Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1934)
- Date
- 1934-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Elni.Uni.icn nur *r«rn Vor•״•- »ahluni atil Pna'arh.iVKonm Berlin 7IZUS oder In 11er Anrrlprn Ann.hme Monn* W» Freli.* 9—1* Uhr. Ann.hme.chlu« tur die Dlen.u« Au«««).« Moni•( 10 Uhr lilr Hl. Freit•*.Au•(■h. Mmworh 15 Uhr (Famlll׳n.n..l«en hl, Donner•!•• 10 Ultr) ■V ,, /"ך*־ E־־j C־ ' ' f י fl / ^־״־^r ■י k>Ji ibu• 1 I M R. ,111 n m V*' י"'*•, ן *"- ' i jr 1. 11! I ׳ tW-il״-'׳ -o ס. י ץ", .!1ע ן II mm■ MW| ee*«l 1»״״ .-־I ft« »T ■•yt Eine Kundgebung in Tel-Awiw Die ersten Zertifikate «rrrn fährt. hnrt 11533 Se 7t nQ0n 5n ז.)(ן palästinensische Lntidesausschiiß des Keren Hajcssod ..jpdjltcte am II. März eine Versammlung der Einwanderer 11)׳■utM'lilaihl i״ Tel-Awiw, an der I >r. Cliaini W ei z m a n n ishui. I>r. Wei/mann wurde hei seinein Eintritt in den über* w, Saal mit st 11r 111 isv!1 c 11 Ovationen empfnnj'cn. Dr. Felix; 1!fn hl n t 11, der die Veranstaltung leitete, begrüßte in .er rri)[f״nn;:srede l)r, Wei/mann, die Vertreter der Exc- .i׳״ mul Din germcislcr Di/engoff. Ilirraiif hielt Dr, Alex,imler (i oldst ein int Namen lies ,״],.׳ Hajcssod eine Ansprache, in der er die Verdienste ,.i/maims mit die Palästinaarbcit würdigte und auf die ifimlrmi Schwierigkeiten liinwies, die sielt bei der Einord- •; /ahlreichcr deutscher Juden in Palästina für diese er*;.kn. Dr. \Xe i 7 111 a 11 n ging zunächst auf die Anstrengungen ein, da I:11rnpa in der altbekannten jüdischen Art der Wohltätigkeit taclit worden sind. Mail hat Geld gesammelt, man bat Geld;■׳,eilt und schließlich hat sieh die Judenlicit auf gerafft zu it etwas gröberen Tat, und man hat den Völkerbund dazu;:rächt, ei״ Kommissariat cinzusetzen, das sich mit ״ Frage der Emigranten beschäftigen soll, ich hatte Ge-;״ihdt, führte Dr. Wei/mnnn aus, dieser Arbeit auftnerk* ח wiisrlien, mich an gewissen Teilen der Arbeit persön- ו m hdciligcii. Zuletzt nahm ich an 11er Konferenz, in .1:911 itr teil■ Auf dieser Konferenz waren, glaube ich, 17 oder ׳■ Rfcicrtmgen vertreten. Unter ilineir waren uiigefältr drei .׳ricl der l'.rde verteilt. Und sie haben ein großes Maß 1 Sympathie an den Tag gelegt. Ich glaube nicht, daß diese ׳mfathic mir reine Phrase war. Es war viel mehr als das. 1Vr als es zur praktischen Betätigung kam, er- 1!!n1 all die Regierungen durch den Mttml ihrer berufenen »curetcr: Es tut uns leid, cs gibt keinen Platz, « gibt keinen Platz in Kanada und cs gibt!!einen Platz in Südafrika und es gibt keinen Platz in Amerika und cs gibt keinen Platz auf dem großen siidamcrikanischcn Konfincnt und cs gibt keinen Platz in Australien, geschweige denn In den Ländern Europas, die überfüllt sind. '« 18 Vertreter der Regierungen der Welt konnten keinen Pt!; linden auch nur für einen Teil der emigrierten Xß Menschen. So ist die Welt heute gebaut. Das ist nicht, »if man vielleicht in unserer übertriebenen Empfindlichkeit :'ittben konnte, Antisemitismus oder jedenfalls nicht AntiwlMfflis allein, sie wissen, in einem Lande, das nicht weit :m hier liegt, wurde eine christliche Minorität schwer ge- •'׳•Ihn. Sie konnte sich mit der moslemischen Majorität nicht ’״tragen, und man nutlitc für diese Minorität eilten Platz I der Welt finden. Diese Minorität gehört zu einer der Den der Welt: Es sind die Assyrier Chaldäas. •X) von ihnen mußten umgesiedelt werden. Und man ging h die ganze Welt und man hat ihnen gegenüber Vcrpflich-;!'״ übernommen, Versprechungen gegeben, eine Balfour- -,Dratiori geschenkt, man hat ihnen nicht nur Minderheitsade versprochen, sondern mehr als das. Sic saßen nicht in; r'׳n. in i'aris und in New York, sondern sic waren auf ihrer ‘i llf, auf der sie seit Jahrtausenden sitzen. Sic wurden von '•!1crScholle durch rein physische Macht licrimtcrgcrisscn. Alle 1”Tfcchmigeii haben nichts genutzt und alle Appelle haben ' jds geh01 fön. Für diese 25 000 Menschen war cs schwer, Platz zum Lehen zu finden. Für «inen Teil, glaube ich, 1ict sich heute ein Platz in Peru und für einen Teil in üwila, Oh man Zionist ist oder Niclitzionist oder Antizionist •־- J 1י3י jeden Sinn verloren, über diese Terminologie hier in :tlA«iw zu sprechen. Was hilft es, wenn man Antizionist;י Tcl-Avvivv ist? hat sich nach einer jahrelangen Erfahrung, nach "ifkllclien ehrlichen Bemühungen seitens vieler Fakloren im Judentum hcrausgcstcllt, daß es nur e i n Land gibt, ein wundersames Land, das klein und mit aj'cn Gebrechen belastet ist und das allein fähig war, £htc große Zahl von Menschen definitiv zu absorbieren. D rlaiibe nicht zu übertreiben, wenn ich sage, daß das Vort״is der permanent absorbierten Einwanderer zwischen Pa- , 'na »ihI der ganzen anderen Welt ungefähr so ist wie 100:4, / ״• daß liier mindestens 25!t1fll mehr absorbiert worden sind l!-ln der ga״/.c״ übrigen Welt. Je mehr Menschen ein- . '™1'fi, dest!» mehr Platz gibt es scheinbar im Lande. Jeden- ■D ist es Tatsache, daß Palästina diese Aufnahmefähigkeiten ‘ Ct und dadurch hat es die jüdeuheit gezwungen, ihre Auf- '/'Dniikcit — manchmal gegen ihren eigenen Willen — 5™י laude zuzuwenden. . 1; '״! aber keine Illusionen entstellen zu lassen, will ich ״,™lifgcri, daß die Gefahr bestellt, daß sieh das Judentum 1״S('iu heutiges Schicksal gewöhnen wird. Das Juden- I״ M wie jedes andere Volk ein kurzes "י weniger als in einer Minute einen Begriff Ausmaß der Aufgabe, die vor uns steht, zu geben, sei 'rr?' ״!an eine regelmäßige Auswanderung von etwa ,7־ Menschen im Jahre erwarten darf. Und ich glaube, ■ Wenn die Dinge hierzulande nicht schlimmer werden, *le jetzd sind, etwa die Hälfte dieser Emigration von Pa-; n1 *1*!genommen werden kann. Was mit der anderen für die Pi Gedächtnis, über ^**■•*^ ךי«־׳«^ ןי* •״’״f|! •ן ך־״״׳׳־יי^ ץי^־״י״יו^ *kJlLlltLjEw’’ Die Palästina-Regierung hat der Exekutive der Jcwlsh Agency sueben 1.150 Arbcltcrclnwandcrungszertiffkntc zur Verfügung gestellt, die auf!Ile Einwanderung*• ijiiotc für das nächste Halbjahr nngcrcchnct werden. Die Höhe der nächst011 Ifallijahrselnwanderungsquote wurde noch nicht festgesetzt. Wie wir hören, dürfte ein kleinerer Teil dieser Zertlflkntc für Deutschland bestimmt sein. Die Zertifikate werden für landwirtschaftliche und für Bauarbeiter benutzt werden, um den In diesen Kategorien herrschenden Arbehcrmangcl zu vermindern. Die in Deutschland zur Verteilung gelangenden Zertifikate sollen daher an jüngere, gut ausgebildefc Landwirte und Bauhandwerker ausgegeben werden. Vor der Tagung des Aktionskomitees Jerusalem, 18. März. (J.T.A.) Am Sonntag, dem 25. März, 7.T0 Uhr abends, wird In dem Im Jerusalemer Stadtviertel Rcclinvia gelegenen neuen Amtsgcbäudc der Zlonistischen Exekutive die erste Palästinatagung des Aktion*- Komitees der Zionistischen Organisation eröffnet. Die Sonntaßssit/ung wird dem Andenken an den verstorbenen Vorsitzenden ifcs A.-C., Leo Motz k In, gewidmet sein. Die Ticscliältssitzungeii beginnen am 26. März. Die Tagcsordnung lautet: 1. Politische Lage (Berichte der Exekutive ln London und Jerusalem), 2. Arbeit der Exekutive In Palästina. 3. Innere Lage der Bewegung. Zu Punkt 3 wird nach dem Bericht der Exekutive Uber die Entwicklung der Organisation seit dem Prager Kongreß «in Antrag der Misrachi-i'raktlon bctrelfend Abberufung der Exekutive laut St 49b des Organlsatlonsstafuts behandelt werden. Diese Bestimmung lautet: ״Das Aktlnns-Comitce ist berechtigt, In einer Sitzung, in der mindestens drei Viertel der gewählten A.-C.-Mitglieder anwesend bzw. vertreten sind, mit einer Dreiviertelmehrheit der Anwesenden die Exekutive abzuhcrufcn und eine neue Exekutive an Ihrer Stelle zu Wählen, wobei der Exekutive das Recht de» Appells an einen außerordentlichen Kongreß zustcht.“ Punkt 4 der Tagesordnung betrifft die Behandlung ,eines Misrachi-Antrags bctrelfend religiöse Forderungen (Sabbat- Klausel in den Sudlcrvcrträgcn), Punkt 5 Berichte und Vorschlage betreffend Ausflührung von Kongreßbeschlüssen, Punkt 6 Frage des Jüdischen Weltkongresse», Punkt 7 formelle Angelegenheiten betreffend zionisflschc Sonderverbände, Punkt 8 Neuwahl eines Vorsitzenden des Aktlons-Comltees. Hälfte geschehen wird, ist nicht das Thema des heutigen Abends. Diese Frage gehört aber nicht nach Tel-Awiw, sondern nach Paris, London, New York tisw. Es ist bekannt, daß die jugendlichen Kräfte, seien es Kinder oder Erwachsene, die noch fällig sind, sich umzusteilen, kein großes Problem bieten. Ich glaube, daß unsere Siedlungen, wenn sie sich weiter konsolidieren, sowohl im Einck Jesreel wie in der Pflanztingszonc noch eine sehr weitgehende Absorptionsfähigkeit zeigen werden für die Menschen,• die imstande sind, denselben Weg zu gehen, den ihre Vorganger vor 10, 15 und •10 Jahren gegangen sind. Ich habe keinen Zweifel daran, daß die jüdische Jugend aus Deutschland, die jetzt durch die Hachscharah geht, sich diesen schweren Bedingungen wird anpassen können. Es gibt immer 10 — 15׳״« mul sogar 20°/« nicht kolonisierbarer Elemente bei jeder Immigration, nicht nur bei Juden, sondern muh bei Engländern, Italienern und Franzosen. Aber das Gros wird sich aiipassen. Die schwierigste Frage ist die Einreibung der Familien mit 1000 oder 500 Pfund Kapital. Das sind Männer und Frauen, die in einem Alter stehen, in dem die Anpassung schwierig ist. Ich glaube kaum,!laß es jemals eine kolonisatorische Aufgabe dieser Art gab. Sie stand «1m Teil vor den russischen Juden in Amerika. Aber in Amerika konnte der Immigrant sein Unterkommen, so spärlich es war, 10 Minuten, nachdem er aus Ellis Island entlassen wurde, finden, denn er kam in ein hoch differenziertes Land, das mitten in de!' blühendsten industriellen Entwicklung war. Und New York allein konnte I lunclerttausciide von Menschen absorbieren. in Palästina muß, bevor die Absorption vor sich geht, eine kolonisatorische und finanzielle Vorbereitung»- arbeit erfolgen. Nach Amerika konnte man Immigranten schicken und brauchte Geld nicht nach/uschieken. Hierher muß Geld und organisatorische Tätigkeit kommen, bevor ein Immigrant von diesem Typus ein Tätigkeitsfeld findet. Die Aufgabe, die vor uns stellt, ist, einen Typus der Siedlung für die Menschen zu finden, eine Kombination von städtischen Berufen und An- Siedlung auf dem Lande. Wir haben solche Experimente in kleinem Maßstab bei Haifa gemacht. Es ist ungeheuer schwer, bei Tel-Awiw dies zu tun. . , Etwas kann jedoch geschehen. 1000 oder 2000 Pfund sind vielleicht nicht genug, wenn der Mensch allein steht. Dagegen könnte man durch eine kooperative Tätigkeit, durch eine gutgeleitete Beleihung der industriellen und sonstigen Möglichkeiten, die di« Menschen mitbringen, Chancen für diese jWM«| 1 j i i Gruppe eröffnen. Man müßte die Millionen P f u n d e, d i e in Palästina Hegen, dadurch mobil machen, daß größere Kreditinstitute aut rationelle Weise denjenigen, die sich in Industrie, Hamid und Gewerbe betätigen wollen, mit billigen Krediten, Anweisungen und Anleitungen zur Hand gehen. Und in dieser Beziehung haben wir in London und, wie ich hoffe, in Amerika Ansätze geschaffen, die vielleicht dazu führen werden, daß dieses Geld mobilisiert wird. Trotzdem: Palästina und gerade die Einwanderung nu» Deutschland braucht eine größere Tat und Uber diese muß man heute nachdcnkcn. Es gibt noch im Lande im Norden und im Süden große Flächen, die eine jüdische Bearbeitung erwarten. Auf diesen Strecken gibt cs noch sehr viel Platz für Mittelstand und Chaluzim. Ich glaube, ein Teil der Bemühungen des High Commissioncr wird auf die Durcharbeitung und Durchführung dieser Projekte angewandt werden, und dadurch dürfte eine Möglichkeit geschaffen werden, mehrere Tausende von Familien verschiedener Kategorien, zum Teil mit ihrem eigenen Geld, zum Teil mit Unterstützung der öffentlichen Fonds, zum Teil mit Krediten an zu sie dein. So werden wir, denke ich, wenn wir nicht von schweren Schlägen überwältigt werden, imstande sein, 10 000 deutsche Juden jährlich in diesem Lande aulzunchmcn, Im Rahmen einer Gesamt-Immigration von ungefähr 45 000 Kttplcn pro Jahr. Ich habe in den letzten 2'! Jahren sehr wenig oder fast nichts über die innerzionistischen Angelegenbeiten gesprochen, und ich werde mich auch jetzt nicht dazu verleiten lassen. Eine der Eigenschaften, die ich besitze, ist, daß ich ein ziemlich empfindliches Nervensystem habe für das, was die U mvv clt über uns und unsere Leistung denkt. Ich glaube, sehr viel für das Gelingen dieser Leistung hängt davon ab, wie die Umwelt sie auf faßt und wie sie sie ansieht. Es ist nach meiner tiefsten Ucberzetigimg die allergrößte Gefahr, die dem Jischuw droht, und nicht nur dein Jisciiuw, sondern dem Judentum der ganzen Welt, daß unser innerer Kampf atiszuartcn scheint. Man wird das Judentum der Welt in der nächsten Zeit nicht nach dem beurteilen, was wir in London oder in Paris leisten, sondern was wir hier leisten. Wenn wir hier in Palästina der Welt die Erscheinung des innerjirdisciicn Kampfes zeigen, so wird inan uns mit Recht sagen: ״Ihr Juden habt die Welt angcklagt, daß man Euch keine Chance gegeben habe. Man bat Luc 11 eine gegeben, etwas ist geschehen und Ihr habt es mit Euren eigenen Händen zerstört.“ Man weiß alles und kennt alles bei uns. Man kennt die ganze Staatskunst. Man hat alles gesehen, alles gelernt und cs gibt nichts mehr zu erfahren. Aber bei dieser großen Klugheit hat man die einfache Weisheit vergessen, daß cs in jedem Volk Ucbcrlnicresscn gibt, die in der Zelt einer Krise das ganze Volk zu einer Einheit binden. Man kann viele Reden halten, wie gut es wäre, einen J«« denstaat zu haben, nicht einmal eine Gemeinde wird man aufbauen, wenn dieses elementare Gefühl des Zusammenhaltens in Zeiten einer schweren Krise nicht existiert. Wann aber war eine schwerere Krise des Judentums als jetzt? Man hat in der Welt dem jüdischen Intellekt den Kampf angesagt. Und heute, hier in diesem Lande, erheben sich Hände und Stimmen, die dies« unsere fundamentalen Eigenschaften zu zerstören drohen. Wenn wir das nicht abwehren, dann sind wir noch kein Volk und sind noch kein staatsbildendes Element. Unsere Zeitung erscheint üp dm ieidm MicUdm WocUm wefm deb feicUa^c hua ümncA in erweitertem Umfang Nr. 25/26 am MHfwodi. dem 28. März 1634 Anzeigenschluß am Monlafl, 26. März, 17 Uhr fOr Familienanzeigen am Dlemlag, 27. März, 10 Uhr Nr. 21/28 am Donnersfad• dem 5. April 1634 Anzeigenschluß am Dienstag, 3. April. 17 Uhr für Familienanzeigen am Mitlwodi, 4. April, tO Uhr JÜDISCHE RUNDSCHAU Schriftleitung und Anzeigen •׳ Verwaltung c - Wii