Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1882)
- Date
- 1882-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1143 .hauptsächlich zwei Anstalten: die unter der Verwaltung des Gemeindevorstandes stehende Mädchenschule Hütten 52, für 150 Kinder, und die israel. Mädchenschule von 1798, hervorgegangen aus einer von Privaten ins Leben gerufenen Stiftung, deren Schulliaus auf dem Gartenplatz des Paulinenstifts (2. Piarktstraße 5) belegen ist. Der stete Zuwachs der Schülerinnen, wie die mangelhafte bauliche Beschaffenheit besonders des ersteren Schulgebäudes (auf den Hütten) und ferner die .Kündigung der zweiten Schule (Pauliuenstift) haben die Verwaltung von der Nothwendigkcit einer durchgreifenden Aenderung überzeugt. Die Obcrschulbehörde empfiehlt nun, beide Schulen zu einer Anstalt der dentsch-israel. Gemeinde zu vereinigen und zu diesem Zweck einen umfassenden Neubau aufzuführen. Das Gebäude soll mit 10 Elasscnzimmern ausgestattet werden und eine Director-Wohuuug erhalten. Die hierzu erforderlichen Baugelder sind zum Thcil durch die von einem wohlwollenden Gcmeindemitgliede gemachte Schenkung eines Eapitals von 10u,ÖU0 M. gesichert, der andere Theil soll aus dem Verkauf des Grundstückes auf den Hütten bestritten, und wenn nothwenthig, wird das Vermögen der Gemeinde mitvermeudet' werden. Letztere hatte allerdings gehofft, in der 'Neustadt oder in nächster Nähe einen Staatssiruud angewiesen zu erhalten, doch ist dies nicht lbunlich, weil überall ein solcher unbebauter Platz nicht vorhanden ist. Nach längeren Verhandlungen istdie lüemeinde auf den Vorschlag der Finanz-Deputation eingegangen, ersterer ein Grundstück — Ecke"Caroliuen- und Kampfstraße — anzuweisen. Der Platz, 1170 ljw. Flächeugröße umfassend, an der Ecke zweier Lrraßcn und nach Süden wie nach Osten frei belege!;, empfiehlt sich besonders für ein Schulgebäude von größerem Umfange, und ist von der Neustadt sowohl, in der die Mehrzahl der Schülerinnen wohnt wie von den Vororten vor dem Dammthor, ohne erheblichen Zeitverlust zu erreichen. Das; es auch im wohlverstandenen Interesse des Staats liegt, solchen Eorporationen und Vereinen, die eigene Schulen gegründet und bisher ans ihren Mitteln erhalten haben, in Fällen der vorliegenden Art durch eine unentgeltliche Platzbewillnng zu Hülfe zu kommen, wird — so meint der Senat, „einer ausführlichen Begründung nicht bedürfen." Der Senat ersucht deshalb um kostenfreie Uebergabe des Platzes au der Earolincn- und Kampsstraßen-Ecke, 1170 qm. groß, au die deutsch-israel. Gemeinde mit dem Anfrage, die Sache zu beschleunigen, damit der Bau sofort begonnen werden könne. Memel, 1. Nov. Brandunglücksfälle, bei welchen russische Städtchen ganz, zum großen oder größten Theil zu Grunde gehen, sind wohl tagtägliche Vorkommnisse, was bei der Bauart dieser Städtchen gar nicht zu verwundern ist. Die nur aus Holz bestehenden, mit Stroh oder Schindeln bedeckten Häuser und Baracken, gegen welche die schlechtesten Häuser der süd- und mitteldeutschen Dörfer wahre Paläste sind, bedürfen zur Entzündung nur eines Funkens und zur Verbreitung des Feuers eines mäßigen Windes und ganze Stadttheile gehen in Rauch auf. Dieser Ausdruck ist hier wörtlich zu nehmen; denn schließlich bleibt auch vom besten Hause nichts weiter übrig als eine kahle, tiefschwarze von niederen Umfangsmauren begrenzte Vrandfläche, innerhalb welcher nur noch der große thönerne Ofen mit Kamin und Schornstein arg zerstört und verstümmelt, emporragt. Vor wenigen Tagen in der Nacht vom 20. zum 21. October ist das Städtchen Dorbiau, fünf Meilen vom unserm Orte entfernt, zu einem guten drittel niedergebrannt. 36 Häuser von jüdischen Handwerkern und Geschäftsleuten, 13 Häuser von christlichen Bauern mit allen dazu gehörigen sonstigen Wirthschaftsräumen wurden zerstört. 75 israelitische Familien sind dadurch obdach- und besitzlos geworden. Das ständische Hilfseomite fürdieNothstünde russischer Israeliten in Memel", zu welchem auch Schreiber dieses gehört, und welches bereits einige Hundert Rubel zur Abhilfe der augenblicklichen Roth dorthin gesandt hatte, beschloß zu genauer Information und ernster Anregung den Besuch der Brandstädte. Sonntag den 29.'Morgens 8 Uhr, befand sich unser von einem Dreigespan gezogener, mit Geläute versehener Wagen bereits an der Grenze. IuRussisch-Erotlingen wurde halt gemacht und der hier seßhafte (straf Thszkicwicz, der Grundherr von Dorbian benachrichtigt, daß wir bei der Rückfahrt bei ihm vorzusprechen gedächten. Es soll hier gleich erwähnt werden, daß der genannte Graf in hochanerkennenswcrther Weise der Unglücklichen sich angenommen hat. Er kam nach Ausbruch des Feuers sofort zur Brandstätte, leitete mit fünfzig zur Stelle kommaudirteu Kosacken, Graf Tyszkiewiez ist deren Chef, die Löschveraustaltungen, damit das Feuer nicht noch weiter um sich griffe, schenkte sofort 200 'Rubel zur Abhilfe augenblicklicher Noth, berief auch ein Unterslützungs-Eomite, welches Lebensmittel, Geld und Holz zum Wiederaufbau herbeizuschaffen gedenkt. Gegen 11 Uhr laugten wir in Dorbian an und waren bald von Hunderten von Menschen, Inden und Ehristen, letztere waren zumeist die aue> der ganzen Umgegend zusammeugeströmteu Kirchengänger, umringt. Die Hauptstraße, von Südwest nach 'Nardost laufend, schließt in gerader Linie an den Weg an, welcher von Erottingeu kommend dort ciumüudet. Auf einem freien, hübsch eingezännten Platze links von der Hauptstraße, etwa in der Mitte der