Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692409-2692424--01557-3518467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

IsimitkfitrLer ffroflitifdjcs fanilimklatt. Hl-dakti-« Md chefchLfksstelle: Srsnlttutt a. m.» Leiligkrmzgaffe 52» Ecke Rlaxperfeldstraße (gegenüber der Urnen JeU). HepMsgeVer: OalL Heis. 3. Jahrgang. Freitag, den 9. »iasrw 566s (14. April 1965). No. 15. Diese Zeitung erscheint jedm Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile.25 Psg. Die Reklamezeile.100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.—. UlNßM' Die «iichstwöcheutliche Nummer erscheint der Feiertage wegen bereits am Mittwoch. Schluß der Juserateu-Anuahme für diese Nummer ist Dienstag' Bonn. 12 Uhr. Inhalt des Hauptblattes: Artikel: Die eine Lösung — das eine Land. - Die Bluttragödie. - Aus aller Welt. — Artikel: Jahrbuch II der jüdisch-literarischen Gesellschaft. — Ueber Chassidismus. — Feuilleton: Kadimah (Ostwärts), Erzählung von Samuel Gordon. — Familiennachrichten. — Barmizwohs. Das „Frankfurter Israel. Familieublatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslaude nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleichen Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifbaud-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" : in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel —.80, Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2,50 vierteljährlich. Die eine Lösung — das eine Land. (Schluß.) All das Gesagte beweist zur Evidenz, daß das jüdische Volk mit seinem Gefühle — der HauptfaktorjedernationalenBewegung — an seiner Urheimat hängt und daher von Zion nicht lassen kann und will. Schon dieser Umstand ist hinreichend, den Territorialisten, die sich als die einzigen wahren Vertreter des Volkes aufspielen, die Unmöglichkeit, Palästina aufzugeben, zu beweisen. Allein wir wollen unsere Behauptung noch näher begründen. Die Freiheit, nach der wir streben, hat nur dann einen Sinn, wenn wir an die Vergangenheit direkt anknüpfen; mit dem Moment aber, wo wir den historischen Boden verlassen, ist eine jüdische Freiheit ein Unding. Höchstens könnte man dann von einer menschlichen Freiheit sprechen, und um die zu erreichen, braucht man sich wirklich nicht nach einem Territorium umzusehen. Die Territorialisten, die leichten Herzens den geschichtlichen Boden ausgeben, werden sicherlich dabei nicht stehen bleiben. Sie werden vielmehr mit Absicht oder ohne Absicht noch anderes Wesentliche aus dem Judentum, besonders aber die hebräische Sprache, ausmerzen. Ist doch die hebräische Sprache uralt und paßt in das Moderne nicht hinein, schon deshalb nicht, weil sic die Vergangenheit vor Augen führt. Die Territorialisten belegen uns mit den Namen „Reaktionäres, „Bnrgeoisphilister" und „Romantiker, die einen Bodenkultus haben" und stellen sich als Realpolitiker hin, als freie Männer, die an keiner Vergangenheit hangen und nur der kalten Vernunft gehorchen. Diese Eigenschaften lassen sich aber den Territorialisten mit guten: Recht absprechen. Hängt doch noch mancher Assimilant, der konsequenterweise bestrebt ist, aufzngehen, dessen Eltern bereits dasselbe Ziel versolgten, an seiner historischen Vergangenheit; der Territorialist aber, der noch gestern mit aller Glut des Orientalen an Palästina haftete, will es schon heute fertig gebracht haben, sich völlig von ihr loszusagen. Wer auch zugegeben, daß das Wundervolk solche Wuuderhelden aufzuweisen hat, wird ihre Zahl jedenfalls sehr beschränkt sein, und wird sich der neue Judenstaat schwerlich mit ihren Scharen besetzen lasse». Sie werden also auf. unsere Mithilfe rechnen müssen, denn wir, die Romantiker, haben die große Masse hinter uns. Nun wirds aber schwer fallen, diese Romantiker in ihrem neuen Judenstaat völlig zu befriedigen. Sie werden schwerlich die Sehnsucht nach dem heil. Lande in sich erlöschen lassen, umsoweniger, als sie unter dem Protektorate einer Weltmacht stehen und sich manches werden gefallen lassen müssen. Der Druck wird für sie, als teilweise frei erzogene Männer, die eine völlige Freiheit erhofften und in Wirklichkeit nicht erlangen, noch größer sein. Auch das Judentum wird sich unter diesen Umständen nicht frei entwickeln können. Mithin wirds auch im neuen Judenstaat eine „Judennot" geben und die Judenfrage bleibt ungelöst. Die Territorialisten weisen nun darauf hin, daß das Volk darbt und Brot haben muß. Es könne nicht länger irgend welchen Idealen zu liebe in seinem Zustande verharren. Allein abgesehen davon, daß der neue Judenstaat keine „Gluskoaus" und Mana produzieren wird, daß vielmehr Jahrzehnte verstreichen werden, bis man nur gezählte Taufende mit Brot werde versorgen können; ist Brot — besonders für das jüdische Volk — nicht alles. Noch ein wichtiges Moment ist in Betracht zu ziehen: Die gesetzestreue Judenheit kann unmöglich auf Palästina verzichten, und die gesetzestreue Partei bildet mit ihrem Fühlen und Denken, mit ihrer ideellen und materiellen Lebensauffassung trotz aller ihrer gegenwärtigen Mängel den Kern der Judenheit. Unsere Massen aber — sagen die Territorialisten — lassen sich nicht mit Zukunftsmusik abspeisen. Sollte der Zionismus nicht in absehbarer Zeit praktische Erfolge aufzuweisen haben, dann würden sie ihm nicht erhalten werden können. Wir widersprechen nicht der Stichhaltigkeit dieses Argumentes; — allein es läßt sich gegenwärtig auch in Palästina, sowie in den Nachbarländern auf Grund von Konzessionen Ersprießliches erreichen. Z. B. kann man eine Schnellkolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Baumwollenkulter im Gebiete der Bagdadbahn bewerkstellige» und dergleichen mehr. Freilich, wir gestehen offen, daß Zion zunächst nicht als eine Brotquelle, als neue 'Absatz- und Erwerbskolonie für die Massen gedacht ist. Zion soll vielmehr als Befreiu n g s- und Wiedergeburtsstätte dem ganzen Volke, den Reichen, aus die „wajischman wajiwot" sich bezieht, noch mehr als den Armen dienen. Gewiß sehen sich die Zionisten infolge ihres nationalen Zusammengehörigkeits-Gefühls noch mehr als andere genötigt, eine Zufluchtsstätte für ihre versolgten Brüder zu schaffen. Diese Erwägung hat das Uganda- Projekt entstehen lassen; sie war auch der Grund des längst gefaßten Beschlusses, sich mit der Gegenwartsarbeit zu befassen. Die bereits eingctretene notwendige Filtration der östlichen Massen muß von den Zionisten zunächst lediglich als Konzentration in dem neuen Zufluchtsorte gedacht werden, und wir nehmen keinen Anstand, zu sagen, daß von diesem Standpunkte aus das Uganda-Projekt gut zu heißen ist. Die Mittel dazu dürfen freilich nicht von zionistischen Institutionen genommen werden, sondern andere jüdische Korporationen iMssen zur Mithilfe herangezogen werben. Wenn die Vertreter derselben als konsequente Assimilanten auf die Autonomie nicht eingehen, so müssen wir zu unserem Leidwesen, da es sich um die schreiende Not der Massen handelt, auf unser Prinzip, das Prinzip der nationalen Autonomie, verzichten. Uebrigens ist die Autonomie auf dem englischen Gebiet nicht zu verhindern. Sobald eine große jüdische Ansiedelung in Uganda entstanden ist, kommt die Autonomie von selbst, und sogar ein Lucien Wolf wird dagegen nichts ausrichten können. Wir erachten es als überflüssig, auf die anderen Bedenken, die die Territorialisten gegen Palästina hegen, einzugehen. Man kann eben an allem, was einem teuer und heilig ist, manches auszusehen haben, deshalb wird man es jedoch nicht ausgeben. Man kann aus seiner eigenen Haut nicht heraus! Fürwahr! Wir glauben und hoffen zuversichtlich, daß das jüdische Volk seine Selbständigkeit nur in Palästina erlangen wird; — wenn nicht dort, dann überhaupt nicht! Schalinaun. Bemerkung des Verfassers. Es wurde uns zur Kenntnis gebracht, daß ein Passus in unserem Artikel, der bon dem Auszug Israels aus Egypten spricht, bei einigen Lesern Anstoß erregt hat. Wir erachten es für angebracht, hiermit zu erklären, daß dieser Passus von denselben mißverstanden worden ist. Mit unserem Artikel, der gegen die Territorialisten gerichtet ist, wollen wir den Beweis sühren, daß das jüdische Volk stets an Zion gehangen hat. Indem wir das Einwirke» Zions auf das jüdische Volk geschichtlich nachzuweisen suchten, lag es uns vollständig fern, die Hilfe Gottes irgendwie in Abrede ^zu stellen; vielmehr ist in diesem Artikel wiederholt nur auch von einem Handeln seitens des Volkes bei der Mithilfe Gottes die Rede. Wir betonten deshalb das Handeln des Volkes» weil uns bei der zionistischen Sache viel daran gelegen ist. Die Gegner des Zionismus negieren eben dies gänzlich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.