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Neue jüdische Presse · 1905-12-08 · Heft 47 (8.12.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 47 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 47. seiner Mitglieder zu Pflegen. Die erste derartige Zusammenkunft findet nächsten Sonntag in Wittmund statt. - Veitshöchheim. Unsere Gemeinde wurde durch den Tod unseres unvergeßlichen Lehrers Josef Klein in tiefe Trauer versetzt; wir können mit Recht sagen: „Gefallen ist die Krone von unserem Haupte", denn Lehrer Klein war unsere Krone. Wie wir ihn verehrt und hochgeachtet bei seinem langjährig. Wirken, so sehr beweinen wir ihn jetzt, da er nicht mehr unser ist. Nicht weniger wie drei Generationen hat er in Limmud taurosenn eingeweiht. Großvater, Sohn und Enkel fanden in ihm denselben Lehrer, der im Alter wie in der Jugend mit gleicher Begeisterung unterrichtete. Josef Klein besuchte von 1837—40 das Kgl. Lehrerseminar in Würzburg, sodann die Rabbinerschule in Fürth und wirkte von 1850 ununterbrochen in unserer Gemeinde, zu unserem Segen-und Gedeihen. Am Mauze Schabbos Tauldaus entschlief er .sanft iin 86. Lebensjahre. Herr Distriktsrabbiner B a m b e r g e r, der zur Beerdigung herbeieilte, sprach herzliche Worte an der Bahre des Lehrers und verkündete mit Stolz, daß die israelitische Schule in Veitshöchheim eine Musterschule und die so treu geführte Gemeinde seine liebste Gemeinde gewesen sei, tief beklage er den Heimgang des Zaddik neemon. Herr Lehrer Gold stein, der Vorsitzende des vayer. israel. Lehrervereins, ergriff sodann das Wort, betonte den Verlust, den die Lehrerschaft erleidet und erinnert, daß der Entschlafene Mitbegründer und Verwaltungsmitglied des - Lehrervereins gewesen sei. Das „Mes" wurde nach Laudenbach zur Kewuroh gebracht, von allen Gemeindemitgliedern begleitet. Am offenen Grabe sprach ein Sohn des Verewigten, Herr Lehrer Klein-Gießen, seinem geliebten Vater Worte des Wschieds. In tief zu Herzen gehenden Worten schilderte er den Vater, den Lehrer und Erzieher und gelobte namens aller seiner Geschwister in den Wegen des Vaters weiterzuwandeln und so wie der Heimgegangene die Tauroh als Richtschnur des Lebens zu nehmen. Im Namen der einstigen Schüler sprach noch Herr Lehrer Frendenberg e r - Geroda, namens der Gemeinde Herr Leo Thalheimer -Würzburg und zum Schlüsse Herr Lehrer Oppenheimer -Laudenbach. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Verein .Nachlaß Zwi". Am 29. November hielt Herr Julius Lewin einen interessanten Vortrag über das Thema: „N ationalität und Judentum". Referent wies auf Grund eines Zeißig beigebrachten Materials nach, daß die Vorwürfe über Exklusivität und Engherzigkeit, die . man so gerne dem Judentum macht, auf Unkenntnis desselben oder Böswilligkeit beruhen. Die nationale Grundlage des Judentums hindert nicht, baß die höchste Humanität gelehrt und dem Juden zur Pflicht gemacht wird. Schon die Schöpfungsgeschichte, die alle Menschen aus einem Menschenpaare entstammen läßt, ist dafür ein beredtes Zeugnis. Aus zahlreichen Bibel- und Talmudstellen beweist Herr Lewin, daß Israel nur der erstgeborene Sohn Gottes (Bin bchori Jisroel) zu sein für sich, nach der Lehre des Judentums, in Anspruch nehme» darf, denn alle Menschen sind die Kinder Gottes. Sie sind cs, ohne zum Judentum sich bekennen zu müssen. Jeder, der die sogenannten „Noachiden"-Gebote betrachtet, also, einen rechtschaffenen und tugendhaften Lebenswandel führt, wird des „Zukünftigen Lebens" teilhaftig. In der verheißenen messianischen Zeit sollen auch darum die Völker sich nicht zum Judentume bekennen, sondern die reine Gotteserkenntnis, Gerechtigkeit und Tugend Gemeingut aller Menschen werden. 'S» der Diskussion will Herr Dr. Bonbi eine Klärung des Begriffes Nation in den Vordergrund gestellt wissen. Er stellt die Frage, ob es nicht angehe, da das Wort Nation von nascere — gekoren abgeleitet werden muß, anzunehmen, daß man der Nada das Wort Nation von nascere — geboren abgehöre. Herr Emanuel fragt, wie es sich damit verhalte, daß von zionistischer Seite behauptet wird, die Juden seien auch jetzt noch eine Nation, während dies von orthodoxer Seite, bestritten wird. Herr R o s e n h e i in meint, es sei keinem Vernünftigen auf orthodoxer Seite eingefallen, in Abrede zu stellen, daß wir Juden auch jetzt noch ein Volk seien. Die Behauptung des Gegenteils widerspräche den Worten der Torah und aller unserer Gebete. Die Meinungsverschiedenheit bestehe nur bezüglich der Ausgaben des jüdischen Volkes. Wir vertreten die Ansicht, fährt Herr Rosenheim fort, daß unsere einzige Slufgave darin besteht, die Torah zu beobachten und in ihren Geboten zu lebe». Gott habe uns hinausgeführt, um uns zu einer Leuchte der Völker werden zu lassen. Wir müssen daher danach strebe», die Zeugen der wahren Erkenntnis Gottes unter de» Völkern zu werden. Das entscheidende Merkmal der Nationalität ist das Zusammengehörigkeitsgefühl. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Herr B e r l o w i tz sagte, er hätte eigentlich im Wesen der Sache nichts gegen das Ausgeführte einzuwenden, wenn die Sache nicht in einer Weise dargestellt würde, die mit dem klaren Wortlaute der Torah im Widerspruche stehe. Wenn die Herren mit ihrer einseitigen Auffassung der jüd. Mission im Rechte wären, so müßte es eigentlich immer heißen: Wenn ihr Recht und Gerechtigkeit üben werdet, so werde ich euch unter die Völker hinausführen, damit ihr meinen Namen verkündet! Mer immer steht die Sache umgekehrt: Wenn ihr meine Gebote nicht beachtet, so soll das Land euch hinausschleudern! „Wenn dn zu deinem Gotte zurückkehrst, so wird er sich deiner' erbarmen und dich wieder sammeln aus der Zerstreuung der Völker" heißt es; aber nicht: „so wird er dich noch weiter zerstreuen", wie es stehen müßte, wenn die Herren recht hätten. Ms Beispiel für das Zusammengehörigkeitsgefühl führt Herr Berlowitz den Propheten Jirmijahn an. Bevor das Unglück über sein Volk hereinbrach, war er es, der nicht genug Worte finden konnte, um ihre Vergehen zu brandmarken und die bevorstehende Züchtigung zu verkünden; als aber die Katastrophe eintraf, da war er es, der die erschütternste Klage erhob, die je aus einer Menschenbrust zu Gott emporstieg. Herr Rosen heim erwiderte, es unterliegt keinem Zweifel, daß es ein Glück für das jüdische Volk wäre, wenn es im Lande der Väter leben dürfte, um dort die „Mizwaus" beobachten zu können. Hat doch dies Rabbiner S. R. Hirsch s. Ä. deutschst und des öfteren betont. Anderseits dürfte auch der enragierteste Zionist zugeben, daß dem jüdischen Volke auf seine Wanderung eine bestimmte Mission zu Teil geworden. Frankfurt a. M. Die Vergnügungs- Gesellschaft junger Leute (gegr. 1895s begeht am 9. dss. Mts., abends 8 Uhr, im Saale des Hotel Diehl, Hanauerlandstraße 38, ihr Stiftungssest mit einem abwechslungsreichen Programm. Ta der Reinertrag für die notleidenden russischen Juden bestimmt ist, so sei der Besuch der Veranstaltung auch Nichtmitgliedern aufs wärmste empfohlen. Frankfurt a. M. Verein Tiferes Bachurim. Den Vortrag für de» Vereinsabend am letzten Sonntag hatte Herr D r. Frei m an», Bibliothekar der Stadtbibliothek, in liebenswürdiger Bereitwilligkeit übernommen, und zwar über das Thema: „Hebräische Quellen des Mittelalters zur jüdischen Geschicht e". Ter Redner beginnt mit dem „Makkabäerbuch", benr ersten Quellenbuche für die jüdische Geschichte, das uns von der Zeit nach dem Mschluß des Kanons — wenn auch nur aus seiner griechischen Uebersetzung — bekannt ist. Erst aus der nachhadrianischen Zeit kennen wir das zweite Buch — gleichfalls nur in griechischer Bearbeitung — nämlich: Flavins Josephns „Geschichte des jüdischen Krieges". — Ter hebräische Text ist uns erst von der „Megillath Taanith" erhalten geblieben. Tie „Megillath Taanith" zählt freudige und ernste Gedenktage auf und gibt jedesmal einen Ueberblick über deren Entstehung. — Das älteste dieser Werke aber, das uns ganz in seiner ursvrünglichen Gestalt erhalten ist, ist das „Seder Olam". Es enthält aus seinen 18 Seite» die chronologischen Daten der Bibel und hat Jehüda ben Chalafta zum Verfasser. — Aus dem 9. Jahrhundert haben wir dann den „Eldad", den der verewigte Dr. David Kaufmann-Prag ein „jüdisches Epos" nennt. — Ein wichtiges Geschichtsdokument ist auch das Schreiben, das Chisda ben Jsak, der. Minister des Chalifen von Cordova, iin Jahre 950 an Josef, den König der Chazaren, richtete. (Die Chazaren waren ein heidnisches Volk auf der Krim, das um das Jahr 740 das Judentum angenommen, hatte und bis ungefähr »um Jahre 1000existierte.'! — Eine weitere Geschichtsquelle des 10. Jahrhunderts ist der „Foskppon". Dieses Buch hat eine» biographischen Wert, es beginnt — wie alle diese Chroniken — mit Adam und schließt mit der Zerstörung des Tempels und stellt in der Hauptsache eine Nachahmung des Flavins Josephus dar. Mit dem „Josippon" mußte der Redner, der aus den Schriften auch gleichzeitig Stichproben gegeben hatte, seine belehrenden und sehr anregenden Ausführungen im Hinblick auf die bereits vorgeschrittene Zeit schließen. In der Diskussion fügten die Herren Rabbiner Tr. Horovitz und Jacob S. Posen zu dem Bortrage noch einige interessante Bemerkungen hinzu. Frankfurt a. M. Verein jüdische Bibliothek und Lese hall e." Es ist mit der Bücherausleihe bereits begonnen worden. Dieselbe findet Montag und Donnerstag Wend von 6—7 Uhr statt. Die Benutzung der Bibliothek, wie auch der Lesehalle, steht Jedermann frei. Frankfurt a. M. Dem 23. Jahresbericht des Israelit. Hülfsvereins, Verein zur Beschränkung des Wanderbettels (Vorsitzender: Charles L. Hallgarten), entnehmen wir, daß in der Zeit vom 1. Oktober 04 bis 30. Sept. 05 2872 Personen Unterstützung nachsuchten, von denen 2684 berücksichtigt werden konnten. Die Einnahme» des Vereins betrugen: Geschenke M. 6863 (gegen M. 8485 i. 3$.), Mitgliederbeiträge M. 9839 (gegen 9527 i. B.), Gaben für spezielle Zwecke Mark Seite 11. 63582 (gegen 67 456 i. V.s. Verausgabt wurden dagegen: Wanderbettler Jk 10 857, Spezialsonds Mark 60289 usw. Es ist von Interesse zu sehen, aus welchen einzelnen Ausgaben sich das Konto „Spezialsonds" zujammensetzt. Da wurden verausgabt für Unterstützungen Jk 36 482, Beihülfe zur Miete Jk' 950, Kur- und Heilzwecke Jk 3755, Ausbildung in Schulen und Seminarien Jk 2900, zum Unterhalt während der Lesezeit Jk 1901, Vorschüsse Jk 2130, Erholungsder Lehrzeit 1901, Vorschüsse Jk 2130, Erholungs- Heidelberg, 6. Dez. Herr Dr. med. Jsak Strauß hat für morgen Abend zwecks Gründung eines Jüd. Turnvereins eine Versammlung ins „Goldene Roß" einberufen. Letzte Berichte. W a r s ch a u, 6. Dez. Zugleich mit der Aushebung des Belagerungszustandes kündet das h i e s i g e a m t - liche Organ die Verleihung neuer Rechte sür die Bevölkerung Polens an, namentlich, die Aufhebung der Beschränkung für die Juden, Erleichterungen im Militärdienst und bei der Erwerbung voir Grundbesitz durch die Polen, Beseitigung aller Glaubensbeschränkungen und Berücksichtigung der polnischen Wünsche bei Besetzung der Amtsstettungen. — Obwohl seit einigen Monaten in Außlaud zwischen der Veröffentlichung von Regierungs-Erlässen und dereir praktische Durchführung ein Unterschieo ist, bestätigt der obige Erlaß die allen objektiven Kennern der Verhältnisse bekannte Tatsache, daß der russischen Regierung ihre jüdischen Untertanen sehr wohl als „loyal" bekannt sind. Nur um die Sturmeswogen des Landesaufruhrs zu glätten, gelvährt die Regierung den Polen Rechte zur Stärkung ihrer nationalen Autonomie und gibt gleichzeitig den Juden in Polen die Gleichberechtigung, da diese sich den polnischen Agitationen fern halten werden. — Das dürfte die Erklärung dafür sei», warum die Regierung nur den Juden in Polen und nicht auch im übrigen Rußland Gleichberechtigung zusagt. Wien, 6. Dez. Viel bemerkt wird eine j u d e n - heherischeRede,die gestern Bürgermeister Lueger in der Donaustadt hielt. Er sagte: „Ich warne speziell die Juden in Wien, nicht auch soweit zu gehen, wie ihre Glaubensgenossen in Rußland und nicht allzusehr sich mit den sozialdemokratischen Revolutionären einzulassen. Es könnte vielleicht ein treten, was in Rußland eingetreten ist. Wir in Wien sind Antisemiten, aber zu Mord und Totschlag sind wir gewiß nicht geschaffen; wenn aber die Juden unser Vaterland bedrohen sollten, dann werden auch wir keine Gnade kennen." Vereins - Kalender. Berguüguugs-GeseLschaft junger Leute. Samstag, den 9. Dez., abends 8 Uhr, im Saale des Hotel Diehl, Hanauerlandstr. 38, 12jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Wohltätigkeit zu Gunsten der russischen Juden. Berei» Moutefiore. Mittwoch, den 13. Dez., abends 9 Uhr, im Bereinslokale, Seilerstr. 22 Part., 'Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Unna, Mannheim: „Die Häckel'sche Weltanschauung". Donnerstag, den 14. Dez., abends 9 Uhr, im Bereinslokale .Seilerstr. 22, Part., Fortsetzung der Vorlesung des Handelslehrers Herrn Julius Gans: „?kusgewählte Kapitel aus dem Handelsrecht". Berei« Tiferes Bachurim. Sonntag, ben 10. Dez., abends 8% Uhr, in der Aula der Religionsschule, Hermesweg 25/27, Bortrag des Herrn Hermann Goldschmidt: „Rabbi Aftba zur Zeit des Bar Kochbaschen Ausstandes". Zionistische Bereinigung Frankfurt a. M. Dienstag, den 12. Dez., abends 8% Uhr. im .Kursaal Milani, Seilerstraße, Tiskussionsabeud. Tagesordnung: 1. Tie Wahlen zur jüdischen Genieinde. 2. Aussprache über die Jto (jüdisch-territoriale Organisation). 3. Diverses. Berei» Mekor-Chajim. Sonntag ,den 10. Dez. 05, abend 6 Uhr: Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jesaias". Verein Montefioce, SeUetstrasse 22 prk. Verebu - Idealitäten geöffnet täglich von 12—$ and 6—11 Uhr Samstag and Sonntag den ganzen Tag. Israelitischer Mädchenklub Vakrgwwe MC. ■V Jeden Abend yon Vf»—10 Uhr geöffnet. *MW

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