Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 41 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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christlich, aber jede eigennützige, schlechte Handlung als jüdisch bezeichnen, sie, die in ihrem Unverstände dein -Judentum viel -mehr schaden, als sie jemals wieder gut machen können, die Juden, die einem beliebigen christliche» Wohltäkigkcitsbazar gern reichlich zusteuern, aber für einen guten jüdischen Zweck keinen Pfennig übrig haben. Ist es nicht verständlich, daß diese Äutc später aus irgend einem materialistischen Grunde ihre Religion wechseln? Glicht nur verständlich, fast selbstverständlich ist es. Sic haben nie Achtung vor ihrer eigenen Religion gehabt. Ich danke Gott, das; ich Leute gesunden habe, die mich auf den richtigen Weg wiesen, das Fehlende nachzuholen und hoffe, das; ich die Kraft und Ausdauer haben werde, meinen Vorsatz auszuführen. — Aber nicht alle besitzen diese Kraft und gehen so verloren für den Glauben ihrer Väter, aus Mangel an einer richtigen Erziehung. Möge meine Stimme gehört werden. stuck. j»r. S. Kunst und Literatur. Hinter den Kulissen des Mandschurischen Kr i c g s t h e at e r s. Von W. SB c r m a n n. Berlin 1905. Verlag von A. Schwetschke u. Sohn. Der Verfasser, ein Deutsch-Russe und Antisemit dazu, hat während des russisch-japanischen Krieges in Irkutsk geweilt und von hier aus seine Berichte über den Krieg für die „Tägliche Rundschau" geschrieben. — Einen Teil dieser in der „T. R." veröffentlichten Kriegsberichte hat nun der Verfasser in einem Buche zusammengefaßt, um so ein ganzes Bild von den traurigen Ereignissen in Ostasicn während der letzten zwei Jahre dem Leser zu geben. Ter Grundton des Buches ist schwarz, pessimistisch. Herr Bermann deckt mit aller Offenheit die verkleisterten Lücken der russischen Korruption in Kanzlei und Kaserne aus und weis; als feiner Beobachter die Dinge in ihr richtiges Licht zu rücken. Grauenhafte Dinge, die sich hinter den Kulissen zngctragen, versteht der Verfasser in objektivem Ton spannend vorzutragen. Das Buch liest sich tvie ein gewaltiges Drama, und seine Verbreitung kann nicht genug empfohlen werden. Die Lektüre gewährt auch dem Fernstehenden einen Einblick in die inneren Zustände Rußlands. M. K arl Jo öl: Nietzsche und die Nom antik. Jena ,md Leipzig. Engen Diedcrichs. 1905. Karl Joel sucht sich zuerst zu entschuldigen, das; er es überhaupt unternahm, über Nietzsche zu schreiben. Er hat es nicht nötig. An berufener Stelle wurde schon mehrmals uachgewiesc», daß man sich von seinen Schlußfolgerungen, dem Produkt aus seinem Studium des Materials und der eigenen originellen ungemein interessante» Persönlichkeit nicht blindlings verlocken lassen darf. Aber mit siegendem Temperament, in reich modulierter Sprache in tanzendem Rhythmus und farbenprächtig schweißt er ein einzelnes wunderfeines Glied der langen Kette zusammen, wenn es auch nicht die Kontur der Persönlichkeit ist. Wer Nietzsches Werke nicht selbst gelesen hat — und es gibt viele, die da glauben, cs genüge, über einen Schriftsteller zu lesen, anstatt ihn durch seine Werke kennen zu lernen — greise nicht zu diesem Buche. Ihm bliebe die Urkraft und das Eigentliche in Nictzschc's Natur verborgen. Wer sich aber durch eigenes Studium den festen Umriß selbst erlvorben hat, wirb, wenn ec ba§ vorliegende Buch liest, mit wachsendem Entzücken sehen, wie sich scheinbar starre, unzugängliche Gebiete beleben und in wunderbarem Farbenspiel zu leuchten beginnen. Was getrennt schien, hat Joel verbunden. Und Ivenn zwischen den beiden Ufern — Nietzsche und der Romantik — auch ewig der gleiche dunkelgeheininisvolle Strom fließt, sich zum unendlichen Meer erweiternd, so hat Ivel doch für unsere beide» Tieck'schcn Seiltänzer, Gefühl und Verstand, goldene Seile gespannt und rcgenbogenschimmerndc Brücken gebaut, aus denen sic hinüber- und herüberschwebcn können. Ludwig Geiger: Dichter und Frauen. Berlin. Gebe. Paetel. 1896. Der Verfasser hat in Buchform verschiedene Vorträge und Abhandlungen gesammelt herausgegebeu) es .sich sonst nur durch gewissenhaftes Spczialschiedencn Orten gehalten oder in Zeitungen veröffentlicht hat. Interessant ist es, wenn er einige Raritätenwinlelchcn der Literaturgeschichte beleuchtet und dem gewöhnlichen Lcscpublikum eine Kenntnis von dem Zcittolorit unserer Epoche vermittelt, die die er sich sonst nur durch gewissenhaftes Spezialstudinm gewinnen könnte — wozu den meisten die Zeit fehlt. Einen besonderen Akzent legt der Autor auf die Erscheinungen der Romantik, von denen ohnehin seine Fäden zu der Empfiudnngs- und Vorstellungsivelt vieler unserer Zeitgenossen herübergehen. Die Sprache ist leicht verständlich und glatt, aber ohne jede persönliche Färbung und die Genauigkeit und Slusführlichkeit, mit welcher der Autor Blatt und Datum angiebt, die für die einzelnen Ilbhandluiigcn Geburtsort und -tag wurde», war wohl nicht ganz notwendig. Schiller und die Frauen: D r. Adolf Ko? Hut. Oldenburg und Leipzig, Schulze'schc Hofbuchhandlung. Unter den vielen Gaben, die das Schillcrjahr uns beschert hat, muß man dem vorliegenden Buch nur einen bescheidene» Platz anweisen. Ter Verfasser hat sich mit dem Gebiet sorgsam vertraut gemacht und es mit unleugbarem Talent für Ordnung und System genau abgcsteckt. Aber die Persönlichkeit, der psychologische Spürsinn, die kräftig zusassendc Charakterisierungsgabe, der Farbenreichtum und das Hell und Dunkel der Sprache fehlen ihm, um den Reigen der Frauengestatte», der sich durch das Leben eines der größten Menschen schlingt, in deutlich gegeneinander abgestimmtc und lichtumrisscne Profile auszulösen. So verschwimmen die Einzelnen ein wenig in der allgemeinen Vorliebe des Autors für seinen Stoff. Es gibt aber Leser, denen dieser Stoff so interessant ist, daß sie auf sonstige Ansprüche an künstlerische Qualitäten der Verarbeitung verzichten. Ihnen sei das Buch wegen, seiner klaren Anordnung empfohlen. Haus Land: Arthur I m h o f f. Berlin 1905. S. Fischer. Hans Land hat mit kecker Hand mitten in das Gefühlsleben hineingegriffcn, und wo er's packt, da ist es immer interessant. Es ist die alte Geschichte von ihm und ihr und dem andern, und Hans Land gibt sich redliche Mühe, den alten Stoff neu zu sehen und neu zu lösen. Aber es gelingt ihm nicht. Er will den die Kosten tragen lassen, der den Jahren nach der Klügere hätte sein sollen, und der blind in seiner Leidenschaft alle Erfahrungen eines reichen Lebens niederrennt, während er die zwei anderen, nach alter Moral Schuldigen, glücklich mit einander iverdcn läßt, trotzdem sie vor dieser alten Moral nur die Entschuldigung haben, das; sic in den Jahren zu einander passen, und daß gegenseitige Leidenschaft (oder einander ergänzende Stimmungen?) sie einander in die Arme treibt. Aber da, wo Land von der gewöhnlichen Fahrstraße abbiegt, geschieht es so plötzlich, daß ein Bruch, deutlich sichtbar, durch die Charaktere geht. Ob es nun wahrscheinlich ist oder nicht, daß eine solche Saft- und Kraftnatur wie Jmhofs die linke Backe dem hinhält, der ihm ans' die rechte schlug, Land hat es nicht verstanden, cs glaubhaft z» mache». Und darauf allein wäre cs angekommen. Es dürfte für unsere Leser gewiß von Interesse sei» zu erfahren, das; auf der jüngst stattgehabten Kochkunstansstcllnng das auf dem Gebiete der jüdischgaslronomischen Literatur als das ausführlichste seiner Art rühmlichst bekannte „K o ch b u ch f ü t bin jüdische K ü ch e" von M a r i c Elsässer (Verlag von I. Kausfinann, Frankfurt a. M.) die goldene Medaille erhielt. Festrede zur Feier de 8 75. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. Von Isaak Hirsch. 24 S. 1905. Czernowitz. Jesus und die Rabbiner. Von Dr. L. M. Rosenthal, Preutzisch-Stärgard. 20 »io. SBerlin. » K a l e n d e r f ü r I s r a e l i t e n 5666. Zugleich Führer durch die israel. Kultusgemeinden der österreich-ungarischen Monarchie. Herausgegeben vom Verein „Oesterreichisch - Ungarische Union" in Wien. 14. Jahrgang. (Kr. 1,60.) Hinter den Kulissen des M and sch u ritschen Kriegstheaters. Von Max Th. S. Behrmann. Verlag C. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin W. 35. 368 S. (brosch, Jt. 4, geb. JL 5). Vakanzen. Staff et- Land-, Provinzial- und Gemeinderabbiner. Schriftl. Meld. bis 15. Novbr. beim Vorsteheramt der Israeliten in Kassel. Spandau. Vorbeter und Schächter per l.Jan. Gehalt Jt. 2100. Briefkasten. X. P. Z. Im Hinblick auf Frankreichs Bestrebungen in Marokko ist es zeitgemäß, daran zu erinnern, auf welche Weise Frankreich in den Besitz von Algier gekommen ist. Unter Karl X. toar der algerische Jude Jakob Kohn-Bakri französischer Konsul in Algier. Als solcher hatte er mit dem Dey wegen einer Forderung deck französischen Regierung zu unterhandeln. Bakri, welcher bei deni Dey persönlich vorsprach, geriet mit diesem in einen Wortstreit. In der Hitze des Streites gab der Dey dem Konsul eine Ohrfeige. Difranzösische Regierung erblickte darin eine Beschimpfung Frankreichs und sandte ein Heer nach Algier, welches Stadt und Land eroberte und den Dey vertrieb. Es >var das am 5. Juli 1830. Seitdem datiert die .Herrschaft Frankreichs über Algier. Jakob Kohn-Bakri, dessen Ohrfeige Frankreich die große afrikanische Provinz Wgier einbrachte und zur Begründung seiner Herrschaft in Nordafritä verhalf, starb, von Gläubigern gedrängt, am 23. November 1836 in Paris, während Spanien ihm 35 Millionen schuldete. Hebräischer Sprachverein. Sonntag Nachmittag 2VL> Uhr im Unterrichtslokale, Hcrmcsweg 25/27: A n n a h m e v o n A n m e l d u n g e n E r w a chs e n e r u n d K i n d e r. Besprechung wegen Festsetzung der Unterrichtsstunden. I.LU8»nne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Jsraelit. Knahen-fensionat Schoo seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch. Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme aus «nser Blatt bei unseren Inserenten z« decke». Frankfurter Israel. Familieublatt. Seite 12. Frankfurter Islamitisches Familienblatt. Nr. 41. Neue Bücher. 2 Enthaarung. 2 r Als sicher wirkendes, unschädliches Enthaarungsmittel empfehle ich mein neues Präparat Dllldlill. Feine Gesichtshaare 'werden in 4—5 Minuten, stärkere Haare an den Armen, Händen etc. in höchstens 10 Minuten schmerzlos entfernt. -- - Dose Mk. 1.50, 3 Dosen Mk. 4,00. Dr. M. Altersheim, Fabrik feiner Parfürmerien. Frankfurt a. M., Kaiserstr. 1. — Wiesbaden, Wilhelmslr. 80. Versand gegen Nachnahme. Illustr. Katalog kostenlos. r cegr. 1870. llerrnann Faber, Leubsdorf vesr. 1870. Streng -^2 Wurstfabrik. — bei Linz a. Rhein. Günstiges Angebot für Wiederverkäufer! Empfehle meine bereits allerseits anerkannten Fleisch- und Wurstwaren zu nachstehenden ganz besonders billigen Preisen. Kochwurst, als Spezialität worauf besonders aufmerksam mache p. 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