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Neue jüdische Presse · 1905-05-12 · Heft 18 (12.5.1905) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 18 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seife 6. Nr- 18. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. war, so do,ch nicht gegen «ns — das ist auch schon viel — und wird daher auch das jüd. Volk immer auf seinen großen Sprossen Hinweisen können — allerdings mit wehmütigem Gefühl. Als Mensche», die an allgemein Menschlichem Interesse haben, aber nicht als Söhne der jüdischen Nation, können wir Johann Jacoby scicr», denn er war kein großer Jude, aber er war ein großer Mann und Sproß des jüdische» Volkes. M. Le Mahre. Bucherschau. I c h u d a h S t c i n b c r g: S s i p 11 r c C h a s s idim (Chassidischc Erzählungen). Warschau 19:>4. SO S. Verlag Tuschiah. (.Hcbr. Bibliothek Nr. 181.) Jehudah Steinb erg: Ssich aus C h assid j in. (Chassidischc Sagen.) Warschau 1904. 82 S. Verlag Tuschiah. (Hcbr. Bibliothek Nr. 182.) Die eigentümliche Welt des Chassidismus hatte lange Zeit das traurige, unverdiente Geschick, der hebräischen Literatur als Zielscheibe des Spottes zu dienen. Die Koryphäen des neuhebräischen Schrifttums, Gordon und Sinolenskin sündigten hierin nicht weniger als ihre Vorgänger von der älteren Haskalah- Literatur Galiziens (Isaak Erter, der anonyme Verfasser des „Mgalch-Tmirin" u. a.). Der Chassid galt ihnen als der inkarnierte Aberglaube» der Typus finsteren Fanatismus und grober Unwissenheit. In den letzten Jahren ist es nun anders geworden. Pcrcz und Berditschewsky entdeckten die chassidischc Seele. In einer Reihe formvollendeter und feinsinniger belletristischer Arbeiten offenbarten sie dem erstaunten Leser eine Wunderwelt voll märchenhafter Schönheit und zeigten in feinersonnenen und in Konzeption und Durchführung gleich originellen psychologischen Skizzen den hohen poetischen Gehalt, das tiefiiinige Gemütsleben des Chassidismus. Diese neue literarische Spezies hat bald viele mehr oder weniger begabte Bearbeiter und Weitcrbildner gefunden. Unter den Jüngern dieser Schule ragt besonders I. Steinberg hervor, der in vielen Stücken sogar xeine Meister übertrifst. Der rührige Verlag Tuschiah hat nun Stcinbergs Erzählungen und Skizzen aus dem chassidischen Leben, die bis jetzt in den verschiedensten Zeitungen und Journalen versprengt lvaren, gesammelt, und in den vorliegenden zwei Heften herausgegcben, so daß man sich ein klares Bild von Stcinbergs Schassen machen und ein Urteil über sein Können bilden kann. Und dieses Urteil wird entschieden zu seinen Gunsten ausfallen. Manche Skizzen, namentlich der „Ssichaus", sind nach Form und Inhalt geradezu Meisterwerke. Was Steinberg eine gewisse Originalität und neue Nuancierung gegen Perez verleiht, ist das veränderte Milieu: während dieser es vornehmlich mit den polnischen Chassidim zu tun hat, beschäftigt sich Steinberg fast ausschließlich niit den sog. „Chabad-Chassibint" Ukraina's und Weißrußlands, die bekanntlich eine ganz andere Schattierung darstcllen. Hoffentlich wird uns der bewährte Verlag bald auch eine Sammlung der übrigen Schriften dieses hochbegabten Schriftstellers bescheren, die nicht weniger Beachtung verdienen, als seine chassidischen Erzählungen. —s—n. Kaiser Titus und der Jüdische Krieg von Bruno Wolff<tBeckh. Verlag von Friedr. G. B. Wolfs Bcckh, Berlin-Steglitz. Der Verfasser führt nicht ohne Glück den Nachweis, daß Kaiser Titus, der in dem bluttriefenden Jüdischen Kriege den jüdischen Staat vernichtet und das Heiligtum zu Jerusalem zerstört hat — irrsinnig gewesen ist. In seinem Vorwort sagt der Verfasser: „Mögen meine Ausführungen überall verständnisvolle Zustimmung finden und nebenher alle diejenigen, die es vergessen haben, daß auch das hart geprüfte Volk der Juden eine ruhmvolle Vergangenheit und mutige Freiheitskämpfe aufzüweiscn hat, eindringlich daran erinnern und sic zu duldsamer Liebe führen." 8. F. Die Propheten als Organe der göttlichen Offen bar ung von v. S. O e t t l i, Prof. d. Theologie i. Greifswald. Berlin, Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt. Klein ist das Schristchen, das Prof. Oettli — als Vortrag gehalten — jetzt der Ocffeiitlichkeit übergibt, aber reich an lichtvollen Gedanken. Den Standpunkt des Verfassers in der Beurteilung der Propheten charakterisieren deutlich die Worte: „Nur um Beschreibung und Wertung, nicht um Erklärung dieser Erscheinungen soll es hier handeln: denn die Prophetie erklären, das hieße ihre Wirklichkeit leugnen." In historischer Ncihenfolge der Propheten und stufenartigem Auswärtsschrciteii des Prophetismus beschreibt und wertet nun Verfasser die Prophetie und zeigt sic uns „als eine unvergleichliche Zeugin für das Dasein, die sittliche Bollkoinmcnheit, das gerechte und gnädige Walten Gottes in einer planmäßig angelegten Menschengcschichtc". „Tics scheint mir" — so sagt Verfasser an einer Stelle — „das eigentliche Osfenbarungsinäßige in der Prophetie als der Deuterin der Zukunft zu sein. Sie stellt alles unter einheitlichen theologischen Gesichtspunkt, sic traut der Geschichte einen göttlich-vernünftigen Sinn und ein hohes Ziel zu; sie weiß, daß das letzte Wort in der Welt dem Gotte der Gerechtigkeit und der Gnade gehören wird. Und das ist weit mehr als magisches Borauswissen von ein paar Einzelheiten, aber auch mehr, als alle Prunkinschriften auf den Siegessäulen assyrischer und babylonischer Herrscher, oder die wertvollsten Hicroglyphentexte, ja selbst mehr als Thnkydides und Pholybios und Tacitus geleistet haben." — Solche Vorträge wünschte ich auch von unseren massenhaften jüdischen Vortragenden zu hören, die leider in der Regel nur Grätz' Geschichte in verschlechterter Wiedergabe oufzntischcn pflegen. H. F. Der K ora n. Von Tr. Erich Bi s ch o f f. (Morgänländische Bücherei 4.) Leipzig. Th. GriebcnS Verlag. Die „Morgänländische Bücherei", die ans der Feder Erich Bischoffs schon eine Darstellung über die Kabbala und eine über den Talmud veröffentlicht hat, bietet uns da eine im guten Sinne gemeinverständliche Darstellung über ein Buch, das heute noch für etwa 200 Millionen Erdeninenschen Osscnbarungsschrist. Gebet- und Gesetzbuch ist, über den Koran. Eine solche gemeinverständliche Darstellung in deutscher Sprache hat bisher gefehlt und so wird diese Darbietung jüdischen Lesern nicht unwillkommen sein, eingedenk der geschichtlichen Tatsache, daß die Lehre Mohammeds in ihren guten Bestandteilen ans dem Judentum geflossen und in Hinblick auf den gegenwärtigen Umstand, daß das Land unserer Väter in überwiegendem Teile von den Bekeniiern dieser Lehre bewohnt ist. 6. F. Aus der Geschäftswelt. Von den Jahreszeiten mag der Frühling am wenigsten den zerstörenden Staub leiden, denn Frühling heißt Leben und Staub heißt Tod. Und der Frühling ist der Freund der Frauen, ihnen singt er seine schönsten Lieder, und die Frauen sind ihm Freund und singen ihm ihre schönsten Lieder. So verbinden sich die Frauen mit dem Frühling zum Kampf gegen den Staub. Seit einigen Jahren haben nun Frühling und Frauen einen dritten Verbündeten erhalten: den Druckluft-Apparat. Unsere Frankfurter Frauen wenden sich seinetwegen an die Offenb a ch e r Druckluft-Gesellschaft. Ich habe selbst der Reinigung eines wertvollen, sehr schmutzigen Teppiches bcigcwohnt und mich, nachdem die Druckluft von beiden -Leiten hindurch gegangen, überzeugt, ob sie allen Staub und Schmutz (Hundehaare usw.) fortgeblascn hatte: weder beim Schütteln noch Klopfen kam ein Stäubchen mehr heraus. Die ursprünglichen Farben, die vor der Reinigung trüb und blaß waren, traten lebhaft und leuchtend hervor, die iricdergctretenen Wollfasern richteten sich auf, sodaß der Teppich wie neu aussah. Dabei liegt es auf der Hand, daß diese Reinigung die denkbar schonendste ist, da das Gewebe, weil platt auf ein dazu bestimmtes Gestell von Drahtgeflecht gelegt, nicht durch Klopfen, Anfängen oder sonst cincn mechanischen Vorgang leidet und vor der Zeit mürbe gemacht wird oder wenn cs schon durch längeren Gebrauch gelitten, vollends zerrissen und ruiniert wird. Auch vom hygienischen Standpunkt ist diese Art der Reinigung die denkbar gründlichste und geeignetste, da alle Bakterien und Krankheitserreger durch den Luftdruck sortgcrissen werden. Briefkasten. C. K. 100. Der jüngst verstorbene Rabbiner Dr. Kayserling-Vudapcst war ein Schwiegersohn Ludwig Philippsohns. Famlliennachrichte«. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn H. Janik, Frankfurt a. M., Wittelsbachcr Allee 4. Zwei Töchter, Herrn S. Notschild, Frankfurt am Main, Ostendstr. 29. Ein Sohn, Herrn L. Katz, Frankfurt a. M., Hölderlinstr. 16. Eine Tochter, Herrn E. Goldschmidt, Frankfurt a. Ai., Bergerstr. 8. Verlobte. Sara Zimmer, Fürth i. B., mit Max Görski, Kitzin gen. Lina Nenmaiin, Burgpreppach, mit Joseph von der Walde, Emden. Berta Heß, Schotten, mit Ludwig Licberinaiin, Gießen. Anita Salonion, Hamburg, mit Julius Rothenstciii, Paris. Sophie Frank, Würzburg, mit Lothar Midas, Fürth i. B. Sterbesälle. Lazarus Kausmann, 80 Jahre alt, Frankfurt am Alain, Bergerstr. 113. Jakob Fuld Mai, 64 Jahre alt, Frankfurt a. M., Mendelssohnstr. 73. Mally Gernsbacher, 20 Jahre alt, Franksurt am Alain, Oberweg 52. Max Sinancr, 63 Jahre alt, Nürnberg. Moses Heilbronncr, Privatier, Nürnberg. Bettchcn Marxheimer, Wiesbaden. Leo Gottscho, 70 Jahre alt, Bingen. Emma Weil, 73 Jahre alt, Kippcnheiin. Julius Goldschmidt, 56 Jahre alt, Essen a. d. R. Simon Marens, 83 Jahre alt, Unna. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch Jsraetit. Knafen-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: 8 Bloch. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Alfred, Sohn des Herrn F. Heinemann, Bergwcg 8, in der Synagoge Börneplatz. Joseph, Sohn des Herrn Nathan Adler, Langestraße 5. Siegmund, Sohn des Herrn Jsaac Seligmann, Nechneistraße 4, in der Synagoge Schützenstr. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 18. Mai (8. Iyar 23. Tag im Omer): Wochenabschnitt Emaur. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 9 Uhr — Min., Straßburg 8 Uhr 25 Min., Berlin 8 Uhr 41 Min. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbacli a. M. - Vornehmstes Tafelwasser. Offenbarer Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Teppichreinigung. '-tos Soolbad Harzburg Pension Parkhaus vornehmes Etablissement, 56 Salons. Prospekte gratis. Geöffnet 1. Mai bis 1. Oktober. Max Hcclit. Verein Montefiore, Seilerstrasse zz prt. Vereins - I.oealifäten geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr Samstag und Sonntag den ganzen Tag. 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