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Neue jüdische Presse · 1905-04-19 · Heft 16 (19.4.1905) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 16 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Fauvilienblatt. Nr. 16. standen, seinen Gegenstand in klarer und überzeugender Weise, dabei ruhig und sachlich darzulegen. II. Klausner, Dr., Joseph, Tic messianischen Vorstellungen des jüdischen Volkes im Zeitalter der Tannaiten. V. und 119 S. Berlin 1904. Verlag M. Poppclaucr. Der Verfasser will die messianischen Vorstellungen des jüdischen Volkes im Zeitalter der Tannaiten historisch untersuchen und erklären, „w'll ih"e notwendige Entstehung und Entwicklüiig im Rahmen der Zeitgeschichte verfolgen und begrcislich machen." Er unterscheidet speziell zwischen den Anschauungen vor der hadrianischen Zeit und dem Aufstand des Bar Kochba und den Vorstellungen, die sich nachher Geltung verschafften, und sucht nachzuweisen, daß bei der Mcssiasidec, welche ursprünglich die politischnationale Erlösung und die geistig-religiöse Läuterung in sich vereinigt, nach dem unglücklichen Ausgang der barkochbäischen Erhebung der Schwerpunkt aus die geistige Seite gelegt wurde. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet er die talmudischen Aussprüche über die verschiedenen Seite» des Messiasgedankens. 1. Die jüdische Messianologie im tannaitischen und nachtannaitischen Zeitalter. 2. Messianologie und -Eschatologie. 3. Beginn und Dauer des messianischen Zeitalters. 4. Die Vorbedingungen der Messiasankunst. 5. Die mcssianischc Lcidenszeit. 6. Elia, der Vorläufer des Messias. 7. Der Name und die Person des Messias. 8. Sammlung der Zerstreuten und Proselytcnausnahme. 9. Messias ben Joseph und der Kamps mit Gog und Biagog. 10. Das messianischc Reich und die messianischen Wunder. Nun kann man ja zugebcn, daß die Aussprüche der Weisen über die mcssianischc Zeit von den Zeitereignissen nicht unbeeinflußt geblieben sind, zumal es sich ja hier nicht um halachischc Normen, sondern um agadische Deutungen Handel, bei denen den, persönlichen Empfinden ein gewisser Spielraum gelassen ist. Allein die Tendenz, in jedem Ausspruch sozusagen den Niederschlag der politischen Atmosphäre zu erblicken, muß notwendig zu Jrrtnmcrn und Entstellungen führen. Wen» z. B. der Verfasser (T. 13) meint, daß nach dem Abschluß der Biischna die klaren) mehr oder weniger realen Bestrebungen einer p vlitischeu und moralischen Erlösung verschiedenen neuen, mystisch - religiösen Phantasien Play »rächen, und als Beweis dafür den Ausspruch Samuels nnführt: „Es ist kein anderer Unterschied zwischen der gegenwärtigen Welt und den Tagen des Messias als bloß die Unterjochung seitens der (heidnischen) Reiche", so scheint mir dieser Ausspruch eher das Gegenteil zu beweisen. Wenn ferner aus der Talmudstelle Mcgilla 5 ab „Rabbi (Jehuda II ivollte den Fasttag des . 9. Ab aufheben" die Folgerung gezogen wird, R. Jehuda habe kein Verständnis für die Tragweite der an diesem Tage erfolgten Zerstörung des jüdischen Reiches gehabt, so zeigt ein Blick auf diese Stelle das völlig Haltlose dieser an sich scheu absurden Meinung. Der Tendent der erwähnten Erzählung, R. Elasar (im Namen des R. Ehaniaii , wird nämlich von einem anderen Lehrer, R. Abba ben Sabda daraus aufmerksam gemacht, daß cs sich um einen wegen des Sabbat auf den Sonntag verschobenen Fasttag handelte, bei dem Rabbi sagte: „Nachdem er einmal hinausgcschoben ist, mag er ausfallcn": und R. Elasar gesteht zu, daß er sich geirrt habe. Ebenso unrichtig ist cs, ivenn (S. 32) behauptet wird, daß cs in der vorhadrianischen Zeit noch Tannaiten gegeben habe, die „nicht bloß das Jahr, sondern auch den Monat der Erlösung" berechnen zu können glaubten: die angeführte Stelle (Rosch Haschanah 111') hat mit einer Berechnung nichts zn tun. Rühmend hervorzuhcbcu ist die klare, übersichtliche Darstellung und die große Belesenheit des Verfassers. Im einzelnen bietet die Arbeit maches wertvolle Ergebnis, wie die Feststellung, daß von einem Gottcsreich auf Erden ohne einen persönlichen Messias die Tannaiten nichts gewußt haben. (S. 65.1 P. Leo Tolstoi: Gedanken weiser Männer. München 1904. 398 Seiten. Mk. 4,50. Verlag von Albert Langen. Der russische» Ausgabe dieses neuesten Wertes von Tolstoi ist eine Vorbemerkung über seine Entstehung beigcgcben. Danach ist es ciitstandeii während der schweren Krankheit Tolstoi's im Jahre 1903, als er wochenlang an das Bett gefesselt war. Täglich vom Bette aus, soweit cs seine Kräfte erlaubten, stellte er Auszüge aus verschiedenen Denkern für jeden Tag zusammen, und als Resultat dieser Arbeit erscheint nun das vorliegende Buch. Selten ist ein Werk bescheidener, anspruchsloser in die Oesfcntlichkcit getreten, selten schien eins mehr geeignet, sich alle Kreise zu Freunden zu machen. Zu Tolstoi's „Gedanken weiser Männer" haben die größten Denker aller Völker und Zeiten eine Fülle von Lebensweisheit beigesteucrt. Auch Aussprüche aus unserem Talmud sindcn wir darin in reicher Fülle. Und so können wir'denn das Buch in Rücksicht aus seinen Inhalt sowohl als auch auf seine äußerst geschmackvolle Ausstattung als ein sehr geeignetes Gelcgenheitsgeschenk wärmstcns empfehle». Ein Heller Spiegel (aspaklarje hamiro). Der Verfasser dieses in der vorvorige» Nummer besprochenen Buches heißt S l i w k i n (und nicht, wie angegeben war, Hinkin). Briefkasten. A n o n y »i n s. Anonymes wandert stets in den Papicrkorb. Literat urfrc un d. Ob die Nachricht, daß der kürzlich verstorbene phautasicvollc Autor naturwissenschaftlicher Romane, Jules Verne, ein aus Polen gebürtiger Jude war, authentisch ist, läßt sich wohl schwer nachprüfen. In Plotzk geboren und Julien Olschewitz heißend, habe er in seiner Jugend Peies getragen und sei ein guter Talmudist gewesen; so wird behauptet. Interessant ist, daß der Name Olschewitz sich von dem russischen Olscha — Erle ablciten läßt und daß die Erle auf französisch verne heißt. L. in Odessa. Tic Verfügung der preußischen Regierung bezüglich des Verkehrs a u ß e r d c u t - scher A u sw andere r über die p r e u ß i s ch - r u s s i s ch c Grenze hat folgenden Wortlaut: „Der Eintritt in das preußische Staatsgebiet ist nur dann zu gestatten, wenn die Auswanderer einen ordnungsmäßigen Paß, eine» mit einer in Deutschland konzessionierten Schissahrtsgescllschaft abgeschlossenen Passagevertrag zur Fahrt nach einem außerdeutschcn Ansschiffuugshasen, eine Eisenbahnfahrkarte bis zum Einschiffungshafen und ausreichende Barmittel besitzen, welche ihre Aufnahme an dem Reiseziele, oder im Falle ihrer dortige» Zurückweisung. die Rückbeförderung in die Heimat gewährleisten. Hierzu ist bei gesunden und nicht gebrechlichen Personen von mehr als zehn Fahren eine Summe von je 400 AL, bei jüngeren Personen eine Summe von je 100 AL für erforderlich zu halten. Alle außerdeutschcn Auswanderer, welche beim Ucbcrschreiten der preußisch-russischen Grenze diese Bedingungen nicht erfüllen, haben eine Kontrollstation zu passieren, ivie solche zur Zeit in Bajohrcii, Tilsit, Eydtknhnen, Insterburg, Prostken, Jllowo, Ottlotschin, Posen und Ostrowo bestehen. Tie Einrichtung und der Betrieb dieser Kontrollstatioucn richtet sich nach den hierüber ergangenen besonderen Anordnungen. Die vorstehenden Bestimmungen treten und unter Aufhebung aller cntgegcnstehendeu früheren Anordnungen für alle außerdeutschcn Auswanderer, welche die preußisch-russische Grenze überschreite», in Kraft ohne Unterschied, ob sie von inländischen oder ausländischen Schifsahrts - Gesellschaften befördert werden." R. Z. P.- Ei» kurz gehaltener Bericht hat für uns Interesse. Familieuuachrichten. (Aufnahme in diese Rubril kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn E. Grüncwald, Frankfurt am Main, Bergerstraße 41. Ein Sohn, Herrn Max Guckcnheimer, Frankfurt am Biain. Ein Sohn, Herrn Tr. I. Benario, Frankfurt am Main, Savignystraße 1. Eine Tochter, Herrn A. Blumenstcin, Frankfurt a. M., kl. Sandgasse 4. Ein Sohn, Herrn Otto Baruch, Worms. Verlobte. Else Strauß, Tarmstadt, mit Adolf Katz, Frankfurt a. M., Kaiserstr. 65. Emilie Zuntz, Frankfurt a. Bi., Obermainstr. 33, mit. Moritz Cohn, Köln a. Rh. Bella Hirschmann, Nürnberg, mit Tr. Julius Jcssel, Frankfurt a. M., Zeit 30. i Hedwig Vogel, Kreuznach, mih Biax Roos, Bingen. Steroetooe. Sarah Worms, geb. Wohlgemuth, 83 Jahre.alt, Frankfurt a. Bi., Breitegasse 48. Amalie Wertheimer, 26 Jahre alt, Frankfurt am Main, Notteckstr. 10. Gustav Lilienfeld, 75 Jahre alt, Frankfurt a. Bk., Rüsterstr. 1. Abraham Kaufmann, Mannheim. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Israelit. Kflaüen-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: Z Bloch. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gesl. Mtteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) S a m s t a g, d e n 22. April. Ludwig, Sohn des Herrn Jakob Gottheimer, Zischcrfeldstr. 5, in der Synagoge Schützenstraßc. Samstag, den 29. A p r i l. Wilhelm, Sohn der Frau, F. Bachenheimer, Sand-!veg 88. Alfred, Sohn des Herrn B. Goldberg, Börnestraße 39. Julius, Sohn des Herrn A. Grünsteiu, Mainzerlandstraßc 99. Siegmund, Sohn des Herrn Bi. Heß, Musikautenweg 39. Max, Sohn des .Herrn I. Hessekiel, Rückertstraße 3. Julius, Sohn des Herrn A. Rosenthal, Langestrdße 20. Fritz, Sohn des Herrn H. Wolfs, Kaiserstr. 79 in der Synagoge Börneplatz. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Losch.) 20. und 21. April: Erster und zweiter Tag Pesach. Samstag, den 22. April: Schabbos Chol-ha-moed. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 8 Uhr 20 Min., Straßburg 8 Uhr 15. Min. 26. und 27. April: Siebenter und achter Tag Pesach. Samstag, den 29. April: Wochenabschnitt Acharei- Maus. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 8 Uhr 30 Min., _Straßburg 8 Uhr 25 Min._ Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M.- Vornehmstes Tafelwasser. 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