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Neue jüdische Presse · 1905-07-07 · Heft 26 (7.7.1905) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 26 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Du, glaube ihm nicht. Laß' Dich nicht unglücklich inachen, das wärst Du, wenn er Dich heiratet. Er hat nichts und er ist nichts." Nußbaum biß sich auf die Lippen und sagte: „Jette ist nur eifersüchtig, Fräulein Nanui kennt mich besser." Er erhob sich, grüßte militärisch und ging. Tie beiden Mädchen wurden in's Zimmer zitiert, um Gläser rundzureichen. Weinberg, der inzwischen erschienen war, niachte Miene, Nanni bei der üblichen Gratulation zu küssen. Solche Scherze wurden in jener harmloseren Zeit, da die jüdischen Tienstmädchen mehr wie Kinder, als wie Untergebene betrachtet wurden, nicht als „Wegwerfen bei nntergeordnete» Personen" verurteilt, sondern die Gäste lachten über das ängstliche, aber doch kokette Abwehren des Mädchens. Im gemeinschaftlichen Schlafzimmer sagte Jette: „Na, Tu kannst zufrieden sein, Du hast ja zwei Anbeter." Nanni lachte verlegen. „Laß' doch die Dummheiten." „Es ist mir Ernst. Weinberg, er ist zwar nicht der Klügste, verfolgt Dich mit seinen Blicken und diußbaum, der Lump, hat Dir ja schon einen Antrag gemacht. Nanni, ich meine es gut mit Tir, hüte Dich vor dem. Rede nicht mit ihm." Nanni erwiderte: „Ach, ich denke überhaupt noch nicht an die Ehe. Laß uns schlafen gehen, ich bin müde. Gute Nacht." Ter Mond schien durch das Oberlicht des Fensters und malte silberne iBerecke an die Wand. In der Stille der Nacht hörte man das Plätschern des Brunnens auf dem Markte. Das Mädchen schlief nicht, sondern starrte mit weit geöffneten Äugen in das Mondlicht. Beide Freier zogen im Wechsel vor ihr Auge. Ter schmucke Soldat mit den zwingenden Augen, von denen sie mit unerklärlichem Grauen abgestoßen und zugleich, wie durch eine geheime Macht, angezogcn wurde und der junge Weinberg mit dem gutmütigen Gesicht und dein gesicherten Besitz, um den alle Mydcheu sie beneiden ivürden. Nein, es ist undenkbar, daß er, der unter deir reichsteil Mädchen wählen konnte, sie, das arme Dienstmädchen, heiraten würde, und doch, wen» sie an seine Blicke, an seine Worte dachte! Dann könnte sie wie eine Königin leben, sich putzen, jeden Tag Chokolade trinken, selbst Dienstboten halten. Es wurde dem Mädchen ganz schwül. „Ich mache mit Nußbauin ein Ende. Ich nehme Weinberg, ich ivill ihn haben, ich muß ihn haben." Mit dein Gedanken schlief es endlich ein. 4. Kapitel. An einem Sabbat, nach dem Gottesdienst, residierte Frau Müller wieder in ihren Staatsgemächern und rief an der Treppe: „Nanni, bringe die Kinder." Das Mädchen wußte, daß damit nur die beiden Kleinsten, Ruth -und Jaköbchen, gemeint waren. Tie Kinder waren meistens hinter Nanni her und hatten immer etwas Eßbares in der Hand, das Spuren ail Gesicht, Händen und Kleidchen hinterließ, >so verzehrten sie auch jetzt dick mit Honig bestrichene Brötchen und schrieen, als sie ihnen fortgenoinmen und sie . selbst mit wilder Hast gereinigt wurden. Sie beruhigten sich aber bei dem verlockenden Versprechen, im - Zimmer Kuchen zu erhalten. Bei Frau Müller lvar eine dicke, sehr geputzte ältere Dame, welche die Kinder gebührend bewunderte und sich dann mit Nanni eingehend unterhielt. Sie fragte nach ihren Eltern und Verwandten, nach ihrem bisherigen Leben und beobachtete dabei mit augenscheinlichem Vergnügen, wie die Kinder an ihr hingen. Als die Kleinen sich nun entfernen durften, ' mußte Nanni mit, was Frau Müller zu der gebildeten Benierknng veranlaßte: „Die Kinder laufen dem Mädchen nach wie dem Rattenfänger von .Hameln." Nachdem die Dame aber weggegangen war, sagte Frau Müller zu Nanni: „Ich versprach Tir ja, daß Tu bei uns Dein Glück machen würdest. Das ivar Frau Weinberg. Bitte Deinen Onkel und Tante in Häintal, sie möchten mich einmal besuchen." Als Herr und Frau Selig bei Frau Müller erschienen, wurde ihnen die beglückende Mitteilung, daß Hermann Weinberg Nanni zu seiner Gemahlin ausersehen wolle. „Aber" — Frau Müller stockte — „seine Mutter erklärte mir, ihr Sohn dürfe kein Mädchen heiraten, das außer einem hübschen Gesichtchen gar nichts sein Eigen nenne und sie würde ihre Einwilligung nur dann geben, wenn es mit zwölfhundert Talern ausgestattet würde." Herr und Frau Selig sahen sich an. Sie wußte», daß Manes seiner Tochter keine zwölshnndert Pfennig mitgeben konnte und erklärten dies auch Frau Müller. „Ich weiß das, Herr Selig, aber sollten Sie als reicher Onkel nicht dem Mädchen helfen können?" „Liebe Frau Müller, woher soll niiser Reichtum kommen. Wir verdienen nur Pfennige, plagen uns tüchtig dafür und müssen lange sparen, bis wir einen Taler zurücklegen können." „Ja, Frau Selig, Frau Weinberg ist darin aber unerbittlich. Wir wollen dem Kind zweihundert Tater geben, es wären dann noch tausend Taler anfzubringen." Frau Selig stand auf. „Ich muß das mit meinem Manne besprechen. Ich komnie morgen wieder." Draußen stand Nanni, die von glühender Reugier verzehrt wurde. „Nendelchen, Du wirst es Dir ans dem Kopf schlagen müssen. Wo sollen Deine Eltern oder wir die tausend Taler auftreiben." Das Mädchen erblaßte. „Mühmele Blüinche», ist es nicht zu machen?" „Hast Du ihn lieb. Du kennst ihn ja kaum." „Er ist ein guter Mensch und versprach mir das Leben einer Königin." Der Onkel brummte: „Geh' herein, Nendelchen, ivir lverden einmal überlegen." Zu Hause ließ sich Mordchen schwer auf einen Stuhl fallen und sagte: „Es ist eine große Mizwoh, eine Braut auszustatten." Seine Frau erwiderte energisch: „Mordchen, das geht nicht. Tausend Taler sind ein großer Teil unserer Ersparnisse, die wir seit dreißig Jahren pfennigweis gesammelt haben. Sollst Du die sür meine Nichte ansgeben? Wer weiß, wie gut wir diese Summe einmal gebrauchen können." „Ja, aber das Mädchen wird dadurch glücklich und kann dann seine Eltern und Geschwister unterstützen. Wir 'würden nie mehr Ruhe haben, wenn durch unsere Schuld dem Mädchen solch ein Glück entginge." Ter Frau Blümchen wurde es heiß, sie riß ihre Haubenbänder auf. „Durch unsere Schuld! Wir sind doch nicht verpflichtet, einen großen Teil unseres Vermögens zu opfern, es hat doch alles seine Grenzen." Mordchen beharrtc: „Ich hätte keine Ruhe mehr. Gott kann cs uns tausendmal gut machen." Die Augen seiner Frau wurden feucht. „Du bist ein guter Mann. Wie lange haben ivir uns sür das Geld plage» müssen!-" (Fortsetzung folgt.) Vakanzen. Pinne (Posen). Rabbiner per 15. Septbr. Gehalt 2460 Jf. und freie Wohnung. F r i e d r i ch s b e r g bei Berlin. Vorbeter nnd Religionslehrer. Meld. an Eugen Leivald, Berlin O., Frankfurter Allee 189. Famtttennachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn Jsaae Weißberger (Gewürz), Köln a. 'Rh. Ein Sohn, Herr» Tr. Ludiv. Kantorowirz (Eohm, Posen. Verlobte. Sophie Epstein, Paris-Neuillv, mit Adolf Neu« städtcr, Frankfurt a. M. Jda Wolpe, Frankfurt a. M., Bergerstr. ölt, mit Samuel Brodhcim, Antwerpen. Edith Schneider, Duisburg, mit Max Süßkiud, Stuttgart. Paula Frank, Dresden, mit Joseph Sahimann, Fürth. Eheschließungen. Tr. jur. Ernst Lipmann, Breslau, mit Johanna, geb. Jeidels, Frankfurt a. M. Moses Cohn, Köln, mit Emilie, geb. Zuntz, Frankfurt a. M. SterbefSlle. Sara Sauerbach, geb. Hellmann, Mainz. Siegfried Elsas, 59 I., Frankfurt a. M„ Liebigstraße 20. Subiv. Joses Psungst, 63 I., Frankfurt a. M., Rheinstr. 3l. Theophile Warburg, geb. Rosenberg, 65 I., Hamburg. I 4 l Hotel Falk "1^2 I IHOFUßrUßV«aus »• RU MässigePreise. I * III. Prospekt gratis ti. franko. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Ausnahme geschieht kostenlos.) Sally, Sohn des Herrn Leo Traubermann, Weberstr. 48, in der Synagoge ani Börneplatz. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 8. Juli, Wochenabschnitt Kornch. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 9 Uhr 35 Min., Straßburg 9 Uhr 25 Min., Berlin 9 Uhr 28 Min. MM Kalt! denXoffe? mchtzumac&en!! Das Mädchen ist ja mit Fays Sodener Minerat- Pastillen noch nicht da. und ohne die geh ich nie — aus die Reise. Kleider für jedes Wetter kann man nicht mitnehmen. Sodener aber, die bei jedem Wetter gute Dienste tun. soll man nie ver- [Qi gegen. Und wenn's bloß eine Schachtel für -itD Soolbad Harzburg Pension Parkhau^ vornehmes Etablissement, 56 Salons. Prospekte gratis. Geöffnet 1. Mai bis 1. Oktober. Max Höcht. Briefkasten. ä‘. 2). Z. Ter Vater des. Walzerkönigs Strauß war Sohn jüdischer Eltern. Er lebte als Gastwirt in Wien, sein Gasthaus in der Floßgasse 7 wurde „das Judenwirtshans" genannt. Offenbacbtr Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchreini gUNg. Kaiser Friedrich Duelle - Offenbach a. M. - —- Vornehmstes Tafelwasser. Wir bitte» unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme ans unser Blatt bei unsere» Inserenten zu decken. Fraulsurter Israel. Jamilienblatk. X. Delliehausen, §rmksurt S. m. Holzpförtchen 1. Mainzer Landstrasse 128. Telephon 754. Telephon 1430. KiliaJLe Homburg v. d. H., I,ud-ssrigstrasse 3. — Möbeltransport, Spedition, Lagerangf. Ueberseelsche Transpotte in eigens dazu konstruierten Möbelkoffer. § Wäsche u. Ausstattungen 8 A> Sulzbacher—Mainz Q Nene Zeil 1 Frankfurt ». A. Tel. 9142. 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