Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 46 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46* Frankfurter Israelitisches Familienblalt. Seite 11. es ist zu erwarten, daß die nach links stehenden Zionisten mit der Zeit auch noch gute Juden im Sinne der jüdischen Tradition werden. Ingenieur Feingold: Es ist ein Fehler, sich ein Judentum am grünen Tisch zurechtzuzimmern. Das Judentum ist für die Judenheit geschaffen, aber nicht umgekehrt; es bestätigt das die Thora, indem sie fortwährend auf unser irdisches Wohlergehen hinweist. Deshalb setzen sich auch die jüdischen Gesetze in keiner Weise mit den Interessen der jüdischen Nation in Widerspruch; sowohl eine Beobachtung des Sabbats, als auch die Praktische Durchführbarkeit eines jeden anderen Thoragesetzes läßt sich in dem zukünftigen jüdischen Staate als ganz selbstverständlich annehmen. Dr. med. Josef Meyer polemisiert gegen Berlowitz. Die Religion sei bereits vor der Nation gewesen, denn bereits die Erzväter haben nach der Ueberlieferung eine Reihe spezifisch jüdischer Gesetze befolgt. . Dr. med. I a k o b F e u ch t w a n g e r: Die Forderungen des Herrn Rosenheim hat das Misrachiprogramm längst erfüllt. Dessen erster Absatz lautet: „Der Misrachi ist eine Bereinigung gesetzestreuer Zionisten, die — auf dem Boden des Basler Programmes stehend — die Aufgabe und Lebensbedingungen des Jüdischen Volkes im Festhalten an Thora und Tradition, in der Uebung der Gebote und in dem Streben nach dem Lande der Väter sehen." Jakob Rosenheim: Das ist es ja eben, was (in diesem Programm) zu beanstanden ist, daß Religion und Nationalismus coordiniert sind. Dr. I. Feuchtwanger: Ich vermag nicht einzusehen, wieso in dem Programm die beiden Momente coordiniert sind. Wenn das Festhalten an der Thora die Lebensbedingung des Jüdischen Volkes ist, also die eonäitio sine qua non, so ist damit ganz entschieden die Religion an die erste und wichtigste Stelle gesetzt. „Das Streben nach dem Lande der Väter" in dem gegebenen Zusammenhang ist nur ein Teilbegriff der Thora und Tradition nach dem Satze: „Das Gebot in Palästina zu wohnen, ist so wichtig wie die ganze Thora." Es sprachen noch kurz: Berlowitz, Oberlehrer Wehl, Levy, Lamm, Schirahki, Feingold und G o i t e i n. Ueberaus befriedigt von den Ergebnissen des Abends verlassen die Zuhörer um 11% Uhr den Saal. Der Skbewd hat den Beweis erbracht, daß im Ostend Frankfurts ein ergiebiges Feld sür die Bestrebungen des Misrachi vorhanden ist. Wie«, 24. Nov. Der hier jüngst von Zionismus» feindlichen Orthodoxen gegründete Verein „S ch l 0 nt* Hoi r" hatte für vergangenen Dienstag Einladungen an 40 Personell versandt. Es erschienen, hoch gerechnet, 20 Personen. Tie zwei ersten Redner versuchten die Bestrebungen des zu gründenden Vereines klar zu legen, sprachen in ziemlich sachlicher Form, während der nächstfolgende. Redner sich in einem 'taktlosen Angriff aus Zionisten und Misrachisten gefiel, der von Herrn Isidor Austerlitz in scharfer Art zurückgewiesen wurde. Herr Austerlitz gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß allerorten diese Vereinsbestrebung nur darauf zurückzusühren ist, daß die dem Zionismus abholden orthodoxen Eleinente es einsehen lernten, daß sich die elementare Notwendigkeit des Zionismus Bahn bricht, und daß der nun auf den Plan tretende Misrachi berufen ist, alle jüdisch und religiös Denkenden an sich zu ziehen. Aus dieser Erkenntnis heraus sei in den teils nicht genügend informierten, teils um jeden Preis Opposition machenden Kreisen der Plan einer „Abwehr"-Aktion aufgetaucht, einer Aktion, welche zionistische Schlagworte in ihrem Programm keineslvegs verschmäht, allerdings in der ausgesprochenen Wsicht, diesen nicht zu entsprechen, sondern nur zum Zwecke der Heranziehung weiterer Kreise. Eine derartige, rein auf Oppositionslust und unrichtige Interpretierung der Absichten Anderer gegründete Bewegung trage den Keim des Mißlingens a. priori in sich- Auch diese Sitzung verlief wie die erste resultatlos. Personalien. Frankfurt ä. M.. 2S. Nov. Am Dienstag feierte Herr Aioses Kahner, der Verwalter der Israel. Suppenanstalt, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Es wurden dem Jubilare zahlreiche Ehrungen zu teil. Namens der Anstaltsdeputation sprachen ihm die Herren L. Klau und Jgersheimer ihre Glückwünsche und Worte der Anerkennung aus. Herr Kahner steht der Anstalt von Beginn an vor. Aus der Lehrerwett. Schöulanke (Posen). Zum Kantor der jüdischen Gemeinde ist Kontor Haller aus Posen von der Repräsentantenversammlung gewählt worden. Der bisherige Inhaber dieses Amtes, Kantor Cohn, tritt nach fast 30jäshriger Tätigkeit in den Ruhestand. EgelSVach. Durch den Weggang des Herrn 'Lehrer Uhlselder ist die hiesige Vorbeterstelle Herrn Eschwege aus Frankfurt, welcher dieselbe schon einmal versehen hat, und die Religionslehrerstelle Herrn Lehrer Anhalter-Langen übertragen worden. Malaezka (Ungarn). In der hiefigen orthod. Gemeinde fand die feierliche Einführung des neu gewählten Rabbiner Menachem Weiß, Sohn des Agramer Rabbiners Lazar Weiß, statt. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrte Redaktion! Wir bitten um Aufnahme folgender Notiz: Ein russischer Auswanderer, der sich auf dem Wege von Amerika nach seiner Heimat befand, ist auf der Fahrt zwischen Hamburg und Ehdtkuhnen verschollen. T-ie betrübten Elter» bitten ihnen Nachricht zu geben von ihrem Sohne, der vielleicht infolge einer Geistesstörung den Zug Hamburg-Eydtkuhnen verlassen haben mag, und seit dieser Zeit ninherirren mag. Signalement. Leib Bort, früher wohnhaft im Städtchen Beresino, Gouv. Minsk, Kreis Jgurnen,. Rußland. Alter: 22 Jahre. Wuchs: mittelhoch. Körperbau: schlank und hager. Haar: dunkelblond. Augen: blau. Hautfarbe: weiß. Sprache: Jargon; er ist talmudkundig und versteht die althebräische Sprache in Vollkommenheit. Spricht auch etwas Englisch. Gütige Mitteilungen bitten wir an das Unterzeichnete Bureau gelangen zu lassen. Hochachtungsvoll Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten. Letzte Berichte. Petersburg. Das Zentralbureau für Erlangung der Gleichberechtigung der I u d e n hat beschlossen, den von den letzten Massakres betroffenen Juden juridischen Beistand zu gewähren und ihnen erprobte Rechtsanwälte zur Verfügung zu stellen, die an Ort und Stelle den Ursprung der Pogrome untersuchen, um ihre aktiven Teilnehmer ausfindig zu machen. Die berühmten Rechtsanwälte Winower, Schloßberg, Goldstein sind mit der Durchsührung betraut worden. Bereits nach 38 Städten wurden Rechtsanwälte geschickt. Kiew. In großen Massen wandern dieJudenallerSchichtenaus. Dasselbe wird auch von anderen Plätzen berichtet. Eine solch' panikartige Flucht, wie, gegenwärtig, fand nicht einmal in den furchtbaren Jahren 81/82 statt. Der Senator Turuj ist zur Untersuchung des Pogroms nach hier geschickt worden. Turuj, Her die erste Hand Plehwe's war, ist als ausgesprochener Antisemit bekannt. Er hat schon manche Pogrom-Untersuchungen geleitet und hat es stets verstanden, den Mördern die Freiheit zu geben. Kunst und Literatur. H. D. Nomberg: Erzählungen, erste Lieferung; Ch. N. Bjalik: Arjei bal Gus, eine Erzählung. Verlag „Safruth", Warschau. Wir müssen bedauern, daß der Verlag keine gute Auswahl der Erzählungen Nombergs getroffen hat. Nomberg hat freilich noch nicht viele Erzählungen und Skizzen geschrieben, aber er gab uns bereits schöne Erzeugnisse. Er schrieb insbesondere hübsche, intime Kinderinärchen. — Können wir die Auswahl der Nomberg'schen Erzählungen auch nicht rühmen, so müssen wir anerkennen, daß der Verlag sich um die Herausgabe der Erzählung Arjei bal Gus des genialen hebräischen Dichters Bjalik verdient gemacht hat. Dieses plastische Werk gehört zu de» besten Produkten der hebräischen Literatur. Taschenwörterbuch der hebräischen und deutschen Sprache zu den gelesensten Teilen des Alten Testaments von Prof. Dr. K. Feyerabend, klein Oktav, Vlll, 306 Seiten. Berlin-Schöneberg, Langenscheidt'sche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt). Preis eleg. geb. 2 Jk Dieses Taschenwörterbuch ist in erster Linie für alte, die auf Gymnasien Hebräisch lernen, bestimmt; es wird aber auch für die meisten Universitätsstudierenden ein ausreichendes und genügend zuverlässiges, dabei bequemes und billiges Hilfsmittel sein. Außerdem wird es allen denen, die für uinfassendere Studien ein Handwörterbuch nicht entbehre» können, als Notbehelf willkommen sein. Ter Wortvorrat aus den ausgewählten Hauptteileir des Teuach ist erschöpfend gegeben, die Bedeutungen sind mit Hilfe der neuesten Kommentare festgestellt, auf die typographische Ausstattung ist wie bei allen Publikationen des bekannten Berlages große Sorgfalt verwendet worden. Vereins-Kalender. Verein für jüdische Geschichte «ad Literatur. Montag, den 4. Dezember, abends 8V2 Uhr, im Saale der Frankfnrt-Loge: Herr Dr. I. Horovitz: „Das Buch Koheteth". Verein Tiferes vacharim. Sonntag, den 3. Dezember, abends 8*1 Uhr in der Aula der Religionsschule, Hermesweg 25/27. Herr Bibliothekar Dr. Freimann: „Hebräische Quellen des Mittelalters zur jüdischen Geschichte". Verein Moatefiore. Mittwoch, den 6. Dezember, abends S Uhr, im Vereinslokale Seilerstr. 22 Part. Vortrag des Herrn Dr. Robert Kahn: „Der Sauerstoff und die Verbrennung". Donnerstag, den 7. Tezeinber, abends 9 Uhr, im Vereinslokale, Seilerstr. 22 Part. Fortsetzung der Vorlesung des Handelslehrers Herrn Julius Gans: „Ausgewählke .Ucipitel aus dem Handelsrecht". Für die Opfer der russischen Judenmassakres sind ferner bei der Expedition des Jsr. Familienblattes eingegangen: N. N. Jk 100, Frau Seligmann Levy, Aachen, „anläßlich des Jahrzeittages meines sel. Vaters" Jk 3, P. K. Mk. Jk 2, Ww. Eis Jk 1, Jakob Kahn. Schweich, Ergebnis der Sammlung in hiesiger Gemeinde 70 Jk. Für die Telbstwehr von Ch. Bermann Jk 1, N. Jankelewitz 1, B. L. St. ‘JL 5. Der Ertrag der vom Vorstand der zionistischen Ortsgruppe bei der Protestversammlung vorgenommenen Sammlung für die Selbstwehr betrug nicht .Jk. 200, sondern Jk 206. o s o o o o © Bäckerei und Conditorei O B. Karpf, © Sandweg 28. Telefon 5273. Frankfurt a. M. © Täglich 3mal frisches © Kaffee- und Tlieegebäck und Krapfen. © Auf Weihnachten Spezialität: © Anis- und Buttergebackenes u.OffenfeacherPMfernüsse. © l Helligkrauzgasse 15 (nächst neue Zeil) Georg Fech, Maler, Lackirer und Weissbinder. Billigste Preise. Reelle Bedienung. IC Eugen Friedmann, retersthor 2. CC Billigster Bezug in täglich frischem Obst, Gemüse, X Konserven u. 8. w. zu den billigsten Tagespreisen in Htz bester Qualität. r * * ftoessfer z Jfcumbach (Inhaber Fr. y. Roessler, Patentanwalt.) Talentn. Technisches Seschäft liefern als General-Vertreter der Herren Mohr & Federhaff in Mannheim _ alle Sorten Waagen n. Aufzüge. Disitkarten, Oerlobangs- «. 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