Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 1 (15.5.1860)
- Date
- 1860-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. Vrobeblatt. -L23 .N 1. er Israelit. E i n VeUtNsLorgaN für bas orthoZoZe ArrdcNthum. vr. Lehmann in 'Mainz. Mainz, den 1 5>. M a i st t» 2 0. (l 8 l; 0.) Inhalt. Leitende Artikel. Unsre Teil. Zürchte nicht, lieber Leser, daß wir schon beim Beginne unsrer Bekanntschaft Dein Ohr mit Klagen und Seilszern füllen werden. Du hast wohl ein Recht so zu furchten, wenn Du an der Spitze eines orthodox-jüdischen Blattes einen Hinblick auf unsre Zeit findest. Allein nicht dem Seufzenden gehört die Welt; durch Klagen wird kein Zustand geändert, geschweige gebessert — dem Muthigen gehört die Welt, der Kraft genug in sich suhlt zu wagen, zu kämpfen und zu gewinnen. Wie alle Zeiten hat auch die unsrige große Schatten- und große Lichtseiten — wir wollen beide einer ruhigeil Würdigung unterziehen. Was ist eigentlich die Gegenwart? Ein unfaßbarer, verschwindender Moment, der noch nicht eingetretcn der Zukunft und kaum eingctreten schon wieder der Vergangenheit angchört, und doch die wichtigste aller Zeiten, der alleinig Schauplatz unsrer Thätigkeit, aber von der Vergangenheit erzeugt, und mit ihr vereint, die Zukunft in sich bergend. Wer wird leugnen, daß Israel eine große, ja die größte Vergangenheit gehabt unter allen Völkern der Erde? Wer, dem die V e rh ißu n g e n d e -? I ndenthums l ollgiltig sind, wird es bezweifeln, daß Israel einer großen, ja der größten Zukunft entgegen geht, unter allen Völkern der Erde? Und wir sollten an der Gegenwart, dem Produkte einer großen Vergangenheit und der Mutter einer erhabenen Zukunft, verzweifeln? L, nicht doch! -.7 .-.2ii vzw-? 7-- r-.'rri Lx Z."l7'N 'V LV ri.-x '2 selbst wenn Tn ein Geschlecht erstehst, das sich verringert in religiöser Pflichterfüllung, so hoffe für es, denn also heißt's: Pf. 18. 28, Du hilfst einem armen Volke. — In der Zeit, di§ der französischen Revolution von 89 vorausging, wurde der Jude von seinen Mitmenschen nicht als Mensch anerkannt, sondern im schmählichsten Druck nlit Hohn und Verachtung als ein Ausgestoßener mißhandelt. Abgeschlossen von der . Außenwelt, lebte er in seinem Ghetto ein hohes und i schönes Geistesleben, das heute noch weder gewürdigt! noch gekannt ist. Die Schätze der heiligen Gottes- - lehre waren den Meisten erschlossen und boten in