Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9 r .)•> v.y <,rr v... TT / <>,/ -r/r" Einzelnummer 0,35 Goldmark (J^fP £:..:) Vs? r~i cn . j v; J ^iälon und VtrU|{ W 15, Melnekealraßo 10. Enchclnt L Dienstag und Freitag. Bttugipreli bei der Expedition "»„.lllch 1,85 Goldnurk, Vlorl.ll&hrllch 9,35 Goldmwk. ' „diibaootatsU «ftrdfa In <j«r WUiruof dir •lutlati Wod«r btltcbuL n*'"______ Namraor 48 I Borlln, 19.VL1925 Anzeigen -Verwaltung Jütllicho Runduchnu G.m.b.H., Berlin WlS, Melntkolr, 10 Telephon i Amt Dlimnrck 7165—70. Aa«»lt,opr«Iii«|«ipilLNonp«r«lll«««n«0,40G.-M.StcDHi««»cl«0^6O..M. AaidfntcMali Ditsittj u»<i Fr«lt*< ■ •tkaltUf 4Ukr. Telcphoni Blamark 7165- 70. PoiUchcckkontoi Berlin Nr. 17392. Hr 0«l«rfil«hi roiUnirhamntmt Wltn, Konto Nr. IMftW. j*ilrTtrn»rh«ili>w*li»li rn.(,1..rt....n>ml |W Knnlo Nr. »941»). I'flr l'oUni l'dil.pailiKKiiatiil W«ntl,iu, Knnlo Nr, 1V0M Rednktlon'iHcliluü SonnUfl und Mittwoch nachmltt«ß. Xlonlirnu« erstrebt für da» JUdlMhe Volk die Ithatrunp einer äffcntllth» rechtlich flailchcrUn Holmatmto In Palästina. „Daaclor Propramw." Walilvorbercltiiimii^eini zmm K©n$re iiers :dt Letzte Palästina-Telegramme Ermordung eines Gouverneurs (J, T. A.) Der bisherige Gouverneur des Süddistrikts Palästina, Abramson, der soeben als Nachfolger , Symcs zum Gouverneur des Norddistrikts ernannt fjen war, seine neue Stellung aber noch nicht angeln hatte, wurde in Hebron durch Rcvolvcrschüssc iiict. Das Motiv der Tat sowie die Person des sind nicht bekannt. Die Regierung legte der Hebron eine Kontribution von 5000 Pfund auf, den Fall, daß der Täter nicht binnen einem Monat (genommen sei. Abramson war Nichtjudc. Er war schon . einigen Jahren Gegenstand einer Anfrage Im Unteri«, wobei Ormsby Gore beiontc. daß Abramson „gl il ugcr Christ" sei. Herberl Samuels Abschied Bei der großen, in Jerusalem veranstalteten Ab« Hcdsfcicr für Samuel, über die wir noch genauer »richten werden, hielt der Oberkommissar eine Rede, der er betonte, daß die britische Palästinailitik unverändert bleibe, und daß für die rcnniing Plumcrs nicht seine militärischen andern seine ad ministr ati ven Qu alitäten ifltjcbcnd gewesen seien. Herbert Samuel hat Palästina bereits verlassen. Er rde am 17. Juni vom König Fuad von Aegypten •pSangen und schiffte sich am selben Tage nach .ropa ein, Konflikt In der Asselalh Banitvcbarlm Die 3. Session der Assefath Haniwcharim ationalversammlung der Juden Palästinas) wurde am. Juni in Jerusalem eröffnet. Thon referierte über. Tätigkeit des Waad Lcumi (Nationalrat), KI seh?r die politische Lage. Es folgte eine erregte Debatte tr die Rcchlsstcllung der Frauen, bei der von der hrheit insbesondere verlangt wurde, daß Erbschafts- ^.•Ugcnhcitcn den 'rabbinischen Ocrichtcii entzogen die Frau dem Manne erbrechtlich gleichgestellt -rde. Schließlich verließ die Minderheit ihodoxe Aschkcnasim einschließlich des Misrachi, Jetniten und Teile der Scphardim) die Versammlung und an demselben Abend zu einer gesonderten Sitzung «mmen, wo sie sich als „unabhängige Nationaler« ramlung" konstituierte. Die Argumente der Qpposiüon Wir betrachten nachstehend drei Artikel, in denen ihrer der sogenannten Konfcrcnzgemcinschaft radikaler 'fristen zu Problemen des bevorstehenden Zionistenmprusses vom Standpunkt ihrer Gruppe , aus Stellung :'mien. Es sind die folgenden Artikel: Robert r ick er, „Falsche Voraussetzungen. Zur Erweiterung " Jcwish Agcncv"; Dr. M. Soloweit sc hik „Va 3|iq»e, Grundsätzliches zur Agcncyfrage"; «wie die «ificrungen von Dr. Emil Marguli es in der „Selbstthr". Die beiden ersten Artikel behandeln das Ag;ncy- 'f-blcrn, und zwar Stricker in sefnen Voraussetzungen, Wcitschik in seinen Konsequenzen. Dr. Margulics ""nt zu verschiedenen Fraßen des Kong esses 'di'ung. , I. Der Auj.cinandcrseli.ung mit den beiden, die Agcncy ■«•mdclndcn Artikeln ist folgendes vorauszuschicken. Auffassung geht dahin, daß die Frage der Ermittlung der Jcwish Agcncy durch Vertreter anderer %tinalrcundlichcr Organisationen seit dem letzten Konres iudicata und ihre Wicderaufrollung unzu- '»'ig ist, es sei denn, daß erhebliche neue Tatsachen gebracht würden. Gegenstand, des Kongresses ist Schließlich die Frage, in welcher Form und unter Richen Bedingungen die Agcncy erweitert werden soll, gerade in einer demokratischen Bewegung, in der die fiteste Öffentlichkeit Probleme erörtert und zu ihnen ^Hung nimmt, muß einmal der Augenblick gekommen fii wo die höchste Instanz, der Bewegung eine Frage ^Khkämpft und r» einer Entscheidung bringt. Das jl au? dcm xill. Kongreß geschehen und es wäre ein Rechtes Zeichen für das Leben der Zionistischen Or-;ni«tion, um das doch gerade die Konfcrcnzgc nein ^1,3't kämpft, wenn heute eine kleine Qruppe es er- ^cn könnte, daß die res judicata .erneut zur Veredlung gelangt, ohne daß neue Vorgänge von eri& Die Wahlen zum XIV. Zionistenkonflreß Bckanntmacliunfl Da die Zionistische Exekutive nunmehr definitiv festgesetzt hat, daß die Schckclgeldcr aus Deutschland .spätestens am 18. Juli 1925 bei der Exekutive eintreffen müssen, hat die Hauplwahlkommission in ihrer Sitzung vom 17. Juni 1025 unter Abänderung der in Nr. 45 der „Jüdischen Rundschau" veröffentlichten „Bekanntmachung" und „Wahlordnung" folgende Bestimmungen getroffen: 1. In der Jüdischen Rundschau" vom 17. Juli 1025 wird die Anzahl der der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zustehenden Kongreßmandatc für den I. und 2. Wahlkreis bekanntgegeben. 2. Die Wahlen zum Kongreß finden am 2. und 3. August 1925 statt. Bei brieflicher Wahl (vgl. Wahlordnung 8 8 Abs. 2) dürfen die betreffenden Briefe nicht vor dem 2. August 1925 zur Post gegeben werden und müssen spätestens am 4. August 1025 bei der Hauptwahlkommlssion eintreffen. 3. W a hlvor schlä gc sind spätestens bis zum 22. Juli 1025 nachmittags 5 Uhr im Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einzureichen. Die Veröffentlichung der eingegangenen und für stiltlg erklärten Wahlvorschlägc erfolgt in der „Jüdischen Rundschau" vom 24. Juli 1925. 4. Die Verbindung von Wahlvorschlugen (Wahlordnung § 6) muß der Hr.untwahlkommlssiou bis zum 27. Juli 1925, nachmittags 5 Uhr, mitgeteilt werden. Entsprechende Bekanntmachung erfolgt ^c^ebcncnfill« In der „Jüdischen Rundschau" vom 23. Juli 1925. Zurückziehung eines Wahlvorsehlagcs, adc> »Trennung verbundener Listen muß der Hauptwahlkommlssion bis zum 30. Juli 1025, nachmittags ä Uhr, mitgeteilt werden. i!.,lspm:hrmle Bekanntmachung erfolgt gegebenenfalls in der „Jüdischen Rundschau" vom 31. Juli 1025. 5. Die Wahllokale und die Tageszeiten, in denen das Stimmrecht durch persönliche Ucbergabc der Stimmzettel (entsprechend den Bestimmungen der Wahlordnung) ausgeübt werden kann, sind durch die örtlichen Wahllcitungen entweder durch Veröffentlichungen in der „Jüdischen Rundschau" — und zwar spätestens in der Nummer vom 28. Juli 1025 ' — oder in ortsüblicher Weise, spätestens jedoch am 20. Juli 1025, den Wählern bekanntzugeben. Alle übrigen Bestimmungen (vgl. Nr. 45 und 46 der „Jüdischen Rundschau") bleiben unverändert. Berlin, den 18. Juni 1025. Die II auptwahlkom misslou der Zionistischen Vereinigung für Deutsch Iii nd. WK3U%iTfXXiS®3&$MlkMiXS&tMBV%Xfl%rffX%MWßMPi tmamm^sKtsBeumrmumaimummwm lieblicher Art dies rechtfertigen. Neues dieser Art haben wir aber bei Stricker und Solowcitschik nicht zu linden vermocht. II. . Strickers Gedankengang Ist in wenigen Worten zusammenzufassen. Nur wirtschaftliche Gesichtspunkte, die Befürchtung, daß der Aufbau, Palästinas nicht schnell genug vonstatten gehe, habe den Gedanken der Erweiterung der Agcncy entstehen lassen, Ucbcrschhtztmg wirtschaftlichen Positionen, Untcrschätzung nationaler Politik sei die Voraussetzung.des ganzen Planes. Wie falsch diese Einstellung sei, beweise das Beispiel der klcinasiatischcn Griechen, die' ihre zwei Jahrtausende innegehabten starken wirtschaftlichen Positionen nicht zu halten vermochten, als die Politik vcrsjgtc. Bei Inauguricrung der Agency-Politik sei die politische Lage der zionistischen Bewegung eine gute gewesen und mau habe geglaubt, Politik in Zukunft nicht mehr nötig zu haben. Inzwischen hätten wir zahlreiche politische Schlappen erlitten und eingesehen, daß nationale Politik mehr denn jc'vonnötcn sei'. Diese aber könne nicht die erweiterte Agcncy, sondern nur' die Zionistische Exe kutive leisten. /. : Strickers Behauptung, daß nur wirtschaftliche Mo mente den. Gedanken der Erweiterung der Ageucy hervorgerufen hätten, ist nicht richtig-. Gerade auch poli tische Momente haben eine wesentliche Rolle gespielt: Die Politik der Errichtung der nationalen Heimstätte kann in ganz anderer Weise gegenüber der Mandatar macht, dem Völkerbund, der', arobischen Bewegung und der ganzen öffentlichen Meinung vertreten werden, wenn nicht nur die Zionistische Organisation, sondern die weilen Kreise des jüdischen Volkes aktiv an dieser Politik beteiligt sind. Aber unterstellen wir einmal, daß, wie Stricker annimmt, nur wirtschaftliche Momente die ganze Frage aufgerollt haben. Dann erhebt sich also die Frage nach dem Verhältnis von wirtschaftlichen Positionen zur Politik, eine 1rrnt;c, die ja Stricker mit Hinblick auf das griechische Beispiel lösen zu küiiucn glaubt. Dieses Beispiel mutet nun freilich recht eigenartig an. Bedurfte es wirklich eines Beweises dafür, daß auch stiirkstc wirtschaftliche Positionen durch einen unglücklichen Krieg, gewissermaßen durch force majeure, erschüttert werden können? Glaubt Stricker, daß. eine nur von Zionisten gemachte Paliistina-Politik derartige Eventualitäten für immer ausschalten kann? Nebenbei bemerkt, weshalb lernt Stricker nicht aus dem Beispiel der Griechen, wohin chauvinistische und imperialistische Politik zu führen vermögen? Er sollte darüber seinem neuen politischen Freunde, Herrn Wladimir Jabotinski, ein Privatkollcg lesen! fn Wirklichkeit beweisen zahlreiche Beispiele, daß die beste Politik nur da wirkungsvoll Ist, wo sie sich auf reale wirtschaftliche Positionen zu stützen vermag. Wenn die Polen wieder zu ihrem Staate gelangt sind, wenn der Traum eines tschechischen Staates zur Verwirklichung kam, so wiiic das unmöglich gewesen ohne ein fest am' seinem Boden sitzenden Volk, dc«cn wirtschaftliche Präpoiidcran* sich schließlich als st.irkcr erwiesen hat als nationale Unterdrückung. Und es ist bekannt genug, daß die wenigen jüdischen Kolonien, die schon bei Kriegsausbruch in Palästina bestanden, einer der wesentlichen Faktnrcn waren, der den politischen Erfolg der zionistischen Bewegung ermöglichte. Das eben war doch di? Erkenntnis der zionistischen Politik bereits vor dein Kriege, daß jede wirtschaftliche Position in' Eiez-lsracl eine Stärkung unserer politischen Stellung bedeutet. Die stärkste zionistische Außenpolitik hat heute in Paliijtiua selbst.durch Einwanderun,;, Bodenkauf und Kolonisation zu geschehen. Dic-.e Arbeit zu starken und zu intensivieren, wird eine Aufgibe der erweitcrien Agcncy sein. III. Ui, Solowcitschik beschäftigt sich mit den organisatorischen Formen der erweiterten Jcwish Agcncy, versucht die Unmöglichkeit der ganzen Konstruklion nachzuweisen und darzutun, daß schon die ersten Versuche zur Erweiterung der Agcncy zum Aufhören jedes Lebens in der Zioiüit' :'.xu Organisation gciüiirt nahen, Das Beispiel, das er herausgreift, ist ein Einzelfall, der in keiner Weise beweiskräftig ist. Es mag merkwürdig anmuten, daß etwa in Polen auf einer Palästinakonferenz die Mehrzahl der Teilnehmer Zionisten nein werden und diese Zionisten nun gehalten sein sollen, Nlchtzlonisten als ihre Vertreter in die Agcncy zu entsenden. Ebenso mag eine spätere Rechenschaftslegung dieser Nichtzionisten vor einem zionistischen Forum /.u schwierigen Situationen führen. Aber will Solowcitschik im Ernst durch die Ausmalung solcher Situationen die Unmöglichkeit des ganzen Gebäudes beweisen, das wir errichten wollen? Es ist bei jeder neuen organisatorischen Form unvermeidlich, daß die Art ihres Funktionieren* nicht Iiis in alle Einzelheiten genau vorausgesagt werden kann, und daß diejenigen, die für ein neues organisatorisches Gebilde eintreten, ruhig und unbefangen zugehen, daß auch sie Schwierigkeiten sehen, aber keine unüberwindlichen. Denn falsch ist Soloweitschiks Grundcinstclluug, der es so darstellt, als ständen sich zwei feindliche Parteien gegenüber, Zionisten und Nichtzionistcu, als handele es sich in der Jcwish Agcncy um lauter Kampfabstinunungen über prinzipielle Fragen. Alles, was er in spitzfindiger Dialektik über das „Ncgativum", den Nichtzionistcu sagt, dessen einzige Eigenschaft seine Gegnerschaft zum Zionismus sei, erledigt sich durch eine bloße Acndcrung in der Terminologie. Es handelt sich um einen organisatorischen Zusammenschluß der Zionistischen Organisation mit jüdischen Gruppen, die durch sehr positive Merkmale gekennzeichnet sind- Anerkennung der 'Baifour-Erklänmg, materielle Mitwirkimg am Aufbau und .palästinafreundliche Gesinnung. Ohne Zweifel kann es in. der Jcwish Agcncy einmal Kampfabstimmungen geben, aber sie werden nicht die Regel sein. Wenn es aber zu einer solchen Entscheidung in einer prinzipiellen, umstrittenen Frage kommt, so wird steh eben zeigen, daß Dr. Soloweitschiks „Nichtzionisten" eine bloße Fiktion sind und daß von einer inneren Geschlossenheit der Vertreter nichtzionb'iv.'Vr Organisationen keine Rede sein kann.