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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-02 · Heft 8 (2.3.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 8 (2.3.1883)
Date
1883-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 Nun erst können wir dem Vereine unser ״Glückauf"! zurufen, können getrost an seine Begründung und an sein Emporblühen glauben. Wenn die Wurzel in gutem Erdreiche fest sitzt, erstarkt der Baum, die Aeste und Zweige mehren sich, Blüthen und Früchte bleiben auch nicht aus. והנה פרח מטה אהרן לבית לוי ויצא פרה ויצץ ציץ ויגמל שקדים Nun ertöne laut und frei das Wort der Wahrheit von denjenigen, die dazu berufen sind. Die ״Cantoren-Zeitnng" sei und bleibe das Organ, durch welches wir zum Selbstbewußtsein, zur Zusammengehörigkeit, zum Vorwärtsstreben, zur Beseitigung aller Uebelstände, uns verständigen. Sie sei das Telephon, durch welches wir uns Freud' und Leid zurufen. uns aufmuntern und geistig erheben. Ja ״geistig erheben" ist auch eine große Nothwendigkeit in unserer bis nun so verkannten, so nach rückwärts gedrängten Stellung, wodurch und wobei so viele wackere Männer gedrückt, gedemüthigt geradezu apatisch vegetieren. — Auf denn! Erwachet alle aus Euerem langen Schlafe, recket die Glieder, rühret die Hände zum Bau, zu gemeinsamen Schaffen. Fasset Selbstbewußtsein und helfet mit an dem gemeinsamen Werke, auf daß es mit Gottes Hilfe gelinge! Nehmet an was, Euch von Erfahreneren gesagt wird und es wird eine ganze Umwandlung mit Euch und mit Eueren Stellungen zum Besseren vor sich gehen. Wir müssen uns die Achtung und Anerkennung zu oerschaffen wissen und sie wird nicht ausbleiben, wenn wir nur «׳inig Vorgehen, gemeinsam mit allen Kräften die besten Mittel zu unserem erhabenen Ziele wählen. Möge der Neid, die Eifersucht aus unserer Mitte verbannt sein! — Arbeiten wir in Eintracht und Brüderlichkeit in dem von uns nun vorbereiteten und bearbeiteten Garten, damit die zarte Pflanze nicht vorzeitig aus Mangel an Pflege absterbe, damit die junge Schöpfung, unser Verein, bald emporblühe als ein sichtbarer Zeuge unserer Thätigkeit, unseres Eifers und unserer Macht. Prag, 27. Februar 1883. Jonas Stransky. Ventil für -ie erregten Gemüther! Bon Em. Sparger. Lassen Sie sich, geschätzte Leser, von obiger Aufschrift durchaus nicht abschrecken; Sie bekommen es heute mit keinem jener Herren ״Befchwichtigungshofräthe" zu thun, welche die glückliche Gabe besitzen, selbst unter den verzwicktesten Vorkommnissen im Leben, es der ganzen Welt recht thun zu können, w'eil sie es auch stets verstehen, der ganzen Welt — Recht zu geben. Diese süßlichen Naturen sind dem Schreiber dieser Zeilen, im Gegentheil, in der Seele zuwider und er trägt durchaus kein Verlangen, in die Fußstapfen derselben zu treten. Doch zur Sache! Herr Obercantor Singer hat in der vorwöchentlichen Nummer unseres Organs der ״Cantoren-Zeitung", eine Erklärung abgegeben, von der er selbst sagt, sie werde nur ״einige Wenige" unserer zahlreichen Collegen ״wahrhaft befriedigen", die aber, nach meiner innersten Ueberzeugung, jeden Einzelnen von uns — ohne Ausnahme — umso schmerzlicher berühren mußte, als der allgemein bekannte lautere Charakter Herrn Singer's nicht den mindesten Zweifel über die volle Wahrheit seiner Contestation zuläßt. Die Quintessenz dieser ausführlichen Erklärung ergibt folgende zwei Momente: 1. Herr Singer erklärt, den Raum der ersten Musikbeilage der ״C.-Z." dazu benutzt zu haben, um mit der Veröffentlichung einer absichtlich entstellten Musik- Piece, ein. abschreckendes Beispiel für musikalisch impotente Componisten zu statuiren; 2. Herr Singer erklärt, durch Veröffentlichung einer fehlerhaften Composition wollte er den ״Recensenten der modernen Synagogenmusik" Gelegenheit geben, sich zu — blamiren. — Man gestatte mir nun freundlichst, diese zwei Momente, welche wohl so ziemlich den ganzen Sinn jenes sehr interessanten Aufsatzes (bis auf den polemischen Theil) in sich enthalten, des Näheren zu erörtern und eingehend zu prüfen, in wie fern es Herrn Singer gelungen ist, seine — wie er selbst sagt — eigenthümliche Handlungsweise vor dem Forum der Oeffentlichkeit zu rechtfertigen. Ob und in wie fern die Keduschah Herrn Singers zu einem warnenden Beispiel für ״Notenschmiede" sich eignet, bleibe hier unbesprochen; aber fragen möchte ich alle die Herren, die gar so gewaltig gegen die Mittelmäßigkeit eifern: ist denn, um des Himmels Willen, das Malheur, welches einige mittelmäßige oder sagen wir gar ausgesprochen schlechte Köpfe mit der Veröffentlichung ihrer Mache anrichten, in der That so ungeheuer groß, daß bereits zu solch' verzweifelten Euren Zuflucht genommen werden muß? Ich bitte doch die Herren, sich in die erstbeste Musikalienhandlung verfügen zu wollen und sich, zu beliebiger Jahreszeit, die neuesten Messen von — sagen wir — der letzten vier Wochen zeigen zu lassen; ich stehe ihnen dafür, sie werden unter dem großen Stoß der ihnen vorgelegten Novitäten nur äußerst wenige Arbeiten finden, die sich über das Niveau der Mittelmäßigkeit erheben und wahrlich, die Kirche besitzt mehr Vorrath von gediegenen Meisterwerken als der Tempel. Lassen Sie doch diesen ״Thondichtern" ihre Freude, wenn sie übriges Geld zu diesem kostspieligen Vergnügen haben; denn finden sie auch hie und da einen gefälligen Abnehmer, so müssen sie die Ehre, ״sich gedruckt zu sehen" noch immer theuer genug bezahlen. Was aber die zweite Absicht betrifft, die Herrn Singer zur Verstümmlung seines eigenen Geisteskmdes zu veranlassen vermochte, so ist sie geradezu ein Faustschlag für den gesammten Cantorenstand, nnd es hieße, ihn in der geringschätzenden Meinung, die er seinen Amtsgenossen gegenüber offen an den Tag legt, bestärken, wollte man darüber stillschweigend hinweggehen, und ich fordere hiermit die Herren Herausgeber und Redacteure unseres Organes höflichst, aber zugleich kategorisch auf; verweigern Sie uns nicht die, wennauch nur schwache Genugthuung, von dieser Stelle aus, Herrn Singer zurufen zu dürfen: ״Wir fühlen die bodenlose Beleidigung, die Sie uns zugefügt, in ihrer ganzen Größe." Verehrter Herr Obercantor Singer! Sie erklären mir seltenem Freimuthe, daß Sie alle Ihre Amtsbrüder, in der Absicht, Ihre Erfahrungen auf dem Gebiete der Psychologie zu bereichern, einer geistigen Vivisection unterzogen haben; glauben Sie nicht, daß eine solche Erklärung geeignet ist, einen jeden Eollegen mit einigem Selbstbewußtsein auf das Tiefste zu kränken und zu beleidigen? Muß nicht jeder unbefangene Leser Ihres Aufsatzes den Eindruck gewinnen, als hielten Sie uns Alle für unmündige Kinder, mit denen man sich ein Scherzchen erlauben darf, und unser Fachorgan sammt Mufikbeilage für ein Spielzeug, dessen man

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