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Neue jüdische Presse · 1911-11-03 · Heft 43 (3.11.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 43 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamNenblatk. Nr. 43. Mainz. Bei Mumungsarbeiten in der S h n agoge wurden in einer alten, kunstvoll gearbeiteten Truhe aus dem Jahre 1678 Vorhänge von großen, K u n st w e r t e aufgefunden. Es sind da Arbeiten aus der frühesten Renaissancezeit, ja sogar solche, die wahr» scheinlich bei der Vertreibung der Inden ans Spanien mit nach Deutschland wanderten, den» sie weisen byzantisch-manrische Figuren ans. Manche der Stickereien erinnern mit ihren großzügigen Zeichnungen an die Zeit Rubens, andere mit ihren Blumen- „itb Früchtemotiven an die Blütezeit des Rokoko. Die in die Mitte der Vorhänge eingesetzten Samtspiegcl mit hebräischen Inschriften sind meist jüngeren Datunrs, denn ehe die kostbaren Stoffe dem Gotteshaus«: gestiftet wurden, befanden sie sich oft schon sehr lange Zeit in Privatbcsitz der Familien. So erzählt eine Jnschrist, daß eine Frau zur Barmizwoh ihres Acltesten ihr Brautkleid der Synagoge geschenkt habe (1749), eine andere Widmung.besagt, daß der Gatte beim Tode seiner Gemahlin deren kostbares Gewand für einen Altarvorhang bestimmen ließ (1768). Die Inschriften auf diesen Synagogenvorhängen zeigen die Namen uralter Mainzer jüdischer Familien, wie Ladenburg, Hamburg, Ütitz, Wcltsch, Wrangkfurth, Wissibad re. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Kommerzienrat B. A. Mayer, beabsichtigt, den Antrag zu stellen, die Vorhänge mit noch anderen interessanten Antiquitäten dem Mainzer Museum zu überlassen, das sodann eine Abteilung jüdischer Altertümer, wie sic andcrireitig existieren, zu bilden Heidelberg. Der erst vor wenigen Wochen (in die Öffentlichkeit hinausgegebene Aufruf zur Teilnahme am t a l m n d i s ch e n Seminar hat rascher, als die Gründer selbst vermuten konnten, begeisterten Wiederhall in den Kreisen der jüdischen Akademiker gesunden. Gleichzeitig mit dem SemesteÄbeginn hat das talmndische Seminar zwei Kurse eröffnet, zu denen sich bereits fünfzehn Teilnehmer gemeldet haben. Diese lernen teils sieben, teils neun Stunden in der Woche, sodaß ein recht ersprießliches Resultat erwartet werden darf. Bei den seminarischcn Hebungen, welche unter der Leitung des Herrn S. B. Rabinkow aus Kowno täglich abgehalten werden, nehmen die Hörer nicht nur den Vortrag des Leiters entgegen, sondern tragen die einzelnen Partien nach vorausgegangener Vorbereitung selbständig vor und erörtern die Schwierigkeiten der zu behandelnden Materie. Nähere Auskunft über das Seminar erteilt gern Herr Dr. Jonas Simon, Weberstr. 6. Leipzig. Auf Veranlassung des ..Centralvereins deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" hatte die Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen den Herausgeber des Hammers" und dessen Mitarbeiter Phil. Stanff gestellt wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft. Laut Beschluß des Königlichen Landgerichts.1 ist nun! die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt worden, mit der Begründung, daß die in den fraglichen Auffätzen beanstandeten Ausdrücke sich nicht auf eine Religionsgemeinschaft, sondern auf die ,L°ndcn als Volk und Rasse" bezögen. Sie seien zum anderen Teile nicht beschimpfend, sondern enthielten lediglich — eine Kritik verschiedener Sätze der jüdischen Religion. (I-.) Posen. Sehr oft ist es mit Schwierigkeiten verknüpft, für die jüdischen Soldaten bei Wen Truppenteilen die Erlaubnis zur rituellen Beköstigung zu erhalten. Es sei daher darauf hin gewiesen, daß nach dem kriegsministeriellen Erlasse vom 12. Juli 1832 es den jüdischen Mannschaften freizustellen ist, für ihre Beköstig»» g selbst zu sorgen oder an der gemeinschaftlichen Speiseanstalt teilznnehmen. In Lagern und im Kriege soll diese Rücksicht nicht stattfinden. Bei der jetzt vorzunchmenden Rekrnteitvereidignng findet sich Gelegenheit, die jüdischen Mannschaften pnf diese Bestimmungen aufmerksam zu machen. G Mflefon. G Vierzehn Tage Arrest. Bon I. Mayersohn-Mariano, Frankfurt. (Schluß.) Nach einem unruhigen Schlafe ging es ivicber an den gewohnten Dienst. Als mir um 9 Uhr vom Kasernenhof einrückten, verlas der Feldwebel de» Befehl, unsere Sonntagsgarnitur in Empfang zu nehmen, da die Beerdigung des Gemeinen Emmcl um 41/2 Uhr stattfinde und die Kompagnie den Kondukt begleite. Während alles mit dem Putzen beschäftigt war, ging ich von Zimmer zu Zimmer und sammelte Geld für einen Kranz. . Die Sammlung ergab durch die reichliche Spende unserer Einjährigen, wobei sich die beiden jüdischen Einjährigen besonders auszcichncten, eine solch' hohe Summe, daß mehrere Kränze bestellt werden konnten. Schlag vier Uhr stand die Kompagnie auf dem Hofe des Lazaretts und wartete der Dinge, die da kommen werden. Der Hauptmann, umgeben von den Kompagnieoffizicren, nahm die Meldung des Feldwebels entgegen. Sodann wandte er sich zu der Kompagnie, mit seiner scharfen, aber diesmal Bewegung verratenden Stimme meinen Namen rufend'. Ich trat vor die Front. „Was machen Sie für Geschichten? Wie kommen Sic dazu, mittags die Kaserne zu verlassen und Besuche ini bischöflichen Palais abznstattcn? Sic sind ja ein Mordskerl! — Es ist mir eigentlich nicht leicht. Ihnen deshalb eine Strafrede zu halten, denn Ihre Handlung entspringt einer kameradschaftlich menschlichen Teilnahme, welche eher Lob und Ächtung beansprucht. — Doch sei es, wie cs sei. — Ihre Handlung war Opfermut! — Treten Sic ein!" Rach dieser ungewöhnlichen Rede wandte sich der Gestrenge an den Feldwebel mit der Frage: „Ist denn niemand von den Angehörigen des Verstorbenen anwesend?" , Der Feldwebel erwiderte, baß, da erst heute morgen der Befehl zur kirchlichen Einscgung erfolgt sei, man auch erst heute morgen den Elter» telegraphische Nachricht gegeben habe und wegen der Kürze der Zeit das Eintreffen der Angehörige» unmöglich sei. Während nun die Kränze an dem Wagen befestigt wurden, erschien der Pfarrer, begrüßte die Offiziere und stellte sich hinter den Wagen. Wieder rief der Hauptmann mich vor die Front. „Mat)ersohn, wollen Sie unseres verstorbenen Kameraden Kruzifix tragen? Sie haben das erste Anrecht darauf!" Ich schwankte mit der Antwort; doch nur ei» Augenblick, — dann bejahte ich. Ich nahm aus der Hand des Lazarcttgchülfen das hölzerne Kreuz,- auf dem Name, Ecburts- und Sterbetag verzeichnet waren und begab mich vor den Wagen. Die Tamboure schlugen den Traüermarsch, und der Zug setzte sich in Bewegung. Nach etwa einer halben Stunde waren wir auf dein Friedhofe angelangt und standen vor dem offenen Grabe: Lautlose Stille herrschte, während der Geistliche das Vaterunser betete und die Leiche einsegnete. Dann schlugen die Tamboure einen langen Wirbel, die Offiziere und die Unteroffiziere warfen einige Schaufel Erde ins Grab, — und die letzte Ehrung war beendet. Das Leben trat wieder in sein Recht; unter flottem Marschtempo und heiteren Klängen ging es zur Kaserne zurück. So war ich der Löwe des Tages geworden. Die Offiziere behandelten mich mit Achtung, die Kameraden schüttelten mir die Hand. „Du bist ein braver Kerl!" hörte ich immer und inimer wieder. Selbst aus Zivilkreisen erhielt ich Briefe, nachdem die Tageszeitungen den Fall aufgegriffen hatten. Mir selber aber wollte kein frohes Gefühl anfkommen, drohte doch das Gespenst schwerer Bestrafung wegen Subordination. Freilich sprach mit mir niemand über die Zukunft. Ich wurde nur gefeiert, und es schien, als ob selbst der Oberleutnant seine Handlungsweise als zu schroff betrachtete und seine Meldung gern zurückgenommen hätte. Dies war nun ein Ding der Unmöglichkeit. Da ich aber nur „wegen vorlauten Benehmens gegenüber einem Vorgesetzten" vierzehn Tage strengen Arrest erhielt und nicht gerichtlich bestraft wurde, so hatte sicherlich der Oberleutnant sehr milde gegen mich ausgesagt. So >var denn eine Affäre, die für mich sehr gefährlich hätte verlaufen können, zu einem unter den obwaltenden Umständen sehr günstigen Ende gekommen. Alljährlich zu Weihnachten erhalte ich noch heute von der Schwester des Emmel, einer vermögenden Bauersfrau ans Mädeltzosen, ein Paket mit selbstcrzeugten Würsten u. dglch. und mit einem Briefe, den ich stets zu Neujahr beantworte. Die Wurst wandert alljährlich in die Mägen meincr christlichen Hausarmen. Ich habe der mir persönlich unbekannten Frau bereits vor Jahren mitgetcilt, daß ich als Jude ihre Wurst nicht essen darf, aber sie schickt. sic mir getreulich doch immer wieder. Vor fünf Jahren sandte ich der Frau ans ihr Bittet: mein Bild.' Wie ich aus ihren Briefen entnahm, hat sie cs unter das Christusbild gehängt. Es scheint, daß ich bei ihr als Familiciiheiliger verehrt werde. Das schönste Geschenk aber, das ich den damaligen Ereignissen zu verdanken habe, ist meine Frau. Mein Verhalte» machte sie jn meiner Bewunderin, ans dieser Betvundcrung entstand die Liebe, die uns für immer zusaminensührte. Die Lieder. . . Bei Tog pflegt die Mammc hausiere», - Bei Nacht — bei mir setzen sich still. Ich hob ihr viel Lieder gelesen Akit kindischen, warmen Gefühl. Ich hob ihr viel Lieder gelesen, Bei Nacht, 's gwescn asoi still. Mir scnnen gesessen versunken In Träunieii, in süßen Gefühl — — Bei Tog pflegt die Mamme hausieren, llit is nor gckuiniiieil die Nacht: Mein Kind, itzt sollst» vorlesen Die Lieder, wos du host gemacht. Gesessen" bin ich nn gelesen, Gebrennt Hot der Lomp asoi trüb, ' Es sennen die Kinder geschloscn U» still is gewesen in Stüb — Vun Bettler, Hattsierer nn Schnorrer, Vun Orme, gebrochen tut tiitib, .Hot lang in die Nacht sich gczvigen A traurig, a wehmütig Lied . . . litt ansgcheert hob ich zu lesen Wenn tief is die Nacht schoitr gewe'en, Ich hob dann — tvie 's rinnen die Mammen Die Teuren vun Ponim — gesetzt, . . . S a l 0 m 0 n D e m b i tz c r. Die Eigenart der Jargondichtnng in ihrer lyrischen Form und in ihrem meist wehmütig-sentimental berührenden Inhalt zeigt sich recht angensällig in den poetischen Schöpfungen Dcmbitzcrs, von' denen wir heute eine Probe bringen. OPTIK J.W. Albert, Inh.P. k. Elektr. Kleinbeleuchtnng Taschenlampen. 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Lot zieht an den Jordan, wohnt bei den schlechten Sedomitern. Dazu kommt ein Krieg in jener Gegend. Lot verliert Hab' und Gut und wird mit allen Leuten Sedoms in Gefangenschaft geführt. Abram befreit ihn sowohl wie alle Scdomiter. Für diese große und edle Tat bietet der König von Sedom Abram die Habe der ganzen Stadt an. Uneigennützig weist Abram jedweden Entgelt zurück'und geht wieder nach Kanaan zurück. Bei dem sogenannten „Bunde zwischen deir Flcischstücken" verheißt Gott wiederholt großen Lohn, zahlreiche Nachkommen, ebenso die einstige Erlösung dcrselbeit aus dem 400 jährigen egyptischen Exil. Ant Ende des Wochenabschnittes wird uns die Entlassung Hagars, der Magd Abrams, mitgeteilt Sie hatte sich' stolz übcrhoben. In der Wüste erscheint der Hagar ein Engel Gottes und verkündet die Geburt Jsmaels, des ersten Sohnes Abrams. — Gott stiftet mit Abram den „Bund der Beschneidung für ewige Geschlechter." Im Alter von 99 Jahren vollzieht Abram an sich den Bund, bei seinem Sohne Jsmael im 13. Lebensjahre. — Abram wird „Abraham" heißen, soviel als „Vater einer großen Volksmenge." Sarai (d. h. „meine" (Abrahain'sj Fürstin) füll fortan „Sara" heißen, Fürstin überhaupt, da ihr Ruf und Wirken schon weltbekannt geworden; sie ist Fürstin aller, nicht bloß Abrahams. Offenbaeüir Drucfcluft» Anlage Telefon 123. OHanbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tappleliralnlgaiig 2804

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