Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447866--17492-3519422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

XXII. Jahrgaiig. 18 des Israelit. Zweite Seiiagr zu Nr. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würiburg. Vorigen Freitag erschien dahier, Verlag, Redaction und Druck von Fella, die Probenummer einer neuen Zeitschrift, „Der deutsche Anti- Semit," dessen Schicksal alsbaldige Confiscation war. Gleich die Abonnementseinladung strotzte von der gemeinsten Art der Aufhetzung gegen die Juden. Der Herausgeber, Redacteur und Drucker ist derselbe, welcher in Aschaffenburg, irren wir nicht, in der dortigen ultramontanen Druckerei, noch vor der Stöcker'- schen Antisemitenhetze, den „Reichsspeiteufel" heransgab. Seine persönliche Vergangenheit sollte den Mann Zu Allem eher veranlassen, denn als Sittenrichter sich aufzuwerfen. Ulm. Mit welcher Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit die nirrw dahier besorgt und beaufsichtigt wird, dazu mag folgendes Vorkommnis als traurige Beleuchtung dienen. Der hiesige orpip, Herr Vorsänger Einstein, nimmt es, wenn er bei christlichen Metzgern schächtet, mit dem Anhängen seiner no»nn an das Fleisch nicht sehr genau, es thut's ihm hie und da, wenn solches erst einen Tag nach dem Schächten geschieht (!!) und ums „Dorschen" bekümmert er sich eben so wenig, wie der zweite hiesige unw, sein Neffe, Herr Bernheim, wiedas Kirchenvorsteheramt und wie die Majorität der hiesigen gto n. Diesem Uebelstande und unjüdischen Thun nnd Lassen Abhilfe zu verschaffen, wendete sich Herr S. Octtinger, der fast immer sein Fleisch selber holt und borscht, beschwerend, zunächst an den Herrn Rabbiner Kahn von Laupheim, der auch' Bezirksrabbiner dahier ist und jeden vierten Sabbat der Orgel und den leeren Bänken einen Vortrag hält, und hierauf, als dieser mit kalten Worten Oettinger zu verstehen gab, daß er nichts thun kann, an das Kirchenvorsteheramt, welches dem Beschwerdeführer einen schriftlichen Beschluß zugehen ließ, lautend, daß es in der Sache nichts zu thun vermöge und er sich an das Rabbinat Laupheim wenden könne. Also sorgt man in Ulm für die nu>n&. Daß ein neologes, reformsüchtiges Kirchenvorsteheramt sich für die -iv'riV nicht interessirt , läßt sich denken, daß aber ein Rabbiner, ein p-y mio, wenn ihm solche Anzeige gemacht wird, sagt, er kann nichts thun, das sollte man fast nicht glauben können. Wir möchten Herrn Rabbiner Kahn rathen, er wolle in dieser Angelegenheit eine bei den sieben Rabbinen, an die er sich in der Wolfenstein'-- schen Affaire gewendet („Israelit," XXI. Jahrgang, Seite 618), machen, ob er wirklich in der Sache nichts thun kann und nichts zu thun verpflichtet ist und das Resultat der rranwi seiner Zeit in diesen Blättern bekannt geben. Berlin. Ein Abenteurer, der unter dem Namen Adolf Lefkowitz auftritt und Galizier sein will, hatte sich in Breslau mit einem 15 Jahre alten, jüdischen Mädchen verlobt. Er wußte sich in das Vertrauen seiner zukünftigen Schwiegermutter einzuschmuggeln und von ihr die Erlaubniß zu erwirken, seine jugendliche Braut auf eine Reise, die er nach Mühlheim a. d. Ruhr unternehmen mußte, mitzunehmen, da er behauptete, seine dort wohnenden Schwester würde sich sehr freuen, seine Braut kennen zu lernen und dieselbe gern eine Zeit bei sich behalten. Auf der Reise nach Berlin, stieg L. aber unterwegs aus, logirte sich mit dem Mädchen in dem Stationsorte ein und hielt dieselbe nun zum Betteln bei Glaubensgenossen und zu Unsittlichkeiten au. Später setzte er die Reise nach Berlin fort. Hier angelangt, eilte das Mädchen zu ihrer Tante und diese veranlaßte die Verhaftung des Verbrechers, der einer sehr strengen Bestrafung entgegensieht, da nach 8 235 des Strafgesetzbuches, derjenige, welcher eine minderjährige Person durch List ihren Eltern entzieht, um die Person zum Betteln oder zu unsittlichen Zwecken zu gebrauchen, mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren bestraft wird. Lefkowitz hat bereits eingeräumt, eine Schwester in Mühlheim a. d. Ruhr gar nicht zu besitzen. Frankfurt, 22. April. Die Antisemitenbewegung hatte ihre Wellenkreise bis nach Rödelheim gezogen. Es hat sich dort ein „Christlicher Verein zur Förderung gemeinnütziger Zwecke" aufgethan, dessen Statuten die Besonderheit aufweisen, daß in § 2 politische und religiöse Tendenzen und Kundgebungen „grundsätzlich" ausgeschlossen sind. Dieser seltsame Verein hat in dem friedlichen Orte schon recht böses Blut gemacht, und eine Reihe von In-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.