Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 19
- Date
- 1881-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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456 Rothschild wäre, so möchte ich noch lange nicht Hofprediger Stöcker sein und zeichne mit sonderbarer Hochachtung Euer Hochwürden ergebenster A. Freiherr v. Rothschild. Gniewkowo (Argenau), 2. Mai. Gestern ist cs, wie der „Tribüne" geschrieben wird, zu neuen Cxcessen nicht gekonnnen. Das Landvolk strömte von Mittag ab in Masse nach der Stadt, so das; die Straßen wie zu einem Jahrmarkt mit Hunderten von Menschen gefüllt waren. Auf die Frage, welcher Zweck die Leute zur Stadt geführt hätte, erhielt man zur Antwort, daß sie zum 1. Mai hineinbestellt worden seien. Die bereits erwähnte Proklamation, worin die Austreibung der Juden für den 1. Mai angckündigt worden war, scheint somit gläubige Gcmüther gefunden zu haben. In Folge der starken Volksansammlungen sahen der Landrath und der Staatsanwalt sich veranlaßt, über Nacht in Argenau zu bleiben und beständige Gensdarmeric-Patrottillen zu unterhalten. Der gestrige Tag hat gezeigt, daß die Bewegung von langer Hand vorbereitet war und es zu sehr argen Excessen gekonnnen wäre, wenn nicht die Presse rechtzeitig Allarm geschlagen hätte. Schließlich sei noch erwähnt, daß die famose Proklamation „au die Christenheit" seiner Zeit dem Bürgermeister von Argenau im Original überreicht wurde, sich daher bei den Akten befinden muß. R u ß l a it d. Lon eitlem Flüchtlirig aus Elisabethgrad, der in Sznfiakowka, 30 Werst von Elisabcthgrad, Unterkunft fand, erhält die „Presse" folgenden Brief mit dem Poststempel Brody, 1. Mai: „Die Stadt Elisabethgrad wurde furchtbar heimgcsncht; niehr als 500 Familien sind obdachlos. Es wird fortgeplündert. Der Pöbel hat fast die ganze Stadt vernichtet, Alles geraubt, die größten Kauflente, die viele Hunderttauscnde besaßen, zu Bettlern gemacht; dem Einen wurde die Frau getödtet, einem Andern die Kinder; Viele suchen Obdach in den Feldern oder Wäldern. Während man das Haus meines Chefs am 14./26. Nachts 2 Uhr überfiel, bin ich und derselbe im Hemd entflohen. Die Familie hat mein Chef znrückgelassen, was mit derselben geschah, wissen wir nicht, nur das Eine ist uns leider bekannt, daß man seine Eltern getödtet hat. Mein Chef ist zum Bettler geworden. Sein Haus wurde total niedergerissen, Alles geraubt und geplündert. Wir Beide sind in der Nacht 30 Werst zll einer Station gelaufen, um mit dem Leben davonzukommen, entblößt von Allem, haben wir den ersten Tag hungern müssen, erst am andern Tag kamen noch Menschen herangelauftn, welche etwas Geld bei sich hatten." Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. XVII. Es war eine freundliche Frau, zu der Hulda gebracht worden. Sie fand dort eine mütterliche Pflege und liebevolle Theilnahme für ihr herbes Geschick. Wer ihr Retter gewesen, konnte sie nicht erfahren, daß dieser aber auch weiter für sie sorgte, wurde ihr durch Andeutungen klar, welche die sonst verschwiegene treffliche Besitzerin des kleinen Häuschens ihr gab. Es mußte wohl auch der Sorge und dem Einfluß des unbekannten Freundes zu verdanken sein, daß sie nach einigen Tagen eine Einladung empfing, sich der Dame eines angesehenen Hauses vcrzustellcn, wo sie auch alsdann eine ehrenvolle und angenehme Stellung erhielt. Da blieb sie dann, bis das Jahr 1870 zu einem entscheidenden Waffengange zwischen Deutschland und Frankreich rief; diesen Moment benützte Hulda, um die Sehnsucht nach ihrem geliebten Va erlaube zu stillen, indem sie sich in dessen Dienst stellte. Diese ganze Leidensgeschichte hatte aber die Pflegerin dem Freunde ihres Arno verschwiegen. Sie wollte nicht Schmach auf das Haupt desjenigen hänfen, welcher augenblicklich durch seine jammervolle Lage schon genug der Strafen zu dulden hatte. In der That war der Zustand Edgars ein jämmerlicher. Delirien, die einen gepeinigten Seelenzustand verriethen, in denen sich eine von den furchtbarsten Schreckbildern erfüllte Phantasie zeigte, wechselten mit Momenten des Bewußtseins ab, die ihn unter den Folterqualen brennender Schmerzen sich winden ließen. Es war ein Riesenkampf mit dein Tode, und wenn er sich dann in Schmerzen wand und krümmte, und man das Ende herangenaht glaubte, dann schrie er auf: „Vater! Vater! Ich will meinen Vater!" und er sank dann in einen Schlummer zurück, aus dem er bald zu neuen Schmerzen erwachte. Es schien, als könnte er nicht sterben, ehe er seinen Vater gesprochen; man hätte gern den Pater herbeigerufen; aber wer kannte seinen Vater, wer kannte den Personalstand einer verkommenen „Hyäne *