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Der Israelit · 1882-11-15 · Heft 46 (15.11.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 46 (15.11.1882)
Date
1882-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1152 Einwilligung erbeten, und schrie mit ihrer gellenden Stimme den Grundbaß ihres Gatten überdeckend. „Ewadde, ewadde! Wir wollen ja nix Anderes, als daß Ester glücklich wird; — und ich Hab' ja Ester immer wie mein eigen Kind, mein Fleisch und Blut, gehalten, kann's gar nit anders sagen!" Die beiden Liebenden waren in die Fensterecke getreten, und nun bat Ester Benjamin all den Schmerz ab, den sie ihm verursacht hatte, und blickte demüthig zu dem Manne empor, der dem, was ihm als Pflicht erschien, sein Lebensglück, seine Liebe opfern wollte. Der feinfühlende Munitz hatte aber mit Sabel Ulschitz und dessen Frau noch etwas zu besprechen, und bat sie mit ihm ins zweite Zimmer zu gehen. „Es wäre dort ungeheizt," meinte Frau Elke; aber Munitz glaubte, daß sein billiges Begehren wohl in recht kurzer Zeit bewilligt werden würde, und so nahm denn Frau Elke eine der beiden Kerzen und leuchtete in die zweite Kammer. „Fürs Erste," meinte Munitz, „würde ich Euch bitten, es zu gestatten, daß wir recht bald die Vermählung der jungen Leute feiern. Ich habe einen triftigen Grund dafür, der Frankfurter Raw, Rabbi Jakow Cohen, hat es sich als Gunst erbeten, die Trauung meines Sohnes vorzunehmen und will blos deshalb seinen Aufenthalt hier um einige Zeit verlängern. Ihr könnt Euch denken, daß ich, so weit es eben an mir liegt, die hohe Ehre für unsere Kinder dankbar annehmen würde." Reb Sabel schwoll das Herz vor Stolz und Freude, „unsere Kinder" hatte der Erste, der höchftgestelltefte Mann in der Gemeinde, zu ihm, dem ehrliebenden, nach Ehre lechzenden, zum Schammesdienst verurteilten Manne gesagt, und der hohe fremde Rabbi, wollte bei seiner Tochter die Kiduschin geben!5 6) er konnte vor Vergnügen gar nicht sprechen, nur wortlos mit dem Kopfe nicken. „Freilich," fuhr Munitz fort, „hat der Oberrabbiner Rabbi David Oppenheim nur unter der Bedingung diese Function an seinen Freund Rabbi Jakow abgetreten, daß Ihr Reb Sabel ihm das Bedecken °) mechabed feiM"7) Reb Sabel wurde neuerdings vor Freude purpuroth, er konnte nichts thun als freudig lachen. „Wenn Ihr so gütig wart," fuhr der milde, kluge Munitz in einem Tone fort, als würde ihm 5) Die Trauung vornehmen. 6) Vor der Trauung wird das Kopfhaar der Braut mit einem seidenen, zumeist golddurchwirktcn Tuch bedeckt und ihr hierbei ein biblischer «Legensspruch ertheilt. Der Oberrabbiner nahm diese Function nur bei Mädchen von unbescholtenem Rufe vor. 7) Mit der Function des Bedeckens beehrt, ihm diese überträgt. die Familienverbindung mit dem Schammes zur höchsten Ehre gereichen, „meine eben ausgesprochene Bitte zu gewähren, so hoffe ich auch bei meinen weiteren keinem Widerspruch zu begegnen. Das Verlobungsfest muß demnächst recht bald, etwa morgen, gefeiert werden, ich weiß es, es gebührte sich, daß dieses in Eurer Wohnung stattfindet: aber Euer Schwiegervater Reb Mendel Landshut hat mir durch Wodnian sagen lassen, er wünsche, daß die Verlobung seiner Enkelin in seinem Hause stattfinde, ich Hab' gesagt, ich hätte nichts dagegen, doch hinge dies bloß von Euch und Eurem Willen ab; — doch glaub' ich fast, Ihr werdet nicht dagegen sein, weil, wie ich höre, Euer Mosche — Gott mög' ihm recht bald refuo schlemo schicken, noch immer unwohl ist und eine solche Feier das Kind in seiner Ruhe stören würde." Sabel und ganz besonders Elke fiel bei diesen Worten eine Last vom Herzen, namentlich die Frau hatte mit Schrecken und mit Graus daran gedacht, wie es möglich werden sollte, in dem beschränkten Raume ihrer Wohnung, mit ihren ärmlichen Wirthschaftsutensilien, die kaum zur höchsten Roth für die kleinen Bedürfnisse der Familien reichten, ein solches Festmahl zu veranstalten; die Form, in welchem Munitz seine Bitte vorbrachte und begründete, entzückte sie, und da ihr Mann nicht gleich die richtigen! Worte fand, schrie sie:! „Mekaß Reb Löb! Es soll ja Alles geschehen, | wie Ihr es wollt und bestimmt, Ihr braucht uns um gar nichts zu fragen!" „Nun habe ich um Eins noch zu bitten," fuhr Munitz ein wenig verlegen werdend fort. „Ich wünschte, daß wir nun eine Familie bilden möchten, und wir recht oft zusammenkämen; nun weiß ich es, Eure Awodas hakodesch in der Klaussynagoge, beschäftigt Euch gar viel. Ihr thätet mir und Eueru Kindern einen großen Gefallen, wenn Ihr auf Eure Stelle verzichten wolltet. Es fällt Euch vielleicht schwer; denn diese Stelle nährt, wenn auch nur spärlich, ihren Mann, und ich müßte Euch eben, wenn Ihr mir die große Gefälligkeit erweisen würdet, wenigstens einen Ersatz für jene bieten. Ich habe eben drei Theilhäuser käuflich an mich gebracht; ich selbst brauche sie nicht, für mich und meinen Sohu habe ich Raum genug in meinem Hause, drummöchl' ich Euch höflichst bitten, mir noch die eine Liebe zu erweisen, die drei Theilhäuser als Freundschaftsgeschenk gütig von mir anzunehmen, in einem könm Ihr bequem wohnen, das Erträgniß der beiden andern wird nicht nur für Eure Bedürfnisse hinreicheri, sondern Ihr werdet alljährlich noch ein kleines Sümmchen erübrigen und für die Zukunft Eures Sohnes und für Euer Alter sorgen können." Elke war keine gute Frau, aber Munitz'Seelen-

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