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Neue jüdische Presse · 1905-05-05 · Heft 17 (5.5.1905) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 17 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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beite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. räisch und ist eine Sennerin der jüdischen Geschichte. Ihrer Liebe zu ihrem Volke hat sie ihre Eltern geopfert, ihre Zukunft, ihr ganzes Glück. — — — Warum? Sie ist eine Jüdin ohne Definitionen des Judentums, sie ist denkende und fühlende Jüdin und versteht die letzten Konsequenzen zu ziehen. Die jüdischen Massen sollen das Judentum nicht irach der trockene» Schablone kennen, sondern sie sollen ein großes, in allen seinen Folgerungen ausgcbantes Judentum kennen. Nicht nur Judentum aus Tradition, sondern auch aus Erkenntnis, denn das Judentum ist „die" Wahrheit. Daher gilt-es hier zunächst, die Kenntnis des historischen Judentums im Volke zu perbreite». Für dieses Ideal kämpft Sarah unermüdlich, überwirst sich deswegen mit den Elter», die, kleinstädtische Juden, ihre gebildete Tochter au einen „Gebildeten" verheiraten wollen, lagt ihrem Anbeter Valet, weil er mit ihr nicht für ein gemeinsames Ideal arbeiten will, kämpft gegen philiströse Beschränktheit, gegen jüdischen Sozialismus, und gegen nationalen Jndifferentismus der Masse» und entfaltet in ihrem Kampf eine übermenschliche Energie. Sie, die 'Johanna des Zionismus—ist aber auch die personifizierte Tragik, denn allein ringt sie, und ihre Existenz, ihr Tun bedeutet eine Auflehnung des Einzelnen gegen den Gesamtwillen. Gerade dieser Umstand, die tragische Heldin Sarah, das verkommene Milieu, gegen welches sie sich auflchnt, bekunden den sozialen Pessimismus des Dichters. In der Nacht des finstern Goluslebens läßt er gleich einem Meteor am Himmel eine lichterlohe Gestalt von gewaltiger Kraft und Magie hervortreten, aber das Licht dieser Fackel verschwindet am Ende in dieser egyptischen Finsternis. Sarah bricht trotz übermenschlicher Krastanstrengung infolge des zähen Ringens zusammen. Und in Sarah verlor ihr Volk, was sie nur in ihr besaß: Liebe, Kraft, Energie und süßen Glauben. Maxime le Maitre. Samuel Lubliuski: Vom unbekannten Gott. Ein Baustein. Dresden, Carl Reißner, 99 Lublinskis Wesen ist dichterisch und philosophisch, er ist philosophischer Dichter. Darum hat er wohlgetan, daß er in ein Gebiet zurückgekehrt ist, wo er manch Schönes und Geistvolles sagen kann, das Sinn und Gemüt erstellt. Vor einer Zeit versuchte er sich mit einem sehr schwierigen Thema, mit der Darstellung der „Entstehung des Judentums", leider ohne die nötige jüdisch-wissenschaftliche Vorbereitung; denn Lublinski ist kein jüdischer Gelehrter und kein jüdischer Historiker. Man soll aber diesen mißlungenen Versuch ihm nicht nachtragen und seine gegenwärtige Darbietung vorurteilslos genießen. Tenn sie ist dessen wert. Das vorliegende Büchlein ist beileche nicht zu verwechseln mit jenen durchaus nicht ernst zu nehmenden philosophisch tuenden Büchern schreibseliger Dilettanten, die heute wie Pilze aus dem Boden schießen. Man mag von einem bestimmten Standpunkte ausgehend zu Lublinskis „Unbekannte» Gott" sich stellen wie man will, ernst muß er genommen werden, beim er zeugt von einer respektablen philosophischen Bildung. Der Titel des Buches könnte vielleicht manchen irreführen, zu glauben, der Verfasser wolle hier eine Philosophie oder eine Dichtung über Gott gebe», oder eine Theodiccc in Logik oder Poesie. Diesen Irrtum berichtigt der Verfasser sofort in der Einleitung, in dem Kapitel „Vorspiel und reinliche Scheidung". Der „unbekannte Gott" ist die „Religion", oder die Quelle allen religiösen Gefühls. Er nimmt eine reinliche Scheidung vor, zwischen diesem und allen ähnlichen oder verwandten Dingen. Er will dieses „Unbekannte", „dessen lastendes Rätsel niemals erhellt wird, und das sich für alle Zeiten menschlicher Erkenntnis versagt", aber dennoch da ist und wirkt, er will dieses „nicht als Wissenschaft der ersten Ursache (der Gottbegrisf der Theologen, die Substanzen u>ld Funktionen der Philosophen), nicht als dichterische Weltverklärung und Weltbeseelung und auch nicht als Sittlichkeit" fassen; also als bloßes religiöses Gefühl, mit Ausscheidung von Gottesbegriff, Naturdichtung und Ethik. In elegantem, dichterisch durchhanchtem Sttzl verfolgt nun Verfasser den Ursprung dieses religiösen Gefühls und seine Wirksamkeit im Leben der Menschen. Nachdem er sich mit den Hauptsystemen der Philosophie auseinander gesetzt, die Natur des menschliche» Gemüts und des menschlichen Geistes in ihrer Erhabenheit und Kleinheit aufgeschlossen hat, kommt er — utir iipu: kurz das Resultat airzudeuten — zum Ergebnis: Religion entspringt aus dem Widerspruch und Zwiespalt zwischen dem „Gefühl der Ohnmacht" und dem „schwellenden Allmachtsbewußtsein" des Mensche». „Der entscheidende reiigiöse Vorgang spielt sich aber völlig in der' innersten Innenwelt ab, in einem siebenmalsiebenten Abgrund". „Plötzlich weiß er, es ist dennoch eine Einheit, trotz dieses Zwiespalts, und sein LosungSivort lautet: trotz alledem! und doch!" „Zwar alles ist Widerspruch, Zwiespalt, Verworrenheit, herzzerreißender Gegensatz: und doch! Der Grund aber für dieses „und doch", die tatsächliche Ursache,, ans der diese Zuversicht beruht, entzieht sich der Verstandeserkenntnis — —" „Es ist die Gewißheit, erworben durch das innere E r l e b n i s, daß irgend ein Etwas da sein muß, welches dennoch alle tiefsten Abgründe überbrückt." — Das ist Lublinskis „Unbekannter Gott", eigentlich nicht ganz neu, und sein Unbekanntsein schon lange bekannt. Nur die Umbiegung des pessimistischen Gedankenganges zu einem Optimismus, der sich in dem Ztveck offenbart, zu welchem Lublinski diesen unbekannten Gott braucht, ist originell: er braucht ihn nämlich, um die verloren gegangene menschliche Allmacht wiederzugewinnen. „Willst Du Deine letzten Kräfte entfesseln und allmächtig sein, so habe ein inneres Erlebnis-und erfasse, ahne und ehre den unbekannten Gott." Auf dieses „innere Erlebnis" kommt der Verfasser in mancherlei philosophischen Brechungen immer ivieder hinaus, er vertritt dasselbe gegen Ethik, Politik, Kunst, Wissenschaft und Iirche, er stellt es hin als den Anker in aller menschlichen Not; ihm gehört auch die Zukunft und die neue Menschheit. .Man sieht, Lubliuski ist Optimist und Pessimist zugleich. Pessimist, wenn er die tatsächliche Verfassung des menschlichen Wesens mit philosophischer Schärfe analysiert, Optimist, wenn er mit dichterischer Romantik aus diesem Menschenelend durch sein „und doch" sein „inneres Erlebnis" hervorzaubert. Das ist wirklich schön und rührend, es ist aber gleicherweise ungerecht. Wenn nun dieses verschwommene, wenn auch tatsächliche Erlebnis, wie L. will, auf den höchsten Punkt gestellt und ihm eine Ausschließlichkeit zuerkannt werden soll. Manche, die das Büchlein durchgelesen haben, werden vielleicht, in Erinnerung daran, daß der Verfasser Jude ist, staunend wahrgenommen haben, daß im ganzen Büchlein, das ausschließlich das religiöse Problem behandelt, die „Religion katexochen", das Judentum, mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt wird. Es ist wert, diesen Umstand sestzustellen; mir machte der Jude Lubliuski sein Buch damit sympathischer. Er zeigte damit schweigend an, daß er im Judentume das Religiöse — was er mit Recht so nennt: mit Ausscheidung von Gottes- Begriff und Ethik — nicht für etwas Spezifisches hält. Denn das Spezifische im Judentum ist seine ethisch-sozialeGesetzgebung. das religiöse Gefühl, wenn der jüdische Gottesbegrisf und die jüdische Ethik aus dem Religiösen ausgeschieden wird, gilt auch im Judentume nur etwas allgem e i u - in e n s ch l i ch e s, das keine Offenbarung am Sinai bedurfte. — Und weil einerseits dieses religiöse Gefühl bei uns allen gleich ist, bei Jud' und Christ und Muselmann, und anderseits, iveil es ein Stammesgenosse ist, der über dieses Allgemein-menschliche seine Meditationen anstellt — darum hielt ich es für geziemend, dies interessante Buch hier zu besprechen und allen Freunden gntgeschriebeuer Bücher zu empfehlen. _ B. F. Neue Bücher. Ein Kongreß für K i n d e r f o r s ch » n g und Jugendfürsorge von I. Trüper. Langensalza, 1905, 28 Seiten. Verlag von Hermann Beyer u. Söhne (Beyer u. Mann). Die Kinderfehler, Zeitschrift für Kinderforschung mit besouderer Berücksichtigung der pädagogischen Pathologie. 10. Jahrgang, 1. Heft. Langensalza, Hermann Beyer u. Söhne (Beyer n. Mann). Topographie des alten Jerusalem von Dr. theol. Carl Mommert. Dritter Teil: Solomons Mauerbau, Die Wasserversorgung Jerusalems, Ter Mauerbau des Manasscs. Leipzig, 182 Seiten, JL 4,50. Verlag von E. Haberland. Zweiter Teil: Das Salomonische Tempel- und Palastqnarlier aus Moriah. Mit 4 Figuren und 5 Tafel». Leipzig 305 Seiten, .ik 7. Verlag von E. Haberland. Farniliermachrichteu. (Aufnahme in diese Rnbri! kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn Jul. Joseph, Frankfurt a. Dt., Beelhovenstraße 64. Ein Sohn, Herrn M. Grünstem, Frankfurt a. M., Theobaldstraße 16. Eine Tochter, Herrn M. Strauß, Frankfurt a. M., Hermannstraße 5. Ein Sohn, Herrn Goldberg, Frankfurt a. M., Hölderlinstraße 27. Ein Sohn, Herrn M. Grünewald, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 22. Eine Tochter, Herrn Meier Rosenberg, Frankfurt a. M., Gaußstraße 38 a. Verlobte. Sophie Carlebach. Frankfurt a. M., Obermainanlage, mit Or. moä. Joseph Mayer, Frankfurt a. M., Friedbergerlandstraße. Karoline Levh, Kelsterbach, mit Paul Aron. Stutt-, Eheschließungen. Moritz Lindheimer, Frankfurt a. M., mit Sara Goldschmidt, Frankfurt a. M. Julius Goldschmidt, Frankfurt a M., mit Helena Goldschmidt, Frankfurt a. M. Sterbekälle. Emilie Groedel, 77 Jahre alt, Frankfttrt a. M., Trutz 39. David Stern, 66 Jahre alt, Frankfurt a. M., Grünestraße 38. Jenny Mainzer, 44 Jahre alt, Mannheim. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch Israelit. Knaben-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Leo, Sohn des Herrn Isaak Goldschmidt, Sandweg 16 part., in der Synagoge Schützenstraße. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 6. Mai (1. Iyar 16. Tag im Omer): Wochenabschnitt Kedauschim. Sabbath-Ausgang in F>ankfurt a. M.: 8 Uhr 40 Min, Straßburg 8 Uhr 15 Min., Berlin 8 Uhr 27 Min. 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