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Neue jüdische Presse · 1912-09-11 · Heft 36 (11.9.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 36 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ser Ehre wegen; denn ' wo der Marftis ist, dä ist keine Ehre! Ich komme des Tadels' und der Klage wegen!" „Der Klage wegen?" „Daß Du lyib der Rabbi den Markus noch nicht unter der Zucht hältst und es nichts genutzt hat, daß er nach Spanien von Euch geschickt wurde, um sich.zu bessern! Wenn er den Schweden nicht in den Händen geblieben ist, tot oder lebendig, und' kommt doch wieder, inmicr wieder, — was hat er zu stehen vor Esther Katz' Haus, heraufzublicken und sie ins Gelachter zu bringen und in Rederei! Ich will, daß dem Markus besohlen wird, seiner Wege zu gehen! Er braucht nicht bei mir vorübcrzulaufen; er kann durchs Waisenhaus und über den Totenacker in seiner Väter Haus!" Markus Spira war totenbleich geworden. — „Esther Katz," sagte er dumpf, „die Straße ist da für alle, nicht für Dich allein. Warum hast Du herabgesehen nach mir, als sich! die Vorhänge am dritten Fenster bewegt haben? Kannst Du mich ansehen, weshalb ich nicht Dich'!?. — Sei ruhig, Esther, Du bist sicher vor mir. Ich werde auch nicht mehr auf Dein Haus blicken, wenn ich vorübergehe! — Du hast mich fünf Jahre von meinem Leben, meine Ruhe, meine Freude, mein Gluck gekostet! Ich will zum Grabe von Sara Katz, Deiner Ahne, gehen, einen Stein auf ihren Stein legen und sie fragen, ,ob sie auch so hochmütig gewesen ist gegen ihr Volk, auch so unversöhnlich hartherzig wie Du! — Leb gesund, Esther!" Damit verließ er wankenden Schrittes die Stube. „Du hast es gehört, wie es' um ihn steht," sprach Sara Spira nach brrzer Pause voll Unwillen. „Du bist schuld gewesen, daß seine Eltern ihn nach Spanien geschickt haben! Du bist schuld gewesen, daß er ans der Rückreise unter die Schweden fiel und ein Mordknecht mit Hauen und Schießen wider Gottes Willen und gegen die Natur werden mußte; — Du könntest es endlich doch, gut sein lassen! — Hassest Du ihn denn, well er Dich liebt, weil in der Liebe er sich gegen Dich vergangen?" „Gott soll hüten, ich — ich — ich werde hassen einen Menscheti wie den Markus'!!" „Wenn Du ihn würdest hassen, Esther Katz, so wurde es Dir nicht gut genug sein, Obacht zu geben, ob er kommt und ob er — Dich ansieht bder die Katze über Deinem Torweg! — Kommst Du nun her, um ihn pnd uns Lu kränken aus Haß? — Esther, Esther! Mmm Dich in acht, daß aus Deinem Haß zu Markus nicht eine große, schreckliche Liebe wird! Gegen die..hilft auch die Wahrheit nichts, die Du verwahrt hältst von Deinen Vätern!" Die schöne Esther starrte. die Frau des RabbinciA einen Augenblick an, als begreife sie sie nicht und sei über das, was sie gehört hätte, vor Erstaunen stumm. Dann röteten sich ihr Antlitz, Stirn und Nacken. Und die Hände über den Schellet empor zum Schwur «hebend, rief sie: „Ehe ich ihn lte&e, eher müßte aus ihm werden statt eines' stinkenden Mehtreibers ein Held in Israel, ein Befreier für sein Volk, der größere getan hat als Baruch Katz. Saras Mann! Meine Zunge werde stumm, wenn sie zu Markus von Liebe sprechen sollte! Mit einer Wildheit ohnegleichen wandte sie sich/ warf den Kopf in den Nacken und wollte des Rabbi Haus verlassen. „Unser Väter Goll," und Sara hob finster die Hände, „hat vernommen Deinen Schwur und ihn geschrieben in sein Herz!" (Fortsetzung folgt.)_' _ fl m EMail i sch eFits-D PincEDEZ “• I:8.0 Grosse Answahl in .smerik. und deutscher Optik. - J. V. Albert, Me Bene Mainierctr. n. ffeiafranenatr. 11. Die Butze. Von Fesaias See Fäll-Posen. Vornehm und geräuschlos nähert sich Las Roschhaschonoh-Fest. und zieht alsbald in jedes jüdische Halls . ein- .wo noch der Name des Allmächtigen an den Pforten prangt. Auch Frau Kommerzienrätin Wohlgut, die es längst gelernt hat, ihr eigenstes Wesen zu verleugnen, die ihre -Gefühle für das Jüdische schone glaubte ganz getötetzuhaben, machte diesmal.'große Vorbereitungen. Vor -einigen Tagen war sie auS dem Bade zurückgekehrt. .Sie erzählte ihrem Mann .hon ,all:dem, was sie dort erlebt .Hatte.. Eines jedochiverschwicw v sie. - Bergebeiw wartete/ sie.: auf .einxpass^ch'e - GeleKnheit, um /siH^Hmll-rF^^mÄbm: rm^ustireHM/DieMgl^en-: heit kam nicht, und das Fest war bereits vor der. 'Tür. Kurz entschlossen ging-sie ins Büro. Erstaunt über diesen ungewöhnlichen Besuch sprang der Kommerzienrat von seinem Sessel auf. „Was gibts?" rief er betroffen. ' ' „Guten Tag, Fried!! Bleibe nur ruhig sitzen, cs ist nichts Schlimmes," sprach sie lebhaft und setzte sich aufs Sopha, ihm gegenüber? „Sichst Du, Friedl, ich mache es mir schon bequem. Hier sitzt's sich ganz , nett . . ... Aber Du machst solche großen Augen, mein Besuch muß Dich befremden." . „Ist sehr interessant) allerdings . . ." „Schon interessant deswegen, weil' ich meinen Gatten in seinen! Büro zur Sprechstunde aufsuchen muß." „Sage mir, was Du auf Deinem Herzchen hast?" „Ich habe etwas, das sofort erledigt werden muß. Aber wie soll ich es nur beginnen, lieber Friedl?" Jetzt wurde dem Kommerzienrat die Situation amüsant. „Du lachst mich aus! Nun ja, das will sagen, daß ich noch sehr kindisch bin . . . Schadet weiter nichts und desto besser, —!. denn ein Kind kann ja alles Böse wieder gut machen . . . Siehst Du, da komme ich schon darauf. Ich will nämlich von Dir die Erlaubnis erbitten, eine ganz besondere Vorbereitung zum Empfang des Neujahrsfestes machen zu dürfen ..." „Schon jetzt? Da hast Du es sehr eilig, mein Kind!" „Ich meine unser eigenes Fest, das Roschhäschonoh-Fest." „So, — wann ist es denn?" „Schon heute abend." „Und das ist alles, um was Du mich zu bitten hättest?" „Das und noch mehr, lieber Friedl. Ich verlange nämlich, daß Du dieses heilige Fest mit mir, wie ich es einst bei meinen Eltern gewohnt war, feiern sollst. .. . . Dann erst kann ich die Festesfreude wirklich genießen." - „Wunderschöne Poesie . - . . Was willst Du eigentlich? Ich verstehe Dich absolut nicht!" „Einfach, Friedl . . . Du sollst aufrichtig ein Jude werden, da Du eS einmal bist." „Was!?" „Ich bin cs bereits' geworden, lieber Friedl." „Aus Dir, liebes Kind, spricht ein Zionist. Hat Dir so einer gepredigt?^ „Eine Christin, Friedl, eine ehrbare Christin war es, die die in mir schlummernden jüdischen Gefühle wieder wach gerufen hat. Höre, was ich in Baden- Baden erlebte. ' Im Hotel logierte gleichzeitig eine verwitwete junge Gräfin. Von der Stunde unserer Bekanntschaft an wurde sic mir so anhänglich, Laß sie fast ohne mich nicht essen und trinken könnte. Ausflüge und Spaziergänge machten wir stets gemeinsam. Plötzlich! lourde diese Freundschaft seitens der Gräfin abgebrochen. Gierig, der Sache auf Len Grund zu kommen, entschloß ich mich, sie zu besuchen und wurde vom Dienstboten, unter irgend einem Vorwand, zurückgewiesen. Eines Tages-begegneten wir uns auf einem Spaziergangs Den Kopf hoch gehoben, wollte ich an chr vorübergehcir, sie jedoch begrüßte mich lächelnd und ein wenig beschämt. Bei dieser Gelegenheit entspann sich zwischen uns folgendes Gespräch: „Ich dachte gar, liebe Frau Gräfin, daß Sie mir böse^sind, durch' irgend einen Klatscht natürlich." „Ihre Persönlichkeit, liebe Kommerzienrätin," catgcgnete sic gelassen, „war nicht anzugreifen." „Also Loch geklatscht!" rief ich empört. „Und wer war so niederträchtig?" „Beruhigen Sie sich! Kein böses Wort ist über Sie gefallen, im Gegenteil, es wurde in einer Gesellschaft? nur das beste von.Ihnen und Ihrer Familie gesprochen." „Seltsam, — und deshalb kündigten Sie mir die Freundschaft? Wollen Sic mir gefälligst ganz unbefangen den währen Grund angeben?" „Wenn Sie es durchaus wünschen; — ich bin Christin, Sie sind Jüdin." „Einzig, weil Sie erfahren haben, daß ich Jüdin bin?" „Nicht deswegen bloß." - „'Mit Verzeihung, Sie erzählten mir ja sehr häufig, daß .Sw Personen jüdischer Herkunft kemien lernten, die Sie sehr'Milbigen und achten; und mit denen Sie in -freundlichen Beziehungen stehen." „Das ist cs eben, liebe Frau Rätin, ich erzählte es Ihnen mehrmals; Sie aber vcrleugneten stets Ihr Selbstbewnßtsein, Sic machten nie Mene, Ihre Herkunft-zn verraten . . . Ganz anders aber ist cs bei den Juden, mit denen ich Verkehr pflege; sie verleugnen nicht ihr Judentum." Lieber Friedl, Du kannst Dir wohl denken, wie-mir lei diesen Worten zu Mute war, — und ich nahm mir vor, anders, ganz anders zn werden. Ich bin c§ bereits geworden, und deshalb bin ich zu Dir gekommen, Dich zu bitten, daß auch Du anders werdest." Der Kommerzienrat war im Begriff, etwas zu erwidern. In diesem Augenblick aber brachte man ihm die Post. Er las die Korrespondenz sehr fluchtig bis auf ein Schreiben, bei dem er sehr ernst und nachdcnkcnd lourde. Man merkte, daß in seinem Innern etlvas vorgehe. Es war nämlich ein Schreiben seines Sohnes, der als Einjähriger in K. diente, und der berichtete, daß er sich mit einem jungen Offizier, der die Stirn hatte, ihn in einer Gesellschaft als Packjudc anzupöbeln, duellierte. „Werde ich noch lange auf Antwort warten müssen? Ach, und ich habe noch so vieles zu besorgen!" Prüfend schaute der Gatte seine Gattin an und sprach mit zurückhaltender Gemütsbewegung: „Was soll ich, mein Kind?" „Du sollst mit mir das heilige Roschhaschonoh-Fest ganz jüdisch feiern, aber auch ein anderer Jude werden ..." „Du hast recht. — Wenn die andern uns nur als Juden ansehen wollen, so muß cs eine Unwürdigkeit sein, wenn wir uns dennoch zu verstellen suchen." _ - Die Frau, die inzwischen den Brief des Sohnes gelesen hatte, fiel ihrem Manne uni den Hals und küßte ihn, .heftig schluchzend. „Waruni weinst Du? Unser Sohn hat ja kühn, tapfer und glücklich seinen Stamniesadel verteidigt," sprach er gerührt. „Ach, lieber Friedl, Du kannst cs nicht. Du begreifst es nicht: dieses Weinen ist die Sprache der Enlpsindung des rein jüdischen Herzens. Diese Tränen sind keine salzigen, bitteren; .— cs sind Tränen der Freude." © Unser Leben währet 70 Jahre, unendlich vielen aber ist eS nicht vergönnt, das Greifenalter wirklich zu erreichen, weil irgend eine akute Krankheit sie viel zu früh dahin rafft. Wer nicht © leichtfertig ist und sein Leben bewahren will, der muß. _ auch die kleinen Unregelmäßigkeiten beachten, die sich TJyjT als Erkältungen darstellen, und dabei leisten Fahs Ly) ächte Sodener Mineral-Pastillen die allerbesten und angenehmsten Dienste. Die Pastillen kauft man für ®85 Pfg. in jeder Apotheke oder Drogerie, laste sich aber niemals Nachahmungen ausschwatzen. Offenbaciier Druckluft - Anlage Offanbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapplchralnlgano, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und. Bettfedernrelnigung _mittelst Druckluft und. Wasserdampf._ Kaiser JFrledrlcJb Quelle —— Olfenbach a. M. - Gegen Sieht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, ‘ Frankfurta.H.| Güntheraburg-Allee37.Tel.259u.714. Wochev-Kaleuder. Rüüsch - bafchonoH. Festes-Beginn in Frankfurt: Mittwoch-Abend 6 Uhr 30 Min. Erew Tawschiltn. Mit Rausch-haschonoh beginnt das Jahr 5673. Nach der Tradition ist Rausch-haschonoh auch der Tag des Weltgerichts („Jaum Hadiu"); in der Thora wird der Tag des Blasens („Jaum Teruoh") genannt. Am Rausch-haschonoh wird unser Urteil gleichsam geschrieben, am Versöhnungstag besiegelt. Daher unser Neujahrswnnsch: „Kesiwo machajimoh tanwoh", gute Einschreibung und Versiegelung. .. . Am Rausch-haschonoh, mit dem die „Asse.res jemei teschuwoh" (10 - Bußtage) beginnen, gebe man sich nicht wie .sonst irdischen Genüssen hin. Beim Kiddusch am Abend Schehechrjonn, am 2. Abend eine neue Frucht dazu nehmen. Man genieße abends Honig und Süßapfel als Symbol eines „süßen" Jahres. Scho färb lasen göttlich' gebotene Pflicht. Tonarten traditionell. Nichts genießen vor dem Hören dieses Blasens, wie auch sonst nicht vor dem Beten. (Frauen und Schwache ausgenommen.) Bedeutung: Zeichen der Huldigung, Weckruf zur Buße, Erinnerung an den Widder bei Jsaks Opferung, Erinnerung an die Offenbarung. — Der Blasende sei ein würdiger Mann. Das Schosar entspreche den gesetzlichen Vorschriften: Bis zur Dämmerung darf man es. hören, wenn nicht früher möglich. . Samstag, 14. Septbr. (3. Tisch r i). Wochenabschnitt: Häasinoh. — Eine poetische Darstellung der Geschichte und des hohen Berufes Israels. Am Schluffe des Wochenabschnittes ist von Moses Ende die Rede. ■. - ., v

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