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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-03-01 · 7 (3.1933) · p. Seite 170

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
7 (3.1933)
Date
1933-03-01
Page
Seite 170 (sequence 16)
Language
German
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Seite 170 Erholung, Anregung und Belehrung durch ein Abonnement für den DA I MIC NC ADTF M Für ei"e Fami,ie RM 25.— (Beikarten frei) ■ ^"üi ■ fcl^^iP%I* I ■■■^ Für eine Einzelperson RM. 13.— Für eine Einzelperson RM. 13- Gültig bis 31. März 1934 Geschäftsjubiläum Am 15. Februar feierte Herr Metzgermeister Hermann Baer, Oedenveg 66, sein 50jähriges Geschäftsjubiläum. Der Jubilar, der 5m 72. Lebensjahre steht, ist heute der älteste aktive jüdische Metzger am Platze und hat sich aus kleinen Anfängen durch eisernen Fleiß und Anspruchslosigkeit großes Ansehen und allgemeine Beliebtheit erworben. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Ratsitzung Am 19. Februar 1933 trat der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu seiner ersten Tagung im laufenden Jahre in Berlin zusammen. Der Präsdentc KGR. Leo Wolff, wies in seiner Begrüßungsansprache daiauf hin, daß die politische und wirtschaftliche Lage, sowie die Schwierigkeit der notwendigen Vorbereitungsarbeiten die Einberufung des Rats stark verzögert habe. Er gab der schmerzlichen Empfindung Ausdruck, daß das deutsche Vaterland immer wieder von schweren Erschütterungen heinigesucht werde und daß die jetzt zur Macht gelangte Richtung den Bekennern des Judentums durch die ihnen gegenüber eingenommene Haltung Gerechtigkeit nicht widerfahren lasse. Er sprach aber die Ueberzeugung aus, daß ein Anlaß zu Befürchtungen, wie sie gelegentlich geäußert worden seien, oder gar zum Verzagen, nicht vorliege, und richtete an die anwesenden Mitglieder des Rats die dringende Bitte, ihren Gemeinden die Versicherung zu übermitteln, daß an verantwortlicher Stelle nötigenfalls alles geschehen werde, was dem Ernst der Lage entspreche. ,Die Tagesordnung enthielt außer der Beratung über den Rechnungsabschluß und der Aufstellung des Voranschlages für das künftige Haushaltsjahr noch eine Reihe wichtiger Punkte. Diese konnten jedoch infolge der sehr eingehenden Erörterungen, obgleich sich die Sitzung über die Zeit von morgens 9% Uhr bis abends 9% Uhr erstreckte, nicht alle erledigt werden. Bei der Feststellung des Haushaltsplans ergab sich die Notwendigkeit, die Ausgaben des Landesverbandes so weit wie möglich einzuschränken. Es war dabei zu beachten, daß der Landesverband zur Erfüllung seiner hauptsächlichsten Aufgaben befähigt bleiben muß und, um dies zu ermöglichen, eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben, die er im Laufe der Jahre auf sich genommen hatte, nicht oder nur in vermindertem Ausmaße weiterführen kann. Die Ursache liegt in der schwierigen finanziellen Lage aller Mitgliedsgemeinden, die ihnen die Aufbringung der Umlage für den Landesverband nur mit den größten Opfern gestattet. Es muß aber anerkannt werden, daß die anwesenden Vertreter der Gemeinden ohne Ausnahme ein freudiges Bekenntnis zum Landesverband ablegten und seine segensreiche Wirkung zur Erhaltung der leistungsschwachen mittleren und kleinen Gemeinden, des jüdischen Lebens in ihnen und der wichtigsten Anstalten und Einrichtungen hervorhoben. Dem Rat lag der Entwurf eines Haushaltsplans vor, dessen Festsetzung im einzelnen dem Kollegium der Berliner Dezernenten übertragen wurde. Es wurde beschlossen, die Umlage für 1953/34 in der bisherigen Höhe von 1% des Reichseinkommensteuersolls zu erheben. Daneben sollen diejenigen Gemeinden, denen Zuschläge zur Vermögenssteuer zufließen, auch von diesen einen Teilbetrag an den Landesverband abführen. Da im Augenblick nicht zu übersehen ist, zu welchem Zeitpunkt die Einberufung des Verbandstages sich als zweckmäßig erweisen wird, wurde dessen Bestimmung ebenfalls dem Kollegium der Berliner Dezernenten übertragen. Dieses soll auch auf Grund der vorliegenden Unterlagen und der im Ausschuß erfolgten eingehenden Durcharbeitung die Verträge zum Abschluß bringen, welche zwecks Gründung von Pensionskassen für die jüdisdien Beamten mit den in Betracht kommenden Versicherungsgesellschaften einzugehen sind. Es wurde in Aussicht genommen, die nicht erledigten Punkte der Tagesordnung in einer späteren Sitzung zu beraten. _____V jgS=5^^£-^ ____"_____»tt*'»»»'^-» Tagung der Reichsvertreturig Mit Rücksicht auf die durch die politische Entwicklung der letzten Zeit geschaffene Lage trat die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands am 12, Februar 1933 in Berlin zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Die Reichsvertretung ist durch Beschluß vom 31. Januar 1932 begründet worden mit der besonderen Aufgabe, die allgemeinen jüdischen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche wahrzunehmen. Sie setzt sich aus 13 Vertretern der Landesverbände und den führenden Herren des Deutschen Rabbinerverbandes zusammen. In eingehenden Ausführungen wurde von den preußischen, bayerischen, baddschen, sächsischen, hessischen, mecklenburgischen und hanseatischen Mitgliedern des Gremiums die politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation im Reiche und in den einzelnen Ländern besprochen. Es wurden auch alle Schritte erwogen, die zweckmäßigerweise jetzt oder in nächster Zukunft nötig werden könnten. Um etwaige Maßnahmen zu jeder Zeit und ohne irgendwelche Verzögerung ergreifen zu können, auch die dauernde Fühlungnahme «wischen den offiziellen Organisationen des deutschen Judentums zu gewährleisten, wurde ein aus 5 Herren bestehendes Präsidium der Reichsvertretung gewählt, das ermächtigt ist, alle ihim erforderlich scheinenden Schritte dauernd als Vertretung des gesamten deutschen Judentums einzuleiten, -und durchzuführen. Das fünfgliedrige Präsidium setzt sich aus 3 preußischen und 2 süddeutschen Mitgliedern zusammen. Sein Sitz ist Berlin. Am Schluß der Verhandlung wurde von allen Seiten die Notwendigkeit betont, daß alle jüdische Arbeit im Geiste der Gemeinsamkeit geleistet werden möge, um in der jetzigen ernsten Zeit den deutschen Juden in Stadt und Land das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Zusammenstehens zu stärken. Ein Mahnruf des jüdischen Handwerks Der jüdische Handwerkerstand in Deutschland erleidet zurzeit einen furchtbaren Niedergang. Die Flut des Antisemitismus hat sich über uns ergossen und die Boykottbewegung hat einen solchen Umfang angenommen, daß der gesamte jüdische Handwerkerstand vernichtet zu werden droht. Viele jüdische Handwerker sind nicht mehr in der Lage, ihr bescheidenes Existenzminimum zu verdienen und müssen von den Wohlfahrtsämtern unterstützt werden. Das jüdische Handwerk könnte auch heute trotz aller schweren Zeiten sich behaupten und erstarken, wenn es nur in genügender Weise von unseren Glaubensgenossen unterstützt würde. Wir verlangen nicht, daß diese nur uns bei der Verteilung ihrer Aufträge bedenken; wir wollen aber von ihnen bei der Verteilung der Aufträge berücksichtigt werden. Es darf nicht vorkommen, daß unsere Glaubensgenossen uns grundsätzlich bei der Vergebung von Aufträgen übergehen! Wir sind genau so leistungsfähig und arbeiten zu denselben Preisen, wie alle anderen Handwerker. Mit der Existenz des selbständigen jüdischen Handwerks ist das Wohlergehen unserer Handwerkerjugend schicksalsmäßig verbunden. Helft uns, den selbständigen jüdischen Handwerkerstand und damit einen großen Teil unserer Jugend zu erhalten! Wir wollen keine Almo sen, wir wollen Arbeit. (Der Anzeigenteil dieser Nummer enthält ein Verzeichnis Jüdischer Handwerker.) Volksfranertag Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in dem auch die jüdische Gemeinschaft vertreten ist, hat den Volkstrauertag zur Ehrung der im Weltkrieg gefallenen Soldaten in diesem Jahre auf Sonntag, den 12. März 1933, festgelegt. Von jüdischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß dieser Tag mit dem Purimfest zusammenfällt, so daß die religiöse Feier für die jüdische Glaubensgemeinschaft bereits am Tage vorher, am Sabbat, begangen werden muß. Es ergibt sich aber weiter die Konsequenz, daß öffentliche Purimfeiern, die sonst am 12. März veranstaltet worden wären, mit Rücksicht auf die Trauerstimmung des gesamten deutschen Volkes am besten verlegt werden und, wo dies nicht angeht, doch jede öffentliche Freudenbekundung vermieden wird. In Frankfurt a. M. findet am 12. März, vormittags 10 Uhr, eine Gedächtnisfeier auf dem Ehrenfeld des Hauptfriedhofes statt. Um 1.10 Uhr ist Verkehrsstille, anschließend eine musikalische Trauerkundgebung auf dem Schillerplatz. Eine Abendfeier in der Paulskirche beschließt den Tag. Wie der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mitteilt, wird in diesem Jahre eine besondere Feier auf dem Ehrenfeld des Friedhofs der Israelitischen Gemeinde nicht geplant. Bei der allgemeinen Feier auf dem städtischen Friedhöf soll auf Aufforderung der hiesigen Ortsgruppe des Volksbundes und auf Wunsch des Gemeindevorstandes wie in den Vorjahren Herr Rabbiner Dr. Salzberger mitwirken. Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen Die Generalversammlung fand am 31. Januar statt, gleichzeitig mit der* 220. Sitzung des Vereins. Das 31. Vereinsjahr wird mit 50 ordentlichen und 12 außerordentlichen Mitgliedern begonnen. Aus der Arbeit des abgelaufenen Jahres ist hervorzuheben die Begründung einer hebräischen Arbeitsgemeinschaft und die Einrichtung zweier Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene, sowie die Festsetzung von Leitsätzen zur Gestaltung eines reitgemäßen hebräischen Unterrichts. Ueber die einzelnen Vortragsabende wurde jeweils an dieser Stelle berichtet. Nachdem die Generalversammlung den Jahresbericht entgegengenommen hatte, wurde der seitherige V o r s t a n d wiedergewählt: Dr. Höxter, 1. Vorsitzender, I. B. Levy, 2. Vorsitzender, S. Eschwege, Rechner, I. Flörsheim, 1. Schriftführer, A. Speyer, 2. Schriftführer, Frl. Cohn, Beisitzerin. Anschließend hielt Herr Dr. Leo Hamburger einen bedeutsamen Vortrag Uber das Thema „Spinoza und das Judentum".

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