Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (2.3.1883)
- Date
- 1883-03-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sich zur Ausführung eines solchen Scherzes beliebig bedienen darf? Sie waren so freundlich, das Ergebniß des mit uns angestellten Experimentes zu veröffentlichen und theilten bei dieser Gelegenheit die untersuchten Geschöpfe, zu klarer Ueberficht, in vier verschiedene Kategorien — כנגד ארבעה בנים — und zwar: in Sachkenner — אחד הבם, Schreier — אחד רשע, Schmeichler — אחד תם und Schweiger — ואחד שאינו יודע ל ״אול; es Hai aber ganz den Anschein, als hätten die חכמים rein aus Courtoisie das bescheidene Plätzchen separat zugewiesen bekommen und als hielten Sie, verehrter Herr, alle Jene, die ihr pro 6t contra über die mehrerwähnte Gesangsnummer nicht abgegeben (und zu dieser Gruppe gehören wir ja fast Alle) für Schweiger rccts שאינו יורע לשאור; denn nimmermehr hätten Sie uns Ihre Mißachtung so unverblümt zu erkennen gegeben, hätten Sie nicht uns Allesammt für gänzlich unzurechnungsfähig gehalten. Es ist wahrlich tief betrübend für uns, denken zu müssen, daß Ihr abfälliges Urtheil über den Cantorenstand zumindest theilweise irgend einen berechtigten Grund haben muß; aber Sie mögen versichert sein, Ihr Urtheil, so verläßlich es auch sonst sein mag, hat Sie dieses Mal irregeleitet; es gibt weit mehr anständige, charaktervolle, denkende und ihres eigenen Werthes sich vollbewußte Männer unter uns Cantoren, als Sie zu glauben scheinen. Ebenso irren Sie entschieden, wenn Sie glauben, es gäbe auch nur einen Einzigen unter uns, den Ihre Kundgebung nicht tief verletzt hätte. Dieses Alles sagt Ihnen, Herr Obercantor, ein Amtsbruder, der die Ihnen gebührende Hochachtung um keine Haaresbreite geschmälert wissen möchte, der weder ein Schreier noch ein Stänkerer und Krakehler ist und welcher mit diesen Zeilen keine andere Absicht verfolgt, als Ihnen eine bessere Meinung von uns Allen beizubringen. Wenn schließlich einige Quinten- und Octavenjäger gelegentlich der Jagd in Ihrem zu diesem Anlasse eigens wohlgepflegten Revier Ihnen gegenüber den Ton der Wohlanständigkeit nicht gehörig eingehalten haben, so ist das ohne Zweifel sehr unschön und bedauerlich; aber schreiben Sie es diesen Hitzköpfen zu Gute. Die ausgiebige Jagd scheint diese Nimrode übermüthig gemacht zu haben und in ihrem Uebermuthe schossen sie auch — Böcke. Aufklärung eines Mißverständnisses im Leben des Königs David. iZum 34. Psalm.) Das Urbild der Könige im Reiche des Sanges, der Sänger mit Thron und Krön, ist, ganz abgesehen von der Heiligkeit des Namens für alle Glaubensbekenntnisse vom rein menschlichen Gesichtspunkte aus betrachtet, von so überwältigendem universellem Interesse, die Psalmen sind ein so unerreichtes Stück der Menschheitspoesie, daß die Beseitigung eines dunklen Punktes im Leben dieses Königs mit Harfe und Schwert der Gesammtheit der Gebildeten gegenüber von Wichtigkeit wäre. Ich will es daher versuchen, zunächst die Aufschrift des 34. Psalm auf ihren Inhalt und Ursprung zu prüfen. Man übersetzt gewöhnlich: ״Von David ein Psalm, wegen der wohlgelungeneu Vorspiegelung von Irrsinn, durch welchen er von Abimelech vertrieben worden und mit dem Leben davon gekommen war. Neben der Absonderlichkeit, einem so traurigen durch die äußerste Lebensgefahr gebotenen und durch Mittel der Listigkeit herbeigeführten Befreiungsmomente, die im lieblichsten Rhythmus dahinrauschenden Verse eines der an Sitte nweisheit und Schwung reichsten Psalmen zu widmen, welche überdies äußerlich mit dem Vorzug alphabetischer Reihenfolge ausgestattet sind, würde in der Aufschrift des Psalms ein historischer Irrt hum enthalten sein. Denn der König, vor welchem David, um sein Leben zu retten, der gewöhnlichen Annahme nach, Wahnsinn simulirt hatte, hieß nicht Abimelech, sondern Achisch (אביש). (Sam. 1, 21. Vers, 12—16 irtct.] Aber selbst davon abgesehen, widerspricht es ja doch auch der letzten Spur von Pietät für den mit so erhabener ethischheroischer Lebensanschauung begabten Psalmen-König annehmen zu wollen, dieser hätte nicht die Gefahr des Lebens dem trügerischen Spiel mit der Güter -Höchstem vorgezogen. Wie sollte denn aber auch Israel das Unglück verdient haben, daß das Gemüth seines ersten Königs wirklich umnachtet und des mit den Klängen der göttlichen Musik ihn erheiternden Nachfolgers auf den Thron den Schein der Krankheit angenommen haben sollte? Sollte wirklich das gottbegnadete Königthum in Israel und der Menschheit mit einem geisteskranken und einem simulanten Träger der heiligsten Krone sich eröffnet haben? — Ganz ausgeschlossen soll hierbei natürlich die wichtige, im Heile der leidenden Menschheit wurzelnde Frage bleiben, ob überhaupt die Existenz von Geisteskrankheit wissenschaftlich begründet ist; denn der materielle Stand- Punkt negirt ganz und gar die Existenz des Geistes, der ideale die der Möglichkeit einer Krankheit des Göttlichen im irdischen Dasein; für beide aber ist, streng genommen, der Begriff ein Unsinn oder ein himmelschreiender Mißbrauch — ״Wir müssen daher anders übersetzen, wenn wir vom Geiste recht erleuchtet sind." Man setze aber zunächst nach zahlreichen Analogien, die Geschichte von der Reichung heiliger Speise durch Abimelech an David (Sam. I. Cap. 21. V- 2.—11. inel.) hinter der Episode angeblicher Krankheitsverstellung des Königs David an derselben Textstelle (Sam. I. Cap. 21 V. 12—16 inel.). Ferner beachte man wohl den Unterschied zwischen שק (schürfen, übertr. na dj ft eiten, feindlich zielen Psalm 45, 6) und שנה (wiederholen und wiederherstellen Sprüche Sal. 26, 11) und daß die erstere Wurzel der Verbalbildung in der Erzählung aus dem.Buche Samuel (I., 21, 14), letztere der des Zeitwortes in der Aufschrift des 34. Psalms zu Grunde liegt. Nun löst sich das Räthsel und der Flor Jahrtausende alter Jrrthümer über das Leben des göttlichen Königs fällt vor unseren Augen: Der König David war in die Hände des Barbarenfürsten Achisch gerathen, welcher offenbar nicht aus Freundschaft für Saul, sondern aus Freundschaft gegen David, durch Vernichtung des Letzteren, dem Ersteren einen Dienst erweisen wollte. War doch Jener ein gekrönter, beneideter Rivale von diesem. — So erklärt es sich, weshalb mit einem Male die blutdürstige Creatur Saul's, jener Doeg, in den Vordergrund der heiligen Erzählung (Sam. 1. Cap. 21. V. 8) tritt, welchem die Ermordung der Priester aus Rache für die dem König David durch Abimelech erwiesene Gastfreundschaft durch seinen gleichgesinnten Herrn später überantwortet wird. (Sam. I. Cap. 22 V. 18). Unter diesen Umständen hört' nun Achisch im Munde seiner Diener das Lob Dabid's erklingen: ״Saul schlägt