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Jüdische Rundschau · 1935-08-13 · Heft 65 (13.8.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 65 (13.8.1935)
Date
1935-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 65/Jahrgang 40 l(hrlftIrihu1g,Vnlag o. AnxalgMvcnralhuig 1 BarUa W15, Nolnokwtr.10 Ferarai: Samtncl-Nr. JI Bismarck 3181/82,7165/70! 7240/42. — Bezugspreis einschL Bestellgeld ja Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5*75* hei Abholung RM 1,88 baw. RM 539• — Postscheck-Konten der Vertriebs-Abteilung: Berlin 7J573 (für Gfoft - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). Im Falle höherer Gewalt ©der Verbots besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung gezahlter Bezugsgebühr«». — Erscheint jaden Dienstag and Freitag. Preis 25 Rpi. RUNDSCHAU BERLIN י״ד אב תרצ״ה DIENSTAG, 13. AUGUST 1935 AnxelgenpreUliste Nr• 2 gfiltlg, Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf, für Familiennschridbten 15 Rpf. Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Einzelanzeigen nur bei Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar .Montag bis Donnerstag 9 —18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. Annabmeschluft für di« Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag Aus• gebe Mittwoch 13Uhr (Für Familienanzeigen am Tag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das )Odlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Die Tagesordnung des Kongresses Das Zentralbüro der Zionistischen Organisation veröffentlicht die Tagesordnung des XIX. Zionistenkongresses, der in Luzern vom 20. bis 28. August stattfinden wird. Die Eröffnungssitzung am 20. August, abends 8 Uhr, bringt die Eröffnungsrede des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Begrüßungen und ein Referat von Dr. Nahum Sokolow über ״Die Lage des jüdischen Volkes und der Zionismus“. Die zweite Sitzung beginnt am 21. August, 10 Uhr vormittags, mit der Wahl des Kongreßpräsidiums. Es folgt der Bericht des Kongreßgerichts über die Prüfung der Rechtmäßigkeit der uelegiertenwahlen, ein Referat von David Ben Ourionj Mitglied der Exekutive, über ״Probleme der Verwirklichung des Zionismus“. Sodann soll ein Bericht über die politische Lage und die Tätigkeit der Exekutive in der vergangenen Kongreßperiode gegeben werden. In der Nachmittagssitzung wird der Vorsitzende der Palästina-Exekutive, Dr. Arthur Ruppin, ein Referat über 25״ Jahre zionistische Kolonisation“ halten; weiterhin M. M. Üssischkin, der Vorsitzende des KKL-Direktoriums, ein Referat über ״Die Leistungen und Probleme des KKt“ und Leib J affe, der Direktor des Keren Hajessod, über 15״ Jahre Keren Hajessod“. In der Abendsitzung wird der in der KongreBperiode verstorbenen Zionisten gedacht werden. Die Gedenkrede hält Dr. Nahum Sokolow. Für die weiteren Sitzungen sind die Generaldebatte, die!Wahl der Kongreßkommissionen, Referat und Diskussion über ,,Hebräische Kulturarbeit in der Diaspora“, die Wahl der Exekutive und die Berichte der Kommissionen nebst Debatte undAbsftnmung in Aussicht genommen. Es soll weiterhin di€ Wahl des Aktions-Comites, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes, der Revisoren und der zionistischen Vertreter in den Organen der Jewish Agency erfolgen. Bei Einhaltung des vorgeschlagenen Programmes wird gehofft, daß es möglich sein wird, die Arbeiten des Kongresses innerhalb von neun Tagen, vom 20. bis 28. August, zu Ende zu führen. Dem demonstrativen Auftreten nach außen sollen die Er- Öffnungssitzung, die Sitzung, die einen Rückblick über die kolonisatorische Arbeit und die Tätigkeit der Nationalen Fonds bringt, und die Trauersitzung gewidmet sein, die dem Andenken der seit dem letzten Kongreß Verstorbenen, insbesondere Leo Motzkin, Chaim Nachman Bialik, Shmarva Levin, Victor Jacobsohn, Johann Kremenetzky und Baron Edmond de Rothschild gilt; außerdem eine besondere Sitzung zur Behandlung der Probleme der kulturellen Arbeit in der Diaspora. An Stelle der Spezialberichte der Exekutive sollen dieses Mal zwei umfassende Generaiberichte treten. Berichte über die einzelnen Ressorts werden den Kongreßmitgliedern schriftlich vorgelegt werden. Es wird beabsichtigt, der Generaldebatte einen mehr konstruktiven Charakter zu verleihen, indem neben der Kritik der Tätigkeit der Exekutive eine Besprechung aller zionistischen Probleme, die nicht Gegenstand besonderer Referate sind, erfolgen soll. Es soll der Versuch gemacht werden, die aut die Wahl der Exekutive gerichtete Arbeit des Permanenzausschusses dadurch zu erleichtern, daß die entsprechenden Verhandiungen zwischen den Parteien möglichst bald nach Abschluß der Kongreßwahlen, also noch vor Zusammentritt des Kongresses, beginnen. Falls diese Bemühungen positiv ausgehen werden, wird beabsichtigt, die Wahl der Exekutive noch einige Tage vor Schluß des Kongresses, und zwar nach Anhörung des Arbeitsprogrammes für die nächste Kongreßperiode, vorzunehmen. Es wird weiterhin beabsichtigt, nur Vorschläge von grundsätzlicher Bedeutung vor den Kongreß bringen zu lassen, dagegen alles Material, das in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit von einem so großen Gremium nicht bewältigt werden kann, an das neue Aktions-Comite, das sofort nach Schluß des Kongresses Zusammentritt, zu leiten. Es wird auch nötig sein, aus den gleichen Gründen die Zahl der Kommissionen, sowie der Konimissionsmitglieder im Interesse wirklicher Leistungsfälligkeit cinzuschränkcn. Es wird Sache des Kongreßpräsidiums sein, die Kongreßarbeit so einzuteilen, daß genügend Zeit sowohl für die Arbeit der Kommissionen als auch für die ebenso wichtigen Beratungen der einzelnen Fraktionen übrigbleibt. Das Kongreßgericht Das Kongreß gcricht ist zur Prüfung der Rechtmäßigkeit der Delcgicrtenwahien für den 14. August nach Luzern einberufen worden. Das Gericht, das aus einem fünfgliedrigen Senat besteht, entscheidet endgültig über die Bestätigung oder Nichtbestätigung der in den einzelnen Ländern vorgenommenen Wahlen. Wie das Zionistische Zentralbüro mittcilt, werden die Büros der Organisation für die Dauer des Zionisten• kongresses und der mit ihm verbundeneil Tagungen nach Luzern verlegt. Briefsendungen an die Exekutive sind m adressieren: Exekutive der Zionistischen Organisation, Konfreßhaus Luzern. Telegrammadresse: Kongrczion, Exekutive, uzern. V orkonf erenzen Vor dem Kongreß finden eine Reihe Vorkonferenzen statt. Etwa am 12. oder 13. August beginnen die Kon• ferenzen des Keren Hajessod und Keren Kajemeth in Luzern, atn 14. August beginnt die Konferenz der P a i ä s t i n a - A e m t e r gleichfalls in Luzern (ursprünglich für Engelberg geplant). Am 17. August beginnt in Luzern die Konferenz der Kon• greßfraktion der Arbeiterschaft, am 18. und 19. August findet in Luzern die konstituierende Konferenz der Weit- Vereinigung Allgemeiner Zionisten statt, gleich■ zeitig auch eine Tagung des ״Weitvcrbandes“. Am 19. August die Weltberatung der Judenstaats partei. Sportfest Der Schweizer Makkabi wird im Rahmen des Kongresses ein großes Sportfest veranstalten, der M a k kabi-Welt verband hat eine große Tagung vom 11. bis 14. September in B r ii n n (Tschechoslowakei). Weitere Kongreßnachrichten im Innern des Blattes. Judenfilme Auf der großen internationalen Filmausstellung in Venedig, die am 10. d. M. eröffnet wurde, werden, wie gemeldet wird, auch mehrere jüdische Filme gezeigt werden; darunter die beider! neuen Palästina-Filme, und zwar der Film ״Awodah“ des Regisseurs Lerski und der Film ״Land der Verheißung“, der unter der Leitung des General- Sekretärs des Keren Hajessod, Leo Herrmann, von der Fox- Filmgesellschaft gedreht wurde. Vom jüdischen Standpunkt kann diese Vorführung jüdischer Filme nur begrüßt werden. Sie unterscheiden sich wesentlich von allem, was man bisher unter dem Begriff ״jüdischer Film“ kannte. Judenfilme hat es in den letzten Jahren viele gegeben. Ein Teil von ihnen kam aus Amerika, und größtenteils handelte es sich um sentimentalen Kitsch. Man erinnert sich noch an die Filme, wo Juden als besonders edelmutige oder rührende Figuren gezeigt wurden. Andererseits gibt es natürlich auch solche Filme, wo Juden als Missetäter auftreten. Beides ist vom jüdischen Standpunkt nicht weiter bemerkenswert, da ja auch andere Menschen, unabhängig von ihrer Nationszugehörigkeit, in Filmen edel oder böse geschildert werden. Meist sind diese Figuren, zum Nervenkitzel bestimmt, recht lebeiisunwahr, wie die meisten anderen Filmfiguren auch. Ueber das Wesen des Judentums vermögen sie gewiß nichts auszusagen, und in den meisten Fällen ist die Absicht der Verfasser oder Erzeuger gar keine irgendwie geartete ethische oder politische Tendenz, sondern filmische Wirkung. Auf die wirkliche Eigenart oder das wahre Wesen des Juden lassen sich aus solchen Spielfilmen ebensowenig Schlüsse ziehen wie aus anderen derartigen Filmen über das Wesen anderer Völker. Jetzt aber haben wir jüdische Filme, die wirklich etwas über den Juden von heute aussagen, und wir freuen uns, daß diese Filme vor einer großen maßgebenden Oeffentlichkcit gezeigt werden. Diese Filme sind beide aus dem wirklichen Leben geschnitten, der Kameramann hat die Juden bei ihrer Arbeit belauscht, dort, wo der Rhythmus eines neuen Lebens pulsiert. Romantik ist in dieser Wirklichkeit genug vorhanden, und hier wurde sie so eingefangen, daß nicht nur Reportage oder Instruktion, sondem Spannung und Ergriffenheit entsteht. Der Film ״Land der Verheiß u n g“ ist den Juden Berlins und der meisten deutschen Städte von seiner Vorführung im Juni d. J. bekannt. Der neue jüdische Menscli wird hier gezeigt und auch die neuen Probleme des jüdischen Lebens; wir glauben, daß auch das nichtjüdische Publikum des Kongresses van Venedig hier manches Neue mit Staunen feststellen wird. Die nichtjüdische Welt, die etwas vom Juden erfahren will, sollte diesen Film sehen. Ueber den anderen Palästina-Film ״Awodah“, der soeben in Tel-Awiw uraufgefiihrt wurde, finden unsere Leser eine Würdigung im Palästinateil unserer heutigen Ausgabe. Was könnten diese Filme bedeuten! Sie zeigen nicht die ganze jüdische Welt; die jüdische Welt hat auch andere Seiten als diese. Aber sie können manches korrigieren, was über Juden gedacht und gesagt wird. Als Theodor Herzl die ״Welt“, das erste zionistische Zcntraiorgan gründete, schrieb er: ״Unsere Zeitung ist ein ,Judenblatt‘. Wir wollen diesen Namen, der als Schimpf gedacht war, aufnehmen, und ihn zu einem Ehrennamen machen.“. Das gleiche kann man von dem neuen ״J udenf ilm“ sagen, den Palästina uns beschert. Auch hier zeigt sich in einem kleinen Einzelfall, welche Bedeutung Palästina für das gesamte Judentum und für die Wertung des Jüdischen in der Welt hat. Chronik der Ereignisse Berlin, 12. August Viele Ereignisse der letzten Wochen haben den Juden in Deutschland ihre Lage wieder mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Man sollte meinen, daß in allen jüdischen Kreisen heute die Notwendigkeit ebnes neuen Handelns begriffen wird. Denn unsere Antwort auf die Judenfrage kann nicht in bloßem Lamentieren bestehen, sondern in einer aufbauenden Tat, die den jüdischen Menschen einen Weg des Lebens weist. Auf uns kommt es an! Das ist ja das radikal Neue im Wesen des Zionismus, verglichen mit den jüdischen Methoden einer früheren Zeit, daß er den Schlüssel für das jüdische Problem nicht in unserem Verhältnis zu den anderen sieht, sondern in uns selbst. Was in erster Linie not tut, ist nicht die Polemik mit anderen, nicht Apologetik und Argumentation, sondern unter den Juden die wirkliche Erkenntnis der J u - denfrage zu verbreiten und die Juden zur Aufbauarbeit zu organisieren. Dann wird — aber das kann nur ein Nebenprodukt sein — vielleicht auch unser Verhältnis zu den anderen sich bessern; wir unterschätzen nicht die Bedeutung, die das Verhältnis zu den anderen Völkern für uns Juden hat, es ist ein sehr ernstes und wichtiges Problem; aber wenn wir uns nur an die anderen wenden, werden wir auch diese nicht überzeugen. Alles, was geschieht, ist ein S y in p t o m der u n - gelösten Judenfrage. Der erste Zionistenkongreß (1897) hat für die Juden zum ersten Male die Judenfrage formuliert; sie ist nicht erst 1933 entdeckt worden, und sie überrascht auch 1935 nicht, wenn auch der einzelne von ihren Aeußerungcn schmerzlich bewegt ist. Die Judenfrage ist brennend. Zahlreiche Aeußerungcn der deutschen Oeffentlichkcit, Veröffentlichungen der deutsehen Presse, Maßnahmen verschiedener Art zeigen uns das. Wir müssen dies alles zur Kenntnis nehmen, nicht die Augen verschließen. Was aber können wir tun? ♦ Der XIX. Zionistenkongreß, der in Luzern Zusammentritt, müßte darauf Antwort geben. Der Zionismus beruht auf dem Gedanken, daß die Judennot eine objektive Tatsache ist, über die offen gesprochen werden soll (während frühere Generationen meinten, die Judenfrage existiere nicht, wenn sie sie ignorierten); der Zionismus lehrt, daß durch einen Einsatz der jüdischen Kräfte für Palästina eine Erleichterung der Judenfrage bewirkt wird, die nicht nur den Juden allein zugute kommt, sondern — wie schon Her/I es formulierte — allen Völkern und Ländern, in denen Juden wohnen. In der heutigen Zeit trägt der Kongreß eine noch größere Verantwortung als vor 30 Jahren. Die Judenfrage ist als Weltproblem anerkannt. Es handelt sich darum, alle Kräfte zu sammeln, die bewirken können, daß Palästina mehr Juden aufnimmt und daß diese auf dem Lande angesiedelt und mit dem Boden verwurzelt werden können. In diesem Sinne werden auch die Zionisten Deutschlands ihre Forderungen und Vorschläge an den Kongreß stellen, und sie sind sich bewußt, daß sie dabei als Vorkämpfer aller Juden in Deutschland handein, ob sie sich nun zum Zionismus bekennen oder nicht. Freilich muß es etwas bitter empfunden werden, wenn viele Juden, statt mitzuhelfen, sich auch heute nocli eigensinnig vom Zionismus distanzieren, der ihr Schicksal geworden ist. Um wieviel mehr könnten die Juden Deutschlands leisten und erreichen, wenn sie, in einer total veränderten Zeit, auch ihre Kräfte ohne inneres Ressentiment zusamnienfaßten! Immerhin muß gesagt werden, daß die Schekel- Aktion einen beträchtlichen Erfolg hatte und ein gewaltiges Anwachsen der bewußten Zionisten in Deutschland zeigt. Die zionistische Bewegung, die sich auch vor Konjunkturrittern hüten muß, wird bestrebt sein, die neuen Anhänger auch geistig zu erfassen. Aber darüber hinaus bleibt noch genug zu tun; denn kein Jude in Deutschland dürfte abseits stehen, wo der einzige konzentrierte Versuch, Juden in ein neues Leben zu führen, gemacht wird. Was gibt es denn für die deutschen Juden außer Palästina? ln der letzten Zeit ist der alte Versuch, neue Ziele für die jüdische Wanderung zu finden, wieder aufgenommen worden. Man hat in London einen Kongreß

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