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Der Israelit · 1882-11-22 · Heft 47 (22.11.1882) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 47 (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1184 lands entgegengenommen, daß einige, sowohl weltliche als geistliche, Fürsten, Edle und MächtigeEurer Länder undDiöcefen, um sie ungerechter Weise ihrer Güter zu berauben, gottlose Rathschläge Men sie erdenken und verschiedene Anklagen gegen sie erdichten .Sagt doch die heilige Schrift unter anderm: Du sollst nicht tobten! und verbietet ihnen während der Passahfeier irgend einen Theil einer Leiche zu berühren, und doch unterschiebt man ihnen fälschlich (falso imponunt iisdem), daß 'sie gerade während dieser Passahfeier das Herz eines ermordeten Knaben unter einander theilen. Man glaubt wohl, ihr Gesetz schreibe ihnen Solches vor, während doch offenbar das Umgekehrte wahr ist. Die Bulle fährt dann fort, wie man boshafter Weise Leichname aufbringe, diese den Juden zuwerfe, um einen Vorwand zu haben, über sie herzufallen und sie auszuplündern. Der Pabst erwartet, daß man die Juden schütze und sie freundlich behandle und droht den Bedrückern mit dem Kirchenbanne. Wie steht es jetzt nach der „Germania" mit der aus historischen Forschungen genommenen „ernsten Ueberzeugung" von der Wahrheit der Blutbeschuldigung? Hat Herr Kopp, als katholischer Bischof, noch nöthig, sein Urtheil der „freventlichen Unwahrheit" einzuschränken. nach dem bereits vor600 Jahren ein Pabst die Beschuldigung für eine Lüge erklärt hat? Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pest 15. Nov. In der heutigen Neichsrathssitzung motivirte Ernst Mezey seine Interpellation in der Tisza-Eszlarer Affaire, welche folgenden Wortlaut hat: Womit motivirt es der Justizminister, daß er 1. die Gesetzesverletzungen des Nyireghazaer königlichen Gerichtshofes übersah, denen gemäß das letztere in der wichtigen Tisza-Eszlarer Strafaffaire nicht einen Gerichtsralh sondern einen Bice-Notär zum Untersuchungsrichter ernannte? 2. Womit motivirt er das Uebersehen hinsichtlich jener zweiten Gesetzesverletzung des Nyireghazaer Gerichtshofes, wonach der 13 Jahre alte Zeuge Moritz Scharf, der einer Mitschuld an dem Verbrechen nicht verdächtig war, Monate hindurch in Haft behalten wurde? 3. Womit motivirt er seine Nachsicht gegenüber dem beispiellosen Vorgehen des durch den Nyiregyhazaer Gerichtshof entsendeten Untersuchungsrichters', demgemäß dieser die Untersuchungsakten und Untersuchungsgeheimnisse in einem der antisemitischen Agitation dienenden Journal veröffentlichte und so den Gang der Justiz nicht nur vor der Einwirkung einer gesellschaftlichen Agitation nicht behütete, sondern geradezu dem Dienste der aufgewühlten Leidenschaften und den wilden Jnstincten der Masse preisgab? 4. Hat der Justizminister die Ober-Staatsanwaltschaft angewiesen, daß sie wegen der über die Wirksamkeit des Untersuchungsrichters Josep Vary veröffentlichten, im höchsten Maße compromittirenden, die Amtsehre tief berührenden Angaben gegen das Wochenblatt Egyenlöseg den Preßprozeß einleitc? 5. Hält der Justizminister es nicht für nothwendig, daß behufs der zukünftigen Verhinderung aller solcher, die höchsten rechtlichen Interessen der Gesellschaft und des Staates schädigenden, das Ansehen der Justiz gefährdenden Uebelstände und Versäumnisse die Tisza-Eszlarer Strafsache in die Hände eines solchen Gerichtshofes gelegt werde, welcher durch die Verantwortlichkeit für das bisherige Vorgehen nicht berührt und frei von dem Einflüsse lokaler Leidenschaften, die unbefangene Rechtspflege zu gewährleisten vermag. Die Interpellation wird dem Justizminister zugestellt. PreHburg, 19. Nov Wie den geehrten Lesern Ihres gesch. Blattes bekannt sein dürfte., überreicht die hiesige orthod. isr. Cultusgemeinde alljährlich am Martinstage (11. Nvbr.) Sr. Majestät dem Könige sowohl, als der Königin und dem Durchlauchtigsten Kronprinzen, die sogenannte Martin- Gänse, und wird der von dieser Gemeinde entsendeten Deputation die Ehre zu Theil in Audienz empfangen zu werden. — Auch Heuer wurde diese Deputation von Allerhöchst Sr. Majestät am 16. dss. Mts. in Budapest huldvollst empfangen. Die Deputation bestand aus den Herren Hermann Pappenheim, Joel Wolf, Moritz Bettelheim und Lazar Gestetner. E n g l a n d. London, 19. Nov. In der jüngsten General- Versammlung des „Jewish College" beklagte der Revd. Dr. Hermann Adler den Mangel an Rabbinatscandidaten für überseeische vacante Stellen. — Die isr. Gemeinden zu Melbourne und Montreal, sowie die zu San Francisco suchen schon seit längerer Zeit vergebens geistliche Oberhäupter. Er hoffe demgemäß, daß die Direction des College den Studenten für das Predigerfach Begeisterung einflöße und diesem Mangel abhelfe. — Herr E. A. Franklin drückte den Wunsch aus, daß das Interesse des Publikums für das College durch gelehrte Zeitschriften der Studirenden erweckt werden solle. „Nie hat es eine „Zeit gegeben, sagte Herr Franklin, z u „welcher ein orthodoxes Journal in „England nothwendiger geworden ist. „als eben jetzt und nie war es mehr „erforderlich als jetzt, daß autori- „sirte Meinungsäußerung über jü- „dische Angelegenheiten Verbreitung „finde, damit den in der Iün gstz eit jo weit verbreiteten verderblichen „Ansichten entgegen getreten werde. _(Jewisch World.)

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