Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 48 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Bette 10. welchen sie um Erlaubnis baten, die jüdische Bevölkerung massakrieren oder über die Grenze jagen zu dürfen. i Amerika. Skew-Bork, 13. Dezember. Senator Lodge brachte eine neneEinwanberungsvorlage ein, welche die gegenwärtigen Ausschließungs- Maßregeln außerordentlich verschärft. Bei,pielsweise dürfte ein Einwanderer seine Familie nicht Nachkommen lassen, bis er Bürger ist. Personalien. FraÄfvrt a. M. Herr Josef Grünebaum mrd Frau, Agathe, geb. Dahlheim, Theobaldstr. l, feierten das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Kraut,«« a. M. Die Kamckie «chauies, eine der angesehensten und beliebtesten der hiesigen Judc»- heit, wurde von einem schweren Schlage betroffen. Herr Albert Sch am es, der im Atter von 47 Zähren stand, verschied Sonntag morgens plötzlich an einer Herzlähmung, ohne vorher trank gewesen zu sein. Durch das frühzeitige Dahinscheiden des Verewigten erlitt die Frantsurter Judenheit einen herben Verlust, denn in ihm paarten sich Tauroh im Terech Erez in schöner Weise. Er,war durch und durch Jehudi, ohne sein Judentum an die große Glocke zu hängen. Er war inoderner Mensch, der für alles Zeitgemäße Verständnis hatte, ohne sein Menschentum zur Schau zu tragen. War er doch mit echt jüdischen Sitten ausgcstattet mrd ein Oiww, ein Bescheidener, im volle» -Sinne des Wortes! Und weil er jede lautere Gesinnung im Judentum respektierte und in jedem Menschen das Gute zu achten wußte, so erfreute er sich allseitiger Liebe und Achtung. Sein plötzliches Hin- Seiden rief daher in weiten Kreise» Bestürzung und ilnahme hervor, und an seiner Bahre trauern gar viele. Sein Andenken wird daher für immer ein gc- . segnetes sein! Der Verblichene hinterläßt drei Kinder, die noch der vernünftigen Leitung des Erziehers bedürfen und diese in ihrer Mutter, die dem Verblichenen ebenbürtig ist, finden. Berlin. Pio,esfor Jastrow wurde von den Aeltesten der Kaufmannschaft zum Rektor der Handelshochschule, die Oktober 1906 eröffnet wird, gewählt. Darmfladt. Der Großherzog verlieh dem Geh. Baurat Landsberg das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Rabbiner D r. Salfeld in Mainz das Ritterkreuz 1. Klasse desselben Ordens und ernannte Dr. Hesdörffer, Chefarzt des jüdischen Hospitals in Mainz zum Sanitätsrat, Ludw. Mayer und Heinrich Merzbach in Offenbach zu Kommerzienräten und Dr. D. Loeb und Dr. Em. Reis zu Justiz- Breme«. Herr Eduard Abraham, der einzige noch Lebende von den vier Familien, die im Jahre 1848 zuerst das Aufenthaltsrecht in Bremen erlangten, feierte kürzlich in Rüstigkeit und Geistesfrische seinen 80. Geburtstag. Herr Ilbraham erfreut sich eines großen Ansehens; in der jüdischen Gemeinde hat er von jeher eine hervorragende Rolle gespielt. Weimar. Am künftigen 1. Januar wird das hiesige Bankhaus Julius Elkan seine über mehr als fünf Mcnschenalter ausgedehnte Tätigkeit beschließen, indem es an die „Magdeburger Privatbank" übergeht und sein Chef, Tr. Moritz, sich ins Privatleben zurückzieht. Mit dem Hause Elkan verknüpfen sich manche Erinnerungen an die klassische Zeit Weimars. Hingewicsen sei nur auf Goethes Verse auf „Miedings Tod" (1789): „Ter tätige Elkan läuft mit manchem Rest, Und diese Gährung deutet auf ein Fest." I. Elkan war bekanntlich der „Hosjude", mit dem auch Goethe in geschäftlicher Verbindung stand. Er war lange Zeit der einzige Jlide, der in Weiniar lebte. . .Li!j|. Aus der Lehrerwelt. Fra«kf«rt a. M. Der Bund gesetzestreuer Lehrer Deutschlands. Rückblick auf das erste Halbjahr seines Bestehens. Bedurfte es noch eines Beweises, daß der „Bund gesetzestreuer Lehrer" sowohl einem dringenden Bedürfnis entsprach, als auch in seinen Bestrebungen den richtigen Weg gefunden hat, so hat ihn das erste Halbjahr seines Bestehens in erfreulicher Weise ge- Bilden sonst die Gründungsjahre eines Unternehmens aus leicht erklärlichen Ursachen nur die Zeit bloßer Versuche, welche nach der positiven Seite im besten Falle aussichtsvolle Erwartung gestatten, so darf der „Bmrd gesetzestrcuer Lehrer" schon jetzt, nach einem halben Jahre, gestiitzt auf günstige Erfolge, frohe Hoffnung für sein ferneres, fortschreitendes Gedeihen hegen. Seine Gründung war eben dringend zeitgemäß, wie sein Prinzip ideal wichtig. Darum verhallte der Sammlungsruf nicht ungehört in der gesetzestreuen jüdischen Lehrerschaft und wurden seine Bestrebungen bisher trotz der kurzen Zeit in weiten Kreisen beifällig ausgenommen und.von reichem Vertrauen getragen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. In erfreulicher Weise haben sich die Freunde unserer Sache zusammengesunden. Aus allen Teilen Deutschlands dursten wir seither zahlreiche Einzclmitglieder begrüßen und es gereicht uns zu besonderer Befriedigung, den Lehrcrverein Emden - Oldenburg- Bremen als wichtiges Glied den bereits zum Bunde gehörenden Korporationen anreihcn zu dürfen. Tic erprobte Tüchtigkeit, sowie gesinnungstreuc Entschlossenheit, gepaart mit mannhaftem Auftreten haben unseren neugewonnenen Mitgliedern schon längst die Herzen aller unbeeinflußt denkenden Gesetzestreueii erobert. Umsomehr schätzen wir uns glücklich, von jetzt ab Schulter an Schulter mit denselben zu gemeinsamer positiver Mitarbeit streben u,nd helfen zu dürfen. Ueber die günstige Entwicklung der m atericllcnSeite unserer Aufgabe wurde erst vor kurzem berichtet. Tie einzelnen, vom Bund geschaffenen und subventionierten Fortbildungskurse für Lehrer sind unterdessen in den verschiedensten Gegenden Deutschlands ins Leben getreten und haben überall eine stattliche Anzahl strebsamer Kollegen zu gemeinsamem „Lernen" versammelt. So liegen bereits recht erfreuliche Berichte über die Kurse Gießen, Friedberg, Tarmstadt, Hanau, Fulda und Fürth (bezw.: Neustadt a. Aisch unter der Leitung von Dr. Warsawzki-Fürth) vor. Bei den meisten derselben findet alle 14 Tage ein dreistündiger Schiur in Raschi, Tenach, Schulchau Aruch, Mischnah Und Geschichte statt, und die gemeinsame Aussprache, die Fülle von Anregung, sowie die frohe Gelegenheit zu geistiger Vervollkommnung befriedigten Leiter und Hörer in gleicher Weise. Mit besonderer Freude dürfe» wir jedoch dank dem Entgegenkommen der verehrten Dozenten die Eröffnung eines auf 3 Wochen berechneten Fortbildungskursus am Beth-Hamidrasch in Berlin sür die Ferien zu Ende des Jahres anzeigen. Als Gegenstände des vielseitigen Kursus sind in Aussicht genommen: 1. Einleitung in die Liturgie. Prof. Berliner. 2. Dinim. Dr. E. Munk. 3. Hebräische Grammatik. Dr.' E. Munk. 4. Erklärung der l3 Glaubensartikel. Dr. Wohlgemuth. 5. Methodik. des Tcnach-Unterrichts. Dr. M. Hildesheimer. 6. Einleitung in die Mischnah. Dr. Biebcrfeld. 7. Schulhygiene. Dr. Bieberfeld. Ten Mitgliedern des Bundes wird zu den Kosten des dreiwöchentlichen Aufenthaltes in Berlin ein erheblicher Beitrag gewährt werden. Wir laden jetzt schon alle gesetzestreuen Kollegen, besonders auch unsere werten Mitglieder in Norbdeutschland zu zahlreicher Beteiligung ein, und bitten dieselben, sich mit dem Vorsitzenden, Herrn Direktor Tr. Lauge-Frankfurt a. M. (Am Tiergarten 52) in Verbindung zu setzen. Der unmittelbare. Genuß aus dem reichen Borir der altjüdischen Jeschiwoh, sowie unter Leitung bewährter Kapazitäten jüd. Gelehrsamkeit wird sicherlich jedem Teilnehmer hohen Gc? winn und dauernde Befriedigung verschaffen. Als weiterer Anziehungspunkt in der Reihe un- Srrer für die nächste Zeit geplanten Veranstaltungen ürfte ein Fortbildungs-Kursus im „C h a s o n u s" begrüßt werden, dessen Leitung der allgemein.verehrte Oberkantor der Israel. Religionsgcsellschaft in Frankfurt a. M., Herr Julius F r i e s l ä n d c r, in dankenswerter Weise übernommen hat. Tiefe Uebungen bei dem Altmeister echt scelcnvollen Vortrags, verständiger und begeisterter Auffassung, sowie Verkörperung eines wahrhaften Baal Tefilloh werden jedem Teilnehmer zu Stunden unvergleichlichen Genusses und angenehmster Erinnerung werden. (Anmeldungen an Herrn Direktor Dr. Lange, Am Tiergarten.) Zu diesen frohen Ankündigungen gesellen wir die weitere des baldigen Erscheinens unseres eigenen Organs, welches dem „Israelit" alle 14 Tage als pädagogische Beilage ans voller unabhängiger Grundlage bcigegeben wird. Als Schriftleiter ist Herr KollegeEhrmann- Friedberg gewonnen worden und wir sind überzeugt, daß unsere Fahne auf diese Weise umsichtig, mannhaft und treu, sowie unbeirrt nach allen Seiten das Interesse des „Bundes", sowie seiner hohen Sache vertreten wird. So wollen wir fernerhin ringen und schaffen in positiver Arbeit, nicht ruhen in selbstgefälliger Zufriedenheit, sondern, die Idee» der Sammlung aller gesetzestreueii Kollegen stets verfolgend, zugleich unaufhörlich eintreten für ein blühendes Schulwesen und einen unabhängigen Lehrerstand.. I. L. Berlin, 11. Dezember. Der Verband der Deutschen Juden hat ungesäumt nach Bekanntwerden des Entwurfes zum Schulunterhaltungsgesetz Stellung zu demselben genommen. Er wird als Zentralstelle sür alle diejenigen Wünsche und Anträge dienen, welche seitens der jüd. Gemeinden, der Lehrerschaft und der Rabbiner sich an diesen Gesetzentwurf knüpfen. Am 10. Dezember hat in Berlin eine Sitzung des Ausschusses des Verbandes stattgefunden, welche die sofortige Absenkung einer kurzen vorläufigen Denk- Nr. 48. schrift beschlossen hat, die heute bereits dem Mgeorduetenhause zugegangen ist. ' Leirmerttz (Oesterreich). Zum Nachfolger unseres nach Kopenhagen berufenen Rabbiners ist Rabbiner Dr. Morgenstern-Jamnitz gewählt worden. Wie«. Am 6. Januar gedentr Herr Oberkantor Jakob Bauer, der erste Vizepräsident des österr.- ungarischen Kantorenvereins, das Jubiläum seiner 25 j ä h r i g e n Amtstätigkeit, als Oberkantor der hiesigen türkischen Jsraelitengemeinde zu begehen. BioltS, 12. Dez. Unser Leyrer Herr I. Rohrheim e r erhielt heute das Dekret ms definitiv a n g e st e l l.t e r V o l k s sch u l l e h r er. PariS. Der Großravbiner Vonss-Frankreich, Z a d o c Ka h n, ist am 8. d. Mts. im 66. Lebensjahre verschieden. 1839 zu Mommenheim i. Elf. geboren, trat er 1856 in die Rabbinerschule ein und beendigte auch an dieser Anstalt, die inzwischen als Seminairc Jsräelite nach Paris verlegt worden war, seine Studien. 1867 wurde er Assistent des Oberrabbiner Isidor von Paris, 1868 dessen Nachfolger und 1889 Oberrabbiner von Frankreich. Er war einer der frühesten Mitarbeiter der Alliance israelite universelle, 40 Jahre seines Lebens widmete er dieser großen Organisation, deren Ehrenpräsident er in den letzten 15 Jahren war! Auf jndisch-philantropischem Gebiete entfaltete er > besonders durch seine Beziehungen zum Hanse Rothschild — eine außerordentliche Thätigkeit. — Wir werden in nächster Nummer auf den Verewigten »och des Eingehenden zurückkommen. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Vergnügungs- Gesellschaft jg. Leute, gegr. 1893, feierte am 9. Dez. 1905 ihr 12jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Wohltätigkeitsfeier zu Gunsten der notleidenden russischen Juden. Der Besuch war ein sehr guter, und wurde das sehr reichhaltige und abwechslungsreiche Programm vom Publikum mit Enthusiasmus ausgenommen. Frankfurt a. M. Montefiore-Verein. Ter „Montesiore"-Verein hat soeben das Programm zu der am 23. d. Mf in der „Frankfurt"-Loge stattfindenden Chanukafeier versandt. Hervorragende Solisten sind sür dieses Fest gewonnen worden, wir erwähnen die Damen Rottmann, Vogel, sowie die Herren Bing, Horovitz, außerdem bildet Paul Heyse's „Tie Weisheit Salomo's", einstudiert von Herrn Alfred Auerbach, eine Glanznummer des Programms. Wie uns berichtet wird, herrscht denn auch eine lebhafte Nachfrage nach Eintrittskarten, und dürfte cs sich deshalb für die Mitglieder des Vereins empfehlen, die Besorgung der Karten sogleich vorzunehmen. Tic Ausgabe der schriftlich bestellten, sowie der Verkauf etwaiger noch disponibler Billete erfolgt im Vereinslokal am Sonntag von 4—10 Uhr nachmittags, sowie Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 7—10 Uhr Abends. Aus der zionistischen Bewegung. Wie«. Am 3. ds. Mts. fand hier eine Besprechung zionistischer Vertrauensmänner aus ganz Oestrreich statt, in der über die Stellungnahme der Juden zur Wahlrech tsfrag'e verhandelt wurde. Es wurde als eine unabweisbare Forderung anerkannt, daß die Juden im Kampfe um die Erreichung des allgemeinen Wahlrechts die Erlangung einer jüdischenMinoritätsvertretung mit allen Mitteln anzustreben haben. In diesem Sinne wurde eine Reihe von taktischen Maßnahmen beschlossen, zu deren Durchführung man ein Exekutivkomitee unter der Leitung der Herren Oskar Marmorek, Tr. Schalit und Herm. Müller einsetzte. „Welt". Ans der Geschäftswelt. Gelegenheitsgeschenke ■ nach auswärts. Da, wo die The Continental-Bödega-Company Filialen unterhält, liefert dieselbe von einem Platze zum anderen selbst einzelne Flaschen ihrer Port-, Sherryusw. Weine franko Porto, Packung und Zoll frei in's Haus. Filiale Frankfurt a. M., Schillerplatz 2. Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, den 17. Dezember 05 fällt die Josua- Vorlesung des Herrn Oberlehrer Weyl aus; sie findet dagegen Sonntag, den 24. Dezember, statt. Verein Tifercs Vachurim. .Sonntag, den 17. Dezember, abends 8% Uhr, in der Aula der Religionsschulc, Hermesweg 25/27. Vortrag des Herrn Salli Weil: „Aus der glorreichen Zeit der Makkabäer".; In der nächsten Nummer beginnt ein größeres, sehr interessantes -Feuilleton „Ein kleines Drama, Erzählung von Ben-Ami", auf das wir Unsere geschätzten Leser besonders aufmerksam machen. Wegen Raummangel mußten - mehrere Vereinsberichte für die nächste Nummer zurückgelegt werden.