. Hugo" heilig gesprochen, zum Unterschiede vom großen St. Hugo, welcher einer der ersten Bischöfe der Diözese gewesen war. Diesem Ausbruche fanatischer Volkswuth in der Mitte des 13. Jahrhunderts, an dem wahrscheinlich die Geistlichkeit der Diözese nicht unerheblichen Antheil gehabt haben wird, verdankt wohl die nunmehr altersgraue Ruine ihre Bezeichnung. (Mit dom dritton Rreis gekrönt.) (Hebräisch.) Mit dem Motto: „Horribile dictu.“ 3ch bin nichts und werde nichts in aller Zeiten Lauf, -Nimm meinen Kopf mir fort geschwind, fetz' einen andern auf, And was Dir dann erfchloffen ist, das mache wieder zu. Dann wirst Du erstes wieder sehen, dann ist gegönnt Dir Ruh'. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Gewinner ein Gebetbuch in Prachtband. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der 3oh. Wirth'fchen Hosbuchdruckerei-Acrien-Gesellschast in Mainz.