Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 7 (3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 171 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 171 50 Jahre Grollloge für Deutschland Aus Anlali des 50jährigen Bestehens der Großloge für Deutschland des Unabhängigen Ordens ßne ßriss, zu welcher sich schon zwei Jahre nach Begründung der ersten Bne-Briss-Loge in Deutschland, der deutschen Reichsloge in Berlin, die bis dahin entstandenen zwölf deutschen Logen zusammengeschlossen hatten, fand am 11. Februar im Berliner Logenhau.s eine Festsitzung statt, zu der fast alle bedeutenden jüdischen Organisationen, insbesondere der „Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden*' und die Berliner jüdische Gemeinde, ihre Vertreter entsandt hatten. Der erste Präsident der Großloge war Julius Fenchel, der Vater der Idee der Verpflanzung des Ordens nach Deutschland; nach ihm stand Sanitätsrat Dr. Maretzki und nach diesem 25 Jahre lang Justizrat Dr. Berthold Timendorfer an der Spitze des deutschen Distrikts. Heute nach der Abtrennung mehrerer Logen durch die Gebietsabtretungen infolge des Weltkrieges zählt der Orden noch ca. 13 000 Brüder in 103 Logen. Seit 1924 leitet ihn Rabbiner Dr. Leo Baeck, der auch die Sitzung mit einer tief empfundenen Ansprache eröffnete, iu der er den Zeitströmungen rücksichtsloser Eigensucht die idealen Ziele und "Arbeiten des Ordens entgegensetzte. Die Loge hat, so führte Dr. Baeck u. a. aus, ihre Aufgabe nicht in sich selbst, sondern sie will „dienen und Ehrfurcht pflegen", Menschen erziehen, die mehr als das Notwendige leisten, „die das Gesetz in die Freiheit überführen". Keiner wird nach dem Ausdruck seines Glaubens gefragt, aber niemand geduldet, der dem Judentum resigniert den Rücken kehrt. Gehegt wird die Kraft des deutschen Vaterlandes. Wir wissen, was es von uns fordern kann. Es ist für uns der Boden, in den Gott uns gepflanzt, der die Geschichte führt. Um der Volksgemeinschaft willen sind wir diese Gemeinsdiaft, in der wir auf dem Grunde bauen, den Goethe, Schiller, Herder, Lessing und Beethoven als vaterländischen Boden gültig gestaltet haben. Was das Vaterland berührt, iührt an unsere Lebenswurzel. Sondergemeinschaft ist aber der Orden auch um der großen Gemeinschaft der Menschen willen. Das Erziehungswerk des Ordens hat das Ziel^ im Menschen nur den Menschen zu sehen, zu hören, zu begreifen. Keiner wird nach Partei und Gruppe gefragt, aber jeder verbannt, der über der Partei den Menschen im anderen verkennt und in sich verleugnet. Nicht immer wird das Erziehungsziel erreicht, seine Kraft aber erwiesen durch die vielen Tausende, die in den 50 Jahren Gemeinschaft wieder schätzen gelernt, das Judentum wieder entdockt und seelischen Grund gefunden haben. Drei Generationen sind im Orden zu- und gegeneinander getreten und haben sich in Judentum und Gemeinschaft gefunden. Ueber den 50 Jahren steht das jüdische Priesterwort: Brüderlichkeit und Liebe, Friede und Gemeinschaft! In gehaltvoller Rede verbreitete sich alsdann Professor Dr. E1 b o g e n über Idee und Geschichte des Ordens Bne Briss. Eine Ankündigung des Präsidenten, demnächst eine Sammlung für die unglücklichen Opfer der Explosion in Neunkirchen in Ordenskreisen zu veranstalten, fand lebhaften Beifall. Mit musikalischen Darbietungen endete die Feier, an die sich am nächsten Tage die Arbeitssitzung der Grofiloge schloß. Winterhilfe-Lotterie In der letzten Ausgabe war bereits auf die Bedeutung hingewiesen, die diese Lotterie auch für die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege hat. Für jedes Los, das durch die jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsorganisationen verkauft wird, erhalten diese 0.30 Rpf., während der gesamte Rest des Erlöses jüdischen Wohlfahrtszwecken zugute kommt. Im hiesigen Bezirk ist der Losverkauf dem Landesverband für jüdische Wohlfahrtspflege für Hessen und Hessen- Nassau, Langestraße 30, übertragen. Erholungsheim in Ems Das segensreiche Wirken des vor drei Jahren gegründeten Erholungs- und Altersheims für jüd. Lehrer und Kantoren in Bad Ems ist bereits allgemein bekannt. Hunderte von Lehrern und Lehrerinnen, Kantoren, Gemeinde- und Sozialbeamten, sowie deren Ehefrauen und Witwen, haben darin zu sehr mäßigem Preise Aufenthalt und Erholung gefunden. Es erhält sich — ohne Inanspruchnahme der Allgemeinheit — aus den Beiträgen und Verpflegungsgeldern der Interessenten. Um jedoch auch minderbemittelten Beamten Aufnahme gewähren zu können, ist ein Wohlfahrtsfonds gegründet worden. Um diesen Wohlfahrtsfonds des Heims zu stärken, wird am Samstag, dem 18. März, 20.15 Uhr, ein Wohltätigkeits-Konzert veranstaltet, zu dem sich bewährte Kräfte in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt haben. Es sind dies: Frau Anny Steiger-Betzak, Oberkantor Emil Groß, Heinrich Bornstein, Dr. Nathan Ehrenreich, Siegfried Würzburger und das Frankfurter Tonkünstler-Orchester. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Max Neumann. Um weitesten Kreisen den Besuch dieser Veranstaltung zu ermöglichen, sind volkstümliche Preise vorgesehen. Anerkennung Die Jüdische Krankenhilfe, Bockenheimer Landstraße 25, erhielt anläßlich ihrer Hilfeleistung während der Grippe-Epidemie ein in herzlichen Worten gehaltenes Dankschreiben der Fürsorgeschwester Gertrud. Versammlungslokal Die Weibliche Fürsorge macht darauf aufmerksam, daß sie in ihrem Hause, Langestraße 3, 1. Stock, hübsch ausgestattete Räume (Platz für 70—80 Personen) zu Versammlungen, Arbeitsgemeinschaften und Sitzungen zu billigstem Preise zur Verfügung .stellt. Anfragen sind zu richten an Frau Else Abelmann, Beethovenstraße 35 (Tel. 76262). Nachruf Der Vorstand der Weiblichen Fürsorge betrauert den Heimgang von Frau Susanne Schießinger, welche am 30. Januar 1933 verschied. Frau Schießinger hat seit Bestehen der Weiblichen Fürsorge in treuer Mitarbeit ihre Bestrebungen gefördert und vor. allem den Wohnräumen der Weiblichen Fürsorge ihr warmes Interesse entgegengebracht. In großer Bescheidenheit und Pflichttreue war sie jederzeit zu aller notwendigen Betätigung bereit, so daß ihr Heimgang eine große Lücke bei uns bedeutet. Ihre menschlichen, wertvollen Eigenschaften, sowie ihre Tätigkeit in unserem Kreise werden ihr ein treues Andenken bei uns sichern. Jüdische Leihkasse E. V. Die Geschäftsstelle dieser gemeinnützigen Einrichtung befindet sich Eschersheimer Landstraße 65, pt._ Die Leihkasse bewilligt selbständigen Gewerbetreibenden und Handwerkern Darlehen in mäßigen Beträgen gegen Bürgschaft zahlungsfähiger Personen. Geschäftsstunden: Dienstag und Donnerstag, nachmittag? Ton 4—6 Uhr. Jüdische Arbeitsvermittlung | Männlich "~| Unser Arbeitsnachweis ist für die Arbeitgeber täglich von 8Ms—19 Uhr telephonisch unter 26162 oder 28248 zu erreichen. Wir bitten bei der Vergebung von Stellen und Aushilfen an die große Zahl der bei uns gemeldeten jüdischen Erwerbslosen denken zu wollen. Zuverlässige kaufmännische Angestellte aller Branchen und Handwerker, sowie Aushilfsarbeiter können Sie jederzeit bei uns finden. Wir suchen sabbaihfreie Stellen für kaufmännische und handwerkliche Lehrlinge. Unsere Berufsberatung ist Dienstags von 17—19 Uhr geöffnet. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden e. V., Langestraße 30 pt. Tel. 26162 u. 28248. | Weiblich | Sprechstunde von 10—12 und 3—4% Uhr. Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung: Mittwoch von 3—5 Uhr. Wir empfehlen: Tüchtiges Geschäftspersonal: Buchhalterinnen, Kontoristinnen, Fakturistinnen, Verkäuferinnen, Stenotypistinnen (auch mit eigener Maschine, Schneiderinnen, Näherinnen und Flickerinnen, Modistinnen, Kunststopferin mit guten Referenzen. Tüchtige sH au spersonal: Stützen, Haushälterinnen, Haustöchter, Köchinnen, Alleinmädchen, Kindergärtnerinnen, Kinderfräulein, Kindermädchen und Monatsfrauen. Kranken- und Säuglingspflegerinnen. Wir suchen: Lehrstellen in Samstag geschlossenen Geschäften! Arbeitgeber im Bedarfsfalle: Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, Langestraße 3. Tel. 25462. Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugend, Königswarterstraße 26 pt., täglich geöffnet von %3—%8 Uhr (Leitung: Ph. Rochweig, Rückertstraße 59 I., Tel. 45434). Wochenprogramm : Sonntag, 3—6 Uhr: Tischtennis, Schreibmaschinen-Wettbewerb. — Montag, 5 Uhr: Deutschkurs, Leitung: Philipp Rochwerg. — Dienstag, %5 Uhr: Stenographie für Anfänger. Leitung: Frau Postawelski. — 6 Uhr: Handfertigkeitskurs, Leitung: Frl. Lucie Aschkenasy. — Mittwoch, 3 Uhr: Erwerbslosenveranstaltung im Volksbildungsheim (Theater, Film, Kabarett oder Musik). — 8tägig, 5 Uhr: Sing- und Sprechchorkreis, Leitung: Kurt Nikolai. — Utägig, 5 Uhr: Arbeitsgemeinschaft über Wirtschaftsfragen, Leitung: Eugen Cohn. — Donnerstag, 5 Uhr: Turnen in der Annaschule, Leitung: Ed. Goldberg- Bar Kochba. Jeden Nachmittag kostenlose Verpflegung. Schreibmaschine zum Ueben steht dauernd zur Verfügung. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Schach und sonstige Spiele. Arnold Lazarus-Halle Die Lese- und Aufenthaltsräume Königswarterstraße 26 sind bis auf weiteres täglich von 17—22 Uhr gpöffnet. Tageszeitungen, Zeitschriften, Unterhaltungslektüre und -spiele stehen den Besuchern zur Verfügung. Schreibmaschine gesucht Wer stellt dem M ä d c h e n c 1 u b für einen Erwerbslosen - Kurs unentgeltlich eine Schreibmaschine zur Verfügung? Die frankierter anlonialisc&e MazzenlaflrH J. BENJAMIN Heidestrasse 79 TELEFON 48072 empfiehlt ihre la MAZZOS hergestellt unter Aufsicht der Ritualkommission der Israelitischen Gemeinde Frankfurt-M. Der Preis für Naxxoi Ist Rmk. 0,48 per Pfd. zahlbar bei Ablieferung. Bestellungen nehmen entgegen: Autom. Mazzen Fabrik Heldestrasse 79 Tel. 48072 Die unter Aufsicht stehenden Bäckereien M. Levl Börnestrasse 30 Tel. 29325 L. RokOW8ky Am Schwimmbad 9, Tel. 24824 Philipp Schönbach Sandweg 37 Tel. 44164 J. E. Schimmel Fischerfeldstr. 20 Tel. 28829 E. Stahl Rechneistrasse 8 Tel. 25938 ferner: B. Karpf Sandweg 29 Tel. 45273 Sigm. Stern schioSstr. 3