Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1925)
- Date
- 1925-06-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 435 auch keine Richtung dahin. Hier In diesem Punkte sondert sich» unser Weg und der Weg des liberalen Judentums. Und darum glauben wir, daß es bei aller Achntlchkelt ihrer Voraus- Setzungen mit den unseren und bei all dem Ernst ihres Hin« gens für sie kein „Morgen" gibt*). Eine Erinnerung an Moses Berman Oibt es wirklich so unendlich viel edle, reine, schwelgend, aber mit dem ganzen Feuer ihrer großen Seele sich dem zionistischen Werk In praktischer Arbeit hingebende Mcnsehen — gibt es wirklich so wenig schreibgewandte, die Entwicklung des modernen Ercz-Isracl kennende Zionistcn, daß es keinem lohnte, r.och einmal das kühne, schöne Dild des am 29. Marz 1923 verstorbenen Agronomen Moses Berman vor den geistigen Augen derer, die Ihn kann« ten — und mehr noch derer, die ihn nicht kannten — erstehen zu lassen? Letztere sind die wichtigeren! Wir, die Ihn kannten und liebten, werden ihn niemals vergessen; aber jenen, die ihn nie gesehen, denen muß man von ihm erzählen, damit, wenn sie Moses Berman nennen hören, sich dieser Name verbindet mit dem Bilde eines stolzen orientalischen Fürsten, der — ähnlich wie Theodor Herz! — allein schon durch den Zauber seiner Gestalt ergriff. Wie er in unermüdlicher Arbeit als Pionier und Agronom fn Klnereth und Athlit klmplte, litt und schließlich unterlag, wie er ohne Ruhmbegier und persönlichen Ehrgeiz, ohne jedes materielle Interesse setne Jugend, seine Kraft, sein Olück und seine Familie dem einen großen Ziele opferte, dies zu beschreiben wird sich vielleicht doch noch eine berufenere Feder finden. Ich aber will heute nur einer kleinen Episode — des Anfanges unserer Bekanntschaft und langen Freundschaft — mit kurzen Worten gedenken. Im Herbst 1909 kamen wir zum erstenmal nach Erez- JisroeL Nicht viele, die heute In jüdischen Städten und Kolonien wohnen, können noch denken, wie schwer, wie primitiv, wie unhygicnlsch damals unser leben war. Kein Trinkwasser vor allem — aber auch keine Butter — nur ranziges Ocl (das gute wurde'exportiert) und Eier speicherte man merkwürdigerweise in leeren Pctrolcuinblcchbüehscn auf, so daß sie für unsere Zungen ungenießbar wurden. Es gab zwar magere Hühner und zähes Ziegenfleisch, aber wie es zubereitet wurde, war unbeschreiblich. Wir lebten last nur von den herrlichen Orangen — und nicht zu vergessen, dem Wein aus Rischon und Sichron Jacob, köstlich wie Tokayer und edler Madeira. So saßen wir an einem merkwürdig heißem November, tag Im Wagen, und Meinem, unser Kutscher, sollte uns an den See Tlbcrlas fahren. Wir hatten ein großes Programm: die Stadt Tiberias, die heißen Bäder, die Ruinen von Kapernaum, die Gräber Ben Akibas und Rabbi Meirs — und erwartungsvoll fuhren wir durch das Emck. Jetzt der Stolz Judas, war es damals ödes und unbestelltes Land. Keine Kolonie weit und breit; nur arabische Dörfer und um sie herum Aeckcr und Baume. Wo heute die Autos entlang rasen, holperten wir, gewarnt vor räuberischen Ucberfällcn — über Stock und Stein, Karawanen kanten uns entgegen, und wilde Kamclherdcn stürmten an uns vorbei. Aul dem Wege lag manch verendetes Tier — Oelcr saßen auf ihnen. Endlich kamen wir müde und verschmachtet über die letzten Höhen. Da lag der See schimmernd und überraschend groß zu unseren Füßen! Wir näherten uns der Jordanmündung, Meinem kannte die Furt; wir fegten die Füße auf den Rücksitz, denn das Wasser füllte den Boden des Wagens, und kamen glücklich ins andere Ufer. Aber kaum waren wir auf dem Trockenen, da näherte sich uns eine herrliche Erscheinung, ein Bild aus 100t Nacht I Auf einem arabischen Grauschimmel saß ein schlank ge wachsener, tief gebräunter Mann, mit schwarzem Vollbart und glühend schwarzen, mächtigen Augen. Wir glaubten last — trotz des hellen Reitanzuges — einen Beduinenfürsten vor uns zu sehen, bis die Erscheinung an unseren Wagen hcranritt und sich in wohlgcsctztcm, kaum den Russen verratendem Deutsch als Agronom Berman vorstellte. Er war aus Haifa telegraphisch von unserem Kommen benachrichtigt worden, wollte unsere Bekanntschaft machen und uns seine Farm Klnereth zeigen. Er ritt neben unserem Wagen In lang simem Schritt. Wir sahen die schöne aufrcchlc Silhouette gegen den funkelnden See und die sanften blaOrotcn Berge, und wir empfanden mit EnI/fickcn die reine Harmonie dieses Menschen mit der Landschaft, entdeckten In ihm die edelste Verkörperung des aulblühcndcn, Willensstärken Zionismus — das Idealbild des Indischen Pioniers In der Wüste. Er führte uns auf die Farm, die dort In der Einsamkeit emporblühtc und, nachdem wir uns nach langer Zelt einmal wieder an Brot und Butter, an Milch und Eiern (die niemals eine Pctrolcumkistc gesehen) delektiert hatten, zeigte er uns mit gelassenem Stolz seine Pflanzungen, die Felder, Wirt »chaftsgebäude, das Vieh und vor allem die mit Opfern und Mühe eingeführten Maschinen. „Chawadja", d. h. gnädiger Herr — hörten wir ihn von den Arabern rufen. Chawadja Mussa war er auch bei den Beduinen, zu denen er öfters zum Pferdekauf ritt. Wie ein gleichgestellter Fürst wurde er von den Scheichs «mplaiigcn, einen Tag durfte er nur ihre Gastfreundschaft Rcnicflcn, wurde bewirtet und beschenkt, und erst am uicUttcn Tag begannen die Geschäfte. So wurde er auch für uns und unseren Freundeskreis der „Chawadja" und behielt diesen Namen die ganzen Jahre hindurch bis zu seinem allzu frühen, allru grausamen Tod. „Chawadja" Berman wird tiefbetrauert in unserem Oc dlehtnis treu fortleben. A. B. •) In dieser ganzen Betrachtung ist mit der Bezeichnung „liberales Judenrum" jene Ocistcshaltung gemeint, die es ablehnt, sich als zur jüdischen Nation zugehörig zu bekennen. . Natürlich kann ein Jude, der In der liberalen Synagoge betet, »uch Zlonlst sein. — „Der Morgen" erscheint als Zweimonatsschrift, herausgegeben von Professor Julius Ooldstcln im Philo.Verlag, Berlin, in stattlichen Heften von 132 Seiten. Aus dem Inhalt des ersten Heftes sei noch hervorgehoben der Aufsatz von I. Heinemann über den Begriff des liebermenschen in der jüdischen Religionsphilosonhlc und B. Jacobs Kommentar zur biblischen Schöpfungscrzählung. — Claude 0. Montcfiore: „The Old Testament and after1' erschien bei Macmillan, London. Der 600 Selten starke Band kostet gebürden 7'/, Shilling, — Israel Abrahams ,,Some permanent v»lues in Judalsm" erschienen in der Oxford Umvcrslty Press und kostet 3V| Shilling. Hingewiesen sei auch auf des gleichen Verfassers „Studics in Pharisaism and the Oespels", 2 Binde, Verlag der Cambridge Unlverslly, Preis. HStII-iupportlBOM Von Hugo Herrmann.*) Es ist ganz einerlei, In welcher Sprache mm das Ziel bezeichnet; man muß es nur fest Im Auge haben. Die meisten der für die Arbeit in Palästina verantwortlichen Männer würden es politisch formulieren: ein unabhängiges Gemeinwesen, frei von äußerer und innerer Unterdrückung, «uch frei von noch so wohlwollender Bevormundung, sozial gesund. Mein teurer Freund Hugo Bergmann faßt es ganz anders, wenn er aus dem engen Arbcilskämmcrlcin seiner Bibliothek heraus die Welt ansieht: er will eine auf die jahrtausendclango Tradition jüdischer Kultur und auf die ncubclcbtc hebräische Sprache gebaute, zu echter schöpferischer Leistung befähigte Gemeinschaft; für ihn Ist es der Geist, der sich den Körper baut. Im Leben Palästinas begegnet man heute häufiger und häufiger einer dritten Form der Zielsetzung; ich hörte von Einwanderern, alten Chaluzim in Daganiah, von akklimatisierten Kolonisten In Chcdcrah, von einem jungen Großkaufniaiin in Haifa, von Olikiu in Mlgdal, von Allen und Jungen: Politik, Kultur, das sind Ergebnisse, sekundäre l*rschciuuugcn; das Primäre ist .die Wirtschaft. Das muß das Ziel sein: eine wirtschaftlich selbständige, sich selbst durch ihre eigene Arbeit erhaltende, In der Urproduktion verwurzelte Wirtschaftsgemeinschaft. Sclf-supportlng — das Ist das Zauberwort, der Schlüssel zu verborgenen Schätzen, die blaue Blume, der alles nachstrebt. Ich hin nicht dazu da, um zu kritisieren, sondern um Eindrücke aufzuzeichnen; aber es scheint mir, als bedeute jede der drei Formulierungen letzten Endes dasselbe und als sei die Ilcrvorkchriing der wirtschaftlichen Aspekte ein bißchen Modesache. Dabei wird in Palästina d.is „Sclf-supnorllng" oft mißverstanden und so aufgefaßt, als bedeute es wirtschaftliche „Autarkie", Unabhängigkeit vom „Ausland", dem oft auch die nicht Jüdische Wirtschaft im Lande selbst zugerechnet wird. Nun ist „Autarkie" sicher kein Ideal und als Schlagwort nur unter der Nachwirkung des Krieges zu verstehen. Palästina wird nie von der Welt abgeschnitten sein, und wäre es denkbar, so wäre diese sehr entfernte Drohung' kein Anlaß, die ganze Wirtschaft danach einzurichten. Aber man kann schließlich die Tendenz zur Autarkie auch aus der allgemeinen, nationalen Einstellung der Menschen verstehen. Dazu kommt noch eins: es bednickt notwendigerweise die Siedler, daß ein großer Teil der wertvollsten Produkte jüdischer Landwirtschalt in Palästina von stark schwankenden Marktkonjunkturen abhängig ist. Das wurde mir am besten an einem heißen Nachmittag in Kincrcth klar. Der Führer der Iiier siedelnden, mein aus Litauern bestehenden Arbeitergruppc erläuterte mir die Absichten seiner Xhawcrim" und Ich war sehr erstaunt zu hören, daß sie l'llanzungcn auflassen und dafür mehr „Falcha" (Getreide) bauen wollten. Ich sah auf die Orangen- und Maudctpflanzungcn, den prachtvoll üppigen Banancnhairt und die frischen Gemüsebeete, die naen Angabc desselben Führers schon In diesem Jahre geradezu fabelhafte Erträge geliefert hatten, ich fühlte die tropische Hitze dieser Sccnlcdcrung, die wie ein natürliches Treibhaus wirkt jf.200 Meter unter dem Meeresspiegel), und verstand nicht, wie man anstelle hochwertiger Pfianzungs- Produkte Getreide bauen könne. Den Zion sagte: „Alle die Mandeln, Orangen, Bananen, Frühgemüse tragen sehr vir), wenn man sie verkaufen kann — aber es gibt Jahre, wo sie unverwertbar sind. Qctrclde dagegen muß man haben. Wir müssen mindestens soviel Getreide bauen, als wir selbst verbrauchen. Wir müssen unabhängig sein von der Not wendigkeit, Brot zu kaufen, für Geld, das wir vielleicht nicht haben." Es scheint mir, daß diese Anschauung nur (ür kurze Zeit Geltung hat. für solange nämlich, als der Markt in Palästina selbst kfcin und arm ist. Die geringe Einwanderung der letzten fahre und das langsame Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung hat die Menschen vorsichtig, furchtsam, vielleicht allzu vorsichtig und furchtsam gemacht. Allerdings ist es ein schweres Hemmnis aller unserer Siedlungen, daß ihre besten Produkte, Orangen, Wein, Tabak, so großen Preisschwankungen von Jahr zu Jahr unterliegen; es kann geschehen, daß man einige Jahre ganz vergeblich arbeitet, und wenn dann das gute Jahr kommt, das alle Verluste vergütet, Ist man vielleicht schon allzu tlqf Ins Defizit geraten . . . Hier kann nichts helfen als ein rasches Wachsen des inländischen Marktes, der In putrn Jahren nicht so rentabel Ist wie der Weltmarkt, In schlechten aber auch nicht so verschlossen. Wachsen des Inländischen Marktes aber heißt rasche, starke Einwanderung, Einwanderung auch bemittelter, wohlhabender Elemente. Dasselbe gilt für die Industrie, ja noch Kcliärfcr und krasser. Industrien, die für den Weltmarkt, für die Aus. fuhr arbeiten, haben auf lange hinaus sehr wenig Aussichten in Paliistina. Zur Aiisfulirindustric gehört der gut organisierte Absatzmarkt wie zur gut eingerichteten Fabrik das ebenso leistungsfähige kommerzielle Bureau. Und Absatzmärkte organisiert man nicht von heute auf morgen, sie sind das Werk von Generationen. Dagegen haben Industrien für den inländischen Abtat* Krolle Möglichkeiten, freilich wiederum nur, wenn sie von sehr tüchtigen Fachleuten mit wirklich ausreichenden Kapitalien begründet werden — iiiul In Palästina reicht dafür ein Kapital kaum aus, das in wirtschaftlich voll entwickelten lindern überreichlich wäre. Die Stunde mit Ben Zion unter dem Oclbaum von Kincrcth hat mich mehr gelehrt als das Studium dicker Bücher volkswirtschaftlicher rachgrößrn über die ökonomische Entwicklung Palästinas, Unser Heobnchtungsmaterlal ist so gering, die Zeit der neuen Ansicdlungsarbcit — seit 1020 — «so kurz, daß alle Theorien ins Leere fallen. Durch Irrtümer und Fehlschlage, durch viele Windungen und Krümmungen eines engen und steinigen Weges geht die Fahrt dieses kleinen, klapprigen Wägelchens, und der Stein, zehn Meter vor der Deichsel, ist dem Kutscher wichtiger als der Berg, den er fern am Horizont aufragen sieht. Zähigkeit, Uiivcrdrossenhcit sind die Tugenden, die hier vonnöten sind, Mut mich bei schwersten Bedingungen, Fähigkeit »Ich immer wieder anzupassen, Immer wieder umzustellen, unbeugsamer Wille zum Lernen. Und so wlid der Blick auf die armselige, In Sümpfen und über Kortlbcrgcii wachsende Wirtschaft des Jüdischen Palästina zum Quell der Bewunderung für die nie auszuschöpfende, nie voll zu würdigende, mit nichts fn der Welt vergleichbare Lebenskraft dieses jungen Ocschlcchtes von Ostludcn, das alle Hindernisse als Selbstverständlichkeiten hinnimmt und — sie überwindet. Das Dans der Blan-WelB .Werkslüüei Am 22. Mal 1025 hat in der Vorstadt von Tel-Awiw, „NordIah" die Grundsteinlegung des Vlnuies der Blau- Weiß-Werkstätten stattgefunden. Der fünf Dunam große Platz ist vom Kcrcn Kajcrnctli zur Verfügung gestellt worden. Nach dem von Architekt Kornberg in Jerusalem entworfenen Projekt werden die Baulichkeiten drei Straßenfronten in > Lange von insgesamt 180 m haben. (J.T.A.) Am 2. u. 3. August wird in Köln die Tagung der deutschen Agudah-Jugcndgruppen abgehalten werden. Anfang August werden in der Nähe WÜrzburgisämtliche Esra-Oruppcn Deutschlands ihre Landestagung abhalten. *) Vorabdruck aus dem eben erscheinenden Buche ..Eine werdende Welt, Rclscclndrückc aus Palästina", von Hugo Herrmann (mit freundlicher Genehmigung de» Verlages Dr. Josef Flescb, Prag). Die Zionistische Organisation nnd die Ausbildung Von Ernst Schlcln. r. , Ein großer Teil der jüdischen Jugend hat in Erkenntnis der unbedingten zionistischen Notwendigkeit sich beruflich auf Palästina eingestellt, die jüdischen Jugendorganisationen haben durch ihre Erziehung eine großzügige Berufsumschichhiiig durchgeführt, und somit das für Palästina notwendige Mcnschcnmatcrial geliefert. Die Erfüllung dieser drei Forderungen: Menschen, Oeld und Land haben die zionistische Arbeit, den Aulbau Palästinas, In ein zwar langsames und durch viele Krisen gestörtes Rollen gebracht und haben das Kolonisalionswcrk gefördert. Die mehrjährige Erfahrung In Palästina jedoch hat es bald gezeigt, daß neben der reinen palästinozentrischcn Einstellung auch eine durchaus fachlich differenzierte Ausbildung notwendig ist. Nicht gut ausgebildete Chaluzim sind für Palästina^ n u r eine erhebliche Belastung. Und darum rückte die berufliehe Ausbildung für Palästina auch in Deutschland In den Vordergrund des zionistischen Interesses. Und In dieser Richtung hin hat die Zionistische Organisation für Deutschland trotz Erkenntnis der unbedingten Notwendigkeit mir ganz wenig getan. Deutschland bietet, was die Ausbildung zur Oärtncrci und Landwirtschaft anbetrifft, glänzende Möglichkeiten, da beide im Vergleich zu vielen anderen Ländern auf einer sehr hohen Stufe stehen. Es sind Möglichkeiten vorhanden, um diese Dinge für eine wertvolle Chaluzausbitdung auszunutzen. Die Jugendorganisationen sowie auch nicht unmittelbar Organisierte haben sich im Hcchahrz zusammengcschlosscii und ck mit Einsatz atler ihrer Kräfte versucht, AusbiWungsmttgllchkcitcn zu srliaffcu. Jedoch schon im vorigen Jahre, als die Zahl derer, die aufs Land gingen, Immer größer wurde, haben sich fast alle Po-.itlnncn als unzulänglich erwiesen, und man hat versucht, irgendwie neue Lehrstellen zu schaffen oder bestehende zu vergrößern. Es ist bis jetzt nicht geglückt, den Zustrom der neu In Landwirtschaft und Oärtncrci Gehenden so unterzubringen, daß eine fachlich sachgemäße und den bescheidenen Bedürfnissen entsprechende Unterbringung überall gewährleistet wird. Die Zionistische Organisation für Deutschland.' die au» dem letzten Delegiertentage die Schaffung von Ausbildungsstättcn befürwortete und den Kauf eines Lehrgutes sogar in Betracht zog, hat bis jetzt noch nicht die geringsten Anstalten getroffen, um durch ihre materielle Hilfe zur Lösung dieses Problcmcs beizutragen. (Bemerken'möchte ich nur folgendes, es handelt sich nicht etwa um bedeutende Summen, die dafür hergegeben werden sollen; In zwei Fällen handelt es sich sogar mir um die Beschaffung eines Kredites.) "Man befindet sich augenblicklich In einer äußerst kritischen Situation. Zwei kleinere Lehrstellen sind bereits Im vergangenen Jahre aufgeflogen, eine dritte, wohl die wichtigste in Deutschland, droht ebenfalls, Ihre Tore zu schließen, wenn nicht in allernächster Zeit sich die Bedingungen ändern. Es liegt mir durchaus fern, irgendwie unbegründete Kritik au unserer Organisation üben zu wollen, es liegt aber im Interesse des deutschen Zionismus und im Interesse Erez Israels, auf diese Dinge hinzuweisen. Man darf es nicht vergessen, an diesen Orten verpuffen täglich wertvollste Energien unausgenützt, Menschen mit dem hingebungsvollsten fdcallsmtrs, lOOprozcntigc Zionistcn verschwenden nutzlos Ihre Kraft, um diese haltlosen Zustände ni überwinden. Es muß zu den dringendsten Aufgaben der Organisation gehören, alle Positionen auf dem Lande zu fördern und zu unterstützen. Es Ist unbedingt erforderlich, daß die Z. V. f. I). sich mit diesen Dingen ernsthaft befaßt und und sie In ihr wichtigstes Aktionsprogramm aufnimmt. Alle Aushitdungssatten, die Zuschüsse erhalten, müssen von einem Menschen kontrolliert werden, der allerdings nicht nur organisatorisch der Sache gewachsen ist, sondern auch fachlich beurteilen kann, ob alle Lernmöglichkeiten genügend in Betracht gezogen werden. Es genügt nicht, daß man sich mit der Vermlttlung von Lehrstellen allein begnügt, ohne sich weiterhin um dringende Bedürfnisse zu kümmern. Die Ausbildung von Chaluzim in Landwirtschaft, Oärtncrci und Handwerk gehört zu den wichtigsten Funktionen einer positiven zionivtlschcn Arbeit. Wird Ihr weiterhin nicht genügend Beachtimg geschenkt werden, so wird sich In nicht allzu langer Zeit ein Prozeß bemerkbar machen, der mir far;t heute schon nahe zu sein scheint. Der Oedanke des „Pioniers" wird an Boden verlieren. * Der Artikel von Emst Scfildn, den wir in seiner Tendenz absolut unterschreiben, verlangt einige Bemerkungen und Klarstellungen. Der Z.V.f.D. und dem von Ihr mit der Durchführung der ganzen Haclischarah beauftragten „Hcchalu/." ist die Wichtigkeit dieser Aufgabe selbstverständlich ganz bewußt, und es wird mit allen Kräften daran gearbeitet, um dieser Aufgabe gerecht zu weden. Es mag zum Teil daran liegen, daß der Verfasser des Artikels nicht über den Verlauf der Arbeit genügend orientiert l*t, sonst würde er in einigen Behauptungen etwa« vorsichtiger gewesen sein. Es entspricht z. B. nicht den Tatsachen, daß es nicht geglückt Ist, den Zustrom der neu in die Landwirtschaft und Gärtnerei gehenden Chaluzim unterzubringen. Der letzte Bericht des „Hechaluz" ergab, daß vom 1. April bis 15. Mal 1925 Insgesamt 300 Leute In Landwirtschaft und Handwerk untergebracht wurden. Es besteht zurzeit eher Angchot an landwirtschaftlichen Stellen als Nachfrage, Richtig ist nur, daß für bestimmte, ganz besonders spezialisierte Berufszweige oder aber für Bewerber unter besonders schwierigen individuellen Bedingungen die Unterbringung hin und wieder Schwierigkeiten macht. Nicht richtig ist es, daß die Z.V.f.D, und der „Hechaluz" keinerlei Anstalten getroffen haben, um bestimmten npczlcllen Bedürfnissen abzuhelfen. Auch die Bereitstellung von Krediten, über die der Verfasser spricht, erfolgte von teilen der zentralen Organisation, und In dem einen besonderen Falle, um den es sich wesentlich handelt, liegen die Schwierigkeiten des Projektes nicht bei der Z.V.f.D, und dem „Hechaluz". Nicht richtig Ist es auch, daß im vorigen Jahr zwei Lchrgüter „aufgeflogen" sind; sondern es erwies sich nach langer Ucbcrlcgung für richtig, zwei Lehrbetriebe, die nicht nur deshalb, weil sie Lehrbetriebe waren, sondern wegen ihrer landwirtschaftlichen Struktur immer wieder zur Unrenlabilltät verurteilt waren, so daß sie ZuschQisc kosteten, aufzugeben. Ucbrtgcns werden zurzeit alle Anstrengungen gemacht, um einen der Betriebe wieder der Hachsrharah nutzbar zu machen. , Prinzipiell sei festgestellt, daß bei der Z.V.f.'Di und dein Hechahu der ernsteste Wille besteht, alle Institutionen, die der landwirtschaftlichen und handwerklichen Hachseharah dienen können, soweit wie Irgend möglich zu sichern und auszubauen. Klar muß jedoch dabei bleiben, daß zur selben Zelt, wo das Budget der Zionistischen Weltorganisation nicht ausreicht, um alle palästinensischen Bedürfnisse zu decken, die Verwendung und Festlegung zionistischer Oelder Im Oahith, auch für die alterwichtigsten Zwecke — und auch unteres Erachtens gehört die Arbeit des „Hechaluz" zu den allerwichtigsten Zwecken — nur mit größter Vorsicht und stirkstem Verantwortungsgefühl erfolgen darf, i : 1 •■ i i 1 , « i" l ,'