Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau Palästinensische Pmsehan NR. 38 19. JULI 1935 Eine wichtige Chance Jugendalijah als zionistische Aufgabe Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 5. Juli 1935 Der Wert der Jugendalijah ln den letzten zwei Jahren sind Hunderte von Jugendliehen aus Deutschland nach Palästina gebracht worden, um in den verschiedenen Arbeitersiedlungen ihre Vorbereitung für ein Leben der Arbeit im Lande zu erhalten. Für die Durchführung dieses Werkes waren große Mitte! notwendig, umfassende organisatorische Vorbereitungen und eine Anzahl von Menschen, die sich dieser neuen und großen Aufgabe mit Verständnis und Liebe widmeten. Es ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Zionismus und Palästinas, daß es gelang, an diese Arbeit in beträchtlichem Umfange heranzugdien, und es ist insbesondere Miss Szold, die sich mit unermüdlicher Energie allen Einzclfragen gewidmet hat, zu danken, daß die Ueberfülirung in beachtlichem Umfange gelungen ist. Bei der Lage der jüdischen Jugend in Deutschland ist die Möglichkeit, in Palästina ihre Ausbildung zu erhalten und einen natürlichen Ucbergang in ein neues Lehen zu ge- Winnen, von unschätzbarer Bedeutung. Für das Land ist die Zuführung dieser jugendlichen Kräfte, die in einem bildungsfähigen Alter ins Land kommen und ihre Vorbereitung durch Lernen _ und Leben zugleich erhalten, ebenfalls ein großes Plus. Vielleicht stecken in dieser Form zionistischer Erziehung und fachlicher und menschlicher Vorbereitung besondere und bedeutsame Aussichten, die für unsere gesamte Arbeit fruclitbar gemacht werden können. Man hat den Gedanken der Jugendalijah aus der Notläge in Deutschland gefaßt, die ein Eingreifen erforderlich machte. So wie in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah die initiative ergriff, um die notwendigen Mittel für diese Aktion aufzubringen und die organisatorischen Formen für die neuartige Auswanderung zu schaffen, so haben die nationalen Siedlungen in Palästina sich mit großem Eifer der neuen Aufgabe gewidmet und ihre Wirtschäften für die Ausbildung, ihre menschlichen und pädagogischen Kräfte für die Leitung der neuen Kindergruppen zur Verfügung gestellt. Die Jugendlichen, die ins Land kamen, erhielten eine freiere Luft zum Atmen, eine Lebensaufgabe, einen Sinn für ihre Existenz. Und diese Tatsache allein würde genügen, um die große Anstrengung, die hier gemacht wurde, aufs schönste zu rechtfertigen. Fragen des Unterrichts Es ist selbstverständlich, daß bei einem so großen und wichtigen neuen Unternehmen sich zahlreiche bisher unbearbeitete Probleme heratisbilden, die sich erst nach und nach lösen lassen. Unterbringung, sanitäre Fürsorge, die organisatorischen Schwierigkeiten, Ueberwachung, Schaffung eines engen Zusammenhanges zwischen der Siedlung und den Kindern, der einheimischen Jugend des Landes und den Neulingen — das sind alles Fragen, die jeden Tag von neuem geformt und geklärt werden müssen. Man kann heute bereits feststelleu, daß für viele dieser Fragen eine Lösung gefunden ist oder sich zumindest anbahnt. Eines der schwersten Probleme ist die Frage des Unterrichts. Bei jugendlichen im Alter von 15—17 Jahren, wie sie in diesem Gruppen vorherrschend sind, ist ein entsprechender — nicht nur fachlicher — Unterricht unter allen Bedingungen und in allen Lände. 1 vo!1 entscheidender Wichtigkeit. Unter den bei uns herrschenden Verhältnissen erhält der Unterricht noch ein besonderes Gewicht. Wir haben es ja mit Kindern zu tun, die aus ihrer bisher gewohnten Umgebung entwurzelt werden, die wissensmäßig und instinktmäßig erst in einer neuen, der jüdisch-palästinensisehen, Atmosphäre Wurzel fassen müssen. Daß hier an erster Stelle die hebräische Sprache steht, deren Erlernung auch durch das umgebende hebräische Milieu erleichtert wird, braucht keiner besonderen Erklärung. Es leuchtet auch ein, daß die Erlernung der Sprache fürs erste sehr viele Energien beansprucht, und daß erst später eine wirkliche kulturelle ycrwurzelung versucht werden kann. Hier wird dann jedoch ein genau durchgedachfer, den besonderen Lebens- und Lernbedingungen dieser Jugend angepaßter Lehrplan erforderlich, der den geistiger! Anschluß nicht mir an das heutige Palästina, sondern auch an die Vergangenheit und die Kulturwerte des jüdischen Volkes sichert. Gelingt es nicht, einen solchen Lehrgang zu schaffen, so wird man eine innere Leere fürchten müssen, die leicht zu einem oberflächlichen, sich seiner Schwächen nicht bewußten Lcvantinimmis führen kann. Man muß sich immer vor Augen halten, daß diese Jugend in eine völlig neue Welt hineinvvächst, die sie verstehen, lieben und erkennen muß, wenn sie sich mit ihr identifizieren und sie später aucli befruchten soll. (Daß neben dieser ״allgemeinen‘‘ Bildung eine f a c 111 i c h e Hand in Hand gehen muß, braucht■ als selbstverständlich nicht erwähnt zu werden. In dieser Fachbildung gibt es jedoch hauptsächlich technische Probieme, während die Schaffung eines allgemeinen gründlichen Lehrplanes sich mit prinzipiellen Fragen auseitianderzusetzen hat.) Daß die Menschen, die heute die Jugendalijah tragen und sich für sie verantwortlich fühlen, sich dieses wichtigen Problems bewußt sind, zeigt die ausführliche Beratung, die ihm auf einer Zusammenkunft der Gruppenführer und Lehrer vor einiger Zeit gewidmet wurde. Man wird immer weiter an diesen Fragen zu arbeiten haben, von deren Lösung vielleicht noch nicht die ersten Jahrgänge, wohl aber ihre Nachfolger profitieren werden. Auch (Qr Juden anderer Länderl Wir sprechen hier von Jahrgängen, und in der Tat ist es heute schon klar geworden, daß es dringend notwendig wäre, die Jugendalijah zu einer dauernden Einrichtung zu gestalten. Zu einer dauernden Linriehtung für das gesamte Jude 11 tum. Der Gedanke, Jugendliche nach Palästina zu bringen, war eine Frucht der Nöte der Juden Deutschlands. In den Jahren jedoch, in denen dieser Gedanke verwirklicht wurde, zeigte sich bald, daß man es hier nicht mit einer Sache der Juden aus Deutschland zu tun hatte, sondern daß ARBEIT UND ERHOLUNG IN PALÄSTINA Der älteste, seit 15 Jahren im Dienste der Stadtverwaltung Im Weizmann-lnstitut bei Rechowoth Tel-Awiws stehende Jemenite und der jüngste Arbeiter der Ein jüdisches Mädchen aus Deutschland stellt sich um Tcl-Awiwer Straßenreinigung SüäiBKßin!; Der Tel-Awiwer Stadlsekretär Nedivi gibt seine Tages Unordnungen ins Diclaphon Massenjreiübungen der arbeitenden Jugend Fotoi: Z. Klug״, Tel-Awiw D^igsSe mm *Äk iiii 4•4,iS®**. 4