Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 76-77 (25.9.1890)
- Date
- 1890-09-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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MtthodoLe KudenthumÄ OS ES \fi- 25 Eeptbr.^ M.7E LT?. kl«»«- Gafrith momrlach. Novelle von D r. O s s i p D tt ch o w e V k y. (Forrsevuug. — Alle Rechte voebchaltcu.) 3) JL Tie Ideen des Panslavismus, die bis beule bei den Polen keine besonders freundliche Aufnabme fanden, waren schon vor mehr als 800 Jabrcn nabc daran, gerade durch Polen verwirkliche zu werden. Polen war damals, was heule Rußland ist, die flavifche Porinachr. Boleslaw der Tapfere, Halle in glücklich geführten Kriegen große Länderftrecken mit slavifchcr Bevölkerung seinem Reiche einverleibt: im Lsten erwarb er Rothrußland, den Czcchen entriß er Krakau, Mähren und Schlesien, machte sich Böhmen lehnpflichtig, eroberte das pommerfcke Land und drang in siegreichen Kämpfen mir den Deutschen bis in das Gebiet der Lausitzer Serben vor. Tie Idee eines serbischen Großstaates mit der Hauptstadt Prag, als Gegengewicht gegen die Macht des deutschen Reiches, scheiterte damals in der Abneigung der Westslaven, die zum Thcil inil den Teulschen gemeinsame Sache machten, aber nach dem Friedensschluß zn Bautzen siand Boleslaw rrotzdcm als Beherrscher eines Reiches da, dessen Grenzen sich von der Donau bis zur Dstsee, von der Havel bis zum Bug erstreckten. Tie ganze Knltnreniwickelnng der slavischcn Völker würde wohl einen andern Verlaus genommen haben, wenn dieses tief ins Herz Europas sich erstreckende Riescnrcich von Bestand war, doch schon unter Boleslaw Sohn Mjetschislaw zerfiel dasselbe. Deutsche, Ungarn und Russen rissen Theile des Reiches an sich und Mjetschislaw selbst mußte sich 103k vor der überlegenen Macht des deutschen Kaisers Konrad II. beugen. Boleslaw der Kühne stellte zwar später das gesunkene Ansehen des Polenrciches wieder her und Boleslaw Krummmaul drang nochmals über die Oder vor, den allmählich der Germanisation verfallenden baltischen Slaven die rettende Hand reichend, aber die Theilung des polnischen Reiches unter die Vier Söhne Boleslaws, die Eindämmung des in der ..Zeit der Boleslawe" hoch entwickelten königlichen Absolutismus durch die erstarkende Adelsmacht und endlose innere Wirren und Streitigkeiten lenkten Polen für immer von der unter seinem ersten König so glorreich betretenen Bahn ab. Polen gab die Ausdehnuugsversuche nach Westen aui und richtete sein Augenmerk nach Ssteu. Kasimir der Große, der letzte König aus dem Piastengeschlecht, verzichtete zu Gunsten Böhmens auf Schlesien, wogegen der böhmische König Johann den bisher geführten Titel „König von Polen" ablegte, und überließ gegen Zurückgabe Masoviens den deutschen Rittern alle ihre Eroberungen im Norden. Die Vcrheirathung der Königin Hedwig mit dem zum Christenthum übertretenden bisher heidnischen Littauerfürsten Jagello bezeichnet den Beginn der neuen, nach Dsten gerichteten polnischen Politik, die jedoch Polen keine besseren Erfolge als die früher brachte. Polen erreichte den Gipfelpunkt seiner Macht im Tsten, als nach Stephan Bäthorps Tode der Schwedenkönig Siegismund den polnischen Thron bestieg. Damals neigte sich in dem Jahrhunderte langen Kamps zwischen Moskowiter- und Polenthum das Zünglein der Waage zum ersten-, aber auch zum letztenmal auf die Seite Polens und kurze Zeit lang schien es, als würde der Polenkönig auch noch die Krone der Zaren ans sein Haupt setzen. Die Vertreibung der Polen aus Moskau, der heroische Befreiungskampf des russischen Volkes unter Minin und Posharski zerstörte den kurzen Traum. Der Untergang Polens ist, wie bekannt, einzig und allein aus das Conto des polnischen Adels zu setzen. Ter Adel hat die Mißwirthschast, die in seinem häuslichen Leben herrschte,, auch in das staatliche Leben hinübergetragen und die in der (beschichte ihresgleichen nicht findende Ausartung der Landbotenreet,te, durch welche der ärmste Edelmann die Macht erhielt, mit seinem Veto das Zustandekommen eines Reichstagsbeschlusses entgegen dem Willen des ganzen übrigen Reichstages zu verhindern, hat den Keim der Zersetzung in sich getragen. Daß man in neuerer Zeit das Jndcnthum für den Niedergang Polens verantwortlich zu machen sllchr, darf uns nicht überraschen. Sind wir doch innerhalb der russischen Grenzpsähle der Sündenbock für alle Schäden des trotz, oder besser wegen seiner Jndenbcdrückungen zu keinem geordneten Staatswesen gelangenden Zarenreiches. Im ehemaligen Königreich Polen war der Jude, tute er es ebenso tut heutigen Russisch-Polen noch ist, ein wichtiges Glied der Gesellschaft. Er treibt entweder Hansirhandel oder hält einen Branntweinschank. Als Hausirer kaust er Alles was halbwegs noch Werth hat und verkauft Alles, was man zu kaufen wünscht, ist Unterhändler und Vermittler, kurz gesagt eine schätzenswerthe Persönlichkeit. Und kommen wir erst in die kleineren polnischen Städtchen, wie vortheilbast präscntirt sich da das Judenthum. Hier ist der Schacher und der Wucher, nicht wie die Anrisemitenblätter behaupten, die Hauptbeschäftigung, man trifft Handwerker aller Art, Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Kürschner, Schneider, die als fleißige und geschickte Arbeiter bekannt sind. Daneben blüht allerdings der Kleinhandel, welcher dem in die Sradr kommenden Bauer alles liefert, was er in seiner Wirthschaft braucht, und alle Branntweinläden und sonstigen Schenken sind in jüdischen Händen. Doch kehren wir wieder zu unserer Erzählung zurück. Schon lange hatte Brcinle das Treiben Chajims mit argwöhnischen Blicken beobachtet. Sie konnte sich die geheimnitzvolle Beschäftigung ihres Pflegesohnes in dem Stalle nicht erklären, und alle ihre Versuche, Chajim einmal zu überraschen und einen Blick in das geheimnißvolle Dunkel zu werfen, scheiterten an der Vorsicht desselben. Als sie eines Tages aber weißen Rauch und Feuerschein in dem