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Der Israelit · 1882-05-10 · Heft 19 (10.5.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 19 (10.5.1882)
Date
1882-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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459 Feuilleton Wrthmope. XIX. Bolivius empfing seinen Herrn. „Sei mir gegrüßt, o Herr," sagte er. „Lange warst Du abwesend. Wirst Du jetzt in Deinem ( Schlosse verbleiben?"! „„Ha,"" rief Lucius Licinins, bitter lachend,! „„die Göthen, welche das Land zurückerobert haben,! würden mich lange hier lassen! Nein, mein Lieber, ich muß heute noch fort. Sobald die Sonne untergegangen ist, will ich meinem Bote zueilen, das mich am Meeresufer bei Cumae erwartet, und mich zurück zu der griechischen Flotte bringen wird. Was macht! Deine Pflegbefohlene?""! „Sie ist gesund; aber immer sehr traurig."! „„Führe mich zu ihr."" Als Miriam den Römer erblickte, erschrak sie gar sehr; ein Zittern befiel sie, so daß sie sich nicht mehr aufrecht halten konnte; sie mußte sich niedersetzen. „Nun, schöne Parthenope," rief ihr Lucius Licinius entgegen, „Du hast Dich wohl recht nach meiner Ankunft gesehnt? Antonina, die Gemahlin des Belisar, hat mich zurückgehalten, sonst wäre ich auf den Flügeln des Windes zu Dir geeilt. Diesmal ist sie, allen Heiligen sei Dank, in Constantinopel zurückgeblieben. Nun, Du hast keinen Gruß des Willkommens für mich? Liebst Du mich nicht?"! „„Ich hasse Dich,"" stieß Miriam hervor,! „„wie nur ein Mensch den andern hassen kann!"" > „Ha, ha, ich werde Deinen Haß in Liebe zu i umwandeln wissen! Heute Abend noch bringe ich! Dich auf mein Schiff. Bald wird Belisar landen > und zum zweiten Male das Reich der Gothen stürzen.! Dann bin ich der Herr dieses Landes, der es regiert j an Kaisers Statt. Dann wirst Du in Rom die Taufe empfangen, meine Gattin werden und die! Herrscherin dieses Landes sein. Hat das Alles nichts! Verlockendes für Dich?" „„Nein, Römer, ich werde niemals Dein Weib > werden! Ich bitte Dich, gib mich frei! Du weißt ja, ich bin die Braut eines Andern."" „Dieser Andere schmachtet iu den Bergwerken, aus welchen die Sträflingen nimmer wiederkehren." „Verzeihe, Herr," sagte Bolivius, „der Jude Joseph muß wohl dem Kerker entronnen sein. Er war hier mit dem ArchonPerseus, welcher die Jungfrau dort ermorden wollte. Der Jude schlug ihn nieder und tödtete ihn. Ich aber ließ den Juden gefangen nehmen; auch von hier ist er entflohen." „„Wie,"" fragte Licinius, „„Perseus hat Parthenope ermorden wollen? Das hat Niemand anders als die ränkeschmiedende Antonina angezettelt! Deßhalb also ist Perseus nicht zurückgekehrt. — Halte Dich bereit, Parthenope, mir heute Abend auf das Schiff zu folgen!"" „Ich werde Dir nicht folgen." „„So werde ich Dich zu zwingen wissen!"" „Ich bitte Dich, Römer, tödte mich lieber; ich würde Dich segnen dafür!" „„Ich werde meine künftige Gemahlin nicht tödten!"" „Niemals werde ich Deine Gattin werden!" „„Fürchte meinen Zorn, Mädchen! Wenn Du meine Liebe verschmähst, so wird mein Zorn sich furchtbar über Dich entladen. Ich habe meinen Vater an dem Juden Isaak zu rächen. Isaak ist todt, so mag es seine Tochter entgelten!"" „So tödte mich!" „„Dein Tod wäre keine Befriedigung meiner Rache. Schande und Schmach würde ich auf Dein Haupt häufen."" Ein Sklave stürzte in das Gemach. „Herr," rief er, „entfliehe, ein ganzes gothisches Heer rückt gegen das Schloß an." „„Bolivius,"" sagte der Römer, „„ich lasse Dich hier, damit Du so lange als möglich das Schloß vertheidigst und die Feinde aushältst. Ich entfliehe mit dem Mädchen durch das Hinterpförtchen, und ehe die Gothen merken, daß das Nest leer ist, bin ich aus Belisars Schiff in Sicherheit. Nehmt das Mädchen und bindet es auf eines der Maulthiere!"" Sein Befehl wurde sofort ausgeführt, und bald darauf ritt Lucius Licinius mit seinen Begleitern, das Maulthier, auf welches Miriam gebunden war, mit sich führend, auf verborgenen Wegen der Bucht von Cumae zu. Totila war zuerst an der Zugbrücke angelangt. „Laßt die Brücke nieder." rief er; „der König der Jtalier und Gothen fordert Einlaß!" Ein Pfeil schwirrte herüber, den Totila mir seinem Schilde auffing! „Ha," lachte er, „ein prompte und deutliche Antwort!" Joseph sprengte herbei. „Mein König," sagte er, „ich kenne eine Stelle, an welcher der Graben leicht zu passiren ist; ich selbst habe das schon erprobt, als ich dem unterirdischen Verließe dieses Schlosses entfloh." Bald war die Stelle gefunden, und die Gothen ritten hindurch. Aber die Thore des Schlosses waren verrammelt. Man mußte warten, bis die Sturmböcke herbeigeschafft waren, um sie einzustoßen. Darüber verging eine geraume Zeit. In weiser Vorsicht hatte Totila das Schloß umstellen lassen.

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