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Neue jüdische Presse · 1905-06-30 · Heft 25 (30.6.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 25 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25. Frankfurter Israelitisches FamiUendiatr. Seite 11. klärung zu Grunde legen. Nach dieser sind die „Halachoth", die im „Midrasch" aus der Schrift Hergeleitet werden, nicht erst in Folge dieser „Terascha" entstanden, sondern sie sind traditionelle Lehren, sür die man durch diese „Terascha" einen Anhaltspunkt suchte, enttveder, um sie besser zu begründen, oder um sie vor Vergessenheit zu bewahren. Durch tiefes Forsche» fand man auch in der Tat, das; fast alle traditionellen Lehren in der Schrift -angedeutet sind, mitunter indem auf sie Bezug genommen wird." Diese Ausführungen beweisen zur Genüge, daß der Verfasser die „Thora bal Peh" sowohl bezüglich ihrer Herkunft als auch ihrer Anciennität der schriftlichen Lehre vollständig gleichstellt. Wir vermissen aber hier die Betonung eines Momentes, über welches der Verfasser jedenfalls auch der Meinung des Rambam ist, und das nur durch die Knappheit und Kürze der Vorbemerkungen weggeblieben sein kann. Es ist dies die Betonung des Charakters der dreizehn hermeneutischen Regeln, ihres Entstehens und ihrer Beziehungen zu den durch sie tradierten „Halachoth". Sind diese (die 13 Regeln) vom Sinai tradiert, so kann der „Drasch" nicht schlechthin als sekundär in der Zeit bezeichnet werden, sondern nur die A n w e n d u n g des „Drasch" ist später erfolgt. Wenn cs nun in per oben angeführten Stelle der Vorbemerkungen heißt, daß den Weisen die Anlehnung der „Halachoth" an die Schrift durch tieferes Eindringen in den Sinn der Schriftworte oder durch tieferes Forschen gelungen ist, so kann sich dies nur ans diejenige „Halachoth" beziehen, die vermittelst des einfachen „Drasch" (siehe daselbst über das dreimalige „Lau Thwaschel"), nicht aber ans Grund der 13 Ziegeln, auf die Schrift zurückgesnhrt werden. Bei denjenigen „Halachoth" aber, deren Anlehnung an die Thora durch die „Midoth" geschieht, komnit zu dem Eindringen in den Sinn der Schrift doch auch die Tradition, die nebst der „Halacha", wenn auch nicht den „Drasch" selber, aber doch die Art des „Drasch" überliefert hat. Es ist mehr als wahrscheinlich, das; der Versasscr die 13 „Midoth" und ihre Bedeutung für den „Drasch" einfach vorausgesetzt hat. Er denkt sich „das tiefere Eindringen in den 'Sinn der Schrift und das tiefere Forschen" jedenfalls von den am Sinai tradierten hermeneutischen Regeln bestimmt, dort, wo die „Halacha" auf Grund dieser Regeln auf die Schrift, zurückgeführt werden soll. Es wäre aber wünschenswert gewesen, wenn der Verfasser dies auch ausdrücklich betont hätte, umsomehr, als es in der oben zitierten Stelle der „Vorbemerkungen" heißt: „Dieses Forschen nannte man „Drasch", und die Disziplin, welche neue, vorzüglich traditionelle Lehren aus der Schrift herleitete, ward „Midrasch" genannt." Wenn nun von „neuen", aus der Schrist hergeleiteten Lehren die Rede ist, so wäre.es um so notwendiger gewesen, die sinaitische Provenienz der Regeln, mittelst welcher diese „neuen" Lehren hcrgeleitet werden, hervorzuheben?) (S. darüber Jeschurun Bd. n. Hirsch contra Graetz und Gnggenheimer in der Rezension des „Masteach" von Löw.) (Fortsetzung folgt.) i) Von diesen „neuen" Lehren spricht auch Maimouides in seiner Einleitung zum Mischnakommentar, wo er für diese Art „Halachot" eine besondere Kategorie, die dritte, hat. Er sagt von dieser Halachot („schelau nimseru l'Moscheh whauziu anson al derech hasworo"), betreffs welcher allein unter den späteren Gelehrten (nach Hillel und Schammai) eine Meinungs- ' Verschiedenheit entstehen konnte und denen man auf Grund des „w'osiso kchol ascher jaurucho" Nachkommen müsse, (lieber eine solche „Halacha" siehe Talmud Zebamoth 76« und Tossafoth daselbst 76«.) Personalien. ' Homburg V. d. H., 26. Juni. Landtagsabgeordneter D r. M a x H i r s ch, der bekannte Volks- Wirtschaftler, ist in einem hiesigen Sanatorium an den Folgen einer erneuten Darmblutung verschieden. Max Hirsch wurde 1832 in Halberstadt geboren, begründete, nachdem er verschiedene Universitäten besucht und Frankreich und Nordafrika bereist hatte, 1859 in Berlin eine Verlagsbuchhandlung, übernahm nach dem 1862 erfolgten Tode seines Vaters dessen Landesprodukteugeschäft in Magdeburg, widniete sich aber dabei dem politischen und Vereinsleben und ward 1861 in den ständigen Ausschuß der deutschen Arbeiterbildungsvereine gewählt. 1867 siedelte er wieder nach Berlin über, um ganz den öffentlichen Angelegenheiten zu leben. Infolge einer Studienreise nach England veranlagte er seit Herbst 1868 die Gründung der deutschen (Hirsch- Dun ck e r s ch e n) G e w e r k v e r e i n e, als deren Anwalt und Herausgeber des Bereinsorgans er eine große organisatorische Tätigkeit entwickelt hat. Auch die Gründung des Wissenschaftlichen Zentralvercins und der Humboldtakademie, für die er als Sekretär fungierte, war seiner 'Anregung zu verdanken. Viele Jahre war er Mitglied des Reichstages. Seine schriftstellerische Tätigkeit war eine sehr fruchtbare. Mainz. Herr Geh. Kommerzienrat Hermann Rein ach ist bei seinem Abgänge als Beigeordneter der Stadt Mainz, welchen Posten er ca. 33 Jahre bekleidete, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. Fulda, 24. Juni. Heute Nacht starb infolge eines Schlaganfalles der Sensal Michael Epstein im 71. Lebensjahre. Mit ihm ist der vorletzte hiesige „18er" dahingcgangen, der behilflich war, am 1. Juni 1819 eine 'Anzahl Fuldaer Turner für die badisch-pfälzische Armee, die für die Frankfurter Reichsverfasfung kämpfte, auszurüsten. Auf zwei Leiterwagen fuhren die Freiheitskämpfer ab, erlangten auf dem Wege Zuwachs und kamen 65 Man» stark, am 12. Juni in Hirschhorn an, wo sie sich den Hanauer Turnern unter August Schärtner anschlosscn und am 21. Juni den Sturm auf Waghäusel mitmachten. Von Sinsheim aus flüchteten die Fuldaer Freischärler, da ihre Sache verloren war, nach dem Spessart und von da nach Hause? Solingen. Dem Herrn Dr. Benjamin Schlesinger, Hierselbst, ist der Charakter als Sanität s r a t verliehen worden. Baniberg. Oberlandesgerichtsrat Julius Ulrich wurde zum Rate am Oberlandesgericht er- Wien. Der Kaiser hat den bekannten Gelehrten Dr. Isidor Reumann in Anerkennung der Verdienste, die er sich uin das Sanitätswesen Bosniens erworben, in den 'Adelsstand erhoben. Wien. In der am 17. d. M. stattgehabten Sitzung des Prosessoren-Kollegiums der Wiener medizinischen Fakultät wurde für das Studienjahr 1905/06 der ordentliche öffentliche Professor der Anatomie, Hofrat Dr. Emil Zuckerkandl, zum Dekan der Wiener medizinischen Fakultät gewählt. Paris. Die Akademie der Medizin hat Professor D r. W e r t h e i m e r - L i l l e, einen der tüchtigsten jüngeren Physiologen, einstimmig zum korrespondierenden Mitgliede ernamrt. Wertheimer war einige Jahre Präsident des jüdischen Konsistoriums in Lille. Ans -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Die zionistische Bereinigung hatte auf Montag Abend die Schekelzahler zwecks Vornahme der Wahlen zum 7. Kongreß zufammenberufen. Die Herren I. L. Goitein und Fritz Sondheimer wurden zu Delegierten gewählt und die Herren Dr. med. Josef Meyer u. Rabbinats-Assessor Lipinsky zu event. Ersatzmännern bestimmt. Dann wurden per 'Akklamation zum deutschen Delegiertentag die Herren Jacob S. Posen, Dr. med. Fenchtwanger, I. L. Goitein und Fritz Sondheimer als Delegierte vorgeschlagen und «angenommen. Hamburg. Am 22. Juni fand die gut besuchte Wahlversammlung der Hamburger Ortsgruppe statt. Referent: Rechtsanwalt Tr. Victor über die „Bedeutung des 7. Kongresses^. Redner gab in knappen Worten ein Bild der schwierigen Situation des letzten Jahres und besprach eingehend die politischen Wirren in Rußland in ihren Beziehungen zur Judenfrage und dem Zionismus; er erwartet für die Juden wenig Vorteil von der Einführung einer Verfassung. Bei Darlegung der zionistischen Parteiberhältnisse er- I wähnte er rühmend die einsichtsvolle Hallt u n g der M i s r a ch i f r a k t i o n und ihre mannhafte Verteidigung gegen die neusten Angriffe der kleinen Gruppe orthodoxer Protest r a b b i n e r in Deutschland. An der Debatte beteiligten sich Tr. med. Michelsohn, Estermann und C. Calmann. Zu Kongreßdelegierten wurden gewählt: Gustav G. Cohen und 2r. med. KalmuS, zu Stellvertretern Tr. Victor und Dr. med. Franck. Als Vertreter zum deutschen Delegiertentage in Basel wurden gewählt: Dr. Kalmus, Dr. Victor, Julius Holländer und Moritz G o l d - f ch m i d t, als Stellvertreter Lehrer Stiebet und Frl. Hedwig Lübke. Folgender Antrag gelangte zur Annahme: „Die Hamburg-Altonaer Ortsgruppe beauftragt ihre Delegierten, auf dem Kongreß nach Möglichkeit den Grundsätzen Geltung zu verschaffen, die in der Hamburger Resolution vom U. Mai d. I. (s. „Welt" Nr. 20) niedergelegt sind." c Donnerstag, den 29. Juni findet die erste Ver - s a m m l u n g der H am burgev -VI israchi- Gruppe statt, mit der Tagesordnung: „Ter Protest der freien Bereinigung". Wie«. Dem österreichischen Landeskomitee, das i» die Distrikte Inner-Oesterreich, Mähren-Schlesien, Böhmen, Westgalizien, Ostgalizien, Südgalizien und Bukowina zerfällt, unterstehen gegenwärtig 201 B e r e i u e, gegen 131 im Jahre 1903. Ans -er Lehrerwelt. Berti«. Zum Direktor der sür die Waisen von Kischiuew in Jerusalem errichteten Schule ist Tr. E. Auerbach ernannt worden. Breslau. Ans Veranlassung des Vereins israel. Lehrer in Schlesien und Posen und mit materieller Hülse des Deutsch-Israel. Gemeindebundes, des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde und des Verbandes von Synagogengemeinden in Mittel- und Niederschlesien und in Posen wird hier am U>. Juli ein viecwöcheiitlicher Ferienkurs fürs ü dische Lehrer in Religionswissenschaften seinen 'Anfang nehmen. Der Stundenplan ist folgender: Seminarrabbiiier Professor Dr. Kevh wird lesen: Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 11—112 und eventuell Montag und Mittwoch von 12—l Uhr Mischna (Berachoth, Aboth): Dozent Dr. Braun: Sonntag nnd Donnerstag von 10—11 praktische Kalenderkunde, Dienstag und Freitag von 9—10 0leschichte der Juden von der ältesten Zeit bis zu den Kreuzzügen, Mittwoch von 10—11 Uhr Methodik und Didaktik des jüdischen Religionsunterrichts: Dozent Dr. Horovitz: Montag nnd Donnerstag von 7—8 vormittags jüdische Rekigionsphilosophic mit besonderer Berücksichtigung von Maimonides. Dienstag von 7—8 und Donnerstag von 8—9 Uhr vormittags Midrasch, im Anschluß daran homiletische Hebungen; Rabbiner Dr. Zuckermandel: Fächer und Stunden werden später bestimmt; Rabbiner Dr. Deutsch: Orach Chajinr und Chaj Odoin, vormittags in etwa vier Stunden der Woche (Beginn im zweiten Teil der großen Ferien): Rabbiner Fabian: Hebräische Grammatik und Stilistik, zwei Stunden wöchentlich. Außerdem hat ^ich Oberkantor Cerini bereit erklärt, diejenigen Herren, welche im Kantorat sich weiter fortbilden wollen, in vier nnd nach Bedürsnis in mehr Stunden wöchentlich zn unterrichten. Nürnberg. Die Administration der israelitischen Kultusgemeinde hat beschlossen, einen .Hilfsprediger in der Person des Herrn Dr. Chone von Breslau anzustellen. Brieflasten. F. B. Die egyptische Provinz El-Arisch umsaßt die ganze Sinai-Halbinsel mit der dazu gehörigen Mittelmeerküste und hat einen Flächeninhalt von 59 000 qkm. (zum Vergleich: Bayern 76000 qkm.). Saarnnion. Besten Tank! Das Wortspiel klappt aber in dem zweiten Teil nicht. Lodz. Es gibt nur ein derartiges Institut in Deutschland und zwar das „Jsr. Erziehungsheim für geistig zurückgebliebene, noch bildungsfähige Kinder in NieÜerschönhausen bei Berlin". Für schwachsinnige Erwachsene existiert unseres Wissens nach keine jüdische Anstalt. WU- Wegen Raummangel mußte die Beilage ^.Jüdische Jugend", sowie die Fortsetzung mehrerer Artikel diesmal ausfallen. poooooooooooooooooooo Wäsche u. Ausstattungen A. Sulzbacher—Mainz Nene Zell 1 Frankfurt a. M. Totalausoerbauf wegen Umzug mit Rabatt bis 30 pCt. Jrazug mit Rabatt bis 30 pet. Q 0000000000009 Glaserei, Bilderrahmung, Fernspr. 6893. Strobel & BautZ Fernspr. 6893. Kunstgewerbliche Jlnstalt für Blei* u. Ittessing» Verglasungen, Blas =» Mosaik und Hetzerei. —= Sandweg 36. Pestalozzistrasse 9.=- I

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