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Jüdische Rundschau · 1935-08-13 · Heft 65 (13.8.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 65 (13.8.1935)
Date
1935-08-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 65, 13. Mil. 1935 JDÖISCHE RUNDSCHAU Seife 9 Der Ausschluß von Juden Die Kenntnis der gegen Juden ausgesprochenen Verbote Ist für das jüdische Publikum von größter Wichtigkeit, damit es nicht durch Unwissenheit sich in eine Lage begibt, die unerwünschte Folgen hat. Wir sind daher bestrebt, die ergangenen Verbote dieser Art für unsere Leser zu registrie• ren und nehmen als selbstverständlich an, daß die entspre• ehenden Anordnungen respektiert werden. Verbote in Städten ln einer Reihe von deutschen Städten ist Juden die Benutzung der Freibäder teils verboten, teils als unerwünscht bezeichnet worden, in den meisten Fällen mit der Begründung, daß das Verhalten der jüdischen Gäste die übrigen Besucher verletzt habe und daß zahlreiche Belästigungen durch Juden vorgekommen seien. Verbote dieser Art ergingen in den letzten Wochen in Dortmund, Stettin, Leipzig, Schweinfurt, Bremen, Düren, Augsburg, Bernburg, Krefeld, Karlsruhe, Dresden, Oldenburg, Köthen, München-OIad• bach, Rheydt, Aschaffenburg, München, Mannheim, Bochum, Allenstein, Köln, Breslau, Rothenburg, Königsberg, Tilsit, Deutsch-Krone, Gladbeck, Iserlohn, Bielefeld u. a. m. In den Zugangsstraßen zur Stadt Lübeck wurde ein Schild angebracht: ״Lübeck will euch nicht!“ ln Wilhelmshaven hat der Marktvogt auf dem Marktplatz für Juden einen besonderen Platz eingerichtet, der durch ein weithin sichtbares Plakat ״Platz für Juden“ die Ecke kennzeichnet, in der jüdische Händler auf dem Wochenmarkt ihre Waren verkaufen dürfen. Der Oberbürgermeister der Stadt Q u e d - 1 in bürg hat den Juden den Eintritt zuin Dom, Schloß und Museum verboten mit der Begründung, ■daß ״der Jude für deutsche Kulturgüter kein Verständnis habe“. Verbote in Kurorten Zahlreiche deutsche Erholungsorte haben in den letzten Wochen jüdische Kurgäste als unerwünscht bezeichnet. Wir nennen u. a.: Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.), Braunlage, Ostseebad Graal, Bad Reieben hall, Bad Harz bürg, Heringsdorf, Ahlbeck, Zinthen, Rauschen, Travemünde, Lychen, Warnemünde, Wörlitz, Herrenalb. Aus Bad Freienwalde berichtet der ״Völkische Beobachter“ vom 9. August: Das von den Juden der Reichshauptstadt mitunter staik be- Wichte Moorbad Freienwalde hat jetzt ein wirkungsvolles Plakat auf dem Bahnhofsvorplatz anbringen lassen, das Angehörige dieser fremden Rasse aus seinen Mauern verweist. Das Plakat trägt die Aufschrift: ״Juden halt! Euer Zug geht gleich weiter!“ In Westerland wandte sich der Bürgermeister dagegen, daß in letzter Zeit wieder jüdische Kurgäste eingetroffen seien. In Westerland seien Juden nach wie vor im höchsten Grade unerwünscht. Es sei zu hoffen, daß es nicht erst zu dem Ultimatum kommen müsse: Juda, wir geben dir 24 Stunden Zeit, aus Westerland zu verchwinden. Aus Koiberg berichtet die ״Pommersche Tagespost“ vom 30. Juli: ״Oberbürgermeister Pg. Dr. Wcgener hatte die Vertreter der Kolbcrger Wirtschaft, so des Gaststätten- und Beherbergung*- gewerbes, der Haus- und Grundbesitzer, des Handels Handwerks und Gewerbes zu einer Aussprache über die Judenfrage eingeladen. Am Schluß der Zusammenkunft überreichten die Vertreter der Wirtschaft dem Oberbürgermeister folgenden einstimmig gefaßten Beschluß: 1. Die heute abend liier versammelten Vertreter der Wirtschalt erklären dem Oberbürgermeister einstimmig, daß sie Juden in Koiberg nicht wünschen. 2. Sie verpflichten sich, für die Zukunft keine jüdisehen Kurgäste mehr aufzunehmen und dementsprechend für die Kurzeit 1936 einen Hinweis an ihren Hausern anzubringen.‘ Dieser Beschluß ist unterschrieben von 23 verantwortlichen Führern der in Frage kommenden Organisationen. Der Punkt 2 des Beschlusses bedeutet, daß aucli für den Schluß der diesjährigen Kurzeit niemand mehr einen neuen Mict- oder Pensionsvertrag mit jüdischen Kurgästen eingehen wird.“ Einem Bericht der ״Greifswalder Zeitung“ vom 25. Juli über Misdroy entnehmen wir folgendes: ״Die Bevölkerung und die Badegäste Misdroys demonstrierten Mittwoch abend .spontan gegen die zunehmende Zahl jüdischer Badegäste in ihrem Ostseebad. Die empörte Volksmenge zog durch die Straßen der Stadt und trug Transparente voran mit der Aufschrift: Juden! Wir geben euch noch 24 Stunden Zeit!‘ Unter dem Gesang antisemitischer Lieder wurde von Pension zu Pension gezogen, in denen Juden wohnten, Hier brachte man Scliilder mit der Aufschrift an: ,Hier wohnt ein Verräter unserer Weltanschauung.‘ Eine Anzahl Juden mußten von der Polizei zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen worden. Die Volksmenge, die sich diszipliniert und anständig verhielt, zog auch vor das jüdische Kinderheim, in dem zirka 90 Kinder und Pflegepersonal untergebracht: sind. Die Leiter des Heimes erklärten, daß sie morgen das Heim räumen würden. Ebenso erklärten sich auch die übrigen Pensionsinhaber bereit, entweder Misdroy zu verlassen oder ihre jüdischen Gäste aufzut'ordem, Misdroy schleunigst zu verlassen.“ Aus Bad Tölz meldet DNB. am 7. August: ״Das Bezirksamt hat nach einer Mitteilung des Kreispresseamtes der NSDAP, in Bad Tölz mit Zustimmung der bayerischen Politischen Polizei das in der Hauptsache von Juden besuchte Parkhotel mit sofortiger Wirksamkeit bis auf weiteres geschlossen. Anlaß zur Schließung ist der einmütige Einspruch aller arischen Kurgäste und auch der eingeborenen Bevölkerung gegen das in letzter Zeit außerordentlich provozierende und freche Auttreten der jüdischen Hotelgäste.“ Wie der ״Völkische Beobachter“ (Münchener Ausgabe) Nr. 221 meldet, hat Innenminister Gauleiter Adolf Wagner an die Stadt Bad Tölz folgendes Telegramm gerichtet: ״Ich beglückwünsche die Stadt Bad Tölz zu dem Entschluß, an Juden keine Kurkarten m ehr auszugeben. Ich freue mich, daß die Stadt Bad Tölz durch diese Tat künftig sich von Juden rein hält, und wünsche, daß das ganze bayerische Oberland diesem Beispiel folgen möge.“ Die ״Berliner Lokalnachrichten“ teilen am 7. d. M. mit: ״Gestern abend beschlossen die Gaststättenbcsitzcr und Peniionsinliaber der Siadt Rheinsberg (Mark) nach einer Ausspräche des Kreislciters Kerner einstimmig, künftig keinem Juden mehr Unterkunft und Verpflegung ia Rlicinsberg zu gewähren. An sämtlichen Hotels und sonstigen Gaststätten werden Tafeln angebracht mit der Aufschrift: ,Hier werden Juden nicht bedient!‘ Die deutschen Volksgenossen können jetzt also damit rechnen, Rheinsborg, eine der herrlichsten Stätten der Kurmark, in Zukunft Judenfrei zu finden.“ In einer Zuschrift an den ״Westdeutschen Beobachter“ teilt ein Leser mit, daß der Kurdirektor von Bad Orb im Spessart ihm gegenüber die Versicherung abgegeben Amerikanische Juden Von unserem Berichterstatter New York, 10. Juli 1935 Wie Leo Hermann kürzlich der zionistischen Konvention in Atlantic City berichtete, haben die amerikanischen Juden etwa die Häffte aller Beiträge zum Keren Hajessod aufgebracht. Gemessen an der zahlenmäßigen Bedeutung und dem relativen Reichtum der hiesigen Juden, ist das an und für sich keine außerordentüche Leistung. Ganz offensichtlich hat bisher ein sehr erheblicher Teil der hiesigen alten, von Deutschland gekommenen Oberschicht ebenso ablehnend dem Palästina-Gedanken gegenüberstanden wie vor ggr nicht so langer Zeit die meisten ihrer Vettern in der alten Welt. Und wenn auch unter dem gewaltigen Eindruck der europäischen Ereignisse manche umlernen, so hört man doch auch heute noch Argumente und begegnet einer Auffassung, die uns wie Erinnerungen aus einer vergangenen Zeit anmuten. Wenn beispielsweise der äußerst ernst zu nehmende Präsident des American Jcvvish Committee, Dr. Gyrus Adler, erst vor wenigen Tagen die Entdeckung gemacht hat, daß die Juden lediglich durch die Gemeinschaft des Glaubens verbunden seien, daß also 41/4 Millionen unserer hiesigen Schicksalsgenossen nichts anderes sind als ״amerikanische Staatsbürger jüdischen Glaubens“, so sind das für uns wohlbekannte Fiktionen. Sie klingen hier freilich noch wesentlich bizarrer als das einst zu Hause Gehörte, weil ja die Weltgeschichte in der Zwischenzeit einige Lektionen erteilt hat, und wegen ihres geradezu grotesken Gegensatzes zu der amerikanisch-jüdischeti Wirklichkeit. Denn das durch und durch volksmäßig Betonte ״ieser im w׳esentlichen unreligiösen Masse wirkt aut uns und die nichtjüdische Umwelt hundertmal stärker als seinerzeit in dem auflösungsnahen deutschen Milieu des frühen 20. Jahrhunderts. Allein, die Mehrzahl der wohlsituierten deutsch-amerikanischen Juden wollen das immer noch nicht gelten lassen und sind deshalb immer noch den östlichen Juden bis zur Unwürdigkeit und Lächerlichkeit gram. Sie betrachten diese Gruppe als einen Schönheitsfehler ui ihrem Wunschbild — übersehen dabei nur, daß diese Ostjuden quantitativ und qualitativ den entscheidenden Faktor bilden. Denn die deutsch-amerikanischen Juden geraten nicht nur mengenmäßig in eine immer hoffnungslosere Minderzahl. Erfreulicherweise gibt es sehr beachtliche Ausnahmen auf v'ielen Gebieten. Und von diesen Kreisen hat die Pionierarbeit für Erez Israel außerordentliche Unterstützung erlialten. Drei amerikanische Organisationen sind es, ohne die Palästina nicht dort stünde, wo es heute ist: die Palestinc Economic Corporation, das American Economic Committee und, last not least, die Hadassah. Von diesen dürfte die Hadassah in Europa am bekanntesten sein. Diese Organisation amerikanischer Zionistinnen verdankt ihr Entstehen jener prachtvollen Frau, die heute noch als ihre Ehrenpräsidentin fungiert, wenn sie auch zur Zeit andere dringende Arbeiten, nämlich die Jugendalijah aus Deutschland, betreut. Miß Szold ist zu ihrer Arbeit veranlaßt worden durch die bedenklichen sanitären Verhältnisse, unter denen die frühen Pioniere furchtbar zu leiden hatten; sie baute z. T. auf den Milchstationen von Nathan Strauß auf. Heute ist die Hadassah eine über ganz Amerika verbreitete mächtige Organisation, in der Tausende von Frauen mit einem Eifer und einer imponierenden Aufopferung in einer oft aufreibenden Kleinarbeit die bitter notwendigen Bausteine für ihre Sonderaufgaben zusammen-!lagen, und Hand in Hand damit auch immer mehr Verständnis für das große Aufbauwerk erwecken. Immer mehr dieser Frauen besuchen Palästina und kommen als doppelt eindrucksvolle Werberinnen zurück. Zur Zeit hat sich diese habe, daß im Kurhaus keine Juden mehr Aufnahme finden; eine entsprechende Anordnung sei bereits erfolgt, ln der Stadt Orb sollen auch die bekannten Judenabwehrplakate Verwendung finden. Im nächstjährigen Prospekt würden Anzeigen nichtarischer Unternehmen nicht mehr erscheinen. Die Kurorte im Harz Die ״Magdeburgische Zeitung“ meldet folgendes: ״Als Vorsitzender des Landesvcrkehrsverbandes Harze. V. hat Ministerpräsident Klagges an die ihm unterstellten Fremdenverkehrsplätze des tf a r z e s und des Harzvorlandes . folgende Anordnung erlassen: 1. Die Anweisungen des zuständigen politischen Leiters der NSDAP, sind in jeder Beziehung, daher auch in der Judenfrage, zu befolgen und zu unterstützen, insbesondere auch die Ent- Schließung bekanntzugeben, daß Juden in den betreff enden Orten unerwünscht sind. 2. Jede direkte oder indirekte Propaganda irgendwelcher Art für jüdische Hotels, Gaststätten und Fremdenheime ist nicht zu dulden. 3. Die Aufnahme von Inseraten jüdischer Häuser in Werbe- Schriften oder Wohnungsanzeigern ist grundsätzlich abzulehnen. Hierunter fallen auch die in letzter Zeit besonders stark in Anspruch genommenen Zeilenanzeigen in Wohnungsnachweisen. Ich werde veranlassen, daß jedem Ortsprospekt und Wohnungsnachweis die Genehmigung zur Herausgabe versagt wird, falls dem nationalsozialistischen Wollen zuwider gehandelt werden sollte. Darüber hinaus wird die Verteilung durch die Reisebüros unterbunden. 4. Den verantwortlichen Leitern der Kurverwaltungen mache ich es zur Pflicht, die in den Orten erscheinenden Haiisprospekte im erwähnten Sinne zu überprüfen. Weitere Verbote Die Hoteliers und Gaststätteninhaber in Neustrelitz haben sich durch Vermittlung des Städtischen Verkehrsamtes zu einer Oemeinschaftsaktion vereinigt, wonach überall Schilder mit der Inschrift ״Der Zutritt von Juden ist unerwünscht“ zum Aushang gebracht werden. Wie die ״Frankurter Zeitung“ meldet, hat der Gemeinderat von Osann, einem Winzerdorf in einem Seitental der Mosel, den Beschluß gefaßt, daß kein Jude und keine Jüdin in Osann zuzichen darf, kein Jude ein Haus oder ein Grundstück erwerben darf, kein Handwerker, Geschäftsmann oder sonstiger Volksgenosse eine Gemeindearbeit oder Gemeindelieferung erhält, der noch mit Juden Verkehr pflegt oder diese in ihrem Handeln unterstützt. Das Kaufen bei Juden Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung* am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefoa Riicnarck 6506 ZuscoduBj■ steh •11*0 SUdtteiUß für Palästina-Aufbau sicher arbeitende Maschine die Aufgabe gestellt, den Bau und die Erweiterung eines modernen medizinischen Zentrums an der hebräischen Universität in Jerusalem zu sichern, und gleichzeitig einer Reihe von Acrztcn und Wissenschaftlern aus Deutschland Gelegenheit zu geben, ihr Können und Wissen in den Dienst der großen Sache zu stellen. Das Ansehen und der Einfluß der Hadassah ist in schnellem Ansteigen begriffen. Ihre Leistungen sind um so beachtlicher, als sie im wesentlichen ihre Mittel aus den breiten Kreisen des bescheidenen Mittelstandes erhält. ״Großmäzene“ sind ihr im reichen Amerika bisher wenig erstanden. Auf ganz andere Kräfte stützt sich die Palestine Economic Corporation Das ist, zum mindesten formell, ein großkapitalistisches Unternehmen. Sehr stark beeinflußt von den! großen Mann hinter den Kulissen, Justicc Br and eis, wurde vor etwa neun Jahren diese eigenartige Gesellschaft gegründet unter erheblicher finanzieller Unterstützung des American Joint Distribution Committee und Felix Warburgs und unter der nüchternen und doch so begeisterten Leitung von Bemard Flexner (Chairman) und des, der älteren Zionistengeneration in Deutschland wohlbekannten, Julius Simon. Für die Gesell- Schaft war der bis heute unbeirrt befolgte Leitgedanke, realistische Aufbauaarbeit zu leisten, das heißt nach gesunden, ökonomisch zu rechtfertigenden Methoden der jungen Volks- Wirtschaft Wege zu weisen und namentlich die so entscheidend wichtigen kleinen und mittleren Existenzen zu stärken. Die Gründer der P. E. C. dürfen heute schon mit Stolz auf das vor neun Jahren, also in schwerer Zeit Begonnene zurückblicken. Im Wohnungswesen, im Städtebau (Haifa-Rav), im Genossenschaftswesen, in der Bekämpfung der Wassernot, in der Heranziehung und Finanzierung »euer Industrien hat die Gruppe Vorbildliches geleistet. Obwohl das (iewinnstreben für sie eine untergeordnete Rolle spielt, hat sie im letzten Jahre mit der Dividendenzahlung begonnen und damit gezeigt, wie man dem ganzen dienen kann, ohne Verlustwirtschaft zu treiben. Sie will jetzt auch ein breiteres (amerikanisches) Publikum als Aktionäre heran/ielien, 11m ihre Aktivität zu erhöhen. Nach ihrem soeben veröffentlichten Jahresbericht, einer wahren Fundgrube über palästinensische Wirtschaff und einem Muster objektiver Berichterstattung, wird die Corporation künftig mit der für Palästina so wichtigen Londoner Marx-Gruppe Zusammenwirken. Brandeis, der große Anreger, ist auch der geistige Vater der dritten Institution, des American Economic Committee Das ist ein gemeinnütziges Gebilde, das gerade für die Ankäminlinge aus Deutschland unentbehrlich war und ist. Denn die ausgezeichnet geleitete Tel-Awiwer Auskünftestelle wird ständig namentlich von Kaufleuten und Industriellen aus Deutschland besucht und befragt. Wohl keines der neuentstandenen gewerblichen Unternehmungen blieb unbecinflußt von der sachkundigen Erfahrung dieser Gruppe, die auch in ständiger Fühlung mit dem Berliner Palästina- A!nt steht. Hier in New York ist nicht nur das gesamte reiche Arcliivmaterial der palästinensischen Hauptstelle in Abschrift vorhanden und von unschätzbarem Wert für jeden, der hier sich über die Dinge rasch und gründlich unterrichten .will. Der eigenartige Reiz des New-Yorker Komitees aber besteht darin, daß seine Mitglieder sich gewöhnlich wöchcntli-ch vereinigen und eine auch qualitativ recht beachtliche ,,round fable“ bilden, in der fachkundig und lebendig praktische Palästina-Wirtschaftspolitik getrieben wird. E. K. wird als Verrat am Volke und an der Nation bezeichnet. — Einen gleichen Beschluß faßte die Stadt Witt lieh. Aus Waren (Mecklhg.) wird berichtet: Um nichtarische Kraftfahrer darauf hinzuweisen, daß sie in dem Ort nicht willkommen sinn, sind an den Eingängen der Stadt und am Kandelaber auf dein Neuen Markt Transparente mit der Aufschrift ״Juden unerwünscht“ angebracht worden. Ferner ergingen auch in vielen kleinen Orten Verbote für Juden, die hauptsächlich die Benutzung der Bäder- und Parkanlagen betreffen. Wir nennen aus der großen Zahl dieser Orte Miltenberg a. M., Zwisehenahn i. 1־L, Kusel (Pfalz), Woldcnberg (bei Frankfurt a. ().), Viilingcn, Waldshut a. Rh. Im Kreise Lüben (Schics.) hat die Kreisleitung an geordnet, daß an allen 1 iaupteingängen und -ausgängen aller Dörfer des Kreises deutlich sichtbare Tafeln mit der Aufschrift ״Juden sind hier nicht erwünscht“ an/ubringen sind. Ueber Festnahme wegen groben Unfugs Das ״Schwarze Korps“, die Zeitschrift der Schutzstaffeln der NSDAP., beschäftigt sich in einem längeren Aufsatz mit den Voraussetzungen des § 127 der Strafprozeßordnung, Wonach bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen jedermann, auch wenn er nicht Poli/eiheamter ist, eine vorläufige Festnahme vornehmen darf. Die Zeitschrift erklärt, daß an sich eine strafbare Handlung Voraussetzung für eine solche Festnahme sei. Eine solche Voraussetzung läge u. a. auch v#r, wenn ein Jude sich unter Mißbrauch seines Gastrechtes mit einer deutschen Frau sich öffentlich sehen lasse, wenn er sich in einem öffentlichen Tanzlokal anmaßend benehme oder wenn Juden sich in deutschen Bädern lärmend und auffällig verhielten, ln allen diesen Fällen könne eine Festnahme und eine Bestrafung wegen groben Unfugs (§ 360 StGB.) erfolgen. ״Jeder Volksgenosse — so heißt es weiter —,der einen Juden bei der Begehung einer nach §360 Ziff. 11 des Strafgesetzbuches strafbaren Handlung auf frischer Tat ertappt oder ihn unmittelbar im Anschluß an die Tat verfolgt, ist berechtigt, ihn fest /11nehme n.“ Verleger und Werke jüdischer Urheber Die ״Juristische Wochenschrift“ vom 3. August 1935 veröffentlicht ein Urteil des Oberlandesgerichts München vom 4. Februar 1935, w’onach einem Verleger infolge der völlig veränderten politischen Verhältnisse aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden kann, das Werk eines jüdischen Urhebers weiterhin zu verlegen. Aus der Begründung ist in der Veröffentlichung folgendes wiedergegeben: ״Dem Verlag ist die Erfüllung der durch den Verlagsvertrag vom Jahre 1929 übernommenen Verpflichtung, das Werk des Klägers zu vervielfältigen und zu ver« breiten (§ 1 des Oes. über das Verlagsrecht), aus einem nach Entstehung des Schuldvcrhältmsscs cingetrctenen, von ihm!licht zu vertretenden Umstand unmöglich geworden und er damit nach § 275 BGB. insoweit von der Verpflichtung zur Leistung frei geworden.“ (Aktenzeichen Beschw. Reg. L 1296/34. V.)

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