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Neue jüdische Presse · 1905-12-22 · Heft 49 (22.12.1905) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 49 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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- Seite 12. - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr- 49. stige Berichte vor. Zur Zeit sind 86 Insassen^ vorhanden, von denen 26. mit Stockfabrikatiou, 25 mit Rohrflechterei, 33 mit.Herstellung von Bürsten, einer als Wlonieschneider, einer mit Hausreinigung beschäftigt sind. In den 11 verflossenen Monaten hat die Kolonie 411 Mann, seit ihrem Bestehen 1344 Mann aus allen Ländern Europas ausgenommen. Am Sonnabend, den 23. d. M t s., a b d s. 6 Uhr findet in der Anstalt eine Chanucka- Feier statt, an der sich die Herren und Tamen des Borstandes unb Wohlfahrtsausschusses beteiligen werden. Auch Gönner der Anstalt sind als Gäste willkommen. Me Festrede hat Herr D r. E s ch e l b a ch c r j r. iibernommen. Emde«. Wie in der Generalversammlung des ,Waisen-Bereins des Landrabbinats- Bezirk Emden mitgeteilt wurde, ist das Vermögen desselben auf mehr wie 91 MO JL angewachsen, in welchen der Bauplatz im Kaufpreise von 10 000 JL enthalten ist. Hierzu kommen noch über 6000 JL zinslose Anteilsscheine. Es wurde beschlossen, den Bandes Waisenhauses in Angriff zu nehmen, wenn außer dem schuldfreien Bauplatz 100000 JL Kapital in Bar oder in Anteilscheinen zur Verfügung stehen wird. Man hofft, die noch fehlende Summe bis zum Frühjahr 1907 beschaffen zu können. Pose«. Jüdischer Diskutier-Klub. Bor einigen Wochen bereits wurde die Nachricht von der Gründung des „Indischen Diskutier-Klub" gebracht. Heute gestatten wir uns, den ersten Bericht über die Täügkeit des Vereins der Oeffentlichkeit zu übcrgeben. Den Zwecken desselben «itsprcchend, besteht die Arbeit in der Veranstaltung von Diskussionsabenden, die regelmäßig jeden Donnerstag Abend stattfinden. Die Ausgestaltung dieser Abende bestand bisher, darin, daß jedes Mal ein Mitglied abwechselnd ein ausführliches Referat über ein interessierendes Thema hielt, an welches sich stets eine nmfängreiche Diskussion schloß, die ja bei uns der wichtigste Teil des Abends ist, da diese jedem Mitglicde Veranlassung gibt, selbst geistig mitzuarbeitcn. Darin unterscheiden wir uns wesentlich von der Methode der „Literaturvereine", in welchen nur der Vortragende allein arbeitet, während'bei uns alle Mitglieder zur intensiven. Selbstbetätigung hcrangezogcn werden sollen. Bezüglich der Richtungen, nach denen sich unsere Arbeit erstreckt, sei erwähnt, daß wir den Grundsatz haben, daß „nichts Indisches uics freind sei." Jüdische Tagesfragcn sowohl wie jüdische Geschichte und Literatur sind die Gebiete, deren eingehende Kenntnis wir unseren Mitgliedern vermitteln wollen. So wurden bisher folgende Themen behandelt: 1) Die Ostniarkenpolitik und die Juden. 2) Der Jude als Deutscher. 3) Der Einfluß der ägyptischen Erziehung auf Moses. 4) Der Verband der Deutschen Juden. 5) Tie Lage der Juden (Teil I.: Deutschland und Frankreich). 6) Das Marannentum. 7) Jüdische Zcitfragen (Schulunterhaltungsgesetz jc.j. Mit dem Erfolg dieser Abende kann der Verein sehr zufrieden sein, so daß wir schon an die weitere Ausgestaltung der Bereinsabende gehen konnten, indem wir von jetzt ab neben dem Hauptrefcrat noch .regelmäßig abwechselnd je eine kurze Zcitungsschau oder ein kleines Geschichtsrefcrat in chronologischer Reihenfolge einrichten. Ferner wird demnächst mit einem Sprach- und Vorbereitungskursus begonnen werden. Erwähnt sei noch, daß der.Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde sein Interesse für unsere Bestrebungen dadurch bekundete, daß er uns den früheren Sitzungssaal, Judenstr. 16 I. als Vercinslokal zur Verfügung stellte, wofür wir an dieser Stelle nochmals danken. In demselben finden nun jeden Donnerstag die Vereinsabende statt, Donnerstag, den 21. d. M. ein Bortrag über das Thema: „Die philantropischen Gesellschaften und die Jüdische Territorial-Orgauisation", den ein Nichtmitglied, Herr Dr. Jeremias, liebenswürdigerweise übernommen hat. Wir bemerken noch, daß uns zu allen unseren Veranstaltungen Gäste — Damen wie Herren — sehr willkommen sind, da unsere Arbeit ja nicht einzelnen gilt, sondern der jüdischen Gesamtheit zu gute kommen soll, nämlich der Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins. Die nächsten Themen werden behandeln: „Hellenismus und Judentum", „Die Lage der jüdischen Handlungsgehilfen", „Raschi", „Theodor Herzl", „Maimonides" u. a. Aus -er zionistische« Bewegung. Würzburg, 15. Dez. An Stelle des angeküudigten Vortrages: „Me Situation nach dem VII. Kongresse", den der Referent, Herr Kaufmann-Stuttgart im letzten Augenblicke absagte, fand ein Tiskussionsabend statt. 'Neben bcrctts oft erörterten strittigen Puntten berührte man kurz die Vorgänge-in Rußland, die zweifeEohne mehr oder weniger ihren Ein- 'luß auf die Weitercntwickelung des Zionismus ausiben würde». Am Schlüsse der Versammlung bechloß die. Ortsgruppe, ihrem I. Vorsitzenden, Tr. pinczower, aus Tankbarkeit für seine treffliche Leitung 6 Oelbäume zu widmen. L. D. Aus der Lehrerwelt. Darmstadt. 20. Dez. l! Heute fand durch den Großherzog die feierliche' Eröffnung des Landtages statt. Die Thronrede erwähnt, daß ein Gesetzentwurf betreffend die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religions-Gemeinden des Landes der Vollendung nahe sei und dem Landtage in kurzer Zeit zugehen werde. Berlin. Die Vereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins hielt am 11. dss. Mts. ihre, von Mitgliedern und Gästen, zahlreich besuchte 'Dezember-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Höxter, erstattete zunächst Bericht über den Erfolg eines Antrages, der innerhalb der Vereinigung gestellt war, und eine Zusammenkunft der Tirektoren der Berliner Religiousschulen zur Aussprache über verschiedene Mängel innerhalb derselben anrcgte; dieser Anregung entsprechend, haben schon zwei Sitzungen der Direktoren stattgefundcn. Das definitive Resultat hoffe er in der. nächsten Sitznng mitteilen zu können. Sodann wurde im Anschluß an zwei in den letzten Sitzungen gehaltene Vorträge eine Diskussion über das Uebersetzen der Gebete eröffnet. Besonders wurde die Frage erörtert, ob als Unterstützungdes Unterrichtes Uebersctzungsbücher den Kindern mittlerer und oberer Stufen an die Hand gegeben werden sollten oder nicht. Die Meinungen gingen weit auseinander. Während sie von den Einen ganz verworfen wurden, haben Andere sie nicht nur billigenswert gehalten, sondern ihre Einführung empfohlen. Daneben sind noch einige andere Fragen erörtert worden, so z. B. in welchem Lebensalter mit dem Uebersetzen begonnen, welche Stücke gewählt und in welcher Weise das Uebersetzen auf den verschiedenen Stufen gehandhabt werden sollte. — Die sehr angeregte Diskussion dehnte sich bis gegen. Mitternacht aus. Kunst und Literatur. D c r M i s ch n e h T h o r a , ein Shsteni der mosaischtalmudischen Gcsetzcslehre, zur Erinnerung an den 700jährigen Todestag Maimuni's von Rektor Prof. A. Schwarz, Wien, Verlag der Israel. Theol. Lehranstalt, 1905, 229 S. Der Verfasser, von dem schon verschiedene.Arbeiten ans dem Gebiete der Exegese erschienen sind, tritt anläßlich des 700jährigen Todestages des jüdischen Geistesherocn Maimuni mit vorliegender Arbeit hervor, in welcher die Stellung Maimuni's zur talmudisch-halachischen Exegese, wie auch dessen eigenes System im Mischneh-Thora gekennzeichnet wird. Jnr ersten Kapitel führt uns der Verfasser die Komposition des Mischneh Thora vor Augen. Den organischen' Zusammenhang der 14 Bücher und 83 Sektionen des Mischneh Thora, wie auch die Gründe, die Maimuni bewogen haben mögen, von der Einteilung und Folgenrcihc der Mischna Abstand zu nehmen. . In seinem zweiten, aus 4 Unterabteilungen bestehenden Kapitel, erörtert Schwarz das. Verhältnis des Mischneh Thora zum Talmud. 1) Die Sprache des Mischneh - Thora, deren Bedeutung darin liegt, daß er entgegen dein Talmud und der talmudischen Literatur, der Bibel gleich, in reinem hebräisch gehalten ist. Maimuni tat dies schon deshalb, um sein Werk einem größeren Kreise zugänglich zu machen; einem Kreise, für den sein Werk berechnet gewesen, der aus den talmudischen Diskussionen sich nicht den „Psak Halacha" entnehmen konnte. Weiter macht Mainrnni durch die Abwechselung in der Einleitung der einzelnen Paragraphen das Studium seines Mischneh Thora gefälliger. Neben den einzelnen Gesetzen und Lehren findet sich häufig ein Kommentar Maimuni's zu dem betr. Gesetze (79 bis 94). — Ms zweite Unterabteilung behandelt der Verfasser die Oekonomie des Mischneh Thora; die organische Gliederung des im Talmud und der talmudischcn Literatur enthaltenen riesenhaften Halachastoffes. Mainuni's Verfahren ist analytisch; er gewinnt durch das gründliche Studium des Talmud's die einzelnen -Normen, die er mit Weglassung aller Diskussionen kurz und in sehr gefälliger Sprache abfaßt. Erst dann gehl er zur Synthese über, indem er die Menge der einzelnen Sätze in 14 Zuteilungen (Bücher) und 83 Sektionen (Halachoth) ordnet. Der Verfasser ist der Ansicht;- Maimuni hätte in der Anordnung des Halachastoffes das Verfahren R. Akiba's, wie es in Aboth di R. Natan c. 18 geschildert wird, angewandt. R. Aksba ordnete nämlich die miteinander vermengten und durcheinander geworfenen Früchte, indem er sie sortierte und jede Sorte.in ein besonderes Gefäß gab. Weiter wird berichtet, er habe den geordneten Halachastoff zu Ringen verarbeitet. Die dritte Abteilung handelt über'die Belege des Mischneh Thora aus der Bibel, während in der vierten die 28 Grundsätze (die von; I. Karo herrüKcen), nach dem Maimuni seinen Mischneh Thora verfaßt, kritisiert, einige davon aliminiert und andere an ihre Stelle gesetzt werden. In einem dritten Artikel bespricht der Verfasser das Verhältnis Maimuni's zur halachischen Exegese. Seite 143 nimmt Schwarz an, daß Maimuni alles,' was nicht aus einem Bibelvers dem schlichten Wortsinn nach deduziert werden kann, als Ueberlieferung annehme und daß so die Zahl der Traditionen unter seiner Hand znnehme. — Dies stimmt nicht mit den Ausführungen Maimuni's in seiner Einleitung zu Seder-Seraim. Aus diesen geht nicht hervor, daß er die Halachoth als Traditionen betrachtet, weil ihre Anlehnung an den Text nicht deutlich genug hervorgcht. Daselbst hebt er die Tatsache des Vorhandenseins von Traditionen im allgemeinen hervor. Die Beweise aus dem Text haben nur den Zweck, diese tradierte» Erklärungen andeutungsweise auf den Text zurückzuführen. Maimuni meint umgekehrt, als der Verfasser annimmt, daß Traditionen nicht deutlich aus dem Texte bewiesen werden müssen, sondern für dieselben ein bloßer „Remes" aus der Thora genügt. Im übrigen steht der Verfasser auf jenem Standpunkte, der die „Thauro b'alpeh" als Menschenwerk darstcllt. So heißt es in der Einleitung, S. 6: „Was sich auf diese oder jene Weise als Norm für die j ü d. Lebensführung hcraüsgebildet hat, behält nach wie vor seine volle Br e ch t i g u n g; die Krittk soll nur der Verknöcherung steuern und der Weiterentwicklung, der Fortbildung dieser Normen' in einer den Anf orderungen der Zeit entsprechenden Form die Wege b a h n e n". Also Wcitcrentwickclung und Fortbildung der Normen den Anforderungen der Zeit gemäß. Wenn man nur wüßte, welche denn diese durch Evolution entstandenen Halachoth sind, wieso denn gerade die Zeit ihres angeblichen Entstehens sie gefordert hat. So auch S. 142: „Was sich im Laufe der Jahrtausende aus dem Geiste der Bibel heraus entwickelt, was sich im Volksleben als Ueberliefertes und weiter zu überlieferndes gebildet hat, tvas den Gang bezeichnet, den die Entwickelung des.sittlich Religiösen im Judentum genommen, mit einem Wort," die Halachah bleibt für. Maimuni die Hauptsache". Für den Verfasser bedeuten die Halachoth nicht mehr als entwicklungswcise von der Gesamtjudenheit angenommene Bräuche und „die Autorität des Talmuds liegt für uns in dessen Annahme seitens der Rabbaniten". Bei einer solchen Auffassung der mündlichen Lehre darf sich Verfasser (in seinenc Bericht 240) nicht darüber ivundern, daß sich die Mittelschüler nicht genugsam mit dem Talmud beschäftigen, um ein Talmndkolleg mit Erfolg besuchen zu können. Tie voin Verfasser angeführten Ursachen der Vernachlässigung des Talmuds haben wohl auch ihre Richtigkeit, doch liegt in ihnen nicht der Hauptgrund des Niedergangs des Talmudstudiums. Früher wurde der Talmud gelernt, weil man die in ihm enthaltenen Gesetze als göttliche betrachtete. Was soll denn etwa den Mittelschüler dazu bewegen, sich während seiner Gyinnasialzeit mit dem wahrlich nicht leichten Talmudstudium zu Plagen. Etwa mm dessen Entwicklungsgänge nachzuspüren. Dies erfährt er früh genug auf beu Rabbiner-Hochschulen. Tic Entwicklung im Talmudstudium kann nur in dem Maße erfolgen, als mag von der Entwicklungstheorie seines Inhalts .abkommt. 1'. . Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Montag, den 25. Dezember, nachmittags 3 Uhr, Vorlesung des Herrn Oberlehrers A. Weil aus „Josua". Israelitischer Mädchenklub Fahrcasse 14«. Jeden Abend von 7 Vs—10 Uhr geöffnet.?M> Cafe Central M. K. Seite feinstes familien-Cafe Tag und Naclit geöffnet. Dr. Falke’s Rasirpulver, schwach und stark. Pro Carton 75 I. fltj, fnmfcfgti a. W., AllerheillnellSr. 93. Bienen-Honig garantiert rein, wird so lange noch Vorrat reicht, zn 80 Pfg. per Pfand abgegeben,. Mindestabgabe 5 Pfand. Escliersheimerlandstrasse 107 III , 'Mittags zwischen 1—4 Uhr.; Gigarrenhaus Franz nahmen, um. Thend. Metzger Ia. Qualitäten in Cigarren, Cigaretten und Tabake. Allerkeiligcnstrasse. 93, Ecke . Fahrgasse (Constabler Wache). . 4# 4Jaic IIaivm Ecke Eschergheimer Landstrasse' Jf wrr Gärtnerweg 1, Laden. Herrenu. 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