Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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— 13 — Unterricht der weiblichen Jugend war bis dahin bei den Juden ganz vernachlässigt worden: Heß erstrebte und bewirkte in Gemeinschaft mit G eisen heim er und den anderen Vorstehern endlich im Jahre 1810 die Begründung einer Töchterschule und deren Verbindung mit dem Philanthropin. — Wie die Dinge damals lagen, konnte die Schule ihre Aufgabe an den Schülern nicht ganz erfüllen, wenn niW zugleich auf die Beseitigung alter, lange eingewurzelter Mißbräuche beim Gottesdienst und die Herstellung einer wirklich erhebenden Gottesverehrung erstrebt wurde. Heß gehörte zu denen, die eine radicale Reform für unerläßlich hielten. Zunächst richtete er (seit August 1811) eine wöchentliche allgemeine Andachtsstunde in der Schule ein^). „Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken!" Ein Autodidact, der, von dem Studium des Talmud sich abwendend, sich in die Lectüre Voltaires und Rousseau's vertiefte, war Heß als er nach Frankfurt kam. Nun aber arbeitete er unausgesetzt an sich, um sich für die große Aufgabe, die ihm zugefallen war, immer mehr zu befähigen. So ist er durch die Schule und die Schule durch ihn empor gekommen. II. Unterricht und Lehrer. Nicht alle in das Philanthropin aufgenommene Knaben wurden in die Musterschule oder in andere Schulen geschickt, manche erhielten den vollständigen Elementarunterricht in der Anstalt selbst. Schon im Jahre 1804 hatte man daher einen Unterrichtsplan für das Philanthropin aufgestellt« Danach sollten 1) für den hebräischen Elementarunterricht wöchentlich 12 Stunden 3) für das Buchstabiren „ 6 „ 3) für das Jüdischschreiben „ 6 „ 4) für das Lesen „ 6 „ 5) für das Deutschschreiben „ 5 „ 6) für das Rechnen „ 5 „ 7) für die Anfangsgründe der Musik „ 2 „ 8) für das -Zeichnen „ 3 „ verwendet werden. Die Kinder sollten von Morgens um 7^) bis Mittags um 12 und von Nachmittags um 2 Uhr bis Abends um 5 und dann wieder von 6 bis 8 Uhr beschäftigt sein. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf Rechnen und Schreiben gewendet: jeden Freitag wurden 2) Diese Andachtsstunde schildert er (im Programm von 1312 S. 34) folgendermaßen: Sonntags, bei Eröffnung der Schule, versammeln sich alle Schüler und Schülerinnen in einen Saal, wo nach einem von der Orgel begleiteten Gesang, über einen moralischen Gegenstand, den oft Gelegenheit und Umstände herbeiführen, gesprochen und das Betragen der Schüler in der verflossenen Woche, nach den Conduitenbüchern, beurtheilt wird. Manche Rüge und Bemerkung finden hier den schicklichsten Platz und machen oft einen lebhaften Eindruck. Ein kurzer Gesang beschließt die Stunde. — In seiner 1857 erschienenen Schrift: Die Bürger- und Realschule zc S. 34 datirt Heß den Anfang der Andachtsstunde vom Jahre 1815. 2) Nur Montag und Donnerstag sollte der Unterricht, wahrscheinlich wegen des an diesen Tagen stattfindenden feierlicheren Gottesdienstes, um 8 Uhr Morgens beginnen, Mittwoch Nachmittag war frei. Siehe die zweite Beilage.