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Jüdische Rundschau · 1925-06-26 · Heft 50 (26.6.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 50 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I MW 2b Y \V v u i*w|IMJf*J I^jäi^ IsAlßa ^TTft^fP ,\J 1±U c^) JElnzcInammer OJO Goldmork X."1 t""" 1 <*~\ f™**"3 t—j i—3 t-j _j N^-r> tat gtd'akllon und Verlag W 15, MeSnckeilraßo 10. Eriche! ltdea Dienstag und Freitag. Bezugspreis b»il der Expedition „onatlicb 135 Goldmaxk. VUrUlUhrllch 5,25 Goldmark. •„iitdMbaMMMiU ward«« la dar Wthmoj der alnieln.il Uodar barachaal Nununor 50 Berlin, 26. VL 1925 Anzeigen-Verwaltung JüdlschoRuadschM» G.m.b.H., Berlin W15.Melntke.tr. 10 Telephon! Amt Bismarck 7165-70. Au.lj«npr«lii8c«iptIUNoop»r«ille««l1«0,<00,M,Sl«Uu£»»ucli«0,20C..M. AaiaitfaaicUoOi Dlaaalaf nnd Fr*U*( nashalttaf «Uhr. Tolephoni lHumnrk 7165-70. I'oauicheokkontoi Berlin Nr. 17392. l'flr Oeilarrakai Poil»p«tlian«n«ml Wie», Konto Nr. IM0M. FOrTachathoiWaVrh Pnitaparha.arniml Pra«, Konto Nr. M4ta Mir Polani l'fliiipatkantoamt W.rtchau. Konto Nr. IW7C4 RedaktlonaachluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. XXX. Jahrg. rro-in *tTDn 1 per Zionismus erstrebt für das IQdlach« Volk dlo Schaffung einer öffentlich. rechtlich floslcherlon HelmttU.ta In Palästina. „Basaler Programm." lerlerf Smiiel Immer deutlicher stellt es sich heraus, daß der Zusammenschluß der heterogensten Kreise zu einer oppo- (jikmcllcn Konfcrtnzgcmcinschaft nicht nur auf der fcniciiisamcn Qcgncrschaft gegen die Erweiterung der jwisli Agency beruht, sondern ebenso sehr auf einer Mißbilligung der von Dr. Wcizmann geführten Außenpolitik der zionistischen Bewegung, insbesondere in ihrem Verhältnis zur Mandatarmacht. Nachdem bereits die Vorgänge vor dem Völkerbundsrat Anlaß zur. Unzu>- fn'cdenhcit gaben, wird nunmehr vor allem .die ohne Winsen Dr. Wcizmanns und der Exekutive erfolgte Erunwillig Lord Plumcrs als ein Argument gegen Dr, Vciimann benutzt. Man behauptet, daß Dr. Wcizmann offenbar nicht mehr das Vertrauen der britischen Regierung genieße. Man sieht aber auch in den Erliiirungen des Kolonialministers Amery in Palästina trotz der in ihnen enthaltenen Anerkennung der jüdischen Leistung im Lande ein langsames Abbröckeln des Palästina-Mandats. Demgegenüber verlangt man eine „radikal-nationale Politik", ähnlich wie das schon auf dem letzten Kongreß von verschiedenen Seiten gefordert worden war. In diesem Sinne etwa macht Jabotinsky den Vorschlag, durch eine offizielle politische Erklärung des Kongresses zu betonen, wie unsere Aulfassung vom Mandat ist und welche Forderungen wir an die Mandatsmacht stellen. Die Mitglieder der Exekutive, sowohl l>r. Wcizmann wie Herr Sokolow, haben vor der Ocffcntlichkcit deutlich zum Ausdruck gebracht, daß sie in der Tat durch die Ernennung des neuen Oberkommissars überrascht worden sind. Sic haben betont, daß das Mandat nicht einmal die Institution des Oberkommissars als solchen erwähne, und daß es deshalb gewiß nicht von einem Rechte der Agency spreche, bei der Ernennung des Oberkommissars vorher gefragt zu werden. Diese Mgumeiifafion Ist sicherlich zutreffend. Es muß aber hinzugefügt werden, daß diejenigen, die heute die Politik Dr. Weizmannns angreifen, die Hauptschuld daran | tragen, daß «^überhaupt das Problem einer Nachfolgen; schaft für Herbert Samuel aufgetaucht ist. Während der fünfjährigen Vcrwaltungstätigkcit des ersten Ober* kommissars hat eine bestimmte Gruppe von Zionistcn seine Politik auf das schärfste angegriffen und mehr als einmal die Meinung vertreten, daß Herbert Samuels Rücktritt nur zu begrüßen wäre und daß ein Nichtjudc an seiner Stelle voraussichtlich die Balfoun-Erklärung weit ernsthafter in die Tat umsetzen werde als 'Samuel. Vergebens betonte die Exekutive und die ihre Politik unterstützenden Gruppen, daß Samuel vielleicht in der rrr.tcn Zeit seiner Tätigkeit Konzessionen gemacht habe, daß aber die großen Linien seiner Politik von jedem Rebilligt und anerkannt werden müßten, der wirklich ehrlich zu einem Verhältnis innerer Aussöhnung mit den Arabern kommen wolle. Tut nichts, der Jude wird verbrannt! Jedem, der die Verhältnisse in England auch nur oberflächlich kennt, war es klar, daß im Falle eines Rücktritts von Herbert Samuel es schwer, victleicht unmöglich sein würde, einen anderen Juden als seinen Nachfolger vorzuschlagen. Die Zahl derjenigen! englischen Juden — und nur ein solcher kam natürlich In Frage — die wie Herbert Samuel die politische Stellung und die politischen Erfahrungen hatten, die für die Stellung des Oberkommissars erforderlich sind, und die überdies sich mit der Politik der Balfour-Erklärung innerlich solidarisch fühlten, ist sc» gering, daß in den ganzen Kombinationen über Samuels Nachfolge kaum einmal ein jüdischer Kandidat erwähnt wurde. Somit mußten diejenigen, die Herbert Samuel angriffen, von vornherein mit der Ernennung eines Nichtjuden an seiner Stelle rechnen und sie haben Wcizmann in die Lage gebracht, in der es ihm am Wügstcn erschien, die PmvcmcHfragc ivusscWleßlicU durch die zuständigen britischen Behörden entscheiden zu lassen, nachdem er keinen Kandidaten erblickte, für den er sich so unbedingt hätte einsetzen können, wie das seinerzeit für Samuel geschah und geschehen konnte. Wir. stehen am Ende der fünfjährigen Verwaltungstätigkeit Samuels. In einer großen Rede vor Vertretern des Jischuw hat der scheidende Oberkommissar einen Rückblick auf sein- Werk geworfen und seinem festen Vertrauen für die Zukunft Ausdruck gegeben. Diese wichtige Rede wird freilich an Bedeutung noch wesentlich übertroffen durch den Bericht, den Herbert Samuel dem Colonlal Office erstattet und den dieses in Form eines Weißbuchs publiziert hat. Da uns das Original noch .nicht vorliegt, können wir uns nur auf den Text beschränken, den' die Jüdische Tclcgraphen-Agcntur verbreitet hat und den wir veröffentlicht haben. In beiden Kundgebungen hat Herbert Samuel die.doppclte Aufgabe einer britischen Verwaltung in Palästina betont; die Errichtung , einer nationalen Heimstätte für das jüdische ErMärom^en Balfours In dem Parlaments-Ausschuß für die Angelegenheiten des Vorderen Orients hielt Lord Balfour eine längere Rede, in der er auf die verschiedenen Gerüchte und Mißverständnisse hinwies, die durch die unklare Politik Englands in der Palästinafrngc hervorgerufen wurden. In jüdischen und zionistischen Kreisen sei in dieser Hinsicht große Beunruhigung zu verzeichnen. Lord Balfour verlangte von der Regierung die Veröffentlichung eines Memorandums, in dein die Stellung der Regierung zur Palästina Po 111 i k und zur Frage des Jüdlsehen Nationalhciins klar zum Ausdruck gebracht werde. Die Veröffentlichung dieses Memorandums werde alle Zweifel beseitigen und von dem aufrichtigen Wunsch Englands Zeugnis ablegen, die Balfour-Dcklaration zu verwirklichen und ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu schaffen. * Das Wolff-Büro verbreitet folgenden Bericht: Lord Balfour hat vor dem Parlamentsausschuß für Völkerbundsfragen einen Vortrag über das Palästina in andat gehalten. Er sagte, Palästina befinde sich trotz der jahrhundertelangen türkischen Herrschaff, trotz Verwüstung und Verarmung des Laiules heute in »ehr guter Lage. Die Finanzen seien geordnet und unter <lcr Bevölkerung bestehe chic Rcwir.sc Wohlhabenheit. Straßen würden gebaut, und man könne von der Mitlclmccrküstc bi* zum Jordan rinigcmnlc am Tag fahren. Irrt ganzen Lande seien Schulen gebaut worden, nicht nur jüdische, sondern auch arabische. Neue Industrien hätte man' gegründet und Landwirtschafts- sowie Forstschulen seien geschaffen worden.. Die jüngste Geschiente Palästinas widerlege vollkommen die Legende, dafl der Jude unfähig sei, erfolgreich Land zu bebauen. Niemals seit den Tagen der Römerhcrrbchaft habe In dem Linde eine aokhc Wohlfahrt wie heute bestanden. Es werde von einem System von Slrnfirii <Jurcli/o;>cii, wie r.» In dem nahen Oslen unerreicht dastehe. All dies sei das Werk zionistischer Enthusiasten, deren Geld und Fleiß diese wirtschaftlichen und Industriellen Triumphe davongetragen hätte. Es gäbe nirgends Iii der Welt eine Parallele für die Begeisterung und Opfcffreudlgkclt der Juden. Balfour wandte sich zum Schluß gegen die Auffassung, daß" der Zionismus die Araber bekämpfe. Er sei der Ansicht, daß die Juden und Araber sehr wohl miteinander in Frieden leben könnten. t Die Krise In Tel-Awlw beigelegt Jerusalem, 22. Juni, Die Kompromißvcrhandv. hingen, über deren Einleitung wir bereits berichtet haben, führten zur Zurückziehung der Demission DIzengoffs, nachdem alle Parteien des Stadtrats erklärt hatten, daß sie sein weiteres Verhlcibcn in der Stellung des Bürgermeisters wünschten. Die polnisch.-indischen VerliandlaufjCD Warschau. (J.T.A.) Die Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung und der parlamentarischen Vertretung der Juden sind heute, den 24. Juni zu einem günstigen Ahschlufl gelangt. Ueticr das Resultat der Verhandlungen wird bis zur Abfassung des Protokolls Stillschweigen bewahrt. Doch wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Die Regierung hat sich bereit erklärt: 1. Die Verordnung, wonach in den jüdischen Ocmcindcit die polnische Sprache als Ocschäftsspräche- und als Verhandlungssprache bei den Tagungen der Rats, milülii'dor zu gelten habe, wird aufgehoben. 2. Iis wird eine Verordnung betreffend die sclbritandlgcu Funktionen der jüdischen Gemeinden vorbereitet. 3. Die judischen l' r i v a t n c Im I c ii mit polnischer, jüdischer und hebräischer Unterrichtssprache erhalten Ocffcntllchkcitsrccht. 4. Die jüdischen Kauflcutc erhalten gleich den nichtjüdischen Staatskreditc. 5. In die polnische Staatsbank wcrdcnjüdischcVcrtrctcrals Aiilsichtsratsmltgliedcr aufgenommen. 6. Die Gültigkeit des vom Sejm angenommenen Qesctzes betreffend Revision der Handclskonzcssiancn für Monopolwaren wird für fünf Jahre hinausgescho. b c n. 7. Das Gchcimzirkular des früheren Unterrichtsministcrs an die Universitäten und Hochschulen betreffend die Ein. fuitrimi? <tCR praktischen Numerus clausus wird annulier». 8. Die entlassenen jüdischen S t a a t s b c. a m t e n werden wieder angestellt. 9. Der jüdisclw Par. laiuciilhkliih überreicht eine Liste zurückgesetzter jüdischer Ocrichtsaspiranten, die der justizministcr akzeptiert. 10. Beim Unterrichtsministerium wird ein Departement für jüdi. seit es Schulwesen geschaffen. Es war nicht möglich, heute festzustellen, ob diese Mitteilungen den Tatsachen voll entsprechen. Der polnische Außenminister Skrzynskl reist dieser Tage näch Amerika, um die polnischen Anlcihevcrhandlungcn fortzuführen. * W a r s c h a u. (J. T. A.) Nahuin Sokolow wird in diesen Tagen mit Mitgliedern der polnischen Regierung über Angelegenheiten de» Zionismus Rücksprache führen. Sokolow verschob diese Besprechung bis zur Beendigung der polnisch-jüdischen Verhandlungen, um nicht nach außen, den Anschein zu erwecken, daß er sich In die inneren An. gelcgenhelten einmische. De Monzle und Gide Ober dtu Aolbao Paris, 12. Juni. Am 11. Juni fand in der Sorbonne eine vom Kcrcn llajcssod und dem Kcrcn Kajcmeth einberufene Versammlung statt, der der Minister de Monzio präsidierte. Charles Gide sprach begeistert von Palästina und dem Zionismus und erklärte die aufbauende Jugend Palästinas für die » c h ö n s t c J u g c n d d c r ganzen Welt. Nach Ihm sprach Advokat Co rc os. AniSchlufl hobder präsidierende Minister de Mou/Ic hervor, er bringe dem Zionismus unveränderte Sympathien entgegen. Volk und die Sorge für das Wohl der nichtjüdischen' Bevölkerung. Mit Recht weist er darauf hin, daß es erst nach einigen Versuchen gelingen konnte, zwischen diesen Interessen den richtigen Mittelweg zu finden und daß es unvermeidlich war, überspannte Erwartungen der einen oder anderen Seite zu enttäuschen. Sein Bericht an die britische Regierung zeigt, welche Fortschritte die Errichtung des jüdischen Nalionnlheiins in diesen fünf Jahren gemacht hat und bei aller Vorsicht und Zurückhaltung, die Samuel in diesem hochpolitischen Schriftstück hat walten lassen, bringt er doch mit aller Deutlichkeit die Größe der Leistung und die Aussichten der weiteren kolonisatorischen Tätigkeit zum Ausdrude. Er bezeichnet. die Resultate der bisherigen jüdischen Anstrengungen im Lande als „beträchtlich" und sieht ihre „geistigen und moralischen Resultate" als „noch bedeutsamer" an. Wir nehmen diese Anerkennung aus dem Munde des höchsten Beamten der Mautlatarmncht mit Befriedigung zur Kenntnis, obwohl wir selbst empiinden, wie sehr wir noch am Anfange unserer Arbeit stehen. Von besonderer Tragweite aber sind diejenigen Ausführungen des Weißbuchs, die sich mit den arabischen und jüdischen Klagen über die bisherige Vcrwaltu ngspraxis beschäftigen. Die arabischen Klagen über Bevorzugung der Juden und über die Konzcntricrung aller Anstrengungen der Mandatsmacht auf die Errichtung der jüdischen Heim!- stalte werden den jüdischen Klagen entgegengestellt, die behaupten, daß im Gegensatz zu den Bestimmungen des Mandats die Regierung1 den Juden die Sorge für die Errichtung ihres nationalen Heims völlig allein überlassen haben. Es hätte überaus nahe gelegen, an dieser Stelle, noch dazu in einem so bedeutsamen Schriftstück, zu erklären, daß die Wahrheit in der Mitte liege, und daß eben beide Teile Kompromisse hätten machen müssen. Es ist deshalb von größter Bedeutung, daß Herbert Samuel, nachdem er so die beiderseitigen Bc< schwerden einander gegenübergestellt hat, mit dem Satze fortfährt: „Man muß zugeben, daß die Klage? der Juden mehr Berechtigung1 hat als die der Arabc r." Der Obcrkoinmissar führt dann ans, daß weder die Zuteilung von Staatsländcreicn au die Juden entsprechend dem Mandat erfolgt sei, daß die Juden ohne Rcgicrungssuhvcntion ihr SchuKvcik allein finanzieren müßten und überdies durch ihre Steuern auch für das arabische Schulwcrk beitrügen und daß die Zahl der Juden in Regierungsstellen nicht im Einklang stehe mit der großen Zahl fähiger jüdischer Bewerber. Außer der moralischen Unterstützung durch' die Balfour-Erklärung und der offiziellen Anerkennung! der hebräischen Sprache habe die Regierung den Juden nichts gegeben als die Garantie für Ruhe und Sicherheit im Lande. Das ist mit aller wünschenswerten Deutliche keit gesagt und bedeutet eben sowohl eine definitive Antwort Samuels an die Extremisten des arabischen Kongresses wie es eine Anerkennung der jüdischen Beschwerden enthält. Man kann diesen Passus des Weißbuchs noch durch die Stelle in Samuels Abschiedsrede ergänzen, in der er von den iiichtcrledigleii Angelegenheiten seiner Verwaltung spricht: der Legalisierung der Gemeindeordnung, der Vergrößerung der Subvention für das jüdische Schulwerk, der Veröffentlichung des Ocsctzcs über die palästinensische Staatsbürgerschaft und der Neuregelung der Wahlen in die Stadtverwaltung. Samuel hofft, daß diese Angelegenheiten unter dein neuen Regime bald zu einer Erledigung gelangen werden. Je unumwundener Samuel also zugibt, daß zahlreiche sich auf das Mandat stützende Fordeningen der Juden bisher nicht erfüllt worden sind, umso größer wird natürlich die Anerkennung der ohne Rcgicrungshilfc geleisteten jüdischen Arbeit. Mit Worten, aus denen der Stolz des Juden durch die Ausführungen des briti-

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