Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 1 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und «dmiuiftratiou: Wien, 11., Noparagasse 27 Lelephonr - Redaktion Automai 48.889. Anhängige Seitschrist für jüöische Bezugrpreis: Qauzjithrig.& HalMhri,.K Cbnttiiiftrailon «u«. 47.664 ». k. fftcxr. Bostsparkafia. Scheck-Konto Nr, 100.918. JtrfereJ««. Fist SfnltnJbeaiiitr: W.uzjilbrig.K Inserate: Erscheint jeden Areitag. — Die viermal gespaltene Roaparrille-Zeile 86 Heller. Fin A»2!a,:!>: »bonnenient». nnd Insertion». Stanzjitvrig.K> . detrLge find in Wir» zahlbar und klagbar. „Da» Siegel Moltes ist Wahrheit!“ Kr. S7. Wien. 11. Jänner 1018. I n halt: Abonnements-Einladung. — Die Golusperiode des heiligen Landes. — Aus der Wiener Kultusgemeinde. — Anmeldung der Mazzoth-Bestellungen! — „Hakol lot Jakob". — Berichtigung. — Jakob Bachmann. — Verschiedene Nachrichten. — Banknotizen. Abonnements-Einladung. Iie geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Jänner 1918 begonnene I. Huartal ersucht, danlit die regelmäßige Expedition des Mtattes keine Unterbrechung erleide. K. l. Postsparkasfen-Konto 100.918. Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. Die Administration Dir Goinsperiode des heiligen Landes. Von Zwi Cohen-Jaffa. - Das früher in üppigem Grün strotzende gelobte Land ist nach der Vertreibung seiner Söhne ein Tummelplatz wildester kriegerischer Ereigniffe geworden. Das zwischen Europa und Afrika geographisch gelegene Land mit seiner von Milch und Honig triefenden Fruchtbarkeit ist ohne seine Betreuer der Verwüstung anheimgefallen. In dem Maße des früheren glücklichen Zusammenlebens verfielen sie beide, Volk und Land, getrennt und einander entfremdet, der unbarmherzigen Verelendung. Nur wenige Ueberreste des jüdischen Volkes hatten sich gruppenweise in die Gebirge und Höhlen retten können, um Zeit und Gelegenheit zum Wiederauftauchen abzuwarten. Aber Zeiten bitteren Schmerzes kamen über sie, als sie blutenden Herzens. ohnmächtig geschehen lassen mußten, daß ihre teure Heimat, um die sie so unvergleichlich große Opfer brachten und schauderhafte Leiden durchlebten, von allen Schrecken der wildesten Kriege, der Zerstörungswut, der Verelendung und Verwüstung heimgesucht würde. In den stolzen heiligen Stätten ihrer glorreichen Vergangenheit loderte die Brandfackel der Barbaren und in den friedlichen Klüften, Tälern und Jordanwellen spiegelte sich anstatt himmlichen Sonnenglanzes der blutrote Feuerschein irdischer Höllenglut mit all seinen Greueln wieder. Die mit Zederuwäldern, Olivenhainen und Weinstöcken bestandenen romantischen Berge sind geröllige Steinhaufen geworden. Fruchtbeladene Täler, erntereiche Ebenen sind parasitischem Gestrüppe zur Beute geworden, welches die Fruchtsäfte des Bodens ausplündernd, weiterwuchert. Das Land, welches früher die Grundlage reichen Lebens für sein Volk bildete, ist die Grabstätte vieler Nationen geworden. Im Weinberge des Herrn haben viele Nationen und Horden, deren Beutegier die so große Fruchtbarkeit anlockte, ein Blutbad angerichtet, wie in keinem anderen Lande des Erdballs. „Es ist ein Land, welches seine Bewohner verzehrt." Mt dem Schwerte kann man zwar Länder erobern, aber verderblich ist es, sich auf die Schärfe des Schwertes setzen zu wollen. Das Volk und seine Muttererde müssen einander sich achten und lieben. Beide sind an einander gebunden, durch tausende unzerreißbare Fäden der Sitten, der Legende, der Kunst und der Leoensweise. Kaum hatten neue Völker sich dieses verwaiste Land angeeignet, kamen gleich andere scheeler Reidgier voll und rotteten die kaum heimisch Gewordenen mit dem Schwerte aus. Nach den Römern, die das Land seiner Bewohner beraubten und seine Naturschätze vernichteten, kamen die Perser im Jahre 614, die wiederum von den Byzantinern 628, mit Hilfe eines Judenrestes unter Benjamin von Liberias, besiegt wurden. Inmitten dieses Daherströmens wilder Horden, welche jede Kullur restlos zerstörten, nahm das arabische Kalifat 637 unter Omer vom heiligen Lande Besitz und verteille es unter seine Krieger, wobei auch den Juden der friedliche Landbau nicht verwehrt wurde. Zur Befestigung der mohamedanischen Religion wurde Jerusalem, arabisch „El Kuds," d. h. die Heilige genannt, wieder aufgebaut und auf den Ruinen des heiligen Tempels wurde im prachvollen maurischen Stil die berühmt gewordene Omer-Moschee errichtet. . Nach dem Eindringen der Seldschecken im Jahre 1676 haben die verheerenden Kreuzzüge 1009—1291 das Land zum Teile unter der Herrschaft der abendländischen Christen gebracht, denen es die Sarazenen 1187 streitig machen wollten. Aber mehr als die Ausrottung der wenigen Juden, welche sich nicht der alleinseligmachenden Kirche unterwerfen wollten, konnten ihre Heldentaten nicht ausrichten. Nach ihrem Aufhören find blos einige Kirchen als Trophäen und als Denkzeichen vernichteten Lebens von Millionen Menschen zurückgeblieben. Im Jahre 1291 kam das Land wieder in die Hände der Mohamedaner Arabiens, die durch das stürmische Daherbrausen der Tscherkeffen-Mamelucken 1382 verdrängt wurden. Nach wiederhollem Befitzwechsel des arabischen.Kalifats, kam das Land 1517 unter Suttan Selim I. an das türkische Reich, deffen Sohn und Nachfolger die Stadt Jerusalem auf dem alten Fundament mit der jetzigen Ringmauer umgab.