Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. durch häusliche Erziehung für ihre zukünftige Bestimmung die geeignete Vorbildung erhalten und 1-1 Zöglinge, die ihre Lehrzeit absolvieren. Des ferneren war die Mädchen-Abteilung von 21 Zöglingen besetzt. Das früher in der Uhlandstraßc belcgene Haus der Knabcnabteilung ist zum Preise von Mk. 81000 verkauft ivorden.' Es wurden hierfür' Anzahlungen im Betrage von Mk. 31 OM geleistet, während für die übrigen Mk. 50000 die Anstalt einen erststellige» Zusatz besitzt. Der Rechnungs-Abschluß des B c t r i c b s f o n d s Iveist für die Knabenabteilung Mk. 38 063 Einnahmen und Mk. 13 733 Ausgaben und für die Mädchen- Abteilung Mk. 11186 Einnahmen und Mk. 18 632 Ausgaben auf. Hervorzuheben ist unter den Einnahmen eine Spende von Mk. 2500 seitens des Ausschusses des Kinderhilfstages. Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 16. er., fand die ordentliche Hauptversammlung des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schoinro Schabbos) statt. Der von dem ersten Vorsitzenden, Herrn Moritz A. Loeb, vorgetragene Jahresbericht konnte ein erfreuliches Fortschreiteu auf allen von dem Verein bearbeiteten Äebieten konstatieren. Die Berficherungskasfc zahlte im Berichtsjahr M k. 1650 an stellenlose Mitglieder; seit 1899 sind von dein Verein als Entschädigungen an Stellenlose insgesamt ü b c r Ai k. 10 000 ausgezahlt worden. Die A b t e i l u n g für Stellenvermittlung konnte in 1901'81 Stellen (im Vorjahr 71) ' besetzen. Es fanden 30 Prozent der Bewerber Stellung, während z. B. der große Kaufmännische Verein Frankfurt a. M., der 16000 Mitglieder umfaßt, im gleichen Jahre nur 28.38 Prozent plazieren konnte. Seit Beginn seiner Tätigkeit hat der Verein 386 Stellen besetzt. - ' Auch die Kassenverhältnissc des Vereins befinden sich in günstiger Entwicklung: die Gesamtfonds betrugt Ende 1901 Mk. 23 856.73. Es verdient dies um so mehr Erwähnung, als hiermit die Leistungsfähigkeit der Versicherungskasse auch gegenüber etwa eintretendcn ungünstigeren Zeilen völlig gesichert erscheint. Die aus dem V o r st a u d statutengemäß ausscheidenden Herren Raphael Ettling er, J ac. R o s c n h e i m und I s a a c S u l z b ach wurden wiedergewählt, ebenso die aus dem Berwaltnngsrat ausscheidenden Herren Louis Feist, Munk-Köln und Em »ituef Sei) tu a n n; für den Verwaltungsrat neu gewählt wurde Herr Ignaz Ellern- Karlsruhe. Eine längere Debatte entfesselte der Antrag des -Vorstandes auf Bewilligung von Mk. - 10M zur G r ü n du n g eines L e h r l i u g s h c i m e s. Der Antrag wurde von dem Vorsitzenden ausführlich begründet, u. a. nntdem Hinweise auf die erhebliche Steigerung der llnterhaktskostcn in den Großstädten. Vielen Eltern wird es dadurch unmöglich gemacht ihren Söhnen-eine richtige kaufmännische Lehre angedeihen zu lassen; sie sind genötigt, Lehrstellen auf dem platten Lande oder in Kleinstädten vorzunehmen, wo tvohl noch Kost Und Logis ini Hause des Prinzipals gewährt wird, dafür aber die Ausbildung alles zu wünschen übrig läßt. Ferner wurde hcrvorgehoben, daß auch den in Frankfurt nntergebrachtLu Lehrlingen oftmals die nötige ''Aufsicht fehle, die ihnen den gegenüber den religiösen und sittliche» Gefahren der Großstadt so nötigen Rückhalt biete. In der Debatte ergab sich Einstimmigkeit über die Notwendigkeit der Gründung eines Lehrlingsheims, so daß auch die Annahme des Vorstandsantrages einstimmig crsolgte. Fraukfurt a. M. Der »V e r b an d d e r S a b b a thfreuudc, Ortsgruppe Frau kfurt Main" (Vorsitzender: Herr Moritz A. Loeb) versendet folgenden Aufruf: __ Sehr geehrter Herr! Lang schon ist das Bedürfnis empfunden worden, den in den verschiedenen Schomre-Schabbos- Vereinen wirksamen Bestrebungen einen gemeinsamen Mittelpunkt und darüber hinaus, eine Organisation zu schaffen, die auch auf den außerhalb der kaufmännischen Sphäre liegenden Gebieten, die Sabbathidee und die Verwirklichung der Sabbathfeier kräftigen und fördern. Diesem Bedürfnis zu genügen, ist der in Berlin domizilierende Verband der Sab bathfreunde ins Leben getreten, der seine Mitglieder und Freunde allüberall sucht, wo nvch jüdische Herzen schlagen. Was der Bund will, sagt der untenstehende § 1 der Satzungen, wie er organisiert ist, ersehen Sic aus dem mitfolgendeu Statut. Es gilt zunächst, so rasch und so vollkommen wie möglich, alle diejenigen zu einern großen Bunde zu einen, die sich der Verpflichtungskraft des Sabbathgesctzes bewußt sind, einerlei, welchem Berufe und welchen sozialen Kreisen sie a n g c h ü r c n. Tausende muß der Bund zu den Seinen zählen, soll er nach außen und innen die rechte Wirksamkeit entfalten. Der Beitrag ist aus diesem Grunde auf ein Minimum, mit M k. l.— jährlich festgesetzt — eine Summe, die jeder, in welcher Lebensstellung auch immer, zu entrichten vermag, und die, so hoffen wir zuversichtlich, auch in unserer Stadt, als ein dem Sabbathheiligtum gez o l l t e r Schekel von allen unsere» G e - s i n n u u g s g e u o s s e n o h n e A u s n a h m e willig geleistet werden wird. Die unterzcichiieten Verwaltungsrat- und Vorstandsmitglieder des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit haben die Geschäftsführung der Frankfurter Ortsgruppe des neiien Bundes übernommcii und bitten Sie, verehrter Herr, dringend um Ihre u A n s ch l ii ß sowohl als um eifrige Werbung v o n M i t g l i c d e r n i n Ihre m B ek a n n t c n k r c i s c. Hochachtungvoll I. B e st hoff, E m a u u e l E t t i n g h a u s e n, Raphael E t t l i n g e r, Louis Feist, Wilhelm Hackeubroch, E ma n uc l L e h - m a n ii, H erma u n L e h m a u n, Ai o r i tz A. Loeb, Jacob Rosenheint, I. Sulzbach, 2 a m. Weil, I o s e p h W o l f, JosesWohlf a r t h. § 2 der Satzungen. Zweck des Vereins ist für die Heilighaltung des Sabbaths im Sinne der überlieferten schriftlichen und mündlichen Lehre einzutreten. Diesen Zweck will er erreichen vornehmlich: a) durch Äusklärng über die Bedeutsamkeit des Sabvathgesetzes,!>) durch ideelle und wirtschaftliche Unterstützung solcher Unternehmungen, die der Förderung der Sabbathruhc im Erwerbsleben dienen, i) durch zweckmäßige Bekämpfung der die Beobachtung des Sabbaths schädigenden Tendenzen. ''Anmeldungen zum Beitritt sind an das Bureau Schützenstraße 11 zu richten. Berlin. Der zweite JüdischeTurntag. Am 23. und 21. April wird in Berlin die jüdische Turnerschaft, der Verband der nationaljüdischen Turnvereine, ihre zweite ordentliche Versammlung, den sog. Jüdischen Turntag, abhalten. Bei der aufsteigenden Entwickelung und bei der wachsenden Verbreitung der jüdischen Turnvereine verdient der Jüdische Turntag genaz besondere Beachtung. Gelegentlich der Veranstaltung soll ein Schauturnen und eine öffentliche Versammlung stattfinden. Stuttgart. Zu denjenigen Vereinen, welche sich in Ausübung freier Liebestätigkeit der öffentlichen Krankenpflege widmen, ist am l. 'April d. Js. ein neuer Verein getreten, das ,,j üdisch e Sch west e r n h e i m S t u t t g a r t". Die zwei ä!t sten Vereine dieser Art, in Franksnrt und Berlin, blicken bereits auf eine mehr als zehnjährige erfolgreiche Tätigkeit zurück. Hervorgcgangen sind diese Vereine aus dem Bestreben/ die Hilfe, welche die christlichen Pslcgegenossenschasteu jüdischen Kranken geleistet haben, auf eine geziemende Weise zu vergelten: die jüdischen Krankenpflegervereine haben deshalb insgesamt die Ausübung der Krankenpflege bei Erkrankten jeden Bekenntnisses in ihre «atzungen aufgenommen. Die Schwestern des hiesigen Vereins haben ihr Atutterhaus in Berlin, wv sie eine gründliche, zweijährige Ausbildungszeit durchgemacht haben. Armen stehen ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung. Das jüdische Schwesternheim befindet sich Heusteigstraße 13a und ist unter Rufnummer 5387 an bas Telephonnetz angeschlossen. Bücherschau. Samson Raphael Hirsch: Worte bei der Schulfeier der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main, den 9. November 1859, am Vorabend der Schillerfeier gesprochen. 2. Auflage. Frankfurt a. M. I. Kaufmann 1905. 16 S. Pr. Mk. —.50. Eine schönere Huldigung für den gottbegnadeten Dichter der deutschen Nation, für den großen Idealisten Schiller konnte aus jüdischem Standpunkte nicht bargereicht werden, als diese Schillerrede, die S. R. Hirsch vor 46 Jahren gehalten bat. Es hat auch keiner vor ihm und nach ihm Schiller von der Warte jüdischer Lebens- und Weltanschauung betrachtend, diesen Begeisterer für alles menschlich Hohe so richtig zu würdigen und so maßvoll zu werten verstanden. Wir sehen da, wie ein Geist spricht zum anderen Geist, denn Hirschs Wesen war verwandt mit dem Schillers, was das allgemein Menschliche betrifft. Den Gedankenkreis Schillerscher Dichtungen sieht Hirsch aus dem jüdischen Boden entstammen. »Diese heitere Anschauung der Lebensbestimmung, diese in frohem Bewußtsein erfüllter Lebensbestimmung vor Gott zu findende Freude — dieses Verständnis Gottes in seiner Allmacht Tempel der Natur, und diese Heiligkeit des Hauses, und die hohe Bedeutung des Weibes: das Haus im Weibe und das Weib im Hause, dieser Staatenbau auf Gesetz in der Freiheit und der Freiheit im Gesetze, diese göttliche Gleichheit jedes gottgeborenen Menschen, dieser gleiche Adel und gleiche Wert und diese gleiche Würde jedes gottgeweihten Menschenlebens — sind das, fast bis auf den Wortausdruck, nicht Blüten von dem jüdischen Baume des Lebens? Sind dies nicht Keime jenes Gottesdermächtnisses, das das Judentum seit Jahrtausenden für die Menschheit gepflegt und die immer mehr und mehr bewußt und unbewußt aufgehen in der Brust der Menschheit und ihre Erleuchtung und Veredlung vollenden?" Tie stilvollendete, prachtvolle Rede beginnt mit den sehr wirkungsvollen Worten: »Wenn der Genius lebend unter uns träte, aus dessen Vermächtnis unsere jungen Freunde uns soeben einige schwache Echos entgegenbrachten, wenn wir Schiller, meine Freunde, als Juden und Jüdinnen begegneten: dann würde die Weisheit unserer Väter uns lehren, ihn mit dem Spruche zu begrüßen: „Boruch schenossan mechochmossan lebossor wedom“, Segen und Preis dem, der von seiner Weisheit dem Sterblichen verliehen." B.F. Heinrich Heine, Aus seinem Leben und aus seiner Zeit von Gustav Karpeles, Leidig. Verlag von- Adolf Titze, 317 Seiten. Dieses feinem Inhalte, wie seiner Ausstattung nach gleich vorzügliche Buch empfiehlt sich von selbst. Ter unermüdliche Heine-Forscher, Gustav Karpeles, ist auch hier dem Programme seiner früheren Arbeiten über Heine treu geblieben und hat einerseits die vorhandenen Lebensbeschreibungen des Dichters ergänzt, andererseits wieder einige der vielen Vorurteile zerstört, die man noch immer gegen ihn hegt. Karpeles hat mit diesem Buche die Einsicht in die menschliche und dichterische Bedeutung Heines gefördert, indem er viele Fäden aus dem Seelenleben dieses eigenartigen, geniale» Mannes aufzudecken versteht und das gebildete Publiknmi wird dem 'Autor dafür Tank wissen. Neue Bücher. Alkohol und Kaffee in ihrer Wirkung aus Herzleiden und nervöse Störungen. Bon Dr. Hans Stall, Leipzig 1905. 29 Seiten. Verlag des Reichs» Medizinal-Anzeiger. Zwischen zwei Stühlen, Nachruf zu Delitzsch' Babel und Bibel von Aron Marcus. Altona 1905. 32 Seiten. Verlag Siegm. Bernhard. Eisik Scheftel, Ein jüdisches Arbeiterdrama von David Pinski. Berlin 1905. 103 Seiten. Verlag des „Jüdischen Verlag". Verein „Mekor Chajtm". Samstag, den 22. April 1905 (Schützenstraße 2), Vormittags nach Schluß der Synagoge Schützenstraße: Schulchon-Oruch-Bortrag: Nachmittags 1 Uhr: Bortrag über Schir-.haschirim. — Lehrplan für das Sommersemester beginnt Samstag, den 29. April er. UStsrl. 17. Wißt Ihr, wer ich bin? Die Wahrheit in Person. — Ist mein erster Buchstabe dahin. Tot bin ich schon. Nachum Goldmann. Auflösung des Rätsels vo. 16. •na Ruß. irr Berg. Glaserei, Bilderrahmung, Fernspr. 6893. Strobel & Bautz Fernspr. 6893. Kunstgewerbliche Anstalt für Sielu. Messing* Verglasungen, Glas * Mosaik und Hetzerei. Sandweg 56. —- Pestalozistrasse 9.~- - -Reparaturen prompt und billig. X. gutebach, Spengterei u. hstaltatiousgesc&aft Tel 4117. IJhlandstrasse 46. Gegr. 1888. Spezialität: Freistehende Closetanlagen, Waschu. Badeeinrichtungen in jeder Ausführung. Setzöfen, verschiedener Systeme für Israeliten.