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Jüdische Rundschau · 1925-06-16 · Heft 47 (16.6.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 47 (16.6.1925)
Date
1925-06-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr.« }ÜED!SCHE RUNDSCHÄU Seite 410 Schluß der Saison Von Dr. Moritz Blleskl, Haifa. It» reicher Fülle haben In den letzten Wochen führende englische Politiker Erklärungen zur Palästinatragc abgegeben. Feiern, Empfänge, Versammlungen, Bankette — Amcry, Ballour, Clayton, Ormsby Oorc, Samuel — der politische Chronist hat eine Menge archivwürdigen Materials einheimsen können. AI* Ergebnis ist festzustellen: England gibt den Juden für ihr Koloulsationswcrk fair chance, die Möglichkeit unbehinderter Entfaltung ihrer eigenen Kräfte. Aber eine aktive Unterstützung, auch soweit sie im Mandat vorgesehen war, wird nicht erfolgen. Im Mandat war nicht nur die politische Sicherung des Kolonisationswerkes, sondern in gewissem Umfange auch eine aktive wirtschaftliche Unterstützung durch die Regierung in Aussicht genommen. In <licscr Beziehung ist der jetzt proklamierte Kurs ungünstiger fur die Juden. Aber andererseits ist nicht zu übersehen, daß die neue Linie der englischen Politik zu einem erheblichen Teile aus einer für die Juden nicht unangenehmen Auffassung erklärt werden kann; nämlich aus der Ucbcr- /eugung, daß die Juden, wenn man sie nur arbeiten ließe, aus eigener Kraft ihre Aufgabe erfüllen und ihr Ziel erreichen würden. Das hat z. B. Clayton ausdrücklich ausgesprochen. Die Leistungen des Aufbauwerkes haben offenbar auf die englischen Politiker einen großen Eindruck gemacht. Den vorliegenden Erklärungen ist keineswegs zu entnehmen, daß Englands Wohlwollen (und auch sein eigenes Interesse) für die Errichtung der jüdischen Heimstätte schwächer geworden sei. Die Art der Ausführung dieses politischen Gedankens ist verändert, indem durch die bewußte und ausgesprochene Abkehr von einer Privilegien- Politik zugunsten der Juden eine für die Regierung bequemere Methode gewühlt worden ist. Aber der Wille zur Durchführung der Politik der Balfour-Dcklaration hat sich in den gehäuften Anerkennungen der zionistischen Leistungen und den zahlreichen Bestätigungen der früher festgelegten Politik in einem Zustande lebhafter Aktivität gezeigt. Dieses Ergebnis der politischen Saison mag, ohne Erregung pro und kontra, hingenommen werden. Aber es ist, etwas nebenbei, ein Punkt berührt worden, der einer Klarstellung bedarf. Zum erstenmal hat ein maßgebender englischer Politiker bei der Erörterung des Vcrliälliiisscs zwischen Juden und Arabern Zahlen miteinander verglichen. Amcry hat gegenüber den Besorgnissen der christlich-mohammedanischen Vereinigung darauf hingewiesen, daß die Verteilung der Bevölkerung in Palästina, auch wenn man die Vermehrung der verschiedenen Oruppen in Betracht ziehe, keinerlei Grundlage für die Annahme einer Majorisicrung der Araber durch die Juden enthalte. Bisher haben alte Erklärungen, durch welche die Rechte der Juden aus der Balfour-Dcklaration in einschränkendem Sinne interpretiert wurden — sowohl die mehrfachen Erklärungen Samuels wie Insbesondere das Churchill- Statement — über die Frage der künftigen Majorität im Lande geschwiegen. Auch Amerys Worte sollen nicht dahin Interpretiert werden, daß er in Zukunft etwa eine jüdische Majorität für ausgeschlossen oder unerwünscht halte. Aber Andererseits kommt In dieser Art der Argumentation gegenüber den Arabern zum mindesten nicht zum Ausdruck, daß Amery die zionistische Auffassung in dieser Frage kennt und anerkennt. Die Frage der künftigen Zahl der Juden In Palästina Ist von so entscheidender Bedeutung für den Sinn unseres Kolonisationswerkes, daß wir uns nicht einfach mit tinem diskreten Schwelgen begnügen sollten, wenn dieses Gebiet von autoritativer Seite in einer so wenig klaren Form behandelt wird. Wir wollen schon jetzt klarstellen, was wir ja doch einmal klarstellen müssen, wenn unser Werk einen Sinn haben soll: für die jüdische Heimstätte darf die Zahl der Juden nicht auf — sagen wir — eine Million limitiert werden. Wir müssen die Möglichkeit haben, mehr Juden hinüberzubringen — auch wenn wir dadurch die Majorität Im Lande werden. Die Rückkehr der Juden in ihre Heimstätte kann nicht, wenn sie wirklich eine Heimstätte sein soll, In einem schon jetzt einigermaßen deutlich zu sehendem Punkte gestoppt werden. Das ist eine einfache Ucbcr- 'c£ung, und wir brauchen gar nicht auf den theoretischen Tundamcntalsatz des Zionismus zurückgreifen, daß wir irgendwo in der Welt Majorität werden müssen, wenn die Judenfrage gelöst werden soll. Wir selten hier wieder einmal eine Art der Behandlung des jüdisch-arabischen Problems, die sich früher oder später als untauglich erweisen muß. Es geht nicht an, für Palästina das arabische Problem dem jüdischen gleichzusetzen und demgemäß beide Bcvölkcrungstcllc nach ganz analogen Lö- 'ungen zu behandeln. Zwischen den Juden und Palästina besteht eine Beziehung singulärcr Art. Sie müssen nach l'alSstina, wenn die Judcnfr.igc In einer befriedigenden Art (.'döst, wenn das jüdische Volk erhalten werden soll. Das Hecht auf Einwanderung ist eine Folge des Rechts auf Existenz. Für die Araber ist Palästina, vom Standpunkt des Rechtes »uf nationale Existenz aus, nicht In gleichem Maße wesentlich. Für sie ist Palästina keineswegs der nationale Standort In dem Memorandum der mohammedanisch-christlichen Vereinigung vom Jahre 1024 wird als Grundlage aller Forderungen und Beschwerden festgestellt, daß PaLütina ein zu Unrecht »hßcttcnntcT TcM Ntm Syrien sei. Auch diese Gruppe steht also in Palästina nicht das nationale Kernland und den einigen Zufluchtsort. Daß durch die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina nicht die Grundlage der Entwicklung der arabischen Nation gefährdet, ja, daß nicht clnjn.il die Möglichkeit voller Entfaltung aller ihrer Lcbcns- "jftc beschränkt wird, dürfte Jedem unbefangenen Kritiker Wir sein. Die Einzigartigkeit der jüdischen Beziehung zu Palästina ■"uß hervorgehoben werden, wenn der Zionismus in seiner »ollen Bedeutung politisch erfaßt werden soll. Die Methode, Anbern und Juden Geschenke gleicher Art zukommen zu lassen — Ihr Juden habt eine Agency, Ihr Araber 6ollt >uch eine bekommen; die Juden sollen in Palästina eine Nationale Heimstätte haben, die Araber auch — Ist zu primitiv •ur die Behandlung so gewichtiger Probleme. So wird man die Araber, denen ja naturgemäß auf Orund ihrer ganz anderen ptuation an der Oleichsetzung mit den Juden nichts gclcßen sein kann, nicht versöhnen. Vielleicht aber wird "Jan auf diese Welse den großen Sinn der Balfour-Dcklaration '«inihlich verderben. Wir wollen ihn sichern, und deswegen 'chon jetzt erklären, daß eine Heimstätte mit Numerus clausus "'cht gemeint ist preoaeaebau Nachdem der Ccntralvereln seine Paläsllnahclzo eine Zeit lang hinter den Kulissen geführt hatte, beginnt er in den letzten beiden Nummern seiner Zeitung sich wieder öffentlich hervorzuwagen. Freilich vermeldet er seiner Ocwohnheit gemäß dabei peinlichst, sich einmal grundsätzlich 7ii iiiiflcrn. Es lohnt sich deshalb für uiih, besonder* In der Zeit <icr Kongrcßvorbcreitung, nicht, in eine eingehende Auseinandersetzung einzutreten. Wir beschranken uns auf einige Bemerkungen: Herr Holländer zitiert einiges aus den Wörter», die Robert Wcltsch anläßlich der Wahl liindcnburgs schrieb. Er wies nämlich darauf hin, daß unser Dikl des jüdischen Helden ganz anders geartet sei, als das Bild des Helden, das dem deutschen Volke vorgeschwebt hat, als es Hlndcnburg wühlte. Natürlich, wie kann man jetzt pazifistisch sein? Das war doch 1918, nicht aber 1925 modern! Und wie geschickt der C.-V. sich herrschenden Zcitströmungci» anzupassen versteht, davon hat er u.a. Im November 1918 genügende Proben gegeben. Zwei Spalten wirmen die C.-V.-Blüttcr dem Nachweis, daß von einer palästinafrcundlichcn Opposition im C-V. keine Rede sein könne und daß die Austritlsbcwcgung wegen der antlzionlstischcn Parole bei der» Landcsvcrbandswahlcn geringfügig gewesen sei. Diese Bemühungen waren vergebliche Liebesmüh; widerlegt wird nichts, vor allem nicht über die Brcslaucr Vorgänge! Der Palästinngedanke wird sich schließlich als stärker erweisen, sogar als die Angst vor Naumann. Was soll die Drohung: „Wir wollen in diesem Zusammenhange die Frage lieber nicht berühren, wer den Judengegnern den Stoff liefert, schon weil für cino solche dokumentarische Beweisführung der Raum dieser Nummer nicht ausreichen würde." Schade, das Material hätte uns sehr interessiert I * Im Naumaiinschcit Organ „Der »ationaldculschc Jude" finden wir einen Aufruf gegen den „Paläslinarummcl" und die jüdische Schule, die als „Ghctloschulc" bezeichnet wird. Ferner veröffentlicht der Vorsitzende des Verbandes einen Artikel über die Vcrliältnissc im CcntraJvercin, wobei den Berliner Hauptvorslaiidsnillgliedcrn ihre „gut nationaldcutschc" Gesinnung bestätigt wird. Die Herten werden sich sicher über diese Anerkennung aus 60 berufenem Munde glücklich schätzen. Uebrlgcns brauchte Herr Dr. Naumann sich nicht so stark gegen die Anschauung zu wehren, daß sein Verband aus lauter „Udcljudcn" bestände; diesen Vorwurf hat wahrlich niemand gegen Naumann erhoben 1 * Der „Berliner Börsen-Courier" brachte an feilender Stelle einen Artikel von Dr. Fritz Löwenstcfn über aktuelle palästinensische Fragen. * In der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" veröffentlicht unser Gesinnungsgenosse, Dr. med. Leo Olitzki, Jerusalem, einen Aufsatz über die Gesundlicitsverhältnissc in Palästina. * Wien. (J.T.A.) Das Präsidium des zionistischen Landes* komitee beschwerte sich beim Bundeskanzler Ramek über die Hctzartikcl des Hakenkreuzorgans „Arbeiterpresse" gegen den Zionistcnkongreß. Dr. Ramek erklärte, die Drohungen dieses in Oesterreich 6chr wenig gelesenen Blattes seien nicht ernst zu nehmen. Die Regierung übernehme die vollste Garantie für den Kongreß und dessen Teilnehmer und werde die Fcrnhaltung der Hetzer vorn Kongreß in geeigneter weise veranlassen. Der Bundeskanzler bat, die jüdische Öffentlichkeit im Ausland zu versichern, daß die Regierung eine internationale Zusammenkunft von der Art des Zionistcnkongresses zu schützen wissen wird. * Zur selben Frage meldet das „Berliner Tageblatt": „Der XIV. Kongreß der Zionistischen Weltorganisation soll in Wien am 18. August stattfinden. Er besteht au« gcwählten Delegierten, von denen je einer auf 2000 Mitglieder kommt. Der Kongreß wird 4000 bis 5000 Abgeordnete aus allen Ländern umfassen, von den zahlreichen Oästcn abgesehen. Ein offiziell Beauftragter der englischen Regierung wird an den Verhandlungen teilnehmen. Indessen beabsichtigen, wie verlautet, die Hakcnkrcuzlcr beim Bundeskanzler Linspruch gegen den Kongreß zu erheben. So haben die Nationalsozialisten ihren Parteitag auf den 15. und 16. August angesetzt und am IS. August soll dann ein deutscher Tag sämtliche völkischen Organisationen vereinigen. Die Absicht Ist deutlich." * Ucbcr die Konfcrcn/gemcinscliaft angeblich radikaler Zionistcn schreibt das „Jüdische Wochenblatt", Frankfurt a. M.: „Gemeinsam Ist all diesen — höchst verschiedenartigen — Gruppen nichts als die Opposition gegen die Jewish Agency. Deshalb darf diese Nachricht mich das nlchl/ionlutischc Juden tum interessieren; es wird für seine Entscheidung von un mittelbarem Belang sein, ob es dieser bunt zusammcngcwürfel ten Gruppe wirklich gelingt, die Politik des gesunden Menschenverstandes, die allein zum Aufbau Palästinas führen kann, die Politik des Bündnisses aller positiv gerichteten luden noch im letzten Augenblick zu durchkreuzen. Wir hoffen es nicht, können uns aber doch eine weitere Bemerkung nicht versagen: Es kann nicht gut um eine Sache ntchcn, die den radikalen Pazifisten Klat/.kin veranlaßt, steh mit dem radikalen Militaristen Jabotlnskl zu verbinden. Die Analogie aus dem deutschen politischen Lehen: die taktische Vereinigung der Deutsch-Nationalen mit den Kommunisten, Ist sofort deutlich. Im jüdisch-parlamentarischen Leben, das nu und für sich schon so unnormal Ist. dürften solche unvernünftigen Gruppierungen von besonder« kurzer Dauer und besonders geringer Wirkung sein." rrrsr Eiue sehr große Zahl von Berliner Zionliten bat den Schekel für die Jahre 5684 und 5685 noch nicht bezahlt Der Schottel tat in dorn Mitgliedsbeitrag dor B.Z.V. nicht einbegriffen! Der Schekel wird durch persönliche Besuche und Nachnahmen eingezogen. Wir erwarten von allen, bei denen die Einziehung noch nicht erfolgt ist, daß sie unverzüglich ihrer Pflicht genügen, da der Abrechnung» Termin unmittelbar-vor der Tür steht. Berliner Zionistisuje Vereinigung Auf der Tagung des liberalen Rabbinerverbandes in Cöln wurde ein Referat von Rabb. Dr. Scligmann über das in Vorbereitung befindliche liberale Einheitsgebetbuch ihcbriilsch und deutsch) erstattet. Aus den Thesen zitieren wir die folgende, die von allgemeinerem Interesse Ist: „Die von Geiger aufgestellten Grundsätze werden für den licbralsclfcu Text unter Berücksichtigung der seit ihrer Aufstellung veränderten Einstellung und Beurteilung der deutschen liberalen Juden akzeptiert. Bei These 3 Ist Im wesentlichen Bezug genommen auf die seit Geiger eingetretene Wandlung in der Einstellung zum Rationalismus und in der tatsächlichen Stellung Palästinas." * Wir haben es für überflüssig gehalten, unsere Leser über die Angelegenheit des Prof. Lessing in Hannover zu informieren, da die gesamte Tagcsprcssc alle Details dieser Affäre veröffentlichte. Wie wenig jedenfalls die an und für sich schon reichlich Icdcnlahmc Intervention des Ministers gefruchtet hat, beweist nachstehender, dem „Berliner Tageblatt" entnommener Bericht Lcssings: „Vor meiner Vorlesung am 8. Juni, der ersten nach den Pfingstfericn, waren In der Hochschute an einem, dem „Kampfousscliuß" zu diesem Zweck zugestandenen schwarzen Brett Anschläge (unterzeichnet Pochlmann und Dcttmar) angebracht, welche die Studenten zu einer Kundgebung gegen meine Vorlesungen aufforderten. Sic waren vom Rektor, Professor Dr.-Ing. Ilmst Vcttcrlcln, zugelassen. Bei meinem Eintritt in die Hochschule am 8. Juni nachmittags fand ich Haupttreppe, Uchthof und Oängc dicht besetzt von mehreren hundert Studenten, die bei meinem Eintritt ein Ociohle begannen. Der Rektor blieb unsichtbar. Dagegen stellte sich mir ein Student Dcttmar vor als „zu Ihrem Lcibsdiutz beauftragt". Er bezeichnete sich als „Mitglied des Kampfausschusscs". Obwohl ich die Anerkennung eines „Kampfaussrhusses" wie die aufgedrungene Begleitung ablehnte, folglc er mir auf Schritt und Tritt. Wo'immer ich mich hinwandte, unidrängten mich Oruppen von Studenten und führten Hohnreden.; Ich wurde sodann (dies war die Art, wie man mich schützte) in den Hörsaal 152 eingeschlossen. Der Hörsaal hat zwei Zugänge. Der angeblich zu mefner Bewachung autorisierte Student drängte sich mit durch die sonst nur für die Dozenten übliche Tür. Er begründete dies so: „Ich habe nachträglich belegt, um im Namen des Kampfausschusses Ihre Vorlesungen zu überwachen; dies können Sie ja nicht hindern." Im Saal begann er sogleich zu scharren, um sein Mißfallen zu bezeigen. Infolge des Terrors waren außer diesem nur zwei Hörer erschienen. Dagegen wurden die verschlossenen Türen von vielen Störuiigswilllgen belagert. . . . In Ocgenwnrt der beiden Zeugen wurde von mir festgestellt: 1. daß der zum „Kampfausschuß" gehörende, zu meinem Leibschutz wie zur Ucbcrwachung meiner Vorlesung über Erkenntnistheorie autorisierte Student Dcttmar weder je bei mir gehört hatte, noch auch mich bis dahin kannt.' sondern mich mit einer anderen Person verwechselte. 2. Auf die Bemerkung, daß doch die Hochschule selbst und nicht der „KampfausschuO", den ich nicht anerkenne, den Schutz eines Lehrers zu übernehmen habe, gab Dcttmar (dessen Vater Professor der Hochschule ist) folgende Antwort: „Es gibt an unserer Hochschule keinen, der Sic beschützen würde. Darum hat der gegen Sic arbeitende Kampfausschuß es übernommen, Sic vor körperlicher Mißhandlung zu bewahren." Während der Vorlesung wurde fortdauernd der Versuch gemacht, die verschlossene Türe einzubrechen. SchllcMich wurden die Olasscheibcn eingeschlagen. In dem Türrahmen erschienen gröhlendc Gesichter, die offenbar auf dem Rücken" Drauflcnstchcndcr hochgehoben wurden. Die Olassplitter flogen bis auf das Katheder und um meinen Kopf. Ich mußte nun den Vortrag abbrechen. Erst als ich einen auf das Gelärm der Draußcnstchcnden durch die hintere Türe herbeieilenden Saaldicncr zum Rektor schicken konnte, erschien der Rektor, der bis dahin die ganzen Vorgänge Ignoriert hatte. Ich hatte den Eindruck, daß Ich an Leib und Lehen bei der Ausübung meiner pflichlinüßlgon Arbeit bedroht bin.' Es wäre meiner Ucbcrzcugung nach ein leichtes gewesen,' die Studentenschaft zu beruhigen, wenn man z. Ii. mich mit zu der Stiidcntrnvcrsainmhing geladen hätte und mir nihig Gehör verschafft hätte. Es fienügte vielleicht schon die klare, bestimmte Mitteilung, «laß die Hochschule unbedingt gewillt sei, mein Recht zu schützen und daß das Ministerium den Schutz meiner Lclirfreiheit nach Artikel 118 der Reichs- Verfassung verfügt habe." * „Die Hcrmaiissöhnc" (Hamburg) haben vor zwei Monaten ein Pamphlet dümmsten Judennasses in hundertlausenden Exemplaren In Deutschland verbreitet. Die Verbreiter versenden jetzt ein Rundschreiben, dem wir Nachstehendes entnehmen: „Unsere ihnen vor zwei Monaten zugesandte .Hermanns- Botschaft' brachte im Artikel 1 die an sämtliche Staats- Anwaltschaften Deutschlands gerichtete Anklage geccii die ca. 2500 Im Deutschen Reich amtierenden jüdischen Rabbiner wegen mutmaßlichen Mißbrauchs ihres Lehramtes Im Staatsverräterischen und unsittlichen Sinne, und zwar auf Orund der Ihnen als Unterlage dienenden jüdischen Lehrbücher. Die bis jetzt von den verschiedenen Staatsanwaltschaften eingelaufenen Antworten lassen erkennen, daß es sich um keine ganz einfache Entscheidung für sie handelt, so daß die meisten die Sache dem Reichs an walt zu übersenden für nötig erachteten." ' Sollte es tatsächlich wahr sein, daß Staatsanwälte die „Ostcr-Botschaft" als Grundlage für eine Amtshandlung gegen die Juden und nicht gegen die Verbreiter solcher vertwectwriscwMi HeUwlttlUcvs gemacht lubc«, *o v.örde da* ein bezeichnendes Licht auf ■ manche Staatsanwälte werfen. Enplino bei HlndcBburg Berlin. (J.T.A.) Der Reichspräsident v. Hindcnburg empfing am 12. Juni die Vertreter der drei großen Religionsgemeinschaften in Deutschland zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche anläßlich seines Amtsantritts. Als Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ocmelnden, zugleich im Namen der gesamten deutschen Judcnhcit, begrüßte der Präsident der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kammergerichtsrat Dr. Leo Wolff, den Reichspräsidenten. Hlndcnburg dankte den Vertretern der Religionsgemeinschaften für die Glückwünsche und sagte u.a.: „fch gebe Ihnen bei dieser Gelegenheit erneut die Versicherung, daß kh in meinem hohen Amte mit gleicher Gewissenhaftigkeit alle Bekenntnisse und Wclta nschaungen achten und stets den Oclst innerer Volksgemeinschaft schützen werde. _ Hltachduth-Konferenz In Wien. Mitte August findet in Wien die fünfte Konferenz der allweltlichen zionistischen 1 Arbvitspartei „Hitacbduth" statt.

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