Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-02-01 · 6 (2.1933) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
6 (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 145 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094386-3094392--3473-3519147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 145 75. Geburtstag 11. Januar: Herr Carl Meyer, Scheffelstraße 15. 60. Geburtstag Eine schöne und tiefe Sitte bestimmt. Mensehen, die uns wert sind, an ihren entscheidenden Tagen zu ehren. So dürfen wir den 4, Februar nicht ungegrüßt vorübergehen lassen: au ihm wird Herr Dr. J u 1 i u s Höxter G0 Jahre alt. Ein Leben tritt in sein siebentes Jahrzehnt, das, voll offenen und schaffenden Sinnes für alle besonderen Aufgaben des jüdischen Menschen, in seiner gütigen Hilfsbereitschaft die universale Forderung des Judentums verwirklicht. Ein Umstand vor allem gibt diesem Leben charakteristische Gestalt: daß es wie das Leben eines Jungen und Junggebliebenen so auch ein Leben im Dienste der Jugend ist. Als ehemaliger Schüler Julius Höxters weiß ich aus eigener Anschauung, was uns sein Unterricht bedeutete. Dieser Mann hat die seltene Gabe, den Wissensstoff aller Fremdheit zu entkleiden, ihn in unmittelbarer Nähe vor uns auszubreiten und ihm Beziehung auf unsere eigene Existenz zu sichern. Das sind nicht gleichgültige Daten irgendeiner Geschichte, sondern echte Ereignisse, aus deren Kenntnis sich uns das Bewußtsein eines über den Einzelnen hinausgreifenden jüdischen Schicksals ergibt. Und doch wird die überbetonte Romantik reiner Gesinnungssehwelgerei vermieden, die leicht zusammenbricht, weil ihr kein klares Wissen um den Gegenstand zu Grunde liegt, auf den sich die Gesinnung richtet. Verstand und Herz des Schülers werden gleichmäßig erfaßt: hohe Vorbildlichkeit eines Unterrichts, hinter dem nicht nur ein ganzer Lehrer, sondern auch ein Wissenschaftler, ein Forscher von vielen Gnaden steht. So ist es mehr als persönliches Bekenntnis, wenn ich den Jubilar zu seinem Feste aus tiefer Dankbarkeit grüße und beglückwünsche: ich glaube, für alle seine Schüler sprechen zu dürfen. Möge er weiter seine ungebrochene Kraft den Idealen widmen, für die er bis heute so wirksam gestritten hat. L e o H a m b u r g e r Eduard Oppenheim geboren 8. Juni 1861 gestorben 4. Januar 1933 Jäh und unerwartet wurde die Gemeinde von einem schweren Verlust betroffen. Mitten aus unermüdlicher Arbeit ist das Mitglied des Gemeindevorstands, Herr Bankdirektor Eduard Oppenheim, aus diesem Leben abberufen worden. Aus Köln gebürtig, war Herr Oppenheiin in jungen Jahren nach Frankfurt gekommen, wo er vor einem halben Jahrhundert bei dem bekannten Bankhaus v. Erlanger und \ Söhne seine Laufbahn ' begann Nach der Liquidation dieses Hauses wurde er Direktor bei der Dresdner Bank und trat l^findie Leitung der Deutschen Vereinsbank über; vorübergehend hatte" er auch dem Vorstand der Frankfurter Bank angehört. Eine große Anzahl bedeutender Atifsichtsratsposteu zeugte von der Anerkennung, die sein geschäftliches Wirken Aveit über Frankfurt hinaus gefunden hatte. Dem Gemeindevorstami gehörte Herr Oppenheim erst seit Ende 1928 an, aber es ist bezeichnend für die außerordentliche Intensität und Gewissenhaftigkeit seiner Arbeit, daß man den Eindruck hatte, er sei Jahrzehnte lang mit den Geschäften der Gemeinde verwachsen gewesen. Wenn auch die Verwaltung der Gemeinde nach ganz anderen Grundsätzen geführt werden muß, als ein geschäftliches Unternehmen, so hatte Herr Oppenheim es doch verstanden, sich in überraschend kurzer Zeit in dieses neue Arbeitsgebiet einzuleben, zumal auch hier in den letzten Jahren die Probleme der Finanzverwaltung einen immer stärkeren Umfang annahmen. Hier war er zuhause wie wenige, seine wohlfundierte Sachkenntnis, sein ruhiges und besonnenes Urteil, nicht zuletzt auch seine erstaunliche Personenkenntnis brachten es mit sich, daß er in diesen wenigen Jahren der Gemeinde unschätzbare Dienste leisten konnte. Der Wert dieser Dienste lag nicht nur in ihrem materiellen Ertrag, sondern vor allem in der beispielhaften Hingabe, mit der er sich auch für die Bearbeitung von Einzelheiten aus der täglichen Arbeit, z. B. für Revisionen und Verhandlungen mit Banken und Gemeindemitgliedern zur Verfügung stellte. Noch in seinen letzten Lebenstagen gab er ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieser Pflichttreue, als er in vielstündigen Besprechungen an der Regelung des Jahresultimo mitwirkte — nicht ahnend, daß der große ..Ultimo" seines eigenen Lebens unmittelbar bevorstand Kein Wunder, daß seine Stimme in der Gemeindeverwaltung besonderes Gewicht erlangt hatte, und daß sein Rat in immer zunehmendem Maße eingeholt wurde. Für die vielseitige und fruchtbare Arbeit, die er vor allem als Vorsitzender der Finanzkommission des Vorstands in diesen letzten schweren Jahren geleistet hat. schuldet ihm die Gemeinde unauslöschlichen Dank. Dieses Bild des Entschlafenen wäre jedoch lückenhaft, wenn nicht auch seiner hervorragenden menschlichen Eigenschaften gedacht würde. Eduard Oppenheim, den natürlicher Humor und behagliche Erzählungsgabe auszeichneten, war einer der gütigsten und hilfsbereitesten Menschen, der uneigennützigste Ratgeber, den man sich vorstellen kann, und dieser schöne Wesenszug trat gerade in den letzten Jahren, als er selbst nicht mehr über die reichen Mittel wie einst verfügte, besonders, stark in die Erscheinung. Er gehörte zu den selten anzutreffenden Menschen, die unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht so sehr deshalb leiden, weil auch sie selbst davon betroffen werden, sondern weil sie nicht mehr in der Lage sind, so uneingeschränkt helfen zu können Avie früher; es war aber ebenso bezeichnend für ihn. daß er die Konsequenz aus den veränderten Verhältnissen in viel stärkerem Maße bei sich selbst zog als bei denen, die auf seine Hilfe Anspruch erhoben. Ein wahrer Wohltäter, dessen Name von vielen öffentlich und noch mehr in der Stille gesegnet wird, ist mit ihm dahingegangen. Möge das Andenken an diesen hochverdienten und liebenswerten Mann seiner Gattin, der sein letztes Wort galt, seinen Kindern und dem Enkelkind zum Segen gereichen, und möge es unserer (iemeinde nie an solchen Männern fehlen! In der Sitzung der (• e m c i u d e v e r t r e t u n g vom 4. Januar — es wiiv die erste Sitzung im neuen Saal — widmete der Vorsitzende. Herr Dr. Merzbnch. dem am gleidien Tu;; Heimgegangenen Worte herzlichen Gedenkens und gab ein eindrucksvolles Bild von seiner umfassenden Tätigkeit liir die (iemeinde, insbesondere auch als Vertreter lies \ orstandes wir der Gemeindevertretung. Für den Gemeindevorstand gedachte dessen stellvertretender Vorsitzender Herr Dr. Bacrwald des schweren Verlustes, den der Vorstand ein jalir naili dein Tod Julius Goldsdunidts nun durih den Heimgang Kduard Oppenheims, dieses vorbildlichen Mitarbeiters, erlitten habe. Am Januar hielt der G e m e i n d e \ o r s t a n d eine Trauersitzung, bei der Herr Justizrai Dr. Blau als Vorsitzender, sowie Herr Willy Mainz als stellvertretender Vorsitzender der V inaiizkommission und Herr Syndikus Dr. Mayer liir die Beamten der Hauptverwaltung der Persönlichkeit des Heiinge-guiigeneii in bewegten Worten gedachten. Zu der I r a u e r T e i e r . die am 6. Januar auf dem neuen Friedhof stattiand. hatte sich, obgleich eine oMeiitüihe Ankündigung unterblieben war. eine überaus grolle Gemeinde von Trauernden eingefunden. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Salzberger. woran! Herr Juslizrat Dr. Blau namens des Gcmeiiidevoistands Wortedes Abschieds sprach. Sodann widmete Herr Justizrat Dr. Katzeuellenbogcu namens der l'ankiervereiti'unin:.' einen Nachruf. ^RADIO-APPARATE^ NOCH NIE SO BILLIG! Besichtigen Sie unsere SPEZIAL-TYPEN moderner Geräte .EHREN FELE Zeil 104 direkt neben der Hauptpost Ä

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.